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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turner bis turnerkreis (Bd. 22, Sp. 1878 bis 1880)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turner, m., nomen agentis zu 2turnen, s. dort; vereinzelt bei Moscherosch, der es als grundwort von turnieren und turnier anführt: der berichtete mich: turner wre bey den alten ein junger soldat, ein tummelhaffter wacker kerly, ein frischer junger gesell, der sich in ritterlichen thaten vbete, daher thurnieren vnd ein thurnier seinen namen vnd anfang genommen Moscherosch gesichte (1650) 2, 416.
 
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turner, m., 'wender', als fachwort der milchwirtschaft im alem. bezeugt (s. auch Stalder schweiz. 1, 329; Fischer schwäb. 2, 503 sowie schweiz. id. 1, 453 s. v. turnarm): das grosse wellkesse, bandkesse oder kskesse, welches an dem turner hanget, an einem hltzernen schnabel, welcher sich mit leichter mhe ber das feuer und von demselben hinweg bewegen lszt Noel Chomel öc. lex. (1750) 8, 1065; turner (soviel wie winder) hölzerner oder eiserner zur seite des feuerherdes angebrachter drehbarer galgenförmiger kran, an welchem aufgehängt der käsekessel über das feuer gebracht, bez. davon abgezogen wird; auch benutzt, um den aus dem kessel gehobenen käseteig unter die presse zu bringen Martiny wb. d. milchwirtsch. (1907) 131.
 
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turner, türner, m., ältere nebenform von türmer, s. teil 11, 1, 1, sp. 471 sowie Unger-Khull steir. 184 u. Kisch Nösner wörter 166.
 
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turnerbruder, m., wie turnbruder (s. dort):

turnerbrüder! seyd willkommen,
seyd mit jubel aufgenommen
in der alten Neckarstadt
Kerner lyr. ged. (1854) 326.


 
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turnerbund, m., wie turnbund (s. dort): viele bisher der deutschen turnerschaft zugehörigen vereine schlossen sich dem turnerbunde an tägl. rundschau (1901) 241; er ist mitbegründer und ehrenturnwart des turnerbundes Fr. Wolf zwei a. d. grenze (1950) 85.
 
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turnerei, f. , ableitung von 1turner, s. dort sowie unter 1turnen.
1) das treiben von leibesübungen, das turnen: die turnerei halte ich werth; denn sie stärkt und erfrischt nicht nur den jugendlichen körper, sondern ermuthigt und kräftigt auch seele und geist gegen verweichlichung (1817) Göthe gespr. 22, 397 Biedermann;

turnerei
macht den körper frei.
doch ist das mittel noch nicht erdacht,
wodurch der geist wird frei gemacht
Hoffmann v. Fallersleben mein leben (1868) 6, 369;

das turnen wurde (1818) für eine überflüssige spielerei erklärt, die soldaten hätten springen und laufen können auch ohne turnerei Gutzkow ges. w. (1872) 1, 133; dem miszbrauch der turnerei zu zwecken der ... parteipolitik tritt der 'geschäfts- und jahresbericht' der ... deutschen turnerschaft mit nachdruck entgegen tägl. rundschau (1905) 366; vom turnunterricht: die einzigen lichten

[Bd. 22, Sp. 1879]


momente in diesen mittelklassen (der schule) waren die der turnerei, die mein vater zu einem wirklich erziehlichen institut zu machen wuszte J. Scheibert mit schwert u. feder (1902) 5.
2) auf die turnbewegung Fr. L. Jahns bezogen: alle diese aus den freiheitskriegen stammenden elemente waren es, welche in der mit der turnerei innig verbundenen burschenschaft ihren ausdruck fanden C. v. Raumer in: Schubert selbstbiogr. 3 (1856) 307; man kann die geschichte des neunzehnten jahrhunderts nicht schreiben, ohne der turnerei gerecht zu werden W. Meyer preusz. jahrbücher 114 (1903) 131.
3) bildlich in verschiedener anwendung; meist mit tadelndem beisinn: die grosze liebenswürdigkeit derer, die den schauplatz für diese turnerei (empfang beim prinzen Reusz) hergeben, läszt mich den rückfall in diese kleinen eitelkeiten und ungehörigkeiten auch kaum bedauern Fontane ges. w. (1920) II 5, 127; die gefahr dieser methode liegt darin, dasz scharfsinn in gedankliche turnerei ausarten kann dt. literaturzeitung 72 (1951) 450.
 
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turnerfest, n., wie turnfest (s. dort): von dem augenblick an, wo diese kraft und frische nicht mehr da ist, sehnt man sich mehr nach dem heimischen bettzipfel als ... nach ausstellung oder turnerfest Fontane ges. w. (1920) II 5, 249; as ut ganz Dütschland de frischen grisjacken un widbüxen tau't turnerfest in Berlin tausamen kemen Fr. Reuter w. 4, 335 Seelmann; vereinzelt auch auf ähnliche veranstaltungen früherer jahrhunderte bezogen: das allgemeine turnerfest der griechischen stämme Mommsen röm. gesch. 5 (41894) 264. —
 
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turnergewand, n., wie turngewand (s. dort): als student machte ich vom turnplatze aus in meinem turnergewande einen einsamen spaziergang (1817) Göthe gespr. 22, 396 Biedermann; dann marschierten die schüler ein, alle in kleidsamem turnergewande tägl. rundschau (1905) 158.
 
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turnerin, f., zu 1turner: unter den klängen der musik und fröhlichem gesang erfolgte dann der einmarsch von 200 turnerinnen, die alle schmucke turnkleider trugen, grau mit rotem besatz und blau mit weiszem besatz tägl. rundschau (1905) 147; die übungen können sowohl von einzelnen turnern oder turnerinnen als auch von abteilungen, riegen, schulklassen ... ausgeführt werden d. gr. Brockhaus 19 (1934) 204 s. v. turnen; wir wünschen unseren turnerinnen und turnern bei den wettkämpfen 'hals- und beinbruch' (31. 3. 52) dt. sport-echo 6. jahrg., nr. 27.
 
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turnerisch, adj., den turnern zugehörig, ihrer art gemäsz, sportlich, ableitung von 1turner (s. Henzen dt. wortbildg. [1947] 203, Zeidler d. dt. turnspr. bis 1819 [1942] 112 u. vgl. Fr. L. Jahns angabe: 'davon [von turn] sind jetzt schon gebildet und bereits redebräuchlich: ... turner, mitturner, vorturner, turnerisch' d. dt. turnkunst [1816] in: w. 2, 1, 13 Euler): alle geschwister, turnerische und unturnerische, grüsze ich sehr (23. 6. 1818) K. Otfr. Müller a. s. vater 31 Kern; er trug graue leinwandhosen und einen dito drillichrock, unter dem ... ein nachthemd mit umgeklapptem kragen sichtbar wurde, was alles unbedingt ans turnerische gemahnt hätte, wenn es weiszer gewesen wäre Fontane ges. w. (1920) II 1, 245; ältere herren der gebildeten stände, welche sich zwanglos turnerisch bethätigen wollen, finden in der seit 1886 bestehenden Berliner turn- und fechtgesellschaft, was ihnen fehlt tägl. rundschau (1898) 273; die glieder, die etwas schmerzten, ... wurden durch einige turnerische übungen geschmeidig gemacht E. Stier unter prinz Friedr. Karl (1908) 17; ohne hervorragende turnerische befähigung H. Seidel vorstadtgesch. (1929) 1, 314 (das alte haus); turnerisch gelenkige, von sonne gebräunte, von sport gestraffte gestalten Stefan Zweig welt v. gestern (1947) 227; das von Jahn erdachte vierfache F — frisch, frei, fröhlich, fromm — ist heute noch das turnerische symbol in vielen europäischen ländern die zeit (11. 10. 51) 22; in freierer anwendung: (ein glück,) das nur dadurch etwas geschmälert

[Bd. 22, Sp. 1880]


wurde, dasz er bei der turnerischen tiefe seiner verbeugung seinen landesherrn und dessen gnädiges danknicken nie sah W. v. Scholz erz. (1924) 381. vgl. sinnverwandtes turnisch.
 
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turnerkreis, m., im gegensatz zu turnkreis (s. dort) nur pluralisch bezeugt für 'die zur turnerschaft oder turnbewegung gehörigen kreise der bevölkerung': die burschenschaft ... hatte sich ... durch die turnerkreise ... zu ... befehdung der polizei ... verleiten lassen Heine s. w. 7, 14 Elster; der in turnerkreisen allbekannte städtische turnwart Weigand ist beim besteigen der Königsspitze in Tirol abgestürzt Kieler neueste nachr. v. 21. 7. 1900; über seine (des barrens) zweckmäszigkeit entbrannte ... in turnerkreisen der sogenannte barrenstreit v. Alten handb. f. heer u. flotte (1909) 1, 846. —

 

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