Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turnierer bis turnierhof (Bd. 22, Sp. 1889 bis 1891)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turnierer, m. , teilnehmer am ritterlichen kampfspiel; mhd. turnirære, turnierer mhd. wb. 3, 153; Lexer 2, 1584; H. Suolahti d. frz. einfl. auf d. dt. spr. i. 13. jh., mém. de la soc. néo-phil. de Helsingfors 8 (1929) 272; A. Rosenqvist d. frz. einfl. a. d. mhd. spr. i. d. 1. hälfte d. 14. jhs. (1932) 248; frühnhd. turnierer Frisius dict. (1556) 207b; Maaler teutsch spraach (1561) 411d; mit offener qualität d. stammvokals: tornierer (1470) mlat.-hd.-böhm. wb. bei Diefenbach 274 s. v. tornarius und anlautender lenis: dornirer Kranheybel dict. (1502) bei Diefenbach nov. gl. 367b; als orthographische varianten finden sich formen mit th (thurnierer H. Sachs, Moscherosch s. u. 1) sowie auf -irer (turnirer voc. ex quo [15. jh., md.] Diefenbach gl. 588c s. v. tornarius; Voigtländer s. u. 1); mndl. tornierer Verwijs-Verdam 8, 591; vgl. ferner engl. tourneyer Murray 10, 1, 192. nomen agentis zu turnieren (s. dort), das sich gegenüber der an afrz. tornoier anschlieszenden bildung turneier (auch turneyer, torneier, turnier, s. mhd. wb. 3, 152; Lexer 1583; Suolahti a. a. o. 272 u. Rosenqvist a. a. o. 247) im sprachgebrauch durchsetzt und bis ins ältere nhd. behauptet.
1) turnierkämpfer, teilnehmer am ritterlichen kampfspiel, zu turnieren A 2; vgl. sinnverwandtes renner teil 8, sp. 813 (2 b) und stecher teil 10, 2, 1, sp. 1272 (1 a):

Troylus sich ane liz
daz er ein gut tvrnierer hiz
Herbort v. Fritzlar liet von Troye 1684 Frommann;

war einr der ritterlichen menner,
ein thurnierer und guter renner,
war auch gerüstet wol zu feldt
H. Sachs 14, 283 lit. ver.;

die ritter, hoffleut, vnd die turnirer,
die reuter, fechter vnd scharmutzirer
Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 24, 2;

vnd so der bestimpte tag, dasz man thurnieren soll, kompt, ist ein jeder thurnierer schuldig, zu seinem thurniervogt zu gehen, vnder den er dann gehört, vnd sich lassen einschreiben Moscherosch gesichte 2 (1666) 380; turnierer celetizontes Dentzler clavis (1716) 292b.
2) vereinzelt lexikalisch bezeugt als 'equus circensis turnierer, turnierrosz' Frischlin nomencl. (1591) 277.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnierfähig, adj., ad ludos equestres habilis Schottel haubtspr. (1663) 353; üblich allein im sinne von 'am turnier teilzunehmen würdig': oder ist es (der cavalier) ein feldhauptmann oder obrister oder ritter und Teutscher vom adel, welcher seine ahnen aufzuzeigen und sich also thurnierfhig weis, der auch keines meineides, keiner unzucht, noch einiges groben lasters und untahten schldig ist (1648) Schottel friedenssieg 49 ndr.; (er ist) wahrhaftig vom alten adel und turnierfähig G. Chr. Erh. Westphal portraits 1 (1779) 141; sie sah sehr wohl ein, dasz ein stifts- und turnierfähiger ritter nie ein armes

[Bd. 22, Sp. 1890]


mädchen ... heirathen werde Ch. v. Schmid ges. schr. (1858) 12, 42; nur turnierfähige, d. h. männer aus altem ritterbürtigem geschlecht mit wenigstens 4 (bei Franzosen 3) ebenbürtigen ahnen, konnten theil nehmen Müller-Mothes archäol. wb. 2 (1878) 947a. als attribut ahnenstolzer damen: sie zählt zehn ahnen mehr, als nach Sethi Caluisii berechnung ... die welt gestanden; o der stifts [!] und turnierfähigen frauen! Hippel lebensl. 3, 2 (1781) 563. vereinzelt auch im sinne von 'turniergemäsz': die ... wichtigste aufgabe bleibt, nicht eher dem fräulein den handschuh hinzuwerfen, als bis der kämpe turnierfähig geharnischt ist Holtei erz. schr. 1 (1861) 78. — s. auch unter turnierfähigkeit, turniersfähig u. vgl. turniermäszig. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnierfähigkeit, f., nominalbildung zu turnierfähig (s. dort): sie (die kampfrichter) liessen sich die beweise der turnierfähigkeit eines jeden ritters vorlegen Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 245; die turnierfähigkeit zu erkennen, war daher eine strenge wappenschau erforderlich Uhland schr. (1865) 5, 314; die reichsfreien, der landsässige adel u. die ritter, die nach u. nach wappen-, turnier- u. hoffähigkeit erlangten, traten allmählich als ein geschlossener stand auf, als der stand der reichsritterschaft v. Alten handb. f. heer u. flotte 1 (1909) 105a. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnierfeld, n., turnierbahn, turnierplatz (vgl. ndl. tornooiveld und engl. tourney-field), nur bildlich nachweisbar: das freulin gab im (dem alten liebhaber) antwort und sagt: ... ir mögendt aber wol dises rennplatz oder turnier [!] felds müssig stehn (1556) Frey gartengesellschaft 55 Bolte; die gesellschaft als turnierfeld aller verfehmten ideale! Conrad von Zola bis Hauptmann (1902) 71. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turniergenosse, m., 'teilnehmer am turnier (A)' bzw. 'angehöriger einer turniergesellschaft (s. dort sowie s. v. turniersgenosse)': solle in der zeit an keinen orten uber thurniergenossen anders denn thurniers recht gehalten werden Cyriacus Spangenberg mansfeldische chronica (1572) 120a; und waren nunmehr die andere thurnier-genossen zum kampff fertig J. Helwig Ormund (1666) 17; doch auch auf die höfischen turniergenossen legte sich ein fluch Freytag ges. w. 18 (1888) 34; zu turnier B 3: um ... einen turniergenossen der redeübung zu haben Jean Paul w. 19, 134 Hempel. in freierer anwendung auch sonst von angehörigen bestimmter lebenskreise: nur Pestitz wiederzusehen, wo alle turniergenossen seiner glänzenden tage verschwunden waren, ... verabscheuete er Jean Paul w. 15/18, 675 Hempel; von solchem leben soll jetzt ein turniergenosse aus den gesellschaften des esels und des einhorns erzählen Freytag ges. w. 18 (1888) 393. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turniergesellschaft, f., ritterlicher verband von turnierfähigen: er ... gedenkt ... der turnire in den ... vier landen, obgleich diese nur das werk einer ... turnirgesellschaft waren allg. dt. bibl. 102 (1791) 184; es bildeten sich zwölf löbliche turniergesellschaften mit banner und zeichen Freytag ges. w. 18 (1888) 390; das sind in erster linie ... die wappen der länder und städte ... sowie anderer juristischen [!] personen und gemeinschaften wie zünfte, orden, mittelalterlichen [!] turniergesellschaften und vereine Ulmenstein wappenwesen (1935) 3. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turniergesetz, n., satzung des ritterlichen kampfspiels, vgl. DWB turnierordnung: nach dem ... der keyserliche herold einen brieff, darin die thurnir-gestze geschrieben stunden, gelesen ..., ritten die beyde helden frendlich gegen einander zu Moscherosch gesichte (1650) 2, 276; er erfuhr zugleich, dasz auch den fremden der zutritt erlaubt sei, wenn sie nach den turniergesetzen geharnischt erschienen Tieck schr. (1828) 4, 301; aber euch schützt das turniergesetz O. Ludwig ges. schr. (1891) 4, 183. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turniergezeug, n., 'rüstung' (vgl. mndl. torniergetouwe Verwijs-Verdam 8, 591): darzu soll sein thurniergezeg den ehrnholden vnd sein thurnierpferd den knechten verfallen seyn Moscherosch gesichte (1650) 2, 372; s. auch ebda 381. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnierhelm, m., im turnier getragener helm, s. auch unter turniershelm und vgl. schwed. tornerhjälm, engl. tourney-helm sowie stechhelm teil 10, 2, 1, sp. 1278: aber dise zwen Schauburg und Marschalk lagen under den rossen, das in von den andern die getter an turnirhelmen,

[Bd. 22, Sp. 1891]


und sie allenthalben so hart getret wurden, das sie sich des lebens nahen verwögen hetten (1507) Wilwolt v. Schaumburg 53 lit. ver.; in einer art von sogenannter spanischer tracht ... sitzt er ruhig nachdenkend, ... in der linken auf einem starken polster ein kurzes schwert haltend, dahinter ein turnierhelm Göthe I 49, 1, 393 W.; als heraldische bezeichnung für die wappenzier turnierfähiger geschlechter: hat das brustbild (auf dem schwertgroschen) ein swert uber die achseln, uf der ander seiten ein thurnirehelm qu. v. 1496 in: arch. d. hist. ver. v. Unterfr. u. Aschaffenburg 22 (1874) 142; die (wucherers tochter) gehet der adellichen dochter fr, und erlangen darnach die adelliche wappen mit turnirhelmen Solms beschr. v. urspr. d. adels (1563) 8a; turnirhelm ist der gewöhnliche heutzutage bei adeligen wappen fast allgemein gebrauchte kleinodhelm Querfurth herald. terminologie (1872) 160. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnierhengst, m., wie turnierpferd, -rosz und stechhengst, s. teil 10, 2, 1, sp. 1278 u. vgl. dän. turnerhest: man sagt, dasz etwan uf einmahl 4 thurnierhengst alda seind auszgangen G. Widman chron. 60 Kolb; ja, ... hätte er den zug versäumt, weil er einen turnierhengst probe ritt O. Ludwig ges. schr. 4 (1891) 228. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnierhof, m., metaphorisch für turnier, s. auch unter turniershof und vgl. DWB rennhof teil 8, sp. 813 sowie stechhof teil 10, 2, 1, sp. 1278: den ersten danck gab man dem graffen von Katzemelpogen, ein turnenhoff(!) zu halten (15. jh., Nürnberg) städtechron. 2, 25;

heint werden kummen vil edler gest
auff den thurnier, von den will ich
mit meiner wirtschaft nehren mich.
hoff, ich wöll des thurnier-hofs gniessen,
vil wassers unter den wein giessen
H. Sachs 12, 456 lit. ver.;

nur vereinzelt als lokalbezeichnung: in gröszeren burgen gab es oft besondere turnierhöfe mit gallerie Müller-Mothes archäol. wb. 2 (1878) 947b.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: