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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turnierfähigkeit bis turnierkolben (Bd. 22, Sp. 1890 bis 1891)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turnierfähigkeit, f., nominalbildung zu turnierfähig (s. dort): sie (die kampfrichter) liessen sich die beweise der turnierfähigkeit eines jeden ritters vorlegen Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 245; die turnierfähigkeit zu erkennen, war daher eine strenge wappenschau erforderlich Uhland schr. (1865) 5, 314; die reichsfreien, der landsässige adel u. die ritter, die nach u. nach wappen-, turnier- u. hoffähigkeit erlangten, traten allmählich als ein geschlossener stand auf, als der stand der reichsritterschaft v. Alten handb. f. heer u. flotte 1 (1909) 105a. —
 
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turnierfeld, n., turnierbahn, turnierplatz (vgl. ndl. tornooiveld und engl. tourney-field), nur bildlich nachweisbar: das freulin gab im (dem alten liebhaber) antwort und sagt: ... ir mögendt aber wol dises rennplatz oder turnier [!] felds müssig stehn (1556) Frey gartengesellschaft 55 Bolte; die gesellschaft als turnierfeld aller verfehmten ideale! Conrad von Zola bis Hauptmann (1902) 71. —
 
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turniergenosse, m., 'teilnehmer am turnier (A)' bzw. 'angehöriger einer turniergesellschaft (s. dort sowie s. v. turniersgenosse)': solle in der zeit an keinen orten uber thurniergenossen anders denn thurniers recht gehalten werden Cyriacus Spangenberg mansfeldische chronica (1572) 120a; und waren nunmehr die andere thurnier-genossen zum kampff fertig J. Helwig Ormund (1666) 17; doch auch auf die höfischen turniergenossen legte sich ein fluch Freytag ges. w. 18 (1888) 34; zu turnier B 3: um ... einen turniergenossen der redeübung zu haben Jean Paul w. 19, 134 Hempel. in freierer anwendung auch sonst von angehörigen bestimmter lebenskreise: nur Pestitz wiederzusehen, wo alle turniergenossen seiner glänzenden tage verschwunden waren, ... verabscheuete er Jean Paul w. 15/18, 675 Hempel; von solchem leben soll jetzt ein turniergenosse aus den gesellschaften des esels und des einhorns erzählen Freytag ges. w. 18 (1888) 393. —
 
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turniergesellschaft, f., ritterlicher verband von turnierfähigen: er ... gedenkt ... der turnire in den ... vier landen, obgleich diese nur das werk einer ... turnirgesellschaft waren allg. dt. bibl. 102 (1791) 184; es bildeten sich zwölf löbliche turniergesellschaften mit banner und zeichen Freytag ges. w. 18 (1888) 390; das sind in erster linie ... die wappen der länder und städte ... sowie anderer juristischen [!] personen und gemeinschaften wie zünfte, orden, mittelalterlichen [!] turniergesellschaften und vereine Ulmenstein wappenwesen (1935) 3. —
 
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turniergesetz, n., satzung des ritterlichen kampfspiels, vgl. DWB turnierordnung: nach dem ... der keyserliche herold einen brieff, darin die thurnir-gestze geschrieben stunden, gelesen ..., ritten die beyde helden frendlich gegen einander zu Moscherosch gesichte (1650) 2, 276; er erfuhr zugleich, dasz auch den fremden der zutritt erlaubt sei, wenn sie nach den turniergesetzen geharnischt erschienen Tieck schr. (1828) 4, 301; aber euch schützt das turniergesetz O. Ludwig ges. schr. (1891) 4, 183. —
 
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turniergezeug, n., 'rüstung' (vgl. mndl. torniergetouwe Verwijs-Verdam 8, 591): darzu soll sein thurniergezeg den ehrnholden vnd sein thurnierpferd den knechten verfallen seyn Moscherosch gesichte (1650) 2, 372; s. auch ebda 381. —
 
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turnierhelm, m., im turnier getragener helm, s. auch unter turniershelm und vgl. schwed. tornerhjälm, engl. tourney-helm sowie stechhelm teil 10, 2, 1, sp. 1278: aber dise zwen Schauburg und Marschalk lagen under den rossen, das in von den andern die getter an turnirhelmen,

[Bd. 22, Sp. 1891]


und sie allenthalben so hart getret wurden, das sie sich des lebens nahen verwögen hetten (1507) Wilwolt v. Schaumburg 53 lit. ver.; in einer art von sogenannter spanischer tracht ... sitzt er ruhig nachdenkend, ... in der linken auf einem starken polster ein kurzes schwert haltend, dahinter ein turnierhelm Göthe I 49, 1, 393 W.; als heraldische bezeichnung für die wappenzier turnierfähiger geschlechter: hat das brustbild (auf dem schwertgroschen) ein swert uber die achseln, uf der ander seiten ein thurnirehelm qu. v. 1496 in: arch. d. hist. ver. v. Unterfr. u. Aschaffenburg 22 (1874) 142; die (wucherers tochter) gehet der adellichen dochter fr, und erlangen darnach die adelliche wappen mit turnirhelmen Solms beschr. v. urspr. d. adels (1563) 8a; turnirhelm ist der gewöhnliche heutzutage bei adeligen wappen fast allgemein gebrauchte kleinodhelm Querfurth herald. terminologie (1872) 160. —
 
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turnierhengst, m., wie turnierpferd, -rosz und stechhengst, s. teil 10, 2, 1, sp. 1278 u. vgl. dän. turnerhest: man sagt, dasz etwan uf einmahl 4 thurnierhengst alda seind auszgangen G. Widman chron. 60 Kolb; ja, ... hätte er den zug versäumt, weil er einen turnierhengst probe ritt O. Ludwig ges. schr. 4 (1891) 228. —
 
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turnierhof, m., metaphorisch für turnier, s. auch unter turniershof und vgl. DWB rennhof teil 8, sp. 813 sowie stechhof teil 10, 2, 1, sp. 1278: den ersten danck gab man dem graffen von Katzemelpogen, ein turnenhoff(!) zu halten (15. jh., Nürnberg) städtechron. 2, 25;

heint werden kummen vil edler gest
auff den thurnier, von den will ich
mit meiner wirtschaft nehren mich.
hoff, ich wöll des thurnier-hofs gniessen,
vil wassers unter den wein giessen
H. Sachs 12, 456 lit. ver.;

nur vereinzelt als lokalbezeichnung: in gröszeren burgen gab es oft besondere turnierhöfe mit gallerie Müller-Mothes archäol. wb. 2 (1878) 947b.
 
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turnierisch, adj., vereinzelt als gelegenheitsbildung bezeugt; 'am turnier teilnehmend': dieser turnierische Jesuiter Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 1198 (vgl. ebda 1196: demnach die Jesuitter ... im geistlichen turnier fr die christliche catholische kirchen sich dapffer ... gebrauchen, so gehren sie billich auch an die ... ritterlichen und frstlichen turnier). mundartlich findet sich torniersch aufbrausend Petters stoffsammlg. i. d. dt. maa. Böhmens (1864) 12, vgl. turnieren sich lärmend und tobend aufführen (B 5).
 
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turnierkolben, m., stumpfe im turnier verwendete hiebwaffe: gesum ein turnir kolb (15. jh., obd.) bei Diefenbach nov. gl. 192a;

der thurnier kolb, sein dick und leng
H. Sachs 2, 345 lit. ver.;

er (der turnierer) soll sich auch keiner andern wehr gebrauchen, dann seines thurnierkolbens vnd schwerds Moscherosch gesichte 2 (1666) 381; im turnier ... bediente man sich ... stumpfer waffen, als: turnierkolben Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 238. —

 

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