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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turniergenosse bis turnierlanze (Bd. 22, Sp. 1890 bis 1891)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turniergenosse, m., 'teilnehmer am turnier (A)' bzw. 'angehöriger einer turniergesellschaft (s. dort sowie s. v. turniersgenosse)': solle in der zeit an keinen orten uber thurniergenossen anders denn thurniers recht gehalten werden Cyriacus Spangenberg mansfeldische chronica (1572) 120a; und waren nunmehr die andere thurnier-genossen zum kampff fertig J. Helwig Ormund (1666) 17; doch auch auf die höfischen turniergenossen legte sich ein fluch Freytag ges. w. 18 (1888) 34; zu turnier B 3: um ... einen turniergenossen der redeübung zu haben Jean Paul w. 19, 134 Hempel. in freierer anwendung auch sonst von angehörigen bestimmter lebenskreise: nur Pestitz wiederzusehen, wo alle turniergenossen seiner glänzenden tage verschwunden waren, ... verabscheuete er Jean Paul w. 15/18, 675 Hempel; von solchem leben soll jetzt ein turniergenosse aus den gesellschaften des esels und des einhorns erzählen Freytag ges. w. 18 (1888) 393. —
 
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turniergesellschaft, f., ritterlicher verband von turnierfähigen: er ... gedenkt ... der turnire in den ... vier landen, obgleich diese nur das werk einer ... turnirgesellschaft waren allg. dt. bibl. 102 (1791) 184; es bildeten sich zwölf löbliche turniergesellschaften mit banner und zeichen Freytag ges. w. 18 (1888) 390; das sind in erster linie ... die wappen der länder und städte ... sowie anderer juristischen [!] personen und gemeinschaften wie zünfte, orden, mittelalterlichen [!] turniergesellschaften und vereine Ulmenstein wappenwesen (1935) 3. —
 
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turniergesetz, n., satzung des ritterlichen kampfspiels, vgl. DWB turnierordnung: nach dem ... der keyserliche herold einen brieff, darin die thurnir-gestze geschrieben stunden, gelesen ..., ritten die beyde helden frendlich gegen einander zu Moscherosch gesichte (1650) 2, 276; er erfuhr zugleich, dasz auch den fremden der zutritt erlaubt sei, wenn sie nach den turniergesetzen geharnischt erschienen Tieck schr. (1828) 4, 301; aber euch schützt das turniergesetz O. Ludwig ges. schr. (1891) 4, 183. —
 
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turniergezeug, n., 'rüstung' (vgl. mndl. torniergetouwe Verwijs-Verdam 8, 591): darzu soll sein thurniergezeg den ehrnholden vnd sein thurnierpferd den knechten verfallen seyn Moscherosch gesichte (1650) 2, 372; s. auch ebda 381. —
 
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turnierhelm, m., im turnier getragener helm, s. auch unter turniershelm und vgl. schwed. tornerhjälm, engl. tourney-helm sowie stechhelm teil 10, 2, 1, sp. 1278: aber dise zwen Schauburg und Marschalk lagen under den rossen, das in von den andern die getter an turnirhelmen,

[Bd. 22, Sp. 1891]


und sie allenthalben so hart getret wurden, das sie sich des lebens nahen verwögen hetten (1507) Wilwolt v. Schaumburg 53 lit. ver.; in einer art von sogenannter spanischer tracht ... sitzt er ruhig nachdenkend, ... in der linken auf einem starken polster ein kurzes schwert haltend, dahinter ein turnierhelm Göthe I 49, 1, 393 W.; als heraldische bezeichnung für die wappenzier turnierfähiger geschlechter: hat das brustbild (auf dem schwertgroschen) ein swert uber die achseln, uf der ander seiten ein thurnirehelm qu. v. 1496 in: arch. d. hist. ver. v. Unterfr. u. Aschaffenburg 22 (1874) 142; die (wucherers tochter) gehet der adellichen dochter fr, und erlangen darnach die adelliche wappen mit turnirhelmen Solms beschr. v. urspr. d. adels (1563) 8a; turnirhelm ist der gewöhnliche heutzutage bei adeligen wappen fast allgemein gebrauchte kleinodhelm Querfurth herald. terminologie (1872) 160. —
 
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turnierhengst, m., wie turnierpferd, -rosz und stechhengst, s. teil 10, 2, 1, sp. 1278 u. vgl. dän. turnerhest: man sagt, dasz etwan uf einmahl 4 thurnierhengst alda seind auszgangen G. Widman chron. 60 Kolb; ja, ... hätte er den zug versäumt, weil er einen turnierhengst probe ritt O. Ludwig ges. schr. 4 (1891) 228. —
 
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turnierhof, m., metaphorisch für turnier, s. auch unter turniershof und vgl. DWB rennhof teil 8, sp. 813 sowie stechhof teil 10, 2, 1, sp. 1278: den ersten danck gab man dem graffen von Katzemelpogen, ein turnenhoff(!) zu halten (15. jh., Nürnberg) städtechron. 2, 25;

heint werden kummen vil edler gest
auff den thurnier, von den will ich
mit meiner wirtschaft nehren mich.
hoff, ich wöll des thurnier-hofs gniessen,
vil wassers unter den wein giessen
H. Sachs 12, 456 lit. ver.;

nur vereinzelt als lokalbezeichnung: in gröszeren burgen gab es oft besondere turnierhöfe mit gallerie Müller-Mothes archäol. wb. 2 (1878) 947b.
 
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turnierisch, adj., vereinzelt als gelegenheitsbildung bezeugt; 'am turnier teilnehmend': dieser turnierische Jesuiter Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 1198 (vgl. ebda 1196: demnach die Jesuitter ... im geistlichen turnier fr die christliche catholische kirchen sich dapffer ... gebrauchen, so gehren sie billich auch an die ... ritterlichen und frstlichen turnier). mundartlich findet sich torniersch aufbrausend Petters stoffsammlg. i. d. dt. maa. Böhmens (1864) 12, vgl. turnieren sich lärmend und tobend aufführen (B 5).
 
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turnierkolben, m., stumpfe im turnier verwendete hiebwaffe: gesum ein turnir kolb (15. jh., obd.) bei Diefenbach nov. gl. 192a;

der thurnier kolb, sein dick und leng
H. Sachs 2, 345 lit. ver.;

er (der turnierer) soll sich auch keiner andern wehr gebrauchen, dann seines thurnierkolbens vnd schwerds Moscherosch gesichte 2 (1666) 381; im turnier ... bediente man sich ... stumpfer waffen, als: turnierkolben Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 238. —
 
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turnierkragen, m., heraldischer terminus, s. auch unter turnierhelm u. vgl. ndl. tornooikraag: nachfragen was die bilder eigendlich bedeuten sollen, damit es nicht gehe, wie mit dem turnier-kragen ... welchen einige vor eine banck, die Niederlnder vor einen rchen ansehen Schumacher wapen-kunst (1694) 52; turnirkragen, frantz. lambel, lat. lemniscus, wird ... nur als ein beyzeichen, die jüngern von den ältern linien einer familie zu unterscheiden, in den wapen gebraucht Trier wapenkunst (1714) 171; das haupt des schildes ... trägt einen rothen turnierkragen von vier lätzen Göthe I 43, 145 W.; turnierkragen wird gewöhnlich als beizeichen jüngerer linien angewandt und dann meistens im schildhaupt oder auf den schultern von thieren angebracht, ... kommt aber auch ... als gemeines wappenbild vor Gritzner herald. terminologie (1890) 26. —
 
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turnierlanze, f., wie stechlanze, s. teil 10, 2, 1, sp. 1280 u. vgl. dän. turnerlanse, schwed. tornerlans: turnir-lantze lancia à giostrare Kramer teutsch-ital. 2

[Bd. 22, Sp. 1892]


(1702) 1163c; die turnierlanze musz an der kurzen spitze ein quereisen gehabt haben, wodurch das tiefe eindringen verhindert wurde Freytag ges. w. 18 (1888) 19.

 

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