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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turkopelier bis türmel (Bd. 22, Sp. 1869 bis 1870)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turkopelier, m., aufseher über die turkopel: der marschalc sal mit der gewizzene des meisters einen turcopelier setzen, sô des nôt ist, under deme sulen alle sîne turkopel sîn (1264) ebda 1, 243; der turcopilier, ... welcher ... die aufsicht über die reuterei ... hatte Schwan ritterorden (1791) 9.
 
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türkos, m., dem deutschen angenäherte form des frz. türkoas (vgl. sp. 1862 unten) vielfach im barock preziös neben üblichem türkis (s. d.):

sey willig, edler ring, mich willig zu gelosen
und einer schönern hand forthin geschenckt zu seyn,
die zwar nicht edler macht ein mehr als edler stein.
nein. darmm send ich ihr versetzt in dieser rosen
die angenähme nacht der günstigen türckosen
Paul Fleming teutsche poemata (1642) 648;

im reim zu grosz Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 108; türkosen und smaragden Spee trutznachtigall 120 Balke; ich erinnere mich zwar gar wohl, was für krafft der edelstein, ein türckos, in eben diesem punct (dasz er den, der ihn trägt, vorm fallen bewahrt) haben soll J. G. Schmidt gestrieg. rockenphilos. (1706) 1, 227. ebenso türkosen, adv., vgl. DWB türkisen, adj., 'türkisfarbig; bläulichdunkel':

der früling streut rosen
durch wiesen und felder,
die mäyen türckosen
beschatten die wälder
Schirmer singende rosen (1654) T 2a;

wenn unsrer felder gold türckosen
sich sternen, werd ich bey dir seyn ebda T 2b.


 
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türks, türkys, m., s. türkis.
 
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turl, m., f., kreisel; s. DWB dorl teil 2, sp. 1286: turl, torl, dorl, f., trochus, tornus Stieler stammb. (1691) 2566; turl, m., trottolo Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; den turl treiben cacciare, girare il trottolo ebda; Ludwig dt.-engl. (1716) 2041.
 
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türlen, vb., schwindeln; vermutlich aus türmlen mit vereinfachung der dreierkonsonanz; schon mhd.: sweme aver sus turlem (oder verderbt aus turmle?) in den ôren oder wê sî, der nem mincen unde mule die unde trophe den souch in daz ôre, er wirt gesunt (13. jh.) zwei dt. arzneibücher 37 Pfeiffer; Lexer 2, 1581. noch mundartlich nachweisbar: tuerlen schwindlig sein wb. d. lux. ma. 446. hierzu das abgeleitete adj.: tuerlech schwindlig ebda; vgl.: em turla (subst.) sin betrunken sein Hönig Köln (1877) 157.
 
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turlupinade, f., übler scherz, verhöhnung; von frz. turlupinade; nach Turlupin, einer komischen figur der frz. komödie des 17. jhs., s. Bloch-Wartburg dict. etym. (1950) 626: doch weg mit der turlupinade! ein Bodmer will ernsthaft beurtheilt seyn Gerstenberg recensionen 91 lit. denkm.; dasz endlich einmal diese turlupinaden des judenthums aus ihren mährchen aufhören, will ... der fortschreitende geist der zeit, der auch die albernheiten einer abgeschränkten schule lieber zu erklären sucht, als dasz er sie grob verhöhne Herder 24, 72 S.; Turlupin glich in kostüm und maske dem Brighella und war wie jener ein verschmitzter diener, der seine possen (turlupinaden) treibt Brockhaus konvers.-lex. 1519, 202.
 
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turlupinieren, turlipinieren, vb., über jemand schlechte späsze machen; von frz. turlupiner: die mich bestohlen zu haben glauben und gleichwohl mich noch turlipiniren zu dürfen glauben Lessing 17, 303 L.-M.; vielmehr suche ich journalisten und buchhändler zu turlupiniren (1775) Lenz an Boie in: br. (1918) 1, 135; in einer nachrede hab' ich das publikum und den verleger turlupinirt Göthe IV 2, 52 W.
 
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turm, m., s. DWB thurm teil 11, 1, 1, sp. 466.
 
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turm, m., wirbel, schwindel, rausch; vereinzelt in den mundarten: Lexer Kärnten 78; Schöpf Tirol 777; Ochs bad. wb. 1, 612. rückbildung aus 2türmen; vgl. turmmischung,

[Bd. 22, Sp. 1870]


f., mischung alkoholischer getränke: und sie setzten ihm eine turmmischung aus wein und kognak vor, von der er das heulende elend bekam qu. v. j. 1936.
 
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turmalin, m., mineral von rhomboëdrisch-hemiëdrischen, säulenförmigen kristallen; nach seiner chemischen zusammensetzung ein silikat von aluminium und hauptsächlich lithium oder magnesium oder eisen (lithium-, magnesium-, eisenturmalin), s. Brockhaus (1928) 19, 202. ursprünglich bezeichnung eines zu beginn des 18. jhs. eingeführten edelsteins: 'ein ceylanischer edelgestein, der aus selbigen landen vor ungefähr etliche dreyszig jahren erstlich roh herausgekommen, und von Ostindienfahrern an hochdeutsche juden verkauffet worden, welche dieselbigen steine sodenn zu schleiffen und an den mann zu bringen gesucht' Zedler univ.-lex. 45 (1745) 850. die erste nachricht von wort und sache stammt nach Beckmann beytr. z. gesch. d. erfindungen (1786) 1, 249 aus einem 1707 erschienenen buche, in dem die mündlich erhaltene angabe eines arztes Daumius mitgeteilt wird, dasz die Holländer '1703 einen aus Ostindien von Ceylon kommenden edelstein, turmalin oder turmale, auch trip genant, zum ersten mal nach Holland gebracht hätten'; vgl. Gehler physik. wb. 9 (1839) 1089; s. auch Nemnich 4, 1514; Hartmann wb. d. mineralogie (1825) 2, 765; Oken allg. naturgesch. 1 (1839) 164. der name turmalin stammt aus dem singalesischen: turmale v. Kobell mineralnamen (1853) 108, oder turamali C. W. Schmidt geol.-mineral. wb. (1921) 177; turmali Ehlers nomina der kristallographie (1952) 153. franz., engl. tourmaline; nl. toermalijn; ital. turmalino; port. tormalina. wegen seiner bei erwärmung entstehenden elektromagnetischen eigenschaften wurde der turmalin anfangs nach dem niederl. auch aschentrecker (Zedler a. a. o.; Noel Chomel öcon. lex. [1750] 1, 744) oder aschenzieher (Beckmann a. a. o. 255; Musäus physiogn. reisen [1778] s. u.) genannt; so auch engl. ash-drawer und frz. tire-cendre. seit der zweiten hälfte des 18. jhs. dient turmalin auch zur bezeichnung von kristallisationen ähnlicher art, die aus anderen gebieten stammen: die Tyroler turmaline (sind) ... in dem streitigen Salzburgischen Zitterthale von steinhändlern entdeckt worden allg. dt. bibl. 53/86 (1771) 655; (es bleibt) merkwürdig, dasz ... Europa und Amerika durch ihre vollendetsten crystallisationen wie turmaline, vesuviane u. a. m. berühmt geworden sind Ritter erdkde (1822) 1, 396. schlieszlich als bezeichnung einer mineralart ohne bezug auf die herkunft: die herrschende, in verschiedenen abänderungen auftretende farbe (von hornfels) wird hin und wieder durch beygemengten turmalin dunkel Oken allg. naturgesch. 1 (1839) 484; wir muszten nun noch viele andere kristallformen von korund, beryll, spinell, topas, turmalin und granaten besehen Heinrich Seidel ges. w. (o. j.) 4, 190. besonders als bezeichnung eines edelsteins weiterhin im gebrauch, vgl. hdb. f. prakt. juwelier (o. j.) 42; Brockhaus (1928) tafel edelsteine; im vergleich: (sonette,) die eingefaszt in hexametern sind, wie turmaline in quarz Baggesen poet. w. (1836) 3, 155. in gleicher verwendung, doch auf die auffallenden eigenschaften des turmalins bezogen: ist auch wohl möglich, dasz die genannten sponsirer nur turmalinen oder sogenannte aschenzieher für sie sind (von einem mädchen, das von vielen seiten umworben wird) Musäus physiogn. reisen (1778) 4, 214; wie der turmalin spreu und asche zieht, so ist er (Napoleon) mitte und sammelpunkt alles schlechten Görres ges. schr. (1854) 3, 16; der turmalin ist dunkel, und was da erzählt wird, ist sehr dunkel Stifter s. w. 5, 1 (1908) 145.
 
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türmel, m., schwindel, taumel, rausch; rückbildung aus türmeln, s. DWB dürmel teil 2, 1733, drümmel ebda 1457; vertigo durmel, dürmel, dormel Diefenbach gl. 615a. ergänzend einige mundartliche sonderbedeutungen: durmel unbesonnenheit rhein. wb. 1, 1582; schlummer, halbschlaf ebda; schläfrigkeit Crecelius oberhess. 313; zeit der dämmerung rhein. wb. a. a. o.; türmel kreisende bewegung Martin-Lienhart elsäss. 2, 715. häufig von personen: durmel dummer kerl, der nicht klar im kopfe ist

[Bd. 22, Sp. 1871]


rhein. wb. a. a. o.; schläfriger, matter, einfältiger mensch Crecelius a. a. o.; türmel dummkopf Martin-Lienhart a. a. o.; schwächlicher mensch, der zum türmeln neigt bad. wb. 1, 612; turmel linkischer mensch Gerhard Siegerl. bergmannsspr. 169; linkischer mensch Driszen bergmannsspr. (1930) 93; dürmel schwacher mensch, durmel unartiges kind Fischer schwäb. 2, 499; dim.: durmelein mit schwindeln behaftetes kind; unsicher gehendes, schwankendes kind ebda 500; vgl. die zusammensetzungen dormlkörner, n. pl., tollkörner Ruckert Unterfranken 42; durmelskopf, m., schlafmütze rhein. wb. 1, 1582; durmelssack, m., dummer, tölpelhafter mensch ebda. verwandt ist dremmel, tremmel kreisförmige bahn, in welcher die tiere bei bewegung von maschinen gehen müssen Weinhold schl. 16.

 

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