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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
türkisch bis türlen (Bd. 22, Sp. 1864 bis 1869)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) türkisch, adj. , zu Türke, in dem sich die verschiedene wirkung und wertung der jahrhundertelangen engen berührung mit den Türken in den kreuzzügen und vor allem im 16. und 17. jh. niedergeschlagen hat.
1) zu Türke 1 in reiner sachfeststellung.
a) von gegenständen im sinne 'nach art und weise der Türken, nach türkischer manier', weniger um die herkunft, als um die formung und fertigung nach türkischem muster zu kennzeichnen.
α) ein getruckt türckisch tuch (1520) Dürer tageb. 72, 23 Leitsch.; mein wirth hat mir geschenckt ... ein alt türkische gaisel (geiszel) ebda 60, 20; ir goltfarbes har ... von dem glantzet die verhöhung nit anderst, dann wer das ein gespunnen turckisch gold gewesen (1554) Wickram w. 2, 51 Bolte; mit türckschen peitschen (schlagen) W. Scherffer Grobianer (1640) 86; in türkisch papir gehefftet Thomasius aufzeichn. 320 Sachse; er zündete nun seine türkische pfeife an und erfüllte das zimmer mit dem fremden wohlgeruch des morgenländischen tabaks G. Keller ges. w. (1889) 4, 27; der türkische pfeifenkopf W. Raabe s. w. I 6, 413; türckisches garn 'wird viel von den nach der Levante handelnden kaufleuten heraus gebracht, und zu einigen manufacturen angewendet' allg. haush.-lex. (1749) 3, 557a; türkische farbe von einer leuchtenden roten farbe, deren ursprüngliche herstellung man den Türken zuschrieb: die weiber pflegen nach dem bad ... die händ vnd füsz ..., mit rohter türckischer roszfarb zu ferben Schweigger reyszbeschr. (1619) 115; ein ... teppich, in dem das türkische rot vorherrschte Fontane ges. w. (1905) I 1, 188; auch: stirne und backe ... mit dem türkischen roth der scham färben Jean Paul s. w. 23, 82 Reimer.
β) vor allem von modischen dingen: türkischer shawl Meisl theatr. quodlibet (1820) 1, 13; Müllner dramat. w. (1828) 7, 153; M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 249; in den kissen des türkischen diwans (1861) W. Raabe s. w. I 5, 196; türkische pantoffeln G. Keller ges. w. (1889) 2, 120; früh bezeugt: aulaea, vela regia türckische teppiche A. Siber gemma (1581) 107; ein türckischer teppich tapete faszuoletto etc. turchesco Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a; der königliche pallast gläntzet von türckischen teppichten, tapezereyen vnd gemahlten (schildereyen) Comenius janua res. (1638) § 679; des geprassels wegen, das dennoch der türkische teppich mächtig dämpft Hebbel s. w. 8, 288 Werner; er betrat einen reichen türkischen teppich C. F. Meyer s. w. (o. j.) 3, 103 Knaur.
γ) festen substantivischen zusammensetzungen entsprechen feste, z. t. ältere adjectivische verbindungen: türkischer

[Bd. 22, Sp. 1865]


säbel (s. o. türkensäbel sp. 1860): ensis falcatus, silius ein krumb schwärdt wie ein sichel, oder ein türckischer sebel Frisius dict. (1556) 542a; Golius onomast. (1585) 189; A. Siber gemma (1581) 119; in ainer absonderlichen cammer sein unns gezaiget worden 12 cuirasses pp ainen statlichen türggischen säbl Ernstinger raisbuch 215 lit. ver. türkischer bund, hut (s. o. türkenbund sp. 1856, türkenhut sp. 1858) für die eigenartige kopfbedeckung, den turban: ferrner setzten wir auff weisse türckische bündt mit eingewürckten blawen leistlein, wie die christen zutragen pflegen Rauwolff aigentl. beschr. (1582) 133;

auff seinem haubt ein türckhischen bundt Regensburger fastnachtsp. 1 (1618) 1031;

ebenso Grimmelshausen Simpl. 53 Scholte; Günther ged. (1735) 980; meinen türkischen kopfbund Hölderlin ges. dicht. 2, 163 Litzmann. synonym dazu: tiara, cidaris türckischer hut Golius onomast. (1585) 211; nomencl. lat.-germ. (1634) 427; türckescher hut (baret, tiara) Comenius janua res. (1638) § 514; ein türckischer bund, türckischer hut turbante (turdesco) Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b.
b) türkische musik eine eigenartige laute, stark akzentuierende musikalische gestaltung, vgl. DWB janitscharenmusik: die türkische musik ist unter allen kriegerischen musiken die erste C. D. Schubart ges. schr. (1839) 5, 337, vgl. 335; das sujet ist turkisch und heist ... die verführung aus dem serail; die sinfonie, den ersten ackt und den schluszchor werde ich mit türckischer musick machen (1781) Mozart br. 2, 105 Sch.; in Teplitz hörte ich alle tage 4 mal türkische musik (1812) Beethoven s. br. 2, 93 Kalischer; so machte er eine türkische musik, die wohl nicht ihresgleichen in der welt hat Hegner ges. schr. (1828) 1, 111; mit türkischer musik (1825) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 71 Schulte-K.; grosze fête mit türkischer musik (1842) ebda 2, 36; mit einer fürtrefflichen türkischen musik A. Hartmann volksschausp. (1880) 130; vgl. den in der musik der Wiener klassik beliebten satz 'alla turca'. dazu: im dienste einer herumziehenden reutergesellschaft, die ihm bei ihren kunstvorstellungen die türkische trommel anvertraut hat H. Heine s. w. 2, 354 Elster.
c) von den fremdartigen lebensgewohnheiten: die füsze nach türkischer manier unter sich schlagen Bahrdt leben (1790) 3, 313; formelhaft wird die präpositionale fügung: incoxare i. cossim insidere apud pomponium sitzen mit beyden beinen vnder dem aers auff turckisch H. Junius nomencl. (1577) 28b; s. u. 2 a, b u. vgl.: da wär es ja besser, sich auf gut türkisch die ohren ein für allemal mit wegrasieren zu lassen Geibel ges. w. (1893) 7, 114.
d) von staatlichen einrichtungen der Türken als inbegriff ungewöhnlicher machtfülle und herrlichkeit, aber auch uneingeschränkter despotischer willkür. türkischer kaiser als bezeichnung des sultans: da hilfft keyn wuten noch toben fur, wenn sie gleych viertausent turckischer keyszer auff yhrem teyll hetten (1522) Luther 10, 1, 1, 667 W.; wolde ich lieber denn turgkischen keiszer widder mich habenn ebda 14, 282; vgl. 19, 195; 19, 574; im 16. u. 17. jh. bleibt diese bezeichnung allgemein üblich, vgl. volksb. v. dr. Faust 67 Petsch; Aventin s. w. 1, 188; Grimmelshausen Simpl. 454 Scholte; Chr. Weise erznarren 25 ndr.; Schottel haubt-spr. (1663) 17; seitdem ersetzt durch sultan, s. d. teil 10, 4, sp. 1047ff. jüngerem sultanat entspricht älteres türkisches kaisertum u. ä.: den trotz wolt ich nicht fur zehen türckisch keiserthum nemen Luther 28, 299 W.; ders. tischr. 6, 194 W.; wenn meine tochter Magdalena ... wieder sollte lebendig werden und sollt mir das türkische königreich mitbringen, so wollt ichs nicht thun ebda 5, 192;

du sprichst, ich hab ein feines schlosz,
wann du darzu hettst tausent rosz,
ja, auch das türckisch keyserthumb,
so bistu noch nicht edel drumb
Alberus fabeln 13, 87 ndr.


2) mit negativer bewertung als folge der verachtung orientalischer lebens-, denk- und glaubensformen. sie prägt sich in dem schimpfwort türkischer hund, das in H. Hugs

[Bd. 22, Sp. 1866]


Villinger chron. bereits 1529 (s. 185), also früher als türkenhund (s. d.) bezeugt ist, besonders scharf aus.
a) diese bedeutungsfärbung reicht mundartlich bis in die gegenwart: wer machet dich gewisz, dasz du ... gott gefallest mit deiner päpstischen oder türkischen möncherei und heiligkeit? Luther 9, 9 Erl.; wo ist diese freyheit hinkommen, nach dem die einwohner selbst ihren monarchen fast auff türckische weise dienstbar seyn Chr. Weise polit. redner (1677) 517; die leut leben in aller schandt, vnfläterey, gleich als in einem Venusberg, vnd setzen auff gut türckisch, alle zucht vnd keuschheit hindan D. Schaller theolog. heroldt (1604) 95. auf bestimmte charakterliche eigenheiten anspielend: eine mehr als türkische eifersucht (1797) Caroline 1, 194 Waitz; der schwiegersohn ist ein melancholischer mensch und in der eifersucht türkisch gesinnt E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 159 Gr.; ich werde alle zeit dazu haben, da ... meine türkische faulheit in dieser beziehung nichts zu wünschen übrig läszt Pückler briefw. u. tageb. (1873) 6, 43.
b) der negative bedeutungsgehalt verfestigt sich zu der sonderbedeutung 'hart, grausam, barbarisch; willkürlich, despotisch, ungerecht'; vgl. DWB Türke 1 d; entstanden aus verbindungen wie mit türckischer vnerhörter vngüte, gewald, zwang, drang Spangenberg jagteuffel (1562) G 4a: was auch ferner für ein grausahmer mordgeist in unseren herren soldaten wohne, dasz beweisen ihre mehr als türckische vnd tartarische thaten Rist rettung (1642) C 5a. so lexikalisch: einen auf türckisch ò türkisch brügeln, tractiren, bastonare, trattare uno alla turchesca, alla turca, cioè crudelmente, spietatamente, barbaramente, alla barbara; v. 'grausam' Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; auf gut türkisch mit einem umgehen, crudelissimo dominata premere, immanibus plagis in alicujus tergum saevire Weismann lex. bip. (1725) 2, 417 (vgl. die ausgangsbedeutung aufhellendes auf türkisch unter 1 c); türkisch: st. grausam; z. b. türkisch mit jemandem umgehen Voigtel wb. (1793) 3, 433b. sogar bis in die maa. gedrungen und dort erhalten: türksch, adj. u. adv., unchristlich; unbillig Dähnert pommersch-rüg. (1781) 498a; grosz, heftig M. Schuster alt-wienerisch 171; Schranka Wiener dial. 175. literarisch seit dem 16. jh. belegt; dabei schimmert meist die entstehung dieser bedeutung aus der eigentlichen durch (s. 1): sonder dasselbige tyrannisch, türckisch, unmenschlich, ja auch teüflisch schetze Montanus schwankb. 41 Bolte; denen, welche sich gefangen geben, ... gnade beweisen sol, unnd nicht türckisch mit den christen leuten handeln Lorichius pädag. princip. (1595) 333;

ein tartarisch übel wird die gicht genennt.
gar ein türckisch rasen ist sie, wer sie kennt
Logau sinngedichte (1654) nr. 3508.

erst im 18. jh. zu völliger selbständigkeit erstarkt: viele leute ..., wenn sie ... den kindern ... das fell auf türkisch durchgerben, meynen sie, sie haben ihre kinder recht erzogen G. Schuster christerbaul. sendschr. (1742) 759;

ein pudel wars, den er auf türkisch plagte
Pfeffel poet. versuche (1802) 3, 95;

ganz türkisch metzgerte man hier (in Troja),
hatschier und läufer und portier,
und was man fand, zusammen
Blumauer ged. (1782) 203;

sie sehen, mein freund, wie unbillig und türkisch das urtheil sey: es strangulirt den ausleger und den propheten Herder 10, 100 S.
3) zu Türke 2, als feste zusatzbezeichnung zum namen bestimmter heimischer pflanzen- und tiersorten, die durch die Türken eingeführt oder verbreitet worden sind.
a) für 'mais'; in älterer zeit üblich: türkisch korn bei Fuchs neukreuterbuch (1543) 320; frumentum turcicum, türckisch korn Frischlin nomencl. (1591) 87; triticum asiaticum türckisch korn nomencl. lat.-germ. (1634) 102; türckisch korn sorbo ò sorgo turco Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; irio, frumentum nigrum heidnisch oder türckisch korn Pomey (1720) 140; teutsch-lat. wb. 33; türckisch korn frumentum indicum seu turcicum Lonicerus (1737) 525. über ganz Deutschland verbreitet: khamen erstlich zu einer

[Bd. 22, Sp. 1867]


nazion, die heist Suruchakuiss; diese hatten vonn dem türckischenn khornn unnd mandeoch auch ander wurtzeln U. Schmiedel reise (1554) 60; vonn dem türckhischen khornn oder meys ebda 43; ferrner fande ich auch gantze äcker vol mit türckischem korn, sesamo vnnd bomwoll vberseet Rauwolff aigentl. beschr. (1582) 137; ebda 198; maisz aber ist türckisch oder indianisch korn, so man triticum sarracenum vnd milium crassum oder amplum, auch triticum peruanum nennet Decker diurnal (1629) 53; das sogenannte türkische korn oder der mais ... ward uns zuerst aus Nordamerika zugeführt J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 159; in einem (kistchen) ist das türckische korn, 2 pfund türckisch garn und etwas rabuntzeln (1795) frau rat Göthe br. 1, 276 Köster; man sagt, das türkische korn zehre (in Italien) den boden aus Göthe I 30, 178 W.; der Colone baut nach wie vor ... im schweisze seines angesichts wein oder oel oder türkischkorn F. Gregorovius wanderj. in Italien 2 (1904) 241. im norden Deutschlands dafür türkischer weizen: melica ... türckisch weitzen Decimator thes. (1608) 784a; auch mundartlich: torkschen weiten Block Eilsdorf 98; torkschen weten Böning Oldenburg (1941) 117; Sallmann neue beitr. z. dt. ma. in Estland 33. entsprechend literarisch: ein kleiner beutel mit geröstetem türkischem waizenmehl stillte unsern hunger Kotzebue s. dram. w. (1827) 6, 192; auch türkischen weizen zieht er Storm s. w. (1898) 7, 33; ein leiterwagen, mit türkischem weizen beladen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 119.
b) für allerlei andere kulturpflanzen in feld und garten.
α) turckische bund lilium intortum Hohberg georg. cur. (1682) 3, 487a; türkischer bund Zorn botanologia medica (1714) 398; vgl. türkenbund 2 a α:

das schöne blumen-bilt, das türkschem bunde gleichet
W. Scherffer bei
Drechsler 89.


β) türckischer cucumer türckische pfeben Wirsung artzneyb. (1588) reg.; die melonen oder türckisch cucumern (heiszen) latine melopepo, cucumer turcicus Lonicerus (1737) 445; vgl. türkenbund 2 a β.
γ) sonstige zier- und nährpflanzen: der türckische kressen heist ... draba, dabra, araba Lonicerus (1737) 507; türkische wicke lathyrus odoratus Reinwald Henneberg 209;

wenn ihr die persische rose, bis auf die letzte minute
fest geschlossen, den mittag, die türkische tulpe den abend
... verkündigt
Hebbel s. w. (1904) 8, 290 Werner;

türckische nelcken und grasz Chr. Lehman histor. schaupl. (1699) 473; phalaris picta Reinwald Henneberg 209; rhiz. graminis Arends volkstüml. namen d. arzneimittel (1948) 236;

dort blühen purpurn ganze bäume
wie hier der türk'sche klee
Rückert ges. poet. w. (1867) 2, 237;

türckische melissen Chr. Wirsung artzneyb. (1588) reg.; Hohberg georg. cur. (1682) 3, 481b; etliche nennens knottenkraut vnd türckischen beyfusz Lonicerus (1737) 193; herb. botryos Arends volkstüml. namen d. arzneimittel (1948) 236. türkisch kümmel: fruct. cumini ebda 236; piperitis, siliquastrum türckischer pfeffer Frischlin nomencl. (1591) 73; nomencl. lat.-germ. (1634) 108; fruct. capsici Arends volkstüml. namen d. arzneimittel (1948) 236; türckische bonen fave turchesche cioè baccelli, fagginoli Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; Hohberg georg. cur. (1682) 3, 481a; die hülsenfrüchte aber sind in den hülsen vnd vnterschiedenen fachlein eingewickelt, wie an der bonen ... vnd den welschen (türckischen) bonen zusehen Comenius janua res. (1638) § 128; wo die türkische bohn über nacht einen so langen stengel schieszt Bettine dies buch geh. d. könig (1843) 1, 131; türckische hirse Chr. Lehman histor. schaupl. (1699) 473; corylus colurna L. türkische nuss Schlechtendal flora v. Deutschl. (1880) 10, 160; türckischer hanff, auch wunderbaum Chr. Wirsung artzneyb. (1588) reg.; wunderbaum hat viel namen, wirdt auch römischer hanff, türckischer

[Bd. 22, Sp. 1868]


hanff, creutzbaum vnnd zeckenkörner genannt Lonicerus (1737) 237.
c) von bestimmten, aus dem vorderen orient eingeführten und nun heimisch gewordenen rassen des federviehs: türckischer, calecutisch oder indianischer han, gallus Indicus, coq d'Inde, ist ein bekandter grosser vogel, welcher seinen ursprung aus Ostindien ... hat Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2048; vgl. engl. turkey 'truthahn'; turkeypowt 'puter' Lokotsch etym. wb. (1927) 165b; gleich wie ein hausvater aufm lande seine lust daran hat, wenn er sein federvieh, die tauben, die hüner, die gänse, die endten, die türckischen hüner zusammen locket Scriver seelenschatz (1737) 1, 759a; vor uns war ein teich, auf welchem schwäne, türkische enten und anderes geflügel schwamm Nicolai reise (1781) 3, 118.
4) zusammensetzungen mit farbadj. zur bezeichnung bestimmter kräftiger und lichtbeständiger farben (vgl. oben unter 1 a sp. 1864/65): türkischblau ... sanft röthlich schimmerndes blau Mothes ill. baulex. (1881) 4, 381; die (kleider) sich ein wenig au fftürckischblau zogen P. della Valle reiszbeschr. (1674) 1, 57; die durch mischung von chromgelb mit pariserblau hergestellten grünen federn (sind) ... türkischgrün Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 3, 49; mit weiszem, lose gedrehtem sogenannten muggengarn, mitunter auch mit türkischroth gefärbten, deszgleichen mit blauen garnen Göthe I 25, 1, 231 W.; das rosiren der türkischroth gefärbten baumwolle Muspratt chemie 3 (1891) 39; das schöne türkischrot wurde aus dem krapp (rubia tinctorum) gewonnen Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 252. davon in technischen werken die miszbildungen: das türkischrothfärben Muspratt chemie 1 (1888) 1813; Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 739; türkischrothfärberei Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 1, 77; Muspratt chemie 3 (1891) 3; türkischrotgarnfärberei Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 1, 602; türkischrothölverfahren Muspratt chemie 3 (1891) 372.
 
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türkisen, adj., 'aus türkis, wie türkis, türkisartig, türkisfarben'; gelegenheitsbildung (vgl.türkosen, adv.): da glitten ... zwei fischerboote durch die lichte türkisne flut Heer könig d. Bernina (1916) 104.
 
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türkislein, n., diminutiv von türkis (s. d.): guldine ringlein, ... darein granätlein, türckiszlein, robinlein etc., oder berlein versetzet Rauwolff aigentl. beschr. (1582) 191; ein ringlein mit einem türkislein Schweinichen denkwürdigk. (1878) 540; die reichen tragen im nasloch ... ringlein mit granaten, türkislein, rubinlein Ritter erdkde (1822) 11, 708. —
 
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türkisring, m.:

goldne türkisringe zieren
seine klaren silberhände
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 3, 330;

türkisringe für die pilger Ritter erdkde (1822) 8, 304; ein ... ringelchen, das er halb versteckt unter einem groszen türkisringe trug Fontane ges. w. (1905) I 4, 214. —
 
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türkisstein, m.: worinnen (in die unterlippen) güldene ringe und türckis-steine eingemacht waren H. Süde d. gelehrte criticus (1704) 1, 512;

sein (des ritters) lächeln war so weich und fein:
... wie türkisstein,
um den sich lauter perlen reihn
R. M. Rilke ges. w. (1927) 2, 13.


 
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turkopel, m., von afrz. turcople, mittellat. turcopulus, (eigentl. 'türkensohn', mischling von türkischem vater und griechischer mutter) 'leicht bewaffneter schütze, bes. bogenschütze', s. Schultz 22, 198; Suolahti d. frz. einflusz a. d. dt. sprache 8 (1929) 270:

fünfhundert ritter braht er dar,
turkopel, sarjende genc
Rudolf v. Ems Willehalm 645 Junk; vgl. 729;

mengen heidenschen turkoppel,
den viel da an ein toppel
fur ein sez ein ezze
Hugo v. Langenstein Martina 160, 3 lit. ver.;

vgl. 231, 30; uber das sô man urlouge hat, sô sal er (der meister) hân ... einen turkopel, der sînen schilt unde sîn sper vûre, einen andern turkopel, den er sende, den

[Bd. 22, Sp. 1869]


dritten zu eime kemerere, unde sô man zu velde liet oder vert mit den wâpenen (1264) Frauenholz entwicklungsgesch. d. dt. heerwesens 1, 239. —
 
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turkopelier, m., aufseher über die turkopel: der marschalc sal mit der gewizzene des meisters einen turcopelier setzen, sô des nôt ist, under deme sulen alle sîne turkopel sîn (1264) ebda 1, 243; der turcopilier, ... welcher ... die aufsicht über die reuterei ... hatte Schwan ritterorden (1791) 9.
 
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türkos, m., dem deutschen angenäherte form des frz. türkoas (vgl. sp. 1862 unten) vielfach im barock preziös neben üblichem türkis (s. d.):

sey willig, edler ring, mich willig zu gelosen
und einer schönern hand forthin geschenckt zu seyn,
die zwar nicht edler macht ein mehr als edler stein.
nein. darmm send ich ihr versetzt in dieser rosen
die angenähme nacht der günstigen türckosen
Paul Fleming teutsche poemata (1642) 648;

im reim zu grosz Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 108; türkosen und smaragden Spee trutznachtigall 120 Balke; ich erinnere mich zwar gar wohl, was für krafft der edelstein, ein türckos, in eben diesem punct (dasz er den, der ihn trägt, vorm fallen bewahrt) haben soll J. G. Schmidt gestrieg. rockenphilos. (1706) 1, 227. ebenso türkosen, adv., vgl. DWB türkisen, adj., 'türkisfarbig; bläulichdunkel':

der früling streut rosen
durch wiesen und felder,
die mäyen türckosen
beschatten die wälder
Schirmer singende rosen (1654) T 2a;

wenn unsrer felder gold türckosen
sich sternen, werd ich bey dir seyn ebda T 2b.


 
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türks, türkys, m., s. türkis.
 
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turl, m., f., kreisel; s. DWB dorl teil 2, sp. 1286: turl, torl, dorl, f., trochus, tornus Stieler stammb. (1691) 2566; turl, m., trottolo Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; den turl treiben cacciare, girare il trottolo ebda; Ludwig dt.-engl. (1716) 2041.
 
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türlen, vb., schwindeln; vermutlich aus türmlen mit vereinfachung der dreierkonsonanz; schon mhd.: sweme aver sus turlem (oder verderbt aus turmle?) in den ôren oder wê sî, der nem mincen unde mule die unde trophe den souch in daz ôre, er wirt gesunt (13. jh.) zwei dt. arzneibücher 37 Pfeiffer; Lexer 2, 1581. noch mundartlich nachweisbar: tuerlen schwindlig sein wb. d. lux. ma. 446. hierzu das abgeleitete adj.: tuerlech schwindlig ebda; vgl.: em turla (subst.) sin betrunken sein Hönig Köln (1877) 157.

 

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