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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
türkisen bis turlupinade (Bd. 22, Sp. 1868 bis 1869)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) türkisen, adj., 'aus türkis, wie türkis, türkisartig, türkisfarben'; gelegenheitsbildung (vgl.türkosen, adv.): da glitten ... zwei fischerboote durch die lichte türkisne flut Heer könig d. Bernina (1916) 104.
 
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türkislein, n., diminutiv von türkis (s. d.): guldine ringlein, ... darein granätlein, türckiszlein, robinlein etc., oder berlein versetzet Rauwolff aigentl. beschr. (1582) 191; ein ringlein mit einem türkislein Schweinichen denkwürdigk. (1878) 540; die reichen tragen im nasloch ... ringlein mit granaten, türkislein, rubinlein Ritter erdkde (1822) 11, 708. —
 
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türkisring, m.:

goldne türkisringe zieren
seine klaren silberhände
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 3, 330;

türkisringe für die pilger Ritter erdkde (1822) 8, 304; ein ... ringelchen, das er halb versteckt unter einem groszen türkisringe trug Fontane ges. w. (1905) I 4, 214. —
 
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türkisstein, m.: worinnen (in die unterlippen) güldene ringe und türckis-steine eingemacht waren H. Süde d. gelehrte criticus (1704) 1, 512;

sein (des ritters) lächeln war so weich und fein:
... wie türkisstein,
um den sich lauter perlen reihn
R. M. Rilke ges. w. (1927) 2, 13.


 
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turkopel, m., von afrz. turcople, mittellat. turcopulus, (eigentl. 'türkensohn', mischling von türkischem vater und griechischer mutter) 'leicht bewaffneter schütze, bes. bogenschütze', s. Schultz 22, 198; Suolahti d. frz. einflusz a. d. dt. sprache 8 (1929) 270:

fünfhundert ritter braht er dar,
turkopel, sarjende genc
Rudolf v. Ems Willehalm 645 Junk; vgl. 729;

mengen heidenschen turkoppel,
den viel da an ein toppel
fur ein sez ein ezze
Hugo v. Langenstein Martina 160, 3 lit. ver.;

vgl. 231, 30; uber das sô man urlouge hat, sô sal er (der meister) hân ... einen turkopel, der sînen schilt unde sîn sper vûre, einen andern turkopel, den er sende, den

[Bd. 22, Sp. 1869]


dritten zu eime kemerere, unde sô man zu velde liet oder vert mit den wâpenen (1264) Frauenholz entwicklungsgesch. d. dt. heerwesens 1, 239. —
 
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turkopelier, m., aufseher über die turkopel: der marschalc sal mit der gewizzene des meisters einen turcopelier setzen, sô des nôt ist, under deme sulen alle sîne turkopel sîn (1264) ebda 1, 243; der turcopilier, ... welcher ... die aufsicht über die reuterei ... hatte Schwan ritterorden (1791) 9.
 
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türkos, m., dem deutschen angenäherte form des frz. türkoas (vgl. sp. 1862 unten) vielfach im barock preziös neben üblichem türkis (s. d.):

sey willig, edler ring, mich willig zu gelosen
und einer schönern hand forthin geschenckt zu seyn,
die zwar nicht edler macht ein mehr als edler stein.
nein. darmm send ich ihr versetzt in dieser rosen
die angenähme nacht der günstigen türckosen
Paul Fleming teutsche poemata (1642) 648;

im reim zu grosz Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 108; türkosen und smaragden Spee trutznachtigall 120 Balke; ich erinnere mich zwar gar wohl, was für krafft der edelstein, ein türckos, in eben diesem punct (dasz er den, der ihn trägt, vorm fallen bewahrt) haben soll J. G. Schmidt gestrieg. rockenphilos. (1706) 1, 227. ebenso türkosen, adv., vgl. DWB türkisen, adj., 'türkisfarbig; bläulichdunkel':

der früling streut rosen
durch wiesen und felder,
die mäyen türckosen
beschatten die wälder
Schirmer singende rosen (1654) T 2a;

wenn unsrer felder gold türckosen
sich sternen, werd ich bey dir seyn ebda T 2b.


 
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türks, türkys, m., s. türkis.
 
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turl, m., f., kreisel; s. DWB dorl teil 2, sp. 1286: turl, torl, dorl, f., trochus, tornus Stieler stammb. (1691) 2566; turl, m., trottolo Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; den turl treiben cacciare, girare il trottolo ebda; Ludwig dt.-engl. (1716) 2041.
 
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türlen, vb., schwindeln; vermutlich aus türmlen mit vereinfachung der dreierkonsonanz; schon mhd.: sweme aver sus turlem (oder verderbt aus turmle?) in den ôren oder wê sî, der nem mincen unde mule die unde trophe den souch in daz ôre, er wirt gesunt (13. jh.) zwei dt. arzneibücher 37 Pfeiffer; Lexer 2, 1581. noch mundartlich nachweisbar: tuerlen schwindlig sein wb. d. lux. ma. 446. hierzu das abgeleitete adj.: tuerlech schwindlig ebda; vgl.: em turla (subst.) sin betrunken sein Hönig Köln (1877) 157.
 
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turlupinade, f., übler scherz, verhöhnung; von frz. turlupinade; nach Turlupin, einer komischen figur der frz. komödie des 17. jhs., s. Bloch-Wartburg dict. etym. (1950) 626: doch weg mit der turlupinade! ein Bodmer will ernsthaft beurtheilt seyn Gerstenberg recensionen 91 lit. denkm.; dasz endlich einmal diese turlupinaden des judenthums aus ihren mährchen aufhören, will ... der fortschreitende geist der zeit, der auch die albernheiten einer abgeschränkten schule lieber zu erklären sucht, als dasz er sie grob verhöhne Herder 24, 72 S.; Turlupin glich in kostüm und maske dem Brighella und war wie jener ein verschmitzter diener, der seine possen (turlupinaden) treibt Brockhaus konvers.-lex. 1519, 202.

 

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