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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turnierhelm bis turnierpferd (Bd. 22, Sp. 1890 bis 1892)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turnierhelm, m., im turnier getragener helm, s. auch unter turniershelm und vgl. schwed. tornerhjälm, engl. tourney-helm sowie stechhelm teil 10, 2, 1, sp. 1278: aber dise zwen Schauburg und Marschalk lagen under den rossen, das in von den andern die getter an turnirhelmen,

[Bd. 22, Sp. 1891]


und sie allenthalben so hart getret wurden, das sie sich des lebens nahen verwögen hetten (1507) Wilwolt v. Schaumburg 53 lit. ver.; in einer art von sogenannter spanischer tracht ... sitzt er ruhig nachdenkend, ... in der linken auf einem starken polster ein kurzes schwert haltend, dahinter ein turnierhelm Göthe I 49, 1, 393 W.; als heraldische bezeichnung für die wappenzier turnierfähiger geschlechter: hat das brustbild (auf dem schwertgroschen) ein swert uber die achseln, uf der ander seiten ein thurnirehelm qu. v. 1496 in: arch. d. hist. ver. v. Unterfr. u. Aschaffenburg 22 (1874) 142; die (wucherers tochter) gehet der adellichen dochter fr, und erlangen darnach die adelliche wappen mit turnirhelmen Solms beschr. v. urspr. d. adels (1563) 8a; turnirhelm ist der gewöhnliche heutzutage bei adeligen wappen fast allgemein gebrauchte kleinodhelm Querfurth herald. terminologie (1872) 160. —
 
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turnierhengst, m., wie turnierpferd, -rosz und stechhengst, s. teil 10, 2, 1, sp. 1278 u. vgl. dän. turnerhest: man sagt, dasz etwan uf einmahl 4 thurnierhengst alda seind auszgangen G. Widman chron. 60 Kolb; ja, ... hätte er den zug versäumt, weil er einen turnierhengst probe ritt O. Ludwig ges. schr. 4 (1891) 228. —
 
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turnierhof, m., metaphorisch für turnier, s. auch unter turniershof und vgl. DWB rennhof teil 8, sp. 813 sowie stechhof teil 10, 2, 1, sp. 1278: den ersten danck gab man dem graffen von Katzemelpogen, ein turnenhoff(!) zu halten (15. jh., Nürnberg) städtechron. 2, 25;

heint werden kummen vil edler gest
auff den thurnier, von den will ich
mit meiner wirtschaft nehren mich.
hoff, ich wöll des thurnier-hofs gniessen,
vil wassers unter den wein giessen
H. Sachs 12, 456 lit. ver.;

nur vereinzelt als lokalbezeichnung: in gröszeren burgen gab es oft besondere turnierhöfe mit gallerie Müller-Mothes archäol. wb. 2 (1878) 947b.
 
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turnierisch, adj., vereinzelt als gelegenheitsbildung bezeugt; 'am turnier teilnehmend': dieser turnierische Jesuiter Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 1198 (vgl. ebda 1196: demnach die Jesuitter ... im geistlichen turnier fr die christliche catholische kirchen sich dapffer ... gebrauchen, so gehren sie billich auch an die ... ritterlichen und frstlichen turnier). mundartlich findet sich torniersch aufbrausend Petters stoffsammlg. i. d. dt. maa. Böhmens (1864) 12, vgl. turnieren sich lärmend und tobend aufführen (B 5).
 
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turnierkolben, m., stumpfe im turnier verwendete hiebwaffe: gesum ein turnir kolb (15. jh., obd.) bei Diefenbach nov. gl. 192a;

der thurnier kolb, sein dick und leng
H. Sachs 2, 345 lit. ver.;

er (der turnierer) soll sich auch keiner andern wehr gebrauchen, dann seines thurnierkolbens vnd schwerds Moscherosch gesichte 2 (1666) 381; im turnier ... bediente man sich ... stumpfer waffen, als: turnierkolben Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 238. —
 
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turnierkragen, m., heraldischer terminus, s. auch unter turnierhelm u. vgl. ndl. tornooikraag: nachfragen was die bilder eigendlich bedeuten sollen, damit es nicht gehe, wie mit dem turnier-kragen ... welchen einige vor eine banck, die Niederlnder vor einen rchen ansehen Schumacher wapen-kunst (1694) 52; turnirkragen, frantz. lambel, lat. lemniscus, wird ... nur als ein beyzeichen, die jüngern von den ältern linien einer familie zu unterscheiden, in den wapen gebraucht Trier wapenkunst (1714) 171; das haupt des schildes ... trägt einen rothen turnierkragen von vier lätzen Göthe I 43, 145 W.; turnierkragen wird gewöhnlich als beizeichen jüngerer linien angewandt und dann meistens im schildhaupt oder auf den schultern von thieren angebracht, ... kommt aber auch ... als gemeines wappenbild vor Gritzner herald. terminologie (1890) 26. —
 
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turnierlanze, f., wie stechlanze, s. teil 10, 2, 1, sp. 1280 u. vgl. dän. turnerlanse, schwed. tornerlans: turnir-lantze lancia à giostrare Kramer teutsch-ital. 2

[Bd. 22, Sp. 1892]


(1702) 1163c; die turnierlanze musz an der kurzen spitze ein quereisen gehabt haben, wodurch das tiefe eindringen verhindert wurde Freytag ges. w. 18 (1888) 19.
 
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turnierlich, adj., vereinzelt lexikalisch bezeugt: tornabilis turnierlich, var. turneyerlich (1482, Nürnberg) bei Diefenbach gl. 588b.
 
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turniermäszig, adj., capace ò leggitimato di comparire, e d'entrar' in torneo (Kramer teutsch-ital. 2 [1702] 1163c): so hat man doch damahls erst anlasz genommen selbige vor adeliche kennzeichen derer turniermäszigen geschlechter und familien zu halten Schumacher wapenkunst (1694) 2; ich, der ich ein turniermäsziger und stiftsfähiger edelmann bin J. G. Müller kom. romane 1 (21786) 182; Jacob Püterich von Reicherzhausen ... stammte, gleichfalls nach seiner angabe, aus einem turniermäszigen bairischen geschlechte Uhland schr. z. gesch. d. dichtung u. sage (1865) 2, 252; dann auch 'gesellschaftsfähig, ebenbürtig', vgl. turnierfähig: noch weniger die aus ungleichen ehen erzeugte kinder fr turnier- und stiffts-mszig gehalten worden Thomasius ernsth. ged. u. erinn. (1720) 2, 122; und spielte so gut als der beste seines gleichen, ja als ob er schon in seiner neuen dignité (als baron und kavalier) turnier- und stifft-mszig wre Dippel aufr. protestant (1733) 41; ich versteh den herrn: er ist also ... so ein litterarischer patrizier, der unterm gelehrten adel nicht turniermäszig ist Musäus physiogn. reisen (1778) 2, 181; vereinzelt im sinne von 'turniergemäsz', vgl. die ähnliche verwendung von turnierfähig sowie des mhd. turneisch: ein fünf oder sechs in kostbarkeit gekleideter und turniermäszig gewaffneter ritter traten ein C. F. Meyer der heilige (1891) 173. —
 
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turnierordnung, f., wie turniergesetz, s. auch unter turniersordnung: turnirordnung ordini, leggi, ordinanze per la giostra Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1163c; Albrecht ... verschlossen sie die schranken als einem, der wider turnierordnung mit einer jungfrau in unzucht lebe Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 32, 188. —
 
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turnierpferd, n., wie stechpferd, s. teil 10, 2, 1, sp. 1282 u. vgl. DWB turnierhengst, -rosz: werden darzu eben so herrlich ... gehalten als die besten ... thurnirpferd inn der fürsten hfe Sebiz feldbau (1579) 480; turnierpferdt vn coureur, cheval de tournoy, equus decursorius Widerhold dict. (1669) 345a, ähnlich: Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1163c; schon (wollte er sich) wieder entfernen ..., als er ... mit erstaunen bemerkte, dasz der ritter, welcher dort auf einem schwarz behangenen turnierpferde ... die reihe ... schlieszt, verschwunden war Pückler briefw. u. tageb. (1873) 2, 1, 296. —

 

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