Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turnierdank bis turnierhelm (Bd. 22, Sp. 1885 bis 1890)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turnierdank, m., der im turnier errungene preis: turnir-danck mercè, premio, pregio riportato nella giostra Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1163c; den poetenlorbeer zu erringen, galt dem edleren mehr, als ein turnierdank und eine erschlichene pfarre Gervinus gesch. d. dt. dichtg. (1853) 2, 384.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnieren, vb. , 'ein turnier oder wettkämpfe bestehen, sich lärmend und tobend aufführen'; mhd. turni(e)ren, tornieren, vereinzelt auch durnieren mhd. wb. 3, 153; Lexer 2, 1585; Suolahti d. frz. einfl. a. d. dt. spr. i. 13. jh., mém. de la soc. néo-phil. de Helsingfors 8 (1929) 272 u. 10 (1933) unter den einzelnen (bd. 8 verzeichneten) denkm.; Rosenqvist d. frz. einfl. a. d. mhd. spr. i. d. 1. hälfte d. 14. jhs. (1932) 248. frühnhd. turnieren voc. rer. (1466, obd.) Diefenbach nov. gl. 367b s. v. tornare; Maaler teutsch spraach (1561) 411d; daneben finden sich formen mit offener qualität des stammvokals: tornieren altdt. passionssp. a. Tirol 258 Wackernell; (1515) Eulensp. 136 ndr.; Petri d. Teutschen weiszh. 2 (1605) Ss 4b und anlautender lenis: durnieren (15. jh.) städtechron. 2, 24; dorniren voc. ex quo (15. jh., md.) Diefenbach gl. 135c. als orthogr. varianten erscheinen in hss. und drucken des älteren nhd. formen mit th- (thurnieren H. Sachs, Moscherosch, Schmidt gesch. [1778] s. u. DWB A 2 b), auf -yren (thornyren Lancelot 1, 201 Kl.), -iren (thurniren Siber gemma 122; turniren Simon Dach 576 Ö.; Kramer teutsch-ital. 2 [1702] 1163c; br. d. br. Grimm an Benecke [1889] 46 W. Müller; durniren H. Sachs 2, 234 K.); -iern (thurniern S. Franck s. u. DWB A 2 b); -irn (thurnirn H. Sachs 1, 123 lit. ver.; turnirn Luther w. 34, 1, 154 W.) sowie mit -ou-schreibung des stammvokals (tourniret polit. klatschmaul [1683] s. u. DWB B 5; tourniren Sperander [1727] s. u. DWB B 5; Gaudy s. u. DWB B 1); mnd. torneren Schiller-Lübben 4, 581; mndl. tornieren Verwijs-Verdam 8, 590; anord. turnera (nur in der Beverssaga) Fritzner 23, 732; isl. turnera ('veraltet') Blöndal 872; schwed. tornera Hellquist 31206; dän. turnere ordbog over det danske sprog 24 (1948) 1089. in moderner mundart: turneren brem.-nieders. wb. 5 (1771) 133; torneren Dähnert plattdt. (-pomm.) 492; tornêrn Danneil altmärk. 226; torneïren Schmidt Westerw. 259; Kehrein Nassau 1, 406; turnieren Pfister hess. 302; dùrnír Hertel Thür. 249; turnieren, tornieren, tannieren Müller-Fraureuth obers. 1, 268 u. 2, 766; Albrecht Leipzig 225; turnieren, tunîrn, tumîrn, donniren Jungandreas schl. zeitw. 102; tunīrn Wenisch Nordwestböhmen 2, 33; Neubauer Egerl. ma. 53; turnieren Schröer ungr. 48; Lenz Handschuhsh. 48; bad. wb. 1, 613; durniərə, dorniərə, duniərə Fischer schwäb. 2, 504; thurnieren (abgestorben) Martin-Lienhart elsäss. 2, 717; turniren schweiz. bei Gotthelf s. u. DWB B 5; turnieren, tornieren Schmeller bair. 1, 622. — turnieren wurde im 12. jh. aus afrz. torn(e)ier, tourn(o)ier entlehnt (s. auch dt. wortgesch. 1 [1943] 148 Maurer-Stroh sowie s. v. turnier), dessen ursprüngliche bedeutung '(das pferd) wenden' in wenigen dt. belegen (A 1) fortlebt. als ritterlicher terminus (A 2) findet sich turnieren noch im modernen sprachgebrauch historischer darstellungen, vgl. turneien und 2turnen. darüber hinaus erscheint turnieren schon früh in anwendungsbereichen anderer art (B), wobei besonders die vorstellung der lärmenden bewegung (B 5) hervortritt, von der auch der gebrauch in den modernen mundarten bestimmt ist.

[Bd. 22, Sp. 1886]



A. als ritterlicher terminus.
1) '(das pferd) wenden, tummeln':

über diz allez lernet' er
mit dem schilte und mit dem sper
behendeclîche rîten,
daz ors ze beiden sîten
bescheidenlîche rüeren,
von sprunge ez freche füeren,
turnieren und leisiren,
mit schenkelen sambelieren
Gottfr. v. Straszburg Tristan 2107 Bechstein;

(Roland) sagt, so wolte er das rosz sattelen lassen vnnd reiten ... an das orth, da man die pferdt pflegt zu turnieren P. v. d. Aelst Heymonskinder (1604) 74.
2) sich im ritterlichen waffenspiel üben, ein turnier bestehen.
a) absolut:

es muoss noch sein ghofieret
und ritterleich gturnieret
durch die lieben Mätzen min!
Heinr. Wittenweiler ring 869 Wieszner;

des dritten thurnierten die ritter, die die richsten waren und die werdsten Lanzelot 1, 217 Kluge;

vber essens wurd gesungen,
darnach gerungen, gesprungen,
getantzt, gefochten vnd thornirt
Thym Thedel v. Wallmoden (1558) 1343;

wer ritterlich wil triumphirn,
der musz auch ritterlich thurnirn
Eyering prov. cop. (1601) 1, 661;

der mönch und die nonne zergeiszelten sich,
und der eiserne ritter turnierte
Schiller 11, 367 G.;

der tapfre Tankred ritt vorlängst
als leibrosz einen schwarzen hengst
...
der trug ihn rasch durch feld und thal,
half ihm turnieren
Pfeffel poet. vers. (1802) 8, 89;

(Caspar Bernauer:) ... ich begnügte mich immer, wie wir alle, die wir nicht turnieren, nur streiten, wenn es gilt, unser hab und gut zu vertheidigen, mit einer simpeln sturmhaube Hebbel s. w. I 3, 169 Werner; man giebt turniere, bei denen der adel des landes die kosten nicht spart: zuweilen turnieren hundert ritter auf dem schloszhof Ranke s. w. 38 (1874) 172; unter fortwährendem tanz wurden den turnierenden rittern die preise ... ausgetheilt Böhme gesch. d. tanzes (1886) 75; häufig neben stechen, s. teil 10, 2, 1, sp. 1231 u. 1269, und rennen, s. teil 8, sp. 809: da sticht man und turniert und dienet schnen frowen Seuse dt. schr. 149 Bihlm.;

und thut auch rennen und thurnieren
zu meinem dienst
H. Sachs 17, 115 lit. ver.;

stachen mit jm, rantten scharff vnd turnierten Fortunatus (1509) 102 ndr.; ritterspiel zu pflegen mit rennen, stechen und turnieren ist unter den herren und adel allweg gebrucht, insonders wann die keiser, künig oder gwaltige fürsten hochzite oder grossen hof gehalten Aeg. Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 157; wäre Lother fromm und tapfer, ... so würde ... sein trachten und sinnen darnach stehen, oft zu turnieren und zu stechen Fr. Schlegel s. w. (1846) 7, 157.
b) mit präpositionalen ergänzungen verschiedener art: des montags nach dem Cristtag tornierten Galahotes ritter wiedder des koniges ritter Lancelot 1, 512 Kluge;

du stoltzer ritter, trit zu mir,
so wil ich thurnieren mit dir
H. Sachs 13, 190 lit. ver.;

besonders in der wendung mit jemand um etwas turnieren: und mit im umb das pferdt turniert Zimm. chron. 21, 54 Barack; reit er aber drein, sein boszheit z decken, vnd des adels freyheit vnd seiner vorfarn eer ... z genieszen, mit dem sol man vmb das pferd thurniern Seb. Franck Germ. chron. (1538) 87b; mit dem mag vnd soll man vmb das rosz thurnieren Moscherosch gesichte 2 (1665) 415; der junge knecht turnierte eifrig mit seinen gefährten die ritterschaft zu lernen um besondere knechtspreise

[Bd. 22, Sp. 1887]


G. Freytag ges. w. 18 (1888) 12. vereinzelt auch sonst: das thurnieren zu ernst, oder das scharfrennen ... sollte man fast unsinn nennen Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 425; viele hohe ritter des landes ... vor ihr turnirten mit speeren und lanzen Maler Müller w. (1811) 1, 259; herr von Fouqué ist ein frommer rittersmann, der, weil es nicht mehr an der zeit ist, mit schwert und lanze zu turnieren, mit der feder in die schranken reitet W. Hauff s. w. (1890) 2, 1, 127; zu pferde turnierte er (Carl V.) bald in schranken, bald in offenem felde Ranke s. w. 35 (1877) 95;

weiber turnieren im männerkleid
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 1 (1878) 247 Schücking.


3) perfektiv '(jem. im turnier) niederwerfen': in hoffnung mich ueberraschten desto leichter aus dem sattel zu turnieren oder zu turnen? Fouqué gefühle, bilder (1819) 2, 54; was müssen die alten für schöpse gewesen seyn! traten in der sturmhaube, im schweren panzer einher, turnirten einander nieder C. D. Schubart ges. schr. (1839) 6, 202.
B. in andere anwendungsbereiche übertragen, mit hervortreten verschiedener nebenvorstellungen, s. auch teil 12, 1, sp. 2015 s. v. verturnieren.
1) etwas (sich) wenden, bewegen (vgl. DWB A 1):

dat kyndelen in irme lybe ...
iz wart also vro und blide,
dat it turnierde und spilde (14. jh.) geistl. ged. 158 Heinzel in: zfda. 17, 17;

ich lobe es (das schlittenfahren) im freyen felde, da mag ich thurnieren nach meinem gefallen Chr. Weise die drei ärgsten erznarren 190 ndr.; ist denn das so was übels, dasz du deswegen so tournirest? (hin- u. herläufst vor erregung) der verliebte u. galante student (1734) 136; ironisch:

und als herr kongresz nun müde ward
von all dem saus und braus,
tanz, karussel und schlittenfahrt
und turnier, da tournirt' er nach haus
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 237;

vereinzelt objektbezogen: ich habe meinem rechten flügel, dem invaliden, eine seitenbewegung rechts, meinem linken, der magd, eine links aufgetragen, um dergestalt den feind zu tourniren und in die flanken zu fallen Gaudy s. w. 24 (1844) 92; turnieren im skatspiel eine der auf dem tisch liegenden karten umwenden, zeigen und zum trumpf machen (1907) bad. wb. 1, 613. auch in der wendung etwas spaszhaft turnieren 'es spaszhaft wenden': als er (Werner) den mond mit einer hostia verglich, so wurde Goethe furios und grob und sagte, er solle was besseres machen. er turnirte es spaszhaft, aber kam immer wieder darauf zurück, dasz es dumm sei in: Göthe gespr. 2, 235 Biedermann.
2) kämpfen:

er (general) het turnieret um un um
Hebel w. 1, 70 Sütterlin.


3) wettkämpfe bestehen, wetteifern: demnach stunden wir auff und kamen auff den spielplatz, da man mit würffeln turnieret Grimmelshausen Simpl. 151 Scholte; wie rüstig turnieren sie (die stricknadeln) eine gegen die andere im ringelrennen, bis die siegerin eine ganze reihe von preisen aufzuweisen hat Holtei erz. schr. 9 (1861) 14; (ich) ärgerte mich aber, dasz er mit solchen reimereien überhaupt in die schranken ritt und mit turnieren wollte Fontane ges. w. (1920) II 2, 212; auch im sinne von 'nebenbuhler ausstechen, sich prahlerisch hervortun': ich will dir heut noch zu geld helffen, dasz ... du damit, wie vordem, beim schnestem weiber-volck ... wieder, einem anderen gleich, zu turnieren anfangen kanst frantzös. Simpliciss. (1683) 2, 391;

welche hahnen
zornig schwarze Indianen,
solch hoffärtige gesellen,
denen roth die hälse schwellen,
die sich kollernd neidisch blähen,
wenn sie rothe farben sehen,
aufgespreizt mit hofmanieren
um die hennen her turniren
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 163.

[Bd. 22, Sp. 1888]



4) ein streitgespräch führen, disputieren:

der Luther wil mit dir (Eck) studieren
auf dem reichtstag z Worms durnieren
und in künsten mit dir fechten bei
Schade satiren u. pasquillen 2, 184;

es seindt die maisten alhie in allerhandt handtwercken dergestalt geschaffen, das ich wol ursach hett, schir alle tag mit inen zu turnieren, also unbillig sindt sie (1561) br. Friedrichs d. Frommen 1, 172 Kluckhohn; mit dem pater Lämmermann musz ... (vom grafen von Nassau) wieder weidlich turnirt worden sein in geistlichen streitfragen Riehl culturgesch. nov. (1862) 268;

hochgestellte theologen
nun turnierten mit der (katholisch gewordenen) gräfin
G. Keller ges. w. (1889) 10, 190.


5) sich lärmend und tobend aufführen; in verschiedener sinnesfärbung: indessen turnieret das volck heraussen und schreiet noch immer darauff und erwartet das vom himmel herabfallende liecht mit grossem verlangen F. F. v. Troilo oriental. reise-beschr. (1676) 236; ob ihn nun zwar Eswara suchte abzutreiben, liesz er doch nicht ab, sondern brachte die andern hunde zugleich mit an, dasz sie ingesamt mit bellen und turnieren meinen posten bestürmten Ziegler asiat. Banise (1689) 244; er turnirt wie der leibhaftige teufel egli tempesta, grida, stride ... fà il diavolo à quattro Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1163c; er schreiet, er turnirt, er schmeiszt auf den tisch v. Loen ges. kl. schr. (1749) 1, 30; hörst du das pferd turnieren? es zersprengt wahrscheinlich den halfter und treibt unfug Schilling s. schr. (1828) 70, 43; jetzt, ihr ketzer, ihr schwernöthige (glücksschuhe, die nachts in der truhe rumoren), jetzt bocket, gampet und durnieret, wenn ihr könnt Mörike Stuttgarter hutzelmännlein (1853) 61; man kann sich nicht vorstellen, wie die frau in der küche turnirte, wie sie die küchlein herumschlug Gotthelf ges. schr. (1856) 1, 86; so noch mundartlich nachweisbar (s. brem.-nieders. 5 [1771] 133; Dähnert plattdt. wb. [pomm.-rüg.] 492; Lenz Handschuhsh. 48b; Schmidt Westerw. 259; Pfister hess. 302; Hertel Thür. 249; Müller-Fraureuth obers. 1, 268; Albrecht Leipzig 225b; Jungandreas schl. zeitw. 102; Wenisch Nordwestb. 33; Schröer beitr. z. dt. ma. d. ungr. bergl. 48; Neubauer Egerl. 53; Schmeller bair. 1, 622; Fischer schwäb. 2, 504 und Martin-Lienhart elsäss. 2, 717). im sinne von 'wüten, hausen': biss sie in trckische weiss werden der Christen kreiss erlangen vnd werden als Trcken turniren vnd frfahren Paracelsus op. (1616) 2, 622 Huser;

die turnierten lang im lande,
sengt- un brannten, das war arg
Döring ged. (1820) 25;

turnier' der sturm solang er will
Hebel w. 1, 113 Sütterlin.

häufig gleichbedeutend mit 'lärmend zechen, schwärmen': wo man alle tag fasznacht helt vnd torniert mit wein und bierglesern, da ist fehrlich seine kinder dienen lassen Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, Nnn 1a; (die handwerksburschen) sind nicht mehr in ihren conventiculis, krügen oder kretzschmaren fein sitsam oder sedati, sondern turniren und schwärmen viel ärger, als etwan daheime bey ihren meistern die wütende und mahnende rotte Praetorius philosophia colus (1662) 186;

es heist: seht, wie man junge leute,
wie man dem mann die frau verführt,
wie man von einem abend heute
bis auf den morgen früh turniert
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 4, 471;

der ... muthwillen ... mit sauffen, buhlen, tourniren, schiessen qu. v. j. 1739 bei Fischer schwäb. 2, 504; herr Spazzo, der im februar tapfer hinter den weinkrügen turniert hatte Scheffel ges. w. (1907) 1, 232. ferner im sinne von 'schelten, fluchen, poltern': die frau fängt gewaltig an zu torniren qu. v. j. 1698 bei Müller-Fraureuth obersächs. 1, 268; tourniren fluchen, schelten Sperander (1727) 746a; he turneerde mit sinem volke, dat man't in't drudde huus hren konde 'er schmählte so heftig auf

[Bd. 22, Sp. 1889]


sein gesinde, dasz es die nachbarschaft hörte' brem.-nieders. wb. 5 (1771) 133; er ka nehnts, als wettara und durmira d. i. schwören und rasen qu. v. j. 1787 bei Fischer schwäb. 2, 504; so noch mundartlich bezeugt: tornêrn seinen unmuth laut und anhaltend äuszern Danneil altmärk. 226; turnieren lärmen (d schelten) Jungandreas schl. zeitw. 102. gelegentlich auch sonst für 'lärmendes treiben' verschiedener art: es rumpelt und tourniret in den geigen, als wenn sie voll teufel wären polit. klatschmaul (1683) 87;

glaubt, wenn in Spanien ein stier und ritter ficht,
so hret man frwahr ein solch turnieren nicht
H. v. Hoffmannswaldau u. a. Dt. ged. (1697) 6, 83 Neukirch;

dasz, wenn ein mietman aus furcht fr denen gespenstern und, weil er wegen des teuffelischen turnierens nicht lnger in dem hause bleiben knne, auszuziehen genthiget wurde, er so dann keinen mietzins ferner zu zahlen schuldig wre Thomasius ernsth. ged. u. erinn. (1720) 3, 361; da gab's ein schrecklich turniren und jagen in der luft; ich dachte, diesmal kriegen sie (die wettermacher) streit unter sich J. H. Schmitz sitten u. sagen d. Eifler volkes 1 (1856) 99.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnierer, m. , teilnehmer am ritterlichen kampfspiel; mhd. turnirære, turnierer mhd. wb. 3, 153; Lexer 2, 1584; H. Suolahti d. frz. einfl. auf d. dt. spr. i. 13. jh., mém. de la soc. néo-phil. de Helsingfors 8 (1929) 272; A. Rosenqvist d. frz. einfl. a. d. mhd. spr. i. d. 1. hälfte d. 14. jhs. (1932) 248; frühnhd. turnierer Frisius dict. (1556) 207b; Maaler teutsch spraach (1561) 411d; mit offener qualität d. stammvokals: tornierer (1470) mlat.-hd.-böhm. wb. bei Diefenbach 274 s. v. tornarius und anlautender lenis: dornirer Kranheybel dict. (1502) bei Diefenbach nov. gl. 367b; als orthographische varianten finden sich formen mit th (thurnierer H. Sachs, Moscherosch s. u. 1) sowie auf -irer (turnirer voc. ex quo [15. jh., md.] Diefenbach gl. 588c s. v. tornarius; Voigtländer s. u. 1); mndl. tornierer Verwijs-Verdam 8, 591; vgl. ferner engl. tourneyer Murray 10, 1, 192. nomen agentis zu turnieren (s. dort), das sich gegenüber der an afrz. tornoier anschlieszenden bildung turneier (auch turneyer, torneier, turnier, s. mhd. wb. 3, 152; Lexer 1583; Suolahti a. a. o. 272 u. Rosenqvist a. a. o. 247) im sprachgebrauch durchsetzt und bis ins ältere nhd. behauptet.
1) turnierkämpfer, teilnehmer am ritterlichen kampfspiel, zu turnieren A 2; vgl. sinnverwandtes renner teil 8, sp. 813 (2 b) und stecher teil 10, 2, 1, sp. 1272 (1 a):

Troylus sich ane liz
daz er ein gut tvrnierer hiz
Herbort v. Fritzlar liet von Troye 1684 Frommann;

war einr der ritterlichen menner,
ein thurnierer und guter renner,
war auch gerüstet wol zu feldt
H. Sachs 14, 283 lit. ver.;

die ritter, hoffleut, vnd die turnirer,
die reuter, fechter vnd scharmutzirer
Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 24, 2;

vnd so der bestimpte tag, dasz man thurnieren soll, kompt, ist ein jeder thurnierer schuldig, zu seinem thurniervogt zu gehen, vnder den er dann gehört, vnd sich lassen einschreiben Moscherosch gesichte 2 (1666) 380; turnierer celetizontes Dentzler clavis (1716) 292b.
2) vereinzelt lexikalisch bezeugt als 'equus circensis turnierer, turnierrosz' Frischlin nomencl. (1591) 277.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnierfähig, adj., ad ludos equestres habilis Schottel haubtspr. (1663) 353; üblich allein im sinne von 'am turnier teilzunehmen würdig': oder ist es (der cavalier) ein feldhauptmann oder obrister oder ritter und Teutscher vom adel, welcher seine ahnen aufzuzeigen und sich also thurnierfhig weis, der auch keines meineides, keiner unzucht, noch einiges groben lasters und untahten schldig ist (1648) Schottel friedenssieg 49 ndr.; (er ist) wahrhaftig vom alten adel und turnierfähig G. Chr. Erh. Westphal portraits 1 (1779) 141; sie sah sehr wohl ein, dasz ein stifts- und turnierfähiger ritter nie ein armes

[Bd. 22, Sp. 1890]


mädchen ... heirathen werde Ch. v. Schmid ges. schr. (1858) 12, 42; nur turnierfähige, d. h. männer aus altem ritterbürtigem geschlecht mit wenigstens 4 (bei Franzosen 3) ebenbürtigen ahnen, konnten theil nehmen Müller-Mothes archäol. wb. 2 (1878) 947a. als attribut ahnenstolzer damen: sie zählt zehn ahnen mehr, als nach Sethi Caluisii berechnung ... die welt gestanden; o der stifts [!] und turnierfähigen frauen! Hippel lebensl. 3, 2 (1781) 563. vereinzelt auch im sinne von 'turniergemäsz': die ... wichtigste aufgabe bleibt, nicht eher dem fräulein den handschuh hinzuwerfen, als bis der kämpe turnierfähig geharnischt ist Holtei erz. schr. 1 (1861) 78. — s. auch unter turnierfähigkeit, turniersfähig u. vgl. turniermäszig. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnierfähigkeit, f., nominalbildung zu turnierfähig (s. dort): sie (die kampfrichter) liessen sich die beweise der turnierfähigkeit eines jeden ritters vorlegen Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 245; die turnierfähigkeit zu erkennen, war daher eine strenge wappenschau erforderlich Uhland schr. (1865) 5, 314; die reichsfreien, der landsässige adel u. die ritter, die nach u. nach wappen-, turnier- u. hoffähigkeit erlangten, traten allmählich als ein geschlossener stand auf, als der stand der reichsritterschaft v. Alten handb. f. heer u. flotte 1 (1909) 105a. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnierfeld, n., turnierbahn, turnierplatz (vgl. ndl. tornooiveld und engl. tourney-field), nur bildlich nachweisbar: das freulin gab im (dem alten liebhaber) antwort und sagt: ... ir mögendt aber wol dises rennplatz oder turnier [!] felds müssig stehn (1556) Frey gartengesellschaft 55 Bolte; die gesellschaft als turnierfeld aller verfehmten ideale! Conrad von Zola bis Hauptmann (1902) 71. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turniergenosse, m., 'teilnehmer am turnier (A)' bzw. 'angehöriger einer turniergesellschaft (s. dort sowie s. v. turniersgenosse)': solle in der zeit an keinen orten uber thurniergenossen anders denn thurniers recht gehalten werden Cyriacus Spangenberg mansfeldische chronica (1572) 120a; und waren nunmehr die andere thurnier-genossen zum kampff fertig J. Helwig Ormund (1666) 17; doch auch auf die höfischen turniergenossen legte sich ein fluch Freytag ges. w. 18 (1888) 34; zu turnier B 3: um ... einen turniergenossen der redeübung zu haben Jean Paul w. 19, 134 Hempel. in freierer anwendung auch sonst von angehörigen bestimmter lebenskreise: nur Pestitz wiederzusehen, wo alle turniergenossen seiner glänzenden tage verschwunden waren, ... verabscheuete er Jean Paul w. 15/18, 675 Hempel; von solchem leben soll jetzt ein turniergenosse aus den gesellschaften des esels und des einhorns erzählen Freytag ges. w. 18 (1888) 393. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turniergesellschaft, f., ritterlicher verband von turnierfähigen: er ... gedenkt ... der turnire in den ... vier landen, obgleich diese nur das werk einer ... turnirgesellschaft waren allg. dt. bibl. 102 (1791) 184; es bildeten sich zwölf löbliche turniergesellschaften mit banner und zeichen Freytag ges. w. 18 (1888) 390; das sind in erster linie ... die wappen der länder und städte ... sowie anderer juristischen [!] personen und gemeinschaften wie zünfte, orden, mittelalterlichen [!] turniergesellschaften und vereine Ulmenstein wappenwesen (1935) 3. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turniergesetz, n., satzung des ritterlichen kampfspiels, vgl. DWB turnierordnung: nach dem ... der keyserliche herold einen brieff, darin die thurnir-gestze geschrieben stunden, gelesen ..., ritten die beyde helden frendlich gegen einander zu Moscherosch gesichte (1650) 2, 276; er erfuhr zugleich, dasz auch den fremden der zutritt erlaubt sei, wenn sie nach den turniergesetzen geharnischt erschienen Tieck schr. (1828) 4, 301; aber euch schützt das turniergesetz O. Ludwig ges. schr. (1891) 4, 183. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turniergezeug, n., 'rüstung' (vgl. mndl. torniergetouwe Verwijs-Verdam 8, 591): darzu soll sein thurniergezeg den ehrnholden vnd sein thurnierpferd den knechten verfallen seyn Moscherosch gesichte (1650) 2, 372; s. auch ebda 381. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnierhelm, m., im turnier getragener helm, s. auch unter turniershelm und vgl. schwed. tornerhjälm, engl. tourney-helm sowie stechhelm teil 10, 2, 1, sp. 1278: aber dise zwen Schauburg und Marschalk lagen under den rossen, das in von den andern die getter an turnirhelmen,

[Bd. 22, Sp. 1891]


und sie allenthalben so hart getret wurden, das sie sich des lebens nahen verwögen hetten (1507) Wilwolt v. Schaumburg 53 lit. ver.; in einer art von sogenannter spanischer tracht ... sitzt er ruhig nachdenkend, ... in der linken auf einem starken polster ein kurzes schwert haltend, dahinter ein turnierhelm Göthe I 49, 1, 393 W.; als heraldische bezeichnung für die wappenzier turnierfähiger geschlechter: hat das brustbild (auf dem schwertgroschen) ein swert uber die achseln, uf der ander seiten ein thurnirehelm qu. v. 1496 in: arch. d. hist. ver. v. Unterfr. u. Aschaffenburg 22 (1874) 142; die (wucherers tochter) gehet der adellichen dochter fr, und erlangen darnach die adelliche wappen mit turnirhelmen Solms beschr. v. urspr. d. adels (1563) 8a; turnirhelm ist der gewöhnliche heutzutage bei adeligen wappen fast allgemein gebrauchte kleinodhelm Querfurth herald. terminologie (1872) 160. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: