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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
türmeln bis turnart (Bd. 22, Sp. 1871 bis 1873)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) türmeln, vb., taumeln, schwanken, s. DWB dürmeln teil 2, 1733, drumeln ebda 1457, trümmeln teil 11, 2, 1349; mundartl. allgemein obd. und md., z. t. in differenzierter bedeutung, so als 'taumeln': türmlen Martin-Lienhart elsäss. 2, 715; dirmle Autenrieth pfälz. id. 33; turmeln Bruns volksw. d. prov. Sachsen 70; dorməln Hofmann niederhess. 243; turmeln, türmeln bad. wb. 1, 612; dermel, dørmel Hertel Thür. 249; duermeln Heinzerling-Reuter Siegerl. wb. 51; trmeln, drmeln Reinwald Henneberg 166; dormele Crecelius oberhess. 313. — türmeln wanken Gerbet Vogtland 428; im kreise herumwirbeln, schwindeln Schmeller-Fr. bayer. 1, 622; türmlan schwindlich, rauschig sein Lexer Kärnten 78; durmeln betäubt sein, schwindel haben, taumeln, stolpern rhein. wb. 1, 1582; ungeschickt, tölpelhaft gehen, herumtappen ebda; dormla schwindlich seyn, taumeln, wie einer, der noch halb schläft Sartorius Würzburg 31. — 'leicht schlafen, schlummern', vgl. 2türmen: türmlen Martin-Lienhart a. a. o.; durmle Seiler Basel 93; dorməln Hasenclever Wermelskirchen 78; dorme(l)n rhein. wb. 1, 1418; durmeln ebda 1, 1582; durmlen Fischer schwäb. 2, 500. — dürmeln, türmeln lärm schlagen, sich trotzig benehmen Unger-Khull steir. 184.
 
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türmelung, türmlung, f., wirbelwind, s. DWB dürmelung teil 2, 1734: dise (irrlehrer) seind brunn on wasser vnd nebel geiagt von den túrmlungen erste dt. bibel 2, 445 Kurr.; der brinnent wint hebt in auf vnd nympt in ab, vnd zuckt in von seiner stat als die túrmlung ebda 7, 202; 5, 352; 2, 274.
 
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türmen, vb., s. DWB thürmen teil 11, 1, 1, 470.
 
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türmen, vb., schwindlig werden, vgl. DWB durmen teil 2, 1734 und die germanischen verwandten: nordengl. dial. dorm 'im halbschlaf sein' Murray 3, 604; schwed. dial. dorma dass. Hellquist 3151; norw. durma, dorma 'schlummern, linder, still werden' Torp 66; nisl. dorma 'schlummern' Blöndal 136; schetl. dwarm dass. Jakobsen 130; färöisch durva 'mit dem schlaf kämpfen, nicken, schlummern' Jacobsen-Matras 61, ferner nhd. (nd.) dösen, dösig usf. weiteres bei Walde-Pokorny 1, 845:

des ritterschaft ist also mnc (mutig)
in wik herten strm
daz do manigem trm (türmen)
mag in sinem kopf
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österr. 8024 Regel.

'duseln, schlummern': durmen schlummern ..., halb schlafen, halb wachen (unter einflusz des frz.-lat.) Fischer schwäb. 2, 500; Ochs bad. 1, 612.
 
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türmen, vb., reiszaus nehmen, abhauen, weglaufen; rennen; gaunersprachlich, von neuhebr. thârám 'entfernen', s. E. Bischoff wb. d. wicht. geheim- u. berufsspr. 89, vgl. auch 3stiften teil 10, 2, 2890; dann in der soldatensprache des ersten weltkrieges nachweisbar: 'man sagt auch (vom reiszausnehmen) sie ... gehen türmen, türmen ab' Imme soldatenspr. (1917) 127. das wort hält sich im bereich drastisch-burschikoser ausdrucksweise; der abwertende sinn tritt zurück: ich sehe meine leute an, erspähe gerade noch, dasz sie sich zublinzeln, was soll das? denke ich. wollen sie türmen? qu. v. j. 1930; doktor, hören sie, hebe ich an.

[Bd. 22, Sp. 1872]


ich will türmen ... er bleibt stehen. 'flüchten?' fragt er leise ebda; mit einer handvoll jäger greift dieser verfluchte kerl ... an, rollt den halben Majo auf, und die bande türmt qu. v. j. 1933; 'neulich is eine getürmt (ohne die zeche zu bezahlen)' sagte er. 'unsre letzten wiener hat sie aufgegessen, und durst hatte sie wie ein mann' H. W. Seidel Krüsemann (1935) 221; 222; als er zurückkam, um die gesellschaft (kinder) ins bett zu jagen, waren die zwillinge getürmt C. v. Bremen d. schifferwiege (1936) 96. laufen, rennen: aber so als strippenflicker. na, wie ist das? da türmst du durch das blödeste feuer, flickst deine strippe, türmst wieder los, flickst wieder und nochmal und dann ... Fr. Knapp strippenflicker (1938) 26; türmen fliehend laufen Ochs bad. wb. 1, 612.
 
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türmig, adj., s. dürmig teil 2, 1734.
 
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türmisch, adj. , schwindlig, taumelnd; wild, ungestüm; finsterblickend; s. dürmisch teil 2, 1734.
1) 'betäubt, schwindlig':

darnach kam ain wind und saus,
der ging wol von dem ofen herausz
dasz si in den kopfen turmisch waren (1478) hist. volkslieder nr. 153 Liliencron;

Fischer schwäb. 2, 500; schwindelig, taumelnd Neubauer Egerl. 53. 'taumelnd, purzelnd': trifft aber nur den gaul, dasz er mit samt dem mann sich türmisch überschlägt Hohberg d. habsburg. Ottobert (1664) Zzz 2a. 'berauscht, ausgelassen': davon (von dem trunk) werden sie dester trmischer und hertzhafftiger Megiser chorographia Tart. (1611) 339.
2) die bedeutung des grundworts ist in abwertend-verstärkender richtung weiterentwickelt, 'wild, trotzig, ungestüm':

auch Englmar ain vetter hat,
der ...
... ist zu Bravant wol bekant
in dem land als ein türnisch (türmisch) man fastnachtsp. 1, 445 lit. ver.;

weilen dan nun die kayszerische soldaten also thürmisch und verüebig, dorften die underthonen nit wohnen, noch uff den derfern verbleiben (1630) S. Bürster beschr. d. schwed. krieges 99 Weech; allhier stehen mir die augen voller wasser, wann ich zu gemüt führe den türmischen tod, wie er seine sensen so scharf gewetzet hat Abr. a s. Clara w. 2, 73 Strigl;

da taod is nöt meh
wos a türmischa knecht
Stelzhamer ausgew. dicht. (1884) 1, 136.

'unordentlich, verwegen': nicht weniger zeigt auch die kleydung, hut vnd binden ein grossen vnterschied an, dann sie seyn nicht fein richtig vnnd so ordenlich gebunden vnd gewunden, sondern gar toll vnd türmisch durcheinander gewicklet Schweigger reyszbeschr. (1619) 136. 'tobend, wild, ungestüm' bad. wb. 1, 612. zur bedeutung 'stolz' neigend: von mancherlay farben gar zierlich und türmisch mit ungerischen hüettlin und schönnen federbusch U. Krafft reisen 377 lit. ver.; dürmisch ungestüm, zornig, stolz Fischer schwäb. 2, 500. insbesondere vom gesichtsausdruck 'finster, trotzig, wild': ein saures, turmisch, stürmisches gesicht machen far' un viso brusco, arcigno, far mal viso Kramer t.-ital. 2 (1702) 740c; dürmisch drein sehen torvum videre Weismann lex. bip. (81725) 2, 101b; sein ansehen trutzlich, türmisch, erschrockenlich Pincianus ritterl. thaten (1561) 175b; im stier ist ein türmisches stiergesicht, von fünff grossen und vil kleinen sternlein J. Kepler opera omnia 1, 442 Frisch;

sah ausz so trmisch und vermessen,
als wolt er alle kinder fressen
W. Spangenberg ausgew. dicht. 81 Martin;

wild, trotzig, finster blickend Unger-Khull steir. 184; Hügel Wien 135; Höfer Österr. 3, 247; Lexer Kärnten 78; 'mürrisch, verdrieszlich':

ich will kurtz wissen, was dir sey,
dasz du siehst ytzt so türmisch ausz ...
das schickt sich nicht. ein knecht soll fein
hurtig, frölich und munter sein
W. Spangenberg bei
Dähnhardt griech. dramen 1, 129 lit. ver.

[Bd. 22, Sp. 1873]


'ängstlich, eingeschüchtert':

wie ain camel sol er (bauer) han ain rugken,
durmisch und scheuch in seinem gugken (1528)
Baumann qu. z. gesch. d. bauernkriegs in Oberschw. 257 lit. ver.


 
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türmler, m., s. DWB dürmeler teil 2, 1734; auch 'dummer mensch' Martin-Lienhart elsäss. 2, 715.
 
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türmlich, türm(e)lig, auch türmlicht, turm(e)lecht, adj., schwindlig, taumelnd, s. dürmlich teil 2, 1734; vgl. dazu noch die formen türmmelecht Herr feldbau (1551) 195b; mit sproszkonsonant: türmblicht Hüttel chron. v. Trautenau 251. mundartlich im obd. u. md. noch lebenskräftig; in der grundbedeutung türmisch entsprechend, jedoch anders als dieses differenziert, so als 'schwindlig, taumelnd': durmelig 'schwindelig, halb betäubt, verwirrt im kopfe, unklar, unbesonnen' rhein. wb. 1, 1582; Autenrieth pfälz. id. 32; 35; turmelig taumelnd, schwindelig Waldbrühl rhingscher klaaf 214; Hofmann niederhess. wb. 243; duermelich Heinzerling-Reuter Siegerl. wb. 51; Spiess Henneberg 261; türmlig Müller-Fraureuth 1, 268; schwindelig Knothe maa. i. Nordböhmen 197; dormlet Ruckert unterfränk. 42; türmlich, tormlich schwindlich, betäubt Schmeller-Fr. 1, 622; türmelig, türmlicht schwindelig Martin-Lienhart elsäss. 2, 715; dirmlicht Schmidt Straszb. ma. 26; durm(e)lig schwindelig, taumelig, betäubt, berauscht Fischer schwäb. 2, 500; turmelig, türmelig bad. wb. 1, 612; (umgestellt:) trümmlig schwindlig Meisinger Wiesental 16. — 'schläfrig': rhein. wb. 1, 1418; 1582; Fischer schwäb. 2, 500 (vgl. 2türmen). — dumm, ungeschickt, tölpelhaft rhein. wb. 1, 1582; schwachsinnig Fischer schwäb. a. a. o.; schwach an geist und körper Crecelius oberhess. 313; streitsüchtig Martin-Lienhart 2, 715. — schriftsprachlich vereinzelt bis ins 19. jh.: und wäre ich oben hinauf geturnt, da würde mir thürmelig vor den augen und ich fiele wie ein faulthier herunter, wenn es satt ist A. v. Arnim s. w. (1839) 10, 288;

ein andrer mensch wird turmelig,
der turner amüsiret sich
L. Eichrodt lyrische auskehr (1869) 1, 70.


 
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turnanstalt, f., öffentliche einrichtung zur pflege des turnens (s. auch die belege bei J. Zeidler d. dt. turnspr. bis 1819 [1942] 112): ohne eine turnanstalt sollte billig keine namhafte stadt in deutschen landen forthin bleiben Fr. L. Jahn d. dt. turnkunst (1816) in: w. 2, 1, 111 Euler, ebda eine ausführliche darlegung von wesen und aufgabe der turnanstalten; vgl. den bericht über die berlinische turnanstalt vom jahre 1818: w. 2, 2, 880f. Euler; lobenswürdiges gutachten eines jungen mannes über die turnanstalten Göthe III 6, 194 W., s. ferner Eckermann gespr. (231948) 463 u. 462; Ludwigsburg hatte damals noch keine turnanstalt Kerner bilderbuch (1849) 294; polizeiliche konzessionen hatten (nach der gewerbeordnung v. 1845) einzuholen ... unternehmer von ... bade- oder turnanstalten hwb. d. staatswiss. 24 (1900) 413; in freierer, bildlicher anwendung: also lasset den mädchen, die meistens in käfigen ohne springhölzer sitzen, die einzige weibliche turnanstalt auf dem tanzboden! (1820) Jean Paul w. 48, 189 Hempel; von welchem ... zu begreifen ist, dass der darin unterrichtende zu einem rechten lehrer an ... einer musikalischen turnanstalt taugt Rich. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 8, 274. —
 
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turnart, f., art der turnerischen betätigung, übungsart (bei Fr. L. Jahn neben turnweise bezeugt, s. d. dt. turnkunst [1816] in: w. 2, 1, 13 Euler): es gibt kaum eine turnart, die hier nicht geübt werden musz, wenn man weiter kommen will Rosegger schr. (1895) II 7, 396. —

 

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