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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turnierzeug bis turnkür (Bd. 22, Sp. 1895 bis 1896)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turnierzeug, m. und n., wie rennzeug und stechzeug, s. teil 8, sp. 815 u. 10, 2, 1, sp. 1285:

herr könig, das wil ich willig thon,
doch ich keinen thurnier-zeug hon.
schafft mir rosz, harnisch, schilt und glennen
zum thurnieren, stechen und rennen
H. Sachs 13, 344 lit. ver.;

an den alten turnierzeugen und rüstungen Zimm. chron. 24, 189 Barack; welcher ... darüber (trotzdem) reiten wirde, derselbe soll sein rosz vnd thurnierzeg verlohren haben Moscherosch gesichte 2 (1666) 407. als einzelanwendung findet sich: dem pferd den turnir-zeug anlegen bardare, abbardare un cavallo Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1164a.
 
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turnip, f. und m., 'beta vulgaris' und 'brassica rapa', aus engl. turnip, turnep ( < turn 'rounded shape' + neep< lat. napus Murray 10, 499 f.), dasin zusammenhang mit der weiteren ausbreitung der rübenkultur in Europa im 18. und 19. jh. und der einführung englischer rübensorten (s. Lippmann gesch. d. rübe [1925] 98 ff.; Follmann lothr. 97 u. Seiler d. entwicklg. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnworts 4 [1912] 300) — auch in die nord. sprachen (norw., dän., schwed. turnips) sowie ins frz. (turnep), portug. (turnepo), poln. (turnep, turnips), russ. (turneps) und lit. (rópe turnipsas) entlehnt worden ist; im dt. bereits vom allg. haushalt.-lex. 3 (1751) 560 (turnips ... 'eine gewisse sorte weisser rüben, so aus Engeland zu uns gekommen'), sowie von Adelung 4 (1780) 1107 (turnipse runkel-, futterrübe) und Nemnich 5 (1796) 607 (turneps, turnips brassica rapa, beta altissima) bezeugt, dann besonders mundartlich nachweisbar, wobei meist der als singular aufgefaszte plural turnips auftritt (vgl. die nord. u. slav. form sowie täcks schusterstift < engl. tacks [pl.] bad. wb. 1, 399) und z. t. volksetymologische umdeutung stattgefunden hat (s. u. 2).
1) 'beta vulgaris, brassica rapa' (s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1 [1943] 591 u. 663): dornips futterrübe Hertel Thür. 83; turnöps steckrübe luxemb. ma. 446; turnips, dür(r) lips runkel- u. rotrübe bad. wb. 1, 613; turlips, dorlips runkelrübe Follmann lothr. 97; turnip(e), dur(dür)-lips runkel- u. rote rübe Martin-Lienhart elsäss. 2, 714; 717; turnips, dürlips, durlisrübe, durnitze runkelrübe Fischer schwäb. 2, 505 und durlips runkelrübe Seiler Basel 93; turlips Mühlberg Aargau 13. nur vereinzelt in literarischem sprachgebrauch:

süsz schmecken turneps, runkelrübe,
süsz schmeckt der edle Malvasier,
und in der süszigkeit der liebe
liegt eigentlich das süszrevier
Immermann w. 11, 232 Hempel;

wir andern aber hingen, malerisch vertheilt, in entsprechenden vegetabilischen masken als die repräsentanten der getreidearten, der rapssaat und des turnips zwischen den stockwerken des gerüstes ebda 18, 134, s. auch Sanders 2, 2 (1865) 1464.
2) in übertragener anwendung, auf dürr bezogen, 'dürre person': das ist e rechte dürlips, die hat numme die hut üwer den knochen! Martin-Lienhart elsäss. 2, 714; s. auch bad. wb. 1, 613 und Follmann lothr. 97.
 
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turnipsrübe, f., vereinzelt bezeugte zusammensetzung aus turnip (s. dort) und dem verdeutlichend hinzugetretenen gattungsnamen, vgl. DWB turteltaube: runkelrübe, topinambur, turnipsrübe, weisse rübe (tabellarische aufzählung von wurzeln) Karmarsch-Heeren techn. wb. 1 (1876) 208.

[Bd. 22, Sp. 1896]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turnisch, adj., ableitung von 1turnen (s. dort); wie üblicheres turnerisch: dieses mittel (gegen verweichlichung) sind turnische und kriegerische übungen; ... diese kriegsübungen ... und die turnübungen ... müssen uns eine viel festere und ernstere jugend schaffen E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 2, 287 f.
 
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türnisch, adj., 'impetuosus', s. unter türmisch.
 
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türnitz, tyrnitz, f., 'stube', gelegentlich statt dürnitz (s. teil 2, sp. 1734, H. Erdmann stud. z. gesch. d. dt. bauwesens, diss. 1939, 34 und Ph. Wick d. slav. lehnwörter i. d. nhd. schriftspr., diss. Marburg 1939, 77 u. 100):

ich will gleich auff-stehn
und mit dir in die thürnitz gehn,
das frümal nemen alle zwen
H. Sachs 8 266 lit. ver.;

in der türnitz oder hofstuben Zimm. chron. 2574 Barack; nach dem eszen in der türnitz (1614) dt. hofordn. 2, 153 Kern; das volk in die schloszkirche und in die sog. türnitz zu führen qu. a. d. 18. jh. in: Alemannia 11, 163; in dem parterre der tyrnitz wurden schnell die tafeln weggeräumt Hauff s. w. (1890) 1, 304.
 
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turnjacke, f., leichte, beim turnen getragene jacke: (der rock) musz so weit sein, dasz er bequem über die turnjacke gezogen ... werden kann Fr. L. Jahn w. 2, 1, 121 Euler; (der lehrer) Deeger zog seine turnjacke aus und den 'observanzmäszigen' schwarzen rock an B. Auerbach ges. schr. 14 (1858) 33; während ihm ... das blut über die turnjacke flosz Fontane ges. w. (1905) I 4, 160. —
 
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turnkleid, n., kleid der turnerinnen: die mädchen, theils in dunkelblauen, halblangen turnkleidern mit weiszblauen matrosenkragen, theils in weiszen kitteln mit rothem kragen Nord-Ostseezeitg. (1898) 341; bestimmte turnkleider von bestimmtem schnitt oder bestimmter art und farbe dürfen (in den mittelschulen) nicht verlangt werden tägl. rundschau (1908) 74. —
 
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turnkreis, m., turnerischer verband: eine versammlung der gauturnwarte des 2. turnkreises fand ... statt Liegnitzer stadtbl. (1897) 304; der 15. turnkreis ... zählt derzeit 546 vereine mit 61322 vereinsangehörigen tägl. rundschau (1901) 241.
 
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turnkunst, f. 1) die im wesentlichen von Fr. L. Jahn geschaffene und in seinem hauptwerk (die deutsche turnkunst zur einrichtung der turnplätze, dargestellt von Friedrich Ludwig Jahn und Ernst Eiselen [Berlin 1816]) umfassend begründete form der leibesübungen. die bezeichnung turnkunst fandälteres gymnastik zurückdrängendschon früh weite verbreitung, s. auch die belege bei Zeidler d. dt. turnspr. bis 1819 (1942) 113; fachsprachlich: Bornemann lehrbuch der von Friedrich Ludwig Jahn unter dem namen turnkunst wieder erweckten gymnastik, Berlin 1814; Clias anfangsgründe der gymnastik oder turnkunst, Bern 1830; Kloss die weibliche turnkunst. ein bildungsmittel zur förderung der gesundheit, kraft und anmut des weibl. geschlechtes, Lpz. 1889; Walter Hulek jahrbuch der turnkunst (1951); wie literarisch: um die turnkunst zu erlernen Arnim s. w. (1853) 10, 285 f.; und so wünschen wir denn, dasz die edle turnkunst bleibe und bestehe E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 3, 263; schon 1810 haben die anfänge der turnkunst sich gezeigt Immermann w. 18, 201 Hempel. gelegentlich metaphorisch gebraucht: da musz man denn alle turnkünste mitmachen (sich mit turnerischem geschick jeweils den gegebenen umständen anpassen) (20. 1. 1820) v. Görres ges. schr. 7 (1858) 134; wenn es auf gedankliche turnkunst und ausbildung des denkermenschen in mir ankommt, hat Jean Paul gewisz recht Fontane ges. w. (1920) II 5, 323. 2) 'kunst gefechtsmäsziger bewegung' zu 2turnen: es gehört freilich dazu (zum zweckmäszigen zusammenspiel zweier waffengattungen im gefecht) eine ausgezeichnete ringfertigkeit beider parten: eine vollendete turnkunst, auf die wir noch warten, denn die des sogenannten mittelalters hatte fast nur den reiter, unsre heutige fast eben so ausschlieszlich nur den fuszkämpfer im auge Fouqué gefühle, bilder u. ansichten (1819) 1, 211. —
 
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turnkür, f., s. u. DWB turnschule (1).

 

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