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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turniersrosz bis türnisch (Bd. 22, Sp. 1894 bis 1896)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turniersrosz, n., wie turnierrosz (s. dort): da aber der margraf hinweg kam, setzt er sich wider uf sein turnirsross (1507) Wilwolt v. Schaumburg 54 lit. ver.
 
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turnierstück, n., wie turniergesetz (s. dort):

es waren gsetzt zwölff thurnier-stück
H. Sachs 2, 344 lit. ver.;

das 5. thurnierstück setzet hertzog Conrad zu Francken ... das 6. gesetzt von den vier thurnier vögten Moscherosch gesichte (1650) 2, 367. —
 
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turniertag, m., tag des ritterlichen kampfspiels (vgl. mndl. tornooydach Verwijs-Verdam 8, 591 u. engl. tourney-day Murray 10, 1, 192): Salvius Otto ... (tat) diesen wunsch ..., dasz er so seelig werden möchte, an diesem groszen turniertag etwas an seinem leibe zu tragen, so von Octavia gemacht wre A. U. v. Braunschweig Octavia 2 (1678) 69; die sitte beschränkte sie (die plänkeleien) meist auf den nachmittag vor dem eigentlichen turniertag A. Schultz höf. leben 2 (1880) 112.
 
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turnierung, f., tornatura, bellitripa, hastiludium; mnd. tornering voc. ex quo (15. jh.) bei Diefenbach gl. 588b s. v. tornamentum; mndl. tornieringe Verwijs-Verdam 8, 591; schwed. tornering, dän. turnering. nomen actionis zu turnieren (A 2); in verschiedener glossierung lexikalisch bezeugt (vgl. das zu turneien gebildete frühnhd. torneyunge Diefenbach gl. 588c; ders., nov. gl. 367b und engl. tourneying Murray 10, 1, 192): tornatura turnierung voc. (15. jh., md.) bei Diefenbach gl. 588c; bellitripa thurnierung voc. theut. (Nürnberg 1482) ebda 71a; hastiludium durnerunge dict. lat.-germ. (15. jh., md.) ebda 273b; torneamento, giostra turnierung Hulsius dict. (1618) 2, 416a; vereinzelt auch literarisch nachweisbar: diser mrli-dichter gibt ein anfang diser turnierungen zu keiser Heinrichs ziten Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 158.
 
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turniervogt, m., arbiter, designator certaminis (Frischlin nomencl. [1591] 479):

setzten erstlich vier thurnier-vögt
H. Sachs 2, 344 lit. ver.;

so ist aber zu wissen, das in den alten turnieren ein ieder turniervogt ein besonderen persevanten (von persuivant 'gehilfe der herolde') und ernholden (herold) gehapt Zimm. chron. 21, 18 Barack; da auch ... die gebhrliche thurnier-vgte den kmpfern die sonn auszzutheilen, und derselben waffen zu besichtigen, sich an der stell befunden J. Helwig Ormund (1666) 215; nach dem (turnier) soll sich ein jeder, der gethurnieret hat, zu seinem thurnier vogt, vnder den er geordnet ist, fgen, von dem soll er seinen thurnierbrieff empfahen Moscherosch gesichte 2 (1666) 381; ihr seyd nicht ritterbürtig ... eure namen wird der turniervogt ausstreichen Kotzebue s. dramat. w.

[Bd. 22, Sp. 1895]


(1827) 3, 105; s. auch unter 2turnen. —
 
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turnierwagen, m., chariot de tournoy, carro da torneo (Hulsius-Ravellus teutsch-frz.-it. [1616] 332b): da ettliche pferdt an einen thurnier wagen gespannen ... jhren frmann abwurffen Heyden Plinius (1565) 213; quadriga thurnierwag mit vier pferden Frischlin nomencl. (1591) 479. metaphorisch:

die flügel und der flug der wind und cherubin
gebrauchet gleichsam er für einen turnierwagen,
darauf dan, fliegend schnell und kriegend, er dahin
all sigreich wirt getragen
Weckherlin ged. 2, 41 lit. ver.


 
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turnierzeug, m. und n., wie rennzeug und stechzeug, s. teil 8, sp. 815 u. 10, 2, 1, sp. 1285:

herr könig, das wil ich willig thon,
doch ich keinen thurnier-zeug hon.
schafft mir rosz, harnisch, schilt und glennen
zum thurnieren, stechen und rennen
H. Sachs 13, 344 lit. ver.;

an den alten turnierzeugen und rüstungen Zimm. chron. 24, 189 Barack; welcher ... darüber (trotzdem) reiten wirde, derselbe soll sein rosz vnd thurnierzeg verlohren haben Moscherosch gesichte 2 (1666) 407. als einzelanwendung findet sich: dem pferd den turnir-zeug anlegen bardare, abbardare un cavallo Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1164a.
 
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turnip, f. und m., 'beta vulgaris' und 'brassica rapa', aus engl. turnip, turnep ( < turn 'rounded shape' + neep< lat. napus Murray 10, 499 f.), dasin zusammenhang mit der weiteren ausbreitung der rübenkultur in Europa im 18. und 19. jh. und der einführung englischer rübensorten (s. Lippmann gesch. d. rübe [1925] 98 ff.; Follmann lothr. 97 u. Seiler d. entwicklg. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnworts 4 [1912] 300) — auch in die nord. sprachen (norw., dän., schwed. turnips) sowie ins frz. (turnep), portug. (turnepo), poln. (turnep, turnips), russ. (turneps) und lit. (rópe turnipsas) entlehnt worden ist; im dt. bereits vom allg. haushalt.-lex. 3 (1751) 560 (turnips ... 'eine gewisse sorte weisser rüben, so aus Engeland zu uns gekommen'), sowie von Adelung 4 (1780) 1107 (turnipse runkel-, futterrübe) und Nemnich 5 (1796) 607 (turneps, turnips brassica rapa, beta altissima) bezeugt, dann besonders mundartlich nachweisbar, wobei meist der als singular aufgefaszte plural turnips auftritt (vgl. die nord. u. slav. form sowie täcks schusterstift < engl. tacks [pl.] bad. wb. 1, 399) und z. t. volksetymologische umdeutung stattgefunden hat (s. u. 2).
1) 'beta vulgaris, brassica rapa' (s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1 [1943] 591 u. 663): dornips futterrübe Hertel Thür. 83; turnöps steckrübe luxemb. ma. 446; turnips, dür(r) lips runkel- u. rotrübe bad. wb. 1, 613; turlips, dorlips runkelrübe Follmann lothr. 97; turnip(e), dur(dür)-lips runkel- u. rote rübe Martin-Lienhart elsäss. 2, 714; 717; turnips, dürlips, durlisrübe, durnitze runkelrübe Fischer schwäb. 2, 505 und durlips runkelrübe Seiler Basel 93; turlips Mühlberg Aargau 13. nur vereinzelt in literarischem sprachgebrauch:

süsz schmecken turneps, runkelrübe,
süsz schmeckt der edle Malvasier,
und in der süszigkeit der liebe
liegt eigentlich das süszrevier
Immermann w. 11, 232 Hempel;

wir andern aber hingen, malerisch vertheilt, in entsprechenden vegetabilischen masken als die repräsentanten der getreidearten, der rapssaat und des turnips zwischen den stockwerken des gerüstes ebda 18, 134, s. auch Sanders 2, 2 (1865) 1464.
2) in übertragener anwendung, auf dürr bezogen, 'dürre person': das ist e rechte dürlips, die hat numme die hut üwer den knochen! Martin-Lienhart elsäss. 2, 714; s. auch bad. wb. 1, 613 und Follmann lothr. 97.
 
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turnipsrübe, f., vereinzelt bezeugte zusammensetzung aus turnip (s. dort) und dem verdeutlichend hinzugetretenen gattungsnamen, vgl. DWB turteltaube: runkelrübe, topinambur, turnipsrübe, weisse rübe (tabellarische aufzählung von wurzeln) Karmarsch-Heeren techn. wb. 1 (1876) 208.

[Bd. 22, Sp. 1896]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turnisch, adj., ableitung von 1turnen (s. dort); wie üblicheres turnerisch: dieses mittel (gegen verweichlichung) sind turnische und kriegerische übungen; ... diese kriegsübungen ... und die turnübungen ... müssen uns eine viel festere und ernstere jugend schaffen E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 2, 287 f.
 
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türnisch, adj., 'impetuosus', s. unter türmisch.

 

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