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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turnbetrieb bis turner (Bd. 22, Sp. 1873 bis 1877)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turnbetrieb, m., das schul- oder vereinsmäszig betriebene turnen: im jetzigen turnbetrieb wird dem vorturner zumeist eine einzelne riege zugeteilt Fr. L. Jahn d. dt. turnkunst (1816) in: w. 2, 1, 119 Euler; ihre (der schulischen turnrevisoren) aufgabe besteht darin, die turnstätten und den turnbetrieb in periodischen zeiträumen zu besuchen Nord-Ostseezeitg. (1899) 439; auszer dem turnbetrieb pflegt der verein auch jede andere

[Bd. 22, Sp. 1874]


leibesübung in turnerischer art tägl. rundschau (1908) 139. —
 
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turnbruder, m., mitglied der turnerschaft, vgl. DWB turnerbruder: prof. Wunderlich-Berlin ... gedachte besonders der turnbrüder von Graz und Wien tägl. rundschau (1905) 366. —
 
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turnbund, m., turnerischer verband, vgl. DWB turnerbund: der akademische turnbund (verband der nicht farbentragenden akademischen turnvereine auf deutschen hochschulen) wird in Hameln vom 3. bis 6. August sein drittes bundesfest mit groszem prunk begehen tägl. rundschau (1901) 293; der akademische turn-bund Berlin hielt am sonnabend in der städtischen turnhalle ... anläszlich seines stiftungsfestes ein schauturnen ab tägl. rundschau (1905) 318.
 
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turnei, m. und (in neuerem sprachgebrauch wie turnier) n., ritterliches kampfspiel; mhd. turnei, turnai, tornei, turnoi mhd. wb. 3, 151; Lexer 2, 1583; H. Suolahti d. frz. einfl. a. d. dt. spr. i. 13. jh., mém. de la soc. néo-phil. de Helsingfors 8 (1929) 271; A. Rosenqvist d. frz. einfl. a. d. mhd. spr. i. d. 1. hälfte d. 14. jhs. (1932) 247; aus dem mhd. entlehnt ist tschech. turnej, turnaj Mayer d. dt. lehnwörter i. tschech. (1927) 24 u. 69, das seinerseits ins obersorb. übernommen worden ist, s. Bielfeldt d. dt. lehnwörter i. obersorb. (1933) XXIII u. 278 (vgl. auch poln. turniej); frühnhd. turney, torney voc. rer. (15. jh., md.) Diefenbach gl. 588b s. v. tornamentum; daneben vereinzelt: turnay turlamentum ebda 602c; torny voc. ex quo (15. jh.) ebda 588b s. v. tormentum; Schonsperger gemma gemm. (Augsburg 1512); mit anlautender lenis: durnay (14./15. jh. Augsburg) städtechron. 1, 54; mnd. tornei, torneye, m., n. Schiller-Lübben 4, 580; P. Katara d. frz. lehngut i. d. mnd. denkm. d. 13. jhs., annales acad. scient. Fenn. B 50 (1942) 553; mndl. tornooy, m., n. Verwijs-Verdam 8, 593; ndl. tornooi, n. Dale 2, 1787; me.-ne. tourney Murray 10, 1, 191; mschwed. torney Söderwall 2, 666; schwed. tornej schlieszt wohl an die mnd. form an.als bezeichnung des ritterlichen kampfspieles im 12. jh. aus dem frz. entlehnt (afrz. tornei, tournei, tournoi), wird turnei bald von der geläufigeren, aus turnieren rückgebildeten form turnier (s. dort) verdrängt und erst in neuerem sprachgebrauch, mit dem aufleben der ritterromantik, wiederaufgenommen:

sô solde der turnei sîn
zwischen Tarebron und Prurîn
Hartmann v. Aue Erec 2239 Haupt;

darumb haisz ich in (den geliebten) reitten
zu höfen, turnay vnd streitten liederb. d. Hätzlerin 90 Haltaus;

von eynem torneye zu Erfforte K. Stolle thür. chron. 201 lit. ver.;

und wie das herz es ihnen vorgesagt,
erging's am tag des turneys. Danayn
und Geron warfen alle ritter aus dem sattel
Wieland s. w. 18 (1796) 44;

nicht sieht man jungfraun auf den weiszen zeltern
durch grne haine traben, falken fhrend,
kein frhliches turney, kein lanzenbrechen
Tieck schr. (1828) 5, 528;

im waffenspiel gab meines muths ich proben,
und wieder dennoch jagt' ich zum turnei,
indesz, ich will's gestehn, der menge schrei,
glück, ruhm und jugend stolz die brust mir hoben
Freiligrath ges. dicht. (1870) 4, 136;

da kehrt er ja, da kehrt er schon
vom festlichen turnei,
der ritterliche königssohn,
mein buhle wundertreu
Uhland ged. (1898) 1, 149;

ironisch; nach dreyen verdrieszlichen tagen voll kopfreibens und unnöthlichen bedenklichkeiten hat auch er (junker Hilmar) gesattelt zum groszen turney und ist mit denen anderen herren ... gen mitternacht gezogen zu des herzogen Julii hoflager W. Raabe s. w. III 1, 8 Klemm; gelegentlich auch sonst im sinne von 'wettkampf, wettstreit':

zu dem wettgesange schreiten
minnesänger jetzt herbei;
ei, das gibt ein seltsam streiten,
ein gar seltsames turnei!
Heine s. w. 1, 47 Elster;

[Bd. 22, Sp. 1875]


um hohes gut gemeinsam kämpfen ist ein edles turnei Pocci lust. komödienbüchl. 3 (1869) 58; erst die bedingungen, regeln und gesetze, unter denen dieses turnei des witzes stattfinden soll Spielhagen s. w. 3 (1872) 238.
 
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turneien, vb., turnieren, frühnhd. torneyen (15. jh., md.) Diefenbach gl. 135c und 588c s. v. commilitari u. tornerare; mnd. torneien Schiller-Lübben 4, 580 (woraus mschwed. torneya Söderwall 2, 1, 666b, s. Hellquist 3 1207); mndl. tornooyen, tornoyen, torneyen Verwijs-Verdam 8, 595; ndl. tornooien. — ableitung von turnei, die nach vereinzeltem auftreten im frühen nhd. sporadisch im sprachgebrauch des 19. jhs. erscheint, jedoch üblicherem turnieren gegenüber nicht durchdringt, vgl. die ähnliche entwicklung von turnei und 2turnen: wenn die ritter vom geiste zum ersten male in seiner tempelabtei im walde tagen oder turneien würden Gutzkow die ritter vom geiste 9 (1851) 384;

wahrlich mich däucht, als hätt' ich ihn jüngst gesehen: ein zerrbild
jenes ritters, der so feindlich am Tabor turneyte
J. L. Pyrker s. w. (1855) 2, 207.


 
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turneiunge, f., tornatura, tornamentum, s. u. turnierung.
 
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turnen, vb. , leibesübungen treiben; neubildung Fr. L. Jahns zu einem vermeintlich altdt. stamme (*turn in turnen, turner u. s. w. ist ein deutscher urlaut [1816] im vorbericht seines werkes 'd. dt. turnkunst', w. 2, 1 [1885] 13 Euler), den er in turnier ritterliches kampfspiel, turner junger soldat Moscherosch gesichte 2 (1650) 416 sowie in Notkers uuieo samfto er fier ros sament turnet (< lat. tornare) 2, 145 Piper zu finden und wieder zu beleben glaubte, s. die ausführliche darlegung im vorbericht seiner 'turnkunst' a. a. o. 13ff. sowie die briefliche mitteilung an Feuerstein: turnen — gymnastische übungen treiben, vom alten torna, turna, kämpfen, streiten; wovon turnei, späterhin turnier (1811) bei J. Zeidler d. dt. turnspr. bis 1819 (1942) 43. turnen bürgerte sichvon der nationalen bewegung Fr. L. Jahn getragenrasch als umfassende bezeichnung der leibesübungen ein (nunmehr auch mundartlich bezeugt, s. Siebs Helgoland 297; Hofmann niederhess. 243; Müller-Fraureuth obers. 2, 766; Albrecht Leipzig 225; Lenz Handschuhsheim 73; bad. wb. 1, 613 u. Fischer schwäb. 2, 503; darüber hinaus auch im ndl., dän. u. norw. nachweisbar, s. Franck-van Wijk 714 s. v. turnen, Falk-Torp 1300 u. Brynildsen 947 s. v. turne) und drängte ältere umschreibungen wie in gymnastischen übungen beschäftigen (s. Zeidler a. a. o. 44 und 51f.) zurück. der begriffsbereich verengte sich allerdings mit aufkommen der modernen sportbewegung, die neue übungsarten und fachwörter üblich werden liesz; turnen bezeichnet nun im wesentlichen nur noch leibesübungen in der turnhalle und an geräten, wenn auch bestrebungen im gange sind, ihm den umfassenderen begriffsumfang zurückzugeben, s. M. Dietz d. wortschatz der neueren leibesübungen, diss. Heidelberg 1936, 9; E. Mehl in: mutterspr. (1930) 164. die ursachen dieser entwicklung werden letztlich in der jahrzehntelangen zwangsbeschränkung des turnens auf saalübungen, d. h. in der zeit der 'turnsperre' (1819-42) zu suchen sein, s. Mehl a. a. o. 163; ders. in: muttersprache (1952) 147; Zeidler a. a. o. 59.
1) 'leibesübungen nach den regeln der turnkunst treiben'; s. auch unter vorturnen teil 12, 2, sp. 1801: jeder turner soll nach der ordnung turnen, wie er auf den einzelnen turnstellen ankommt (1816) Fr. L. Jahn d. dt. turnkunst in: w. 2, 1 (1885) 125 Euler; es soll niemand an einem reck turnen, das er nicht erreichen kann im stand oder hangsprung ebda 128; (Felix Mendelssohn) nimmt sich beim turnen, reiten und schwimmen nicht übel aus (6. 6. 1826) Zelter in: briefw. zw. Göthe u. Zelter 2, 434 Hecker, vgl. ferner die tagebucheintr. Göthes vom 17. 5. 1816: staatsrath Hufeland v. B(erlin) kam. über turnen und academica III 5, 231 W.;

[Bd. 22, Sp. 1876]


heraus aus der kluft!
hinein in die luft,
muntre turner grosz und klein!
...
drauszen musz geturnet seyn
(turnlied beim hinausziehen)
Erlach volksl. 4 (1835) 13;

mit den kriegerischen übungen (in der kantonsschule) war das turnen verwandt, zu welchem wir ebenfalls angehalten wurden, so dasz ein [!] abend exerziert und den andern gesprungen, geklettert und geschwommen wurde G. Keller ges. w. (1889) 1, 129; es turnten von den zum (turn-)feste erschienenen 50 mitgliedern des turnvereins Bukarest ... fünf mann am reck ...; aus dem Moskauer turnverein turnten sieben mann am barren Angerstein in: monatsschr. f. d. turnwesen 9 (1890) 13 Euler-Eckler; bei dem gewöhnlichen springbrett kommen mitunter verletzungen des fussgelenkes dadurch vor, dass der turnende über die kante des brettes tritt Kregenow-Samel gerätkde (1905) 73; geturnt wird bei den frauen: schwebebalken, stufenbarren, gymnastik, bodenübung und pferdsprung (31. 3. 52) dt. sport-echo 6. jahrg., nr. 27; perfektiv: kriegsverletzte turnen sich gesund dt. allg. zeitg. v. 29. 5. 40, s. 7; für leibeserziehung als lehrgegenstand, schulfach: das turnen der gesammten volkserziehung anzuschlieszen (1819) rundschr. d. ministeriums Altenstein a. d. oberpräsidenten bei H. Pröhle Jahns leben (1855) 304; auch soll er (Maszmann) am kadettenkorps der Bayerhauptstadt in leibesübungen, (dort amtlich) turnen genannt, unterrichten (6. 5. 1827) Fr. L. Jahn br. 301 Meyer; Klaus (Schart, der lehrer) lächelte ... lesen, rechnen, deutsch, naturgeschichte, schreiben, singen und turnen muszte er geben Kluge Kortüm (1938) 489; wir haben dųrnə 'turnstunde in der schule' (Freiburg i. Br.) bad. wb. 1, 613; wir gehen ins dųrnə zur turnstunde des turnvereins ebda; vereinzelt auch metaphorisch gebraucht:

ja, unsre zeit ist eine dirne,
die sich als 'mistresz' producirt,
...
sie turnt trapez und paukt klavier mod. dichtercharaktere (1885) 149 Arent-C.-H.


2) in freierer anwendung.
a) sich mit turnerischem schwung bewegen, flink und wendig springen oder klettern: ich turnte über die betten Binding erlebtes leben (1928) 45; nur dann und wann ... turnte ein eichhörnchen die bäume lustig auf und ab A. Schebest aus dem leben (1857) 116; ich lausche den meisen, die über mir wispernd in den baumkronen turnen Siedel wildtiere unter menschen (1951) 14. häufig in unfester komposition mit adv. partikeln, hinauf-, (he)rum-, herunter-, umherturnen: und wäre ich oben hinauf geturnt, da würde mir thürmelig vor den augen und ich fiele wie ein faulthier herunter, wenn es satt ist A. v. Arnim s. w. 10 (1841) 288; sie (Mete) turnt viel umher und ist in diesem augenblick auf dem wege nach Rostock (17. 2. 1888) Fontane familienbriefe 2, 161 Fontane; unter allerlei fährnissen turnten wir in der mondbeleuchtung das ächzende fallreep hinauf P. H. Dombrück tropenflimmer in: tägl. rundsch. (1906) 405; dann hielt der zug, pfeifend und schnaubend, und Georg turnte mit dem schweren koffer herunter auf den bahnsteig qu. v. 1936; grad droben am Golm herumturnen musz man Fr. Wolf zwei a. d. grenze (1950) 5; nicht gleich wieder wie ein wilder rumturnen! O. M. Graf unruhe um einen friedfertigen (1948) 342; auch auf geistige bewegung bezogen: Menzel war der erste, ðer in die alten ideenkreise zurückturnte Heine üb. Börne (1840) 270.
b) vereinzelt im sinne von 'trainieren, üben': ich setze mich ans fenster, ... turne mit der lunge Fontane ges. w. (1920) II 4, 272.
 
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turnen, türnen, tornen, vb., kurzform von turnieren, diein anlehnung an lat. torn(e)are — vereinzelt im frühen nhd. (nd.) auftritt, danach erst wieder in poetischem sprachgebrauch des 18. und 19. jhs. nachweisbar ist (vgl. 2turner): torneare türnen voc. rer. (1486, obd.) bei Diefenbach nov. gl. 368a; tornare torneren, tornen voc.

[Bd. 22, Sp. 1877]


ex quo (15. jh., nd.) bei dems., gl. 588c; in hoffnung mich überraschten desto leichter aus dem sattel zu turnieren oder zu turnen Fouqué gefühle, bilder (1819) 2, 54;

sie (die heidnischen ritter) turnen mit Astolf, und sonder weile
wird ihnen beiden gleicher fall zu theile
Gries Bojardos verliebter Roland (1835) 1, 60.

meist im poetischen bilde: jetzo wurde (zwischen medikus u. apotheker) blos über das podagra geturnt; der kampfwärter und turniervogt (war) Matthieu Jean Paul s. w. 8 (1826) 56 Reimer;

ich, der ich ...
... mit dem unverstand begann zu turnen,
der stelzenhaft gespreizt sich auf kothurnen
Platen w. 2, 449 Hempel;

sich turnen 'einander im turnier bekämpfen':

rittersporn und eisenhut,
der voll zorn und der voll muth,
turnten sich im gärtchen.
blumenstaat in aufruhr kam;
seht, da naht und macht sie zahm
lilie mit dem schwertchen
Rückert ges. poet. w. 2 (1882) 417.


 
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turnen, vb., als fachausdruck der Rheinschiffahrt: durch einen schleppdampfer (flott zu machen), der das festsitzende fahrzeug ins schlepptau nimmt und es durch hin- und herziehen (= turnen) abturnt Dunkelberg Rheinschiffahrts-lex. (1910) 40.
 
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turnen, türnen, vb., ältere nebenform von türmen, s. teil 11, 1, 1, sp. 470f.
 
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turner, m. , im ndl.-dän.-norw. als turner, im schwed. als turnare nachweisbar; nomen agentis zu 1turnen, s. dort sowie unter vorturner teil 12, 2, sp. 1801.
1) 'ein betreiber von leibesübungen, im oberdeutschen torner' ([25. 7. 1811] Jahn br. 35 Meyer): schwingungen eines besonders geübten turners am reck (1817) Göthe gespr. 22, 409 Biedermann;

klettern, laufen, springen
ist des turners spie!
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 2, 133;

diese verschiebbare leiter muss in einer gewissen entfernung, mindestens 50 cm, von der wand aufgestellt werden, damit der turner auch die rückseite zum aufsteigen, z. b. beim tiefspringen, benutzen kann Kregenow-Samel gerätkde (1905) 65; es ist die vierte riege, die schlechten turner, die keine freude haben an der bewegung bei den geräten Rilke ges. w. (1927) 4, 211; die ungarischen turner blieben in diesem ... wettkampf ... sieger (31. 3. 52) dt. sport-echo 6. jahrg., nr. 27.
2) turner ist früh auch zur bezeichnung eines bestimmten menschlichen typus geworden; es bezeichnet einen durch leibesübungen geschulten körperlich gewandten: in seinen bewegungen war der ausgebildete turner unverkennbar B. Auerbach ges. schr. 14 (1858) 32; da ich nun überdies ein groszer turner war und eigentlich teufelmäszige sprünge machen konnte, ... so war es kein wunder, dasz ich bald in groszes ansehen unter diesem volke kam Hauff s. w. (1890) 2, 1, 37; also betrachtete er, der Georg, zumal er ein ausgezeichneter turner und schlechter lateiner sei, die reichswehr als den für ihn gegebenen ort V. Klemperer l. t. i. (1949) 31; darüber hinausnach Fr. L. Jahn turnerideal (s. u.) — den träger einer bestimmten lebenshaltung überhaupt: man kann es dem turner ... nicht oft und nachdrücklich genug einschärfen, dasz keiner den adel des leibes und der seele mehr wahren müsse, denn gerade er; ... tugendsam und tüchtig, rein und ringfertig, keusch und kühn, wahrhaft und wehrhaft sei sein wandel; frisch, frei, fröhlich und fromm — ist des turners reichtum ...; muster, beispiel und vorbild zu werden — danach soll er streben Fr. L. Jahn d. dt. turnkunst (1816) in: w. 2, 1, 122f. Euler; bist du ein turner und sprichst und tust solches? ders. bei Bornemann lehrbuch (1814) 112;

wer gleichet uns turnern, uns frohen?
Frlach volksl. 4 (1835) 11;

[Bd. 22, Sp. 1878]


doch schämte ich mich gewaltig der blödigkeit, die mich, den freien fröhlichen turner, befallen hatte W. v. Kügelgen jugenderinn. (1870) 384; (Fr. Vockerat:) turner aus Berlin, Käthel! prächtige menschen G. Hauptmann einsame menschen (1891) 41; bin fast die treppe hinuntergesegelt, als es klingelte, indessen ein alter turner, wie ich, hält sich aufrecht H. W. Seidel Krüsemann (1935) 47; die enge verflechtung des turnens mit der nationalen bewegung gibt turner gelegentlich den nebensinn eines parteigängers der freiheitsbewegung: Hans Ferdinand Maszmann, deutscher philolog und turner, ... der die unsaubren bücher verbrannt hat auf der Wartburg W. Scherer kl. schr. (1893) 1, 82; unerfreuliche aktualität erhielt das wort in jüngster vergangenheit: auch hier (an der bayerisch-tschechischen grenze) ist front: gegen die nazis jenseits, gegen die 'turner' Henleins diesseits der grenze Fr. Wolf zwei a. d. grenze (1950) umschlagtext; nach der erschieszung des heizers Franz müsse man mit aktionen gegen die turner rechnen ebda 336.

 

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