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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turm bis türmler (Bd. 22, Sp. 1869 bis 1873)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turm, m., wirbel, schwindel, rausch; vereinzelt in den mundarten: Lexer Kärnten 78; Schöpf Tirol 777; Ochs bad. wb. 1, 612. rückbildung aus 2türmen; vgl. turmmischung,

[Bd. 22, Sp. 1870]


f., mischung alkoholischer getränke: und sie setzten ihm eine turmmischung aus wein und kognak vor, von der er das heulende elend bekam qu. v. j. 1936.
 
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turmalin, m., mineral von rhomboëdrisch-hemiëdrischen, säulenförmigen kristallen; nach seiner chemischen zusammensetzung ein silikat von aluminium und hauptsächlich lithium oder magnesium oder eisen (lithium-, magnesium-, eisenturmalin), s. Brockhaus (1928) 19, 202. ursprünglich bezeichnung eines zu beginn des 18. jhs. eingeführten edelsteins: 'ein ceylanischer edelgestein, der aus selbigen landen vor ungefähr etliche dreyszig jahren erstlich roh herausgekommen, und von Ostindienfahrern an hochdeutsche juden verkauffet worden, welche dieselbigen steine sodenn zu schleiffen und an den mann zu bringen gesucht' Zedler univ.-lex. 45 (1745) 850. die erste nachricht von wort und sache stammt nach Beckmann beytr. z. gesch. d. erfindungen (1786) 1, 249 aus einem 1707 erschienenen buche, in dem die mündlich erhaltene angabe eines arztes Daumius mitgeteilt wird, dasz die Holländer '1703 einen aus Ostindien von Ceylon kommenden edelstein, turmalin oder turmale, auch trip genant, zum ersten mal nach Holland gebracht hätten'; vgl. Gehler physik. wb. 9 (1839) 1089; s. auch Nemnich 4, 1514; Hartmann wb. d. mineralogie (1825) 2, 765; Oken allg. naturgesch. 1 (1839) 164. der name turmalin stammt aus dem singalesischen: turmale v. Kobell mineralnamen (1853) 108, oder turamali C. W. Schmidt geol.-mineral. wb. (1921) 177; turmali Ehlers nomina der kristallographie (1952) 153. franz., engl. tourmaline; nl. toermalijn; ital. turmalino; port. tormalina. wegen seiner bei erwärmung entstehenden elektromagnetischen eigenschaften wurde der turmalin anfangs nach dem niederl. auch aschentrecker (Zedler a. a. o.; Noel Chomel öcon. lex. [1750] 1, 744) oder aschenzieher (Beckmann a. a. o. 255; Musäus physiogn. reisen [1778] s. u.) genannt; so auch engl. ash-drawer und frz. tire-cendre. seit der zweiten hälfte des 18. jhs. dient turmalin auch zur bezeichnung von kristallisationen ähnlicher art, die aus anderen gebieten stammen: die Tyroler turmaline (sind) ... in dem streitigen Salzburgischen Zitterthale von steinhändlern entdeckt worden allg. dt. bibl. 53/86 (1771) 655; (es bleibt) merkwürdig, dasz ... Europa und Amerika durch ihre vollendetsten crystallisationen wie turmaline, vesuviane u. a. m. berühmt geworden sind Ritter erdkde (1822) 1, 396. schlieszlich als bezeichnung einer mineralart ohne bezug auf die herkunft: die herrschende, in verschiedenen abänderungen auftretende farbe (von hornfels) wird hin und wieder durch beygemengten turmalin dunkel Oken allg. naturgesch. 1 (1839) 484; wir muszten nun noch viele andere kristallformen von korund, beryll, spinell, topas, turmalin und granaten besehen Heinrich Seidel ges. w. (o. j.) 4, 190. besonders als bezeichnung eines edelsteins weiterhin im gebrauch, vgl. hdb. f. prakt. juwelier (o. j.) 42; Brockhaus (1928) tafel edelsteine; im vergleich: (sonette,) die eingefaszt in hexametern sind, wie turmaline in quarz Baggesen poet. w. (1836) 3, 155. in gleicher verwendung, doch auf die auffallenden eigenschaften des turmalins bezogen: ist auch wohl möglich, dasz die genannten sponsirer nur turmalinen oder sogenannte aschenzieher für sie sind (von einem mädchen, das von vielen seiten umworben wird) Musäus physiogn. reisen (1778) 4, 214; wie der turmalin spreu und asche zieht, so ist er (Napoleon) mitte und sammelpunkt alles schlechten Görres ges. schr. (1854) 3, 16; der turmalin ist dunkel, und was da erzählt wird, ist sehr dunkel Stifter s. w. 5, 1 (1908) 145.
 
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türmel, m., schwindel, taumel, rausch; rückbildung aus türmeln, s. DWB dürmel teil 2, 1733, drümmel ebda 1457; vertigo durmel, dürmel, dormel Diefenbach gl. 615a. ergänzend einige mundartliche sonderbedeutungen: durmel unbesonnenheit rhein. wb. 1, 1582; schlummer, halbschlaf ebda; schläfrigkeit Crecelius oberhess. 313; zeit der dämmerung rhein. wb. a. a. o.; türmel kreisende bewegung Martin-Lienhart elsäss. 2, 715. häufig von personen: durmel dummer kerl, der nicht klar im kopfe ist

[Bd. 22, Sp. 1871]


rhein. wb. a. a. o.; schläfriger, matter, einfältiger mensch Crecelius a. a. o.; türmel dummkopf Martin-Lienhart a. a. o.; schwächlicher mensch, der zum türmeln neigt bad. wb. 1, 612; turmel linkischer mensch Gerhard Siegerl. bergmannsspr. 169; linkischer mensch Driszen bergmannsspr. (1930) 93; dürmel schwacher mensch, durmel unartiges kind Fischer schwäb. 2, 499; dim.: durmelein mit schwindeln behaftetes kind; unsicher gehendes, schwankendes kind ebda 500; vgl. die zusammensetzungen dormlkörner, n. pl., tollkörner Ruckert Unterfranken 42; durmelskopf, m., schlafmütze rhein. wb. 1, 1582; durmelssack, m., dummer, tölpelhafter mensch ebda. verwandt ist dremmel, tremmel kreisförmige bahn, in welcher die tiere bei bewegung von maschinen gehen müssen Weinhold schl. 16.
 
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türmeln, vb., taumeln, schwanken, s. DWB dürmeln teil 2, 1733, drumeln ebda 1457, trümmeln teil 11, 2, 1349; mundartl. allgemein obd. und md., z. t. in differenzierter bedeutung, so als 'taumeln': türmlen Martin-Lienhart elsäss. 2, 715; dirmle Autenrieth pfälz. id. 33; turmeln Bruns volksw. d. prov. Sachsen 70; dorməln Hofmann niederhess. 243; turmeln, türmeln bad. wb. 1, 612; dermel, dørmel Hertel Thür. 249; duermeln Heinzerling-Reuter Siegerl. wb. 51; trmeln, drmeln Reinwald Henneberg 166; dormele Crecelius oberhess. 313. — türmeln wanken Gerbet Vogtland 428; im kreise herumwirbeln, schwindeln Schmeller-Fr. bayer. 1, 622; türmlan schwindlich, rauschig sein Lexer Kärnten 78; durmeln betäubt sein, schwindel haben, taumeln, stolpern rhein. wb. 1, 1582; ungeschickt, tölpelhaft gehen, herumtappen ebda; dormla schwindlich seyn, taumeln, wie einer, der noch halb schläft Sartorius Würzburg 31. — 'leicht schlafen, schlummern', vgl. 2türmen: türmlen Martin-Lienhart a. a. o.; durmle Seiler Basel 93; dorməln Hasenclever Wermelskirchen 78; dorme(l)n rhein. wb. 1, 1418; durmeln ebda 1, 1582; durmlen Fischer schwäb. 2, 500. — dürmeln, türmeln lärm schlagen, sich trotzig benehmen Unger-Khull steir. 184.
 
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türmelung, türmlung, f., wirbelwind, s. DWB dürmelung teil 2, 1734: dise (irrlehrer) seind brunn on wasser vnd nebel geiagt von den túrmlungen erste dt. bibel 2, 445 Kurr.; der brinnent wint hebt in auf vnd nympt in ab, vnd zuckt in von seiner stat als die túrmlung ebda 7, 202; 5, 352; 2, 274.
 
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türmen, vb., s. DWB thürmen teil 11, 1, 1, 470.
 
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türmen, vb., schwindlig werden, vgl. DWB durmen teil 2, 1734 und die germanischen verwandten: nordengl. dial. dorm 'im halbschlaf sein' Murray 3, 604; schwed. dial. dorma dass. Hellquist 3151; norw. durma, dorma 'schlummern, linder, still werden' Torp 66; nisl. dorma 'schlummern' Blöndal 136; schetl. dwarm dass. Jakobsen 130; färöisch durva 'mit dem schlaf kämpfen, nicken, schlummern' Jacobsen-Matras 61, ferner nhd. (nd.) dösen, dösig usf. weiteres bei Walde-Pokorny 1, 845:

des ritterschaft ist also mnc (mutig)
in wik herten strm
daz do manigem trm (türmen)
mag in sinem kopf
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österr. 8024 Regel.

'duseln, schlummern': durmen schlummern ..., halb schlafen, halb wachen (unter einflusz des frz.-lat.) Fischer schwäb. 2, 500; Ochs bad. 1, 612.
 
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türmen, vb., reiszaus nehmen, abhauen, weglaufen; rennen; gaunersprachlich, von neuhebr. thârám 'entfernen', s. E. Bischoff wb. d. wicht. geheim- u. berufsspr. 89, vgl. auch 3stiften teil 10, 2, 2890; dann in der soldatensprache des ersten weltkrieges nachweisbar: 'man sagt auch (vom reiszausnehmen) sie ... gehen türmen, türmen ab' Imme soldatenspr. (1917) 127. das wort hält sich im bereich drastisch-burschikoser ausdrucksweise; der abwertende sinn tritt zurück: ich sehe meine leute an, erspähe gerade noch, dasz sie sich zublinzeln, was soll das? denke ich. wollen sie türmen? qu. v. j. 1930; doktor, hören sie, hebe ich an.

[Bd. 22, Sp. 1872]


ich will türmen ... er bleibt stehen. 'flüchten?' fragt er leise ebda; mit einer handvoll jäger greift dieser verfluchte kerl ... an, rollt den halben Majo auf, und die bande türmt qu. v. j. 1933; 'neulich is eine getürmt (ohne die zeche zu bezahlen)' sagte er. 'unsre letzten wiener hat sie aufgegessen, und durst hatte sie wie ein mann' H. W. Seidel Krüsemann (1935) 221; 222; als er zurückkam, um die gesellschaft (kinder) ins bett zu jagen, waren die zwillinge getürmt C. v. Bremen d. schifferwiege (1936) 96. laufen, rennen: aber so als strippenflicker. na, wie ist das? da türmst du durch das blödeste feuer, flickst deine strippe, türmst wieder los, flickst wieder und nochmal und dann ... Fr. Knapp strippenflicker (1938) 26; türmen fliehend laufen Ochs bad. wb. 1, 612.
 
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türmig, adj., s. dürmig teil 2, 1734.
 
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türmisch, adj. , schwindlig, taumelnd; wild, ungestüm; finsterblickend; s. dürmisch teil 2, 1734.
1) 'betäubt, schwindlig':

darnach kam ain wind und saus,
der ging wol von dem ofen herausz
dasz si in den kopfen turmisch waren (1478) hist. volkslieder nr. 153 Liliencron;

Fischer schwäb. 2, 500; schwindelig, taumelnd Neubauer Egerl. 53. 'taumelnd, purzelnd': trifft aber nur den gaul, dasz er mit samt dem mann sich türmisch überschlägt Hohberg d. habsburg. Ottobert (1664) Zzz 2a. 'berauscht, ausgelassen': davon (von dem trunk) werden sie dester trmischer und hertzhafftiger Megiser chorographia Tart. (1611) 339.
2) die bedeutung des grundworts ist in abwertend-verstärkender richtung weiterentwickelt, 'wild, trotzig, ungestüm':

auch Englmar ain vetter hat,
der ...
... ist zu Bravant wol bekant
in dem land als ein türnisch (türmisch) man fastnachtsp. 1, 445 lit. ver.;

weilen dan nun die kayszerische soldaten also thürmisch und verüebig, dorften die underthonen nit wohnen, noch uff den derfern verbleiben (1630) S. Bürster beschr. d. schwed. krieges 99 Weech; allhier stehen mir die augen voller wasser, wann ich zu gemüt führe den türmischen tod, wie er seine sensen so scharf gewetzet hat Abr. a s. Clara w. 2, 73 Strigl;

da taod is nöt meh
wos a türmischa knecht
Stelzhamer ausgew. dicht. (1884) 1, 136.

'unordentlich, verwegen': nicht weniger zeigt auch die kleydung, hut vnd binden ein grossen vnterschied an, dann sie seyn nicht fein richtig vnnd so ordenlich gebunden vnd gewunden, sondern gar toll vnd türmisch durcheinander gewicklet Schweigger reyszbeschr. (1619) 136. 'tobend, wild, ungestüm' bad. wb. 1, 612. zur bedeutung 'stolz' neigend: von mancherlay farben gar zierlich und türmisch mit ungerischen hüettlin und schönnen federbusch U. Krafft reisen 377 lit. ver.; dürmisch ungestüm, zornig, stolz Fischer schwäb. 2, 500. insbesondere vom gesichtsausdruck 'finster, trotzig, wild': ein saures, turmisch, stürmisches gesicht machen far' un viso brusco, arcigno, far mal viso Kramer t.-ital. 2 (1702) 740c; dürmisch drein sehen torvum videre Weismann lex. bip. (81725) 2, 101b; sein ansehen trutzlich, türmisch, erschrockenlich Pincianus ritterl. thaten (1561) 175b; im stier ist ein türmisches stiergesicht, von fünff grossen und vil kleinen sternlein J. Kepler opera omnia 1, 442 Frisch;

sah ausz so trmisch und vermessen,
als wolt er alle kinder fressen
W. Spangenberg ausgew. dicht. 81 Martin;

wild, trotzig, finster blickend Unger-Khull steir. 184; Hügel Wien 135; Höfer Österr. 3, 247; Lexer Kärnten 78; 'mürrisch, verdrieszlich':

ich will kurtz wissen, was dir sey,
dasz du siehst ytzt so türmisch ausz ...
das schickt sich nicht. ein knecht soll fein
hurtig, frölich und munter sein
W. Spangenberg bei
Dähnhardt griech. dramen 1, 129 lit. ver.

[Bd. 22, Sp. 1873]


'ängstlich, eingeschüchtert':

wie ain camel sol er (bauer) han ain rugken,
durmisch und scheuch in seinem gugken (1528)
Baumann qu. z. gesch. d. bauernkriegs in Oberschw. 257 lit. ver.


 
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türmler, m., s. DWB dürmeler teil 2, 1734; auch 'dummer mensch' Martin-Lienhart elsäss. 2, 715.

 

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