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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turnkreis bis turnschuh (Bd. 22, Sp. 1896 bis 1899)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turnkreis, m., turnerischer verband: eine versammlung der gauturnwarte des 2. turnkreises fand ... statt Liegnitzer stadtbl. (1897) 304; der 15. turnkreis ... zählt derzeit 546 vereine mit 61322 vereinsangehörigen tägl. rundschau (1901) 241.
 
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turnkunst, f. 1) die im wesentlichen von Fr. L. Jahn geschaffene und in seinem hauptwerk (die deutsche turnkunst zur einrichtung der turnplätze, dargestellt von Friedrich Ludwig Jahn und Ernst Eiselen [Berlin 1816]) umfassend begründete form der leibesübungen. die bezeichnung turnkunst fandälteres gymnastik zurückdrängendschon früh weite verbreitung, s. auch die belege bei Zeidler d. dt. turnspr. bis 1819 (1942) 113; fachsprachlich: Bornemann lehrbuch der von Friedrich Ludwig Jahn unter dem namen turnkunst wieder erweckten gymnastik, Berlin 1814; Clias anfangsgründe der gymnastik oder turnkunst, Bern 1830; Kloss die weibliche turnkunst. ein bildungsmittel zur förderung der gesundheit, kraft und anmut des weibl. geschlechtes, Lpz. 1889; Walter Hulek jahrbuch der turnkunst (1951); wie literarisch: um die turnkunst zu erlernen Arnim s. w. (1853) 10, 285 f.; und so wünschen wir denn, dasz die edle turnkunst bleibe und bestehe E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 3, 263; schon 1810 haben die anfänge der turnkunst sich gezeigt Immermann w. 18, 201 Hempel. gelegentlich metaphorisch gebraucht: da musz man denn alle turnkünste mitmachen (sich mit turnerischem geschick jeweils den gegebenen umständen anpassen) (20. 1. 1820) v. Görres ges. schr. 7 (1858) 134; wenn es auf gedankliche turnkunst und ausbildung des denkermenschen in mir ankommt, hat Jean Paul gewisz recht Fontane ges. w. (1920) II 5, 323. 2) 'kunst gefechtsmäsziger bewegung' zu 2turnen: es gehört freilich dazu (zum zweckmäszigen zusammenspiel zweier waffengattungen im gefecht) eine ausgezeichnete ringfertigkeit beider parten: eine vollendete turnkunst, auf die wir noch warten, denn die des sogenannten mittelalters hatte fast nur den reiter, unsre heutige fast eben so ausschlieszlich nur den fuszkämpfer im auge Fouqué gefühle, bilder u. ansichten (1819) 1, 211. —
 
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turnkür, f., s. u. DWB turnschule (1).

[Bd. 22, Sp. 1897]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turnlehrer, m., erteiler des turnunterrichts, s. auch die belege bei Zeidler d. dt. turnspr. bis 1819 (1942) 114 u. vgl. sinnverwandtes sportlehrer, turnmeister, turnwart und vorturner: die turnschüler müssen den turnlehrer als mann von gleichmäsziger bildung und volkstümlichkeit achten können ..., ein turnlehrer musz ... als der ältere freund, ordner, schiedsrichter, ratgeber und warner unter den turnern walten Fr. L. Jahn d. dt. turnkunst (1816) in: w. 2, 1, 114f. Euler; aber unsere deutschen turnlehrer, erwiderte ich, wissen mit pfeil und bogen nicht umzugehen (1825) Göthe gespr. 23, 195 Biedermann; am mittwoch wurden unter leitung eines hiesigen turnlehrers von ein-und-vierzig gesellen der bäcker- und schäfflermeister einige gymnastische spiele ausgeführt Hebbel s. w. I 9, 368 Werner; und 1826 setzte er (Maszmann) sich in München fest, wo er turnlehrer am cadettencorps wurde W. Scherer kl. schr. (1893) 1, 85; dasz für höhere unterrichtsanstalten und für schullehrer-seminare, an welchen zur zeit befähigte turnlehrer fehlen, für den nächsten kursus geeignete lehrer vorgeschlagen werden ministerialerlasz vom 25. 4. 1887 in: monatsschr. f. d. turnwesen 6 (1887) 148 Euler; für ... turnlehrer ... trat an stelle der ... konzessionspflicht die befugnis der behörden, den gewerbebetrieb zu untersagen hwb. d. staatswiss. (21898) 4, 416; der turnlehrer, ein junger offizier mit hartem braunen gesicht und höhnischen augen, hat freiübungen kommandiert Rilke ges. w. (1927) 4, 211. —
 
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turnlied, n., lied der turner (s. auch die belege bei Zeidler d. dt. turnspr. bis 1819 [1942] 114): die turnlieder laufen durch die (Schweizer) thäler (3. 7. 1820) Görres ges. schr. 7 (1858) 185; turnlied beim hinausziehn Erlach volksl. 4 (1835) 13 u. ö.
 
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turnmeister, m., turnlehrer (Zeidler d. dt. turnspr. bis 1819 [1942] 114): alle die anstalten, welche sich in gröszeren städten und gemeinden finden, müszten ihre turnmeister haben E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 3, 271;

so klein sie (Maszmanns figur) war, sie soff wie ein loch,
mit seinen schülern, die bierentzügelt
den armen turnmeister am ende geprügelt
Heine s. w. 2, 200 Elster;

alle diese griechischen denker ... scheinen als moralisten dem turnmeister zu gleichen, der einem jünglinge zuspricht 'komm! folge mir! ergieb dich meiner zucht!' Nietzsche w. (21895) I 4, 208; ich war natürlich der turnmeister Rosegger schr. (1895) III 6, 303. oft auf Fr. L. Jahn bezogen: in dieser schrift sind jene alten vorwürfe wiederholt und mit dem zusatz verschärft: 'hat man den turnmeister wohl in einem gefechte erblickt?' (3. 9. 1819) Fr. L. Jahn br. 144 Meyer; der turnmeister (Jahn) hatte dann mit einem kleinen ausschusse diese arbeiten (über das turnwesen) wieder durchgesehen Eiselen bei Fr. L. Jahn w. 2, 1 (1885) x Euler;

dem vielumwetterten deutschen turnmeister,
doktor Friedrich Ludwig Jahn heiszt er (1844)
Heinzelmann trinkspr. in:
Fr. L. Jahn w. 2, 2, 914 Euler;

die bestellungen vom Hasenhaider turnmeister gingen ihnen just nicht besonders ein Holtei erz. schr. 21 (1861) 227.
 
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turnos(e), m., zuerst in Tours geprägte münze, afrz. to(u)rnois, turneis, tournays (< gros Tournois — grossus Turonensis) erscheint mhd. und frühnhd. in einer reihe von formvarianten, die sich besonders im lautstand der endung unterscheiden (s. E. Schröder in: Frankf. münzzeitg. 110 [1910] 23f.): turno(i)s, torno(i)s, turnei(s), turnes, tornes(s), turniss, tornüss, thornuss, thornusch, thurnasch, tornesch, torns; vereinzelt auch mit anlautender lenis: durnos, verschobenem dental: zorne und dem bei männlichen münznamen geläufigen er-suffix, vgl. heller, kreuzer: turneisære, turnasser, eine form, dieumgedeutetnoch im familiennamen Thurneysen fortlebt, mhd. wb. 3, 52; Lexer 2, 1584, 1586; 3, 378; H. Suolahti d. frz. einfl. auf d. dt. spr. i. 13. jh., mém. d. l. soc. néo-phil. de Helsingfors 8 (1929) 261 u. 272; A. Rosenqvist d. frz. einfl. auf d. mhd. spr. i. d. 1. h. d. 14. jhs. (1932) 238; s. ferner die

[Bd. 22, Sp. 1898]


untenstehenden belege. turnose ist früh auch ins nd. (tornose, turnose, ternose, tornisch Schiller-Lübben 4, 582; mecklenb.-brandenb. ternose, tornose, dornose [16./17. jh.] E. Schröder a. a. o. 21), ndl. (tornooys, tornoys, turnoys, tournoys, tornesch, tornsch Verwijs-Verdam 8, 596), engl. (tornese, tournois Murray 10, 1, 162 u. 192) und dän. (tornose Kalkar 4, 425) gedrungen, jedoch in neuerer zeit mit der münzart auszer gebrauch gekommen. — 'zuerst in Tours geprägte münze', zur sachgesch. vgl. E. Schröder der turnose a. a. o. 18 -24 und festschr. f. Chr. Eckert (1949) 89ff.:

slan die Franzoise
vil turnoise
groz von silber ...
meister Rumelant in: minnesinger 3, 64 v. d. Hagen;

ses vnd vunffzig guder aldin thornose jo vor eyne igliche marg zu rechene (1386) bei Bauer-Collitz Waldeck 177; sez und vumftzig knegis turnose vor die mark hess. urk.-b. 2, 598 Wyss-Reimer (ebda 606f.: tornose, thornose); eyn heller hastu liep ... eyn tornosz nach viel lieber wan er ist vil besser (vor 1468) Joh. Wolff beichtbüchl. 9 Battenberg;

der bawer musz für dise schmach
dem bidermann zu einer rach
ein alten silbren thurnis geben
H. Sachs 21, 212 lit. ver.;

entpfengt er zu besoldung dreissig pfund turnois, siben ducaten vnd sechs Caroliner Fischart binenkorb (1588) 188a; im 17. jh. vereinzelt noch lexikalisch gebucht: turnes zween schilling, achtzehn Franckfurter pfenning Hulsius-Ravellus teutsch-frz.-it. (1616) 332a; dann nur noch in histor. darstellung: ein sehr rarer turnoss des in Avignon sitzenden pabsts Clemens VI., zwischen a. 1342 und 52 J. D. Köhler histor. münzbelustigung 20 (1748) 313; die zierrath der turnosen ebda. aus erneutem frz. einflusz erklärt sich: wenn aber auch ein gefäsz von dieser grösze (aus eisen) mit seinen boden 250 pfund woge, so würde es doch allezeit nicht auff 29 pfund turnois (livres tournois) kommen, weil die kaufleute wenn sie dergleichen für 2 schilling das pfund geben, dennoch woll darauff gewinnen können Papin, art u. weise speise zu kochen (1687) 63; ferner der im oberhess. des 19. jhs., s. Vilmar (1868) 419, bezeugte kupferne turnes, der seit E. Schröder a. a. o. 21 f. auf denier (double) tournois — im 17./18. jh. von frz. truppen nach Hessen getragenzurückgeführt wird.
 
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turnplatz, m., übungsplatz der turner (s. auch die belege bei Zeidler d. dt. turnspr. bis 1819 [1942] 114): wird ein turnplatz angelegt für eine öffentliche schule, waisenhaus, erziehungsanstalt u. dgl. ... so wäre es nötig, einen sehr nahe gelegenen platz zu erlangen ...; soll dagegen ein turnplatz für die jugend eines oder mehrer(!) dörfer, einer gantzen stadt oder auch einer einzelnen anstalt angelegt werden ..., so schadet es nichts, wenn der turnplatz eine halbe stunde vor der stadt liegt Fr. L. Jahn d. dt. turnkunst (1816) in: w. 2, 1, 101 Euler; sah unterwegs die anlage des turnplatzes (16. 5. 1816) Göthe III 5, 231 W.;

... es geht zur stadt vom turnplatz nun zurück
Erlach volksl. 4 (1835) 14;

Erich und Roland gingen nach dem turnplatze und sahen den turnübungen zu Auerbach landhaus a. Rhein (1871) 1, 137; neben ... dem (schul-) gebäude ist ein ... turnplatz anzuordnen Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 305. bildlich: nur immer neue projecte, turnplätze für den geist, das ist das wahre glück grosser männer Kotzebue s. dram. w. (1827) 44, 30; die kammerluft hat diese unpractische richtung in ihm gefördert, und über diesen turn- und exercierplatz von geist und zunge vergiszt er ..., was zu thun nothwendig ist (1. 5. 1852) Bismarck br. a. s. braut u. gattin 330 Bismarck.
 
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turnriege, f., gruppe von turnern, turnabteilung (s. riege teil 8, sp. 922): vom deutschen reichsausschusz wird, wie wir hören, zu den im april stattfindenden spielen eine turnriege entsandt werden, mit deren zusammenstellung und leitung der bekannte turner herr Fritz Hofmann (turngemeinde in Berlin) wiederum betraut worden ist tägl. rundschau

[Bd. 22, Sp. 1899]


(1906) 92. —
 
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turnsaal, m., übungssaal zum turnen, s. auch die belege bei Zeidler d. dt. turnspr. bis 1819 (1942) 114 und vgl. DWB turnhalle: an den winterübungen auf dem turnsaale haben vom 19. oktober 1817 bis zum 17. märz 1818 hundert und sieben und dreiszig turner teil genommen Fr. L. Jahn bericht üb. die berlinische turnanstalt (1818) in: w. 2, 2, 881 Euler; das officiercorps hat sich hier ... turnsäle zu racketspielen u. s. w. eingerichtet Ritter erdkde (1822) 12, 454; im turnsaal ist die schwelle (d. untere ende der kletterstangen) versenkt, im freien liegt sie auf dem boden auf, um das abfaulen der stangen zu verhüten Kregenow-Samel gerätkde (1905) 55; zweimal in der woche wurden wir (schüler) in den turnsaal geführt Stefan Zweig welt. v. gestern (1947) 49. —
 
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turnschuh, m., jüngere, von Fr. L. Jahn noch nicht gebrauchte komposition: tanzschuhe zum tanzunterricht. tennisschuhe u. -stiefel. turnschuhe mit gummi- und ledersohlen. gröszte auswahl, billige preise zeitungsinserat um 1900; Georg (ein flüchtling aus einem k. z.) hatte pech mit einem seiner turnschuhe. die sohle löste sich ab im glitschigen stadtschnee A. Seghers. d. siebte kreuz (1950) 60.

 

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