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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
türkenzen bis türkisring (Bd. 22, Sp. 1861 bis 1868)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) türkenzen, vb., sich barbarisch wie ein Türke benehmen; vgl. griechenzen teil 4, 1, 6, sp. 258; turcheggiare, propendere un poco alla superstitione, it. alla barbarie turchesca

[Bd. 22, Sp. 1862]


Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; er türckentzet noch ein wenig egli turcheggia pur' ancora un tantino ebda: so gehn wir vmb vmschantzen, prassen, rasen, dantzen, ... teuffelentzen, mönchentzen, weibentzen vnd türckentzen Fischart Garg. 72 ndr. das allein in faulenzen durch Luther schriftsprachlich gewordene ostmd. -enzen ist eine mundartliche nebenform des germ. intensiv- und iterativsuffixes ahd. -a(z)zen, -e(z)zen; vgl. Henzen dt. wortbildung 231.
 
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türkenzug, m., für gewöhnlich nicht eine unternehmung von Türken: türcken-zug durch Arabien sc. caravana Kramer t.-ital. 2 (1702) 1452b, sondern infolge der geschichtlichen vorgänge im Deutschland des 16. und 17. jhs. ein kriegszug gegen die Türken: türcken-zug, creutz-zug crociata, espeditione sacra contro li turchi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1452b; ebda 1163a; türckenzug expeditio contra Turcam Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1101. so literarisch neben türkenkrieg (s. d.) geläufig: wol ist war, dasz s. f. g. zu ... dem turckenzuge eyn suma gelts ... uffgelegt worden (1525) d. dt. bauernkrieg 228 Franz; verschatzung seiner güter, zu behuff des turckenzuges (1542) Luther br. 10, 19 W.; nach dem grossen türckenzug, welcher war anno 1542 Kirchhof wendunmuth 1, 117 lit. ver.; kaiser Sigmundt hat anno domini 1392 ain statlichen türkenzug gethon Zimmer. chron. (21881) 1, 288 B. in der neuzeit nur mit historischem bezug:

was spricht man vom türckenzug,
ihr bischöffliche gnaden?
Göthe I 39, 38 W.;

ebda 39, 80; K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 9, 78; L. v. François letzte Reckenburgerin (1871) 1, 44.
 
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türkes, m.; s. türkis, m.
 
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türkin, f., moviertes fem. zu Tǖrke, m.: das ich keyne Turckyn, jüdyn oder ketzeryn nemen mag Luther 10, 2, 283 W.; sunst gehn die weiber (der Mauren) nit mit verdeckten angesichten, wie die Türckinen Rauwolff aigentl. beschreib. (1582) 191; ebda 88; den busen einer Türkin und die zähne einer mohrin Kotzebue s. dram. w. (1827) 8, 154; sie (Annette v. Droste) ... sitzt wie eine Türkin in höchster saloppheit auf einem ungeheuren schwarzen kanapee (1843) Schücking in: br. 210 Muschler; der Türkin des Wertmüllers; er hat sie aus dem morgenlande heimgebracht C. F. Meyer s. w. (o. j.) 3, 79 Knaur.
 
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türkis, m.
1) ein edelstein; it. turchina, adj. turchino, frz. turquoise, span. turquesa, portug. turqueza; ndl. turkoois; dt. türkis, engl. turquoise; 'so benannt, weil die Europäer ihn zuerst durch die Türken erhielten' K. Lokotsch etym. wb. (1927) 165a; vgl. J. E. Polak d. orient. türkis in: österr. monatsschr. f. d. Orient (1877) 175 -77: türkis ... ist ein edelgestein, der zwar undurchsichtig, aber sehr hart, schatticht und himmelblau fällt, wird in Persien oder Indien sehr häuffig gefunden, und bey den Türcken sehr hoch gehalten Minerophilus bergwerckslex. (1730) 672; allg. haush.-lex. (1749) 3, 556a. das wort ist aus dem frz. übernommen und sprachlich verbequemlicht; die lautgestalt in Luthers bibelübersetzung (s. u.) erst hat ihr zum siege verholfen. mhd. begegnen allerlei nicht immer ganz durchsichtige formen: do hoyt man us deme gebirge di edile gesteyne, di do heysin turchicases in grozer obirvlussikeit md. Marco Polo 8 Tscharner;

ain halsband, darinne lag ain karfunckelstain,
... da nieben manig edel diemant,
rubin unnd thüris tur erkannt Friedrich v. Schwaben 6802 Jelinek;

unmittelbar frz. turkoyse (pl.) Wolfram Parz. 791, 24; 741, 6; vgl.türkoas bei H. Heine s. w. 2, 481 Elster, auch turkoisenblau ebda 6, 489; ferner türkos; Türke 2 d; türkel, m. beliebtes lexikonwort, oft dem saphir gleichgesetzt: Maaler teutsch spr. 411c; Frisius dict. (1556) 360b; Siber gemma (1581) 191; Golius onomast. (1585) 81; Ruland lex. alchim. (1612) 259; nomencl. lat.-germ. (1634) 59; Schönsleder prompt. (1647) Kkk 5a;

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vgl. ferner Diefenbach gl. 602b; Calepinus XI. ling. (1598) 365a; Reyher thes. (1668) 1, 817; Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; Steinbach dt. wb. (1734) 2, 882; Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 226. der ansatz zu weiterer eindeutschung durch vokalabschwächung in der zweiten silbe und die dadurch bewiesene anfangsbetonung haben sich bei dem nicht volksläufig gewordenen wort auf die dauer nicht behauptet: mit spongrün zu grünem agstein, dem türckes gleich Paracelsus opera (1616) 1, 902; Rauwolff aigentl. beschr. (1582) 96; güldene ringe voll türckessen Meyfart d. himml. Jerusalem (1630) 1, 297, und in den aufzählungen bei M. Rolando lex. alch. (1612) 258; Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 4, 355. manchmal begegnet sogar einsilbigkeit: aver den torksringk geve ik mynem brodere urkunde v. 1471 v. St. Blasien in Braunschweig; da sieht man amathyst, smaragd, türcks und jaspinen wohlausgeführte jungfernanatomie (o. j.) B 2b;

er praalet hie und da mit türksen und safiren
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 279.

für gewöhnlich in der dem frz. nahebleibenden lautgestalt mit dem ton auf der zweiten silbe: ein türkis, onich, jaspis, in gold sollen sie gefasset sein (2. Mos. 28, 20) Luther; Zürcher bibel (1531); (dagegen vor Luther: crisolitus, onichinos vnd berillinus 1. dt. bibel 3, 314 Kurr.; entsprechend Hes. 10, 9; 28, 13; Dan. 10, 6; statt dessen crysolitus Claus Cranc prophetenübers. [passim] Ziesemer; hyacinckt Wormser propheten [1527] passim); dürfen ein türkis um fünf hundert gülden achten (1533) Luther tischr. 3, 132 W.; einem edlen hochferbigen türckisz ... gleich Thurneysser magna alchymia (1583) 45; seyn es gewesen etlich stümmel türckis, vngeleutert vnd vngeseubert Schweigger reyszbeschr. (1619) 79; item nimm gecalcinirten vitriolum ungaricum, der fein blau ist wie lasurstein oder turckis Walther pferde- u. viehzucht (1658) 34. wegen seiner kostbarkeit und seiner farbe beliebter schmuckstein: ein auszdermassen schönen ringe, darinn war ein blawer türckysz versetzt (1559) V. Schumann nachtbüchlein 313 Bolte; mit guten edelen diamanten, wolfärbigen rubinen, hellen türckis, klaren smaragden vnnd persischen perlin Fischart Garg. 175 ndr.; ain geschirr von lauterem türckis aines stückhs Ernstinger raisbuch 44 lit. ver.; der Juno palast ... aus türkisen, auch sonst von allen andern köstlichkeiten und reichtümern glänzte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 896;

Dieterich, was führst du viel über meine hoffart klage,
weil ich, wo es sich gebürt, einen kleinen türkis trage
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 81;

es ragt' ein prächtiger pallast,
erbauet aus türkisen
Hölty ged. 24 Halm;

seine hände goldringe mit türkisen besezzt Göthe I 37, 307 W.; kaufte er der baronin einen schmuck von türkisen G. Freytag ges. w. 4 (1887) 81; an der linken glänzt manchmal hellblau ein türkis A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 379. zur volkskundlichen bedeutung, die ebenfalls aus der Türkei überkommen ist, s. hdwb. d. dt. abergl. 8, 1212/13 (ferner unten sp. 1869 s. v. türkos Schmidt):

noh der eiter varwe turggis,
der hat vur vallen hohin pris
Hugo v. Langenstein Martina 50, 81 lit. ver.;

dazu adj.-zusammensetzungen zur bezeichnung eines besonderen blaugrünen farbtons, vgl. türkisblau ein grünliches blau auf wolle, das bei künstlichem licht denselben grünlichen schimmer zeigt wie bei tageslicht Karmarsch-Heeren techn. wb. 9, 714; türkoiszblaue gebrandte steine Olearius persian. Rosenthal (1696) 85b; die strahlende sonne, als der helle jaspis des türckis-blauen himmels v. Glaubig pistophile (1713) 2, 77; die schwanzdeckfedern sind ... türkisblau Brehm tierl. 5, 44 P.-L.; land und himmel waren von sanftem türkisblauem lichte umflutet, als ich um drei uhr morgens in die vollmondnacht hinaustrat A. Steinitzer a. d. unbekannten Italien (1911) 22; die ausgabe altprovenzalischer lieder in silberschrift auf

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türkisblauem grund Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 265; um des metrums willen viersilbig:

der blaue himmel zeigt türkisenblau
ganz schmale streifen
O. J. Bierbaum ges. w. (1913) 1, 184.

türkisgrün: ein anderes nüancirtes grün, türkisgrün Muspratt chemie (1888) 4, 1464.
2) mhd. eine art kleiderstoff, vermutlich dasselbe wie frz. draps d'or de Turquie A. Rosenquist d. frz. einflusz a. d. mhd. sprache (1932) 245. mit deutscher betonung:

was ain samit von Pliant,
rot recht als ain plüt.
ir halfften warn parten (= borten) güt
von turkis, vier vinger praitt
Heinrich v. Neustadt Apollonius 4150 Singer;

er trug an im so reiche claid
von samit und von talit (hs. A.: turkis) rot ebda 16 345;

es war ain tüch von golde gar,
es was von turkysz pracht dar ebda 19 877.

mit abschwächung des endsilbenvokals:

sy wurcket plia und samit,
turckes porten und capit,
da claidt er dann sein ritter mit
und sich: das sind desz mores sitt ebda 19 339.


3) schmetterlingsart: draconita Diefenbach gl. 191a; zygaena stutices Oken allg. naturgesch. 5 (1835) 1369.
 
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türkisch, adj. , zu Türke, in dem sich die verschiedene wirkung und wertung der jahrhundertelangen engen berührung mit den Türken in den kreuzzügen und vor allem im 16. und 17. jh. niedergeschlagen hat.
1) zu Türke 1 in reiner sachfeststellung.
a) von gegenständen im sinne 'nach art und weise der Türken, nach türkischer manier', weniger um die herkunft, als um die formung und fertigung nach türkischem muster zu kennzeichnen.
α) ein getruckt türckisch tuch (1520) Dürer tageb. 72, 23 Leitsch.; mein wirth hat mir geschenckt ... ein alt türkische gaisel (geiszel) ebda 60, 20; ir goltfarbes har ... von dem glantzet die verhöhung nit anderst, dann wer das ein gespunnen turckisch gold gewesen (1554) Wickram w. 2, 51 Bolte; mit türckschen peitschen (schlagen) W. Scherffer Grobianer (1640) 86; in türkisch papir gehefftet Thomasius aufzeichn. 320 Sachse; er zündete nun seine türkische pfeife an und erfüllte das zimmer mit dem fremden wohlgeruch des morgenländischen tabaks G. Keller ges. w. (1889) 4, 27; der türkische pfeifenkopf W. Raabe s. w. I 6, 413; türckisches garn 'wird viel von den nach der Levante handelnden kaufleuten heraus gebracht, und zu einigen manufacturen angewendet' allg. haush.-lex. (1749) 3, 557a; türkische farbe von einer leuchtenden roten farbe, deren ursprüngliche herstellung man den Türken zuschrieb: die weiber pflegen nach dem bad ... die händ vnd füsz ..., mit rohter türckischer roszfarb zu ferben Schweigger reyszbeschr. (1619) 115; ein ... teppich, in dem das türkische rot vorherrschte Fontane ges. w. (1905) I 1, 188; auch: stirne und backe ... mit dem türkischen roth der scham färben Jean Paul s. w. 23, 82 Reimer.
β) vor allem von modischen dingen: türkischer shawl Meisl theatr. quodlibet (1820) 1, 13; Müllner dramat. w. (1828) 7, 153; M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 249; in den kissen des türkischen diwans (1861) W. Raabe s. w. I 5, 196; türkische pantoffeln G. Keller ges. w. (1889) 2, 120; früh bezeugt: aulaea, vela regia türckische teppiche A. Siber gemma (1581) 107; ein türckischer teppich tapete faszuoletto etc. turchesco Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a; der königliche pallast gläntzet von türckischen teppichten, tapezereyen vnd gemahlten (schildereyen) Comenius janua res. (1638) § 679; des geprassels wegen, das dennoch der türkische teppich mächtig dämpft Hebbel s. w. 8, 288 Werner; er betrat einen reichen türkischen teppich C. F. Meyer s. w. (o. j.) 3, 103 Knaur.
γ) festen substantivischen zusammensetzungen entsprechen feste, z. t. ältere adjectivische verbindungen: türkischer

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säbel (s. o. türkensäbel sp. 1860): ensis falcatus, silius ein krumb schwärdt wie ein sichel, oder ein türckischer sebel Frisius dict. (1556) 542a; Golius onomast. (1585) 189; A. Siber gemma (1581) 119; in ainer absonderlichen cammer sein unns gezaiget worden 12 cuirasses pp ainen statlichen türggischen säbl Ernstinger raisbuch 215 lit. ver. türkischer bund, hut (s. o. türkenbund sp. 1856, türkenhut sp. 1858) für die eigenartige kopfbedeckung, den turban: ferrner setzten wir auff weisse türckische bündt mit eingewürckten blawen leistlein, wie die christen zutragen pflegen Rauwolff aigentl. beschr. (1582) 133;

auff seinem haubt ein türckhischen bundt Regensburger fastnachtsp. 1 (1618) 1031;

ebenso Grimmelshausen Simpl. 53 Scholte; Günther ged. (1735) 980; meinen türkischen kopfbund Hölderlin ges. dicht. 2, 163 Litzmann. synonym dazu: tiara, cidaris türckischer hut Golius onomast. (1585) 211; nomencl. lat.-germ. (1634) 427; türckescher hut (baret, tiara) Comenius janua res. (1638) § 514; ein türckischer bund, türckischer hut turbante (turdesco) Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b.
b) türkische musik eine eigenartige laute, stark akzentuierende musikalische gestaltung, vgl. DWB janitscharenmusik: die türkische musik ist unter allen kriegerischen musiken die erste C. D. Schubart ges. schr. (1839) 5, 337, vgl. 335; das sujet ist turkisch und heist ... die verführung aus dem serail; die sinfonie, den ersten ackt und den schluszchor werde ich mit türckischer musick machen (1781) Mozart br. 2, 105 Sch.; in Teplitz hörte ich alle tage 4 mal türkische musik (1812) Beethoven s. br. 2, 93 Kalischer; so machte er eine türkische musik, die wohl nicht ihresgleichen in der welt hat Hegner ges. schr. (1828) 1, 111; mit türkischer musik (1825) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 71 Schulte-K.; grosze fête mit türkischer musik (1842) ebda 2, 36; mit einer fürtrefflichen türkischen musik A. Hartmann volksschausp. (1880) 130; vgl. den in der musik der Wiener klassik beliebten satz 'alla turca'. dazu: im dienste einer herumziehenden reutergesellschaft, die ihm bei ihren kunstvorstellungen die türkische trommel anvertraut hat H. Heine s. w. 2, 354 Elster.
c) von den fremdartigen lebensgewohnheiten: die füsze nach türkischer manier unter sich schlagen Bahrdt leben (1790) 3, 313; formelhaft wird die präpositionale fügung: incoxare i. cossim insidere apud pomponium sitzen mit beyden beinen vnder dem aers auff turckisch H. Junius nomencl. (1577) 28b; s. u. 2 a, b u. vgl.: da wär es ja besser, sich auf gut türkisch die ohren ein für allemal mit wegrasieren zu lassen Geibel ges. w. (1893) 7, 114.
d) von staatlichen einrichtungen der Türken als inbegriff ungewöhnlicher machtfülle und herrlichkeit, aber auch uneingeschränkter despotischer willkür. türkischer kaiser als bezeichnung des sultans: da hilfft keyn wuten noch toben fur, wenn sie gleych viertausent turckischer keyszer auff yhrem teyll hetten (1522) Luther 10, 1, 1, 667 W.; wolde ich lieber denn turgkischen keiszer widder mich habenn ebda 14, 282; vgl. 19, 195; 19, 574; im 16. u. 17. jh. bleibt diese bezeichnung allgemein üblich, vgl. volksb. v. dr. Faust 67 Petsch; Aventin s. w. 1, 188; Grimmelshausen Simpl. 454 Scholte; Chr. Weise erznarren 25 ndr.; Schottel haubt-spr. (1663) 17; seitdem ersetzt durch sultan, s. d. teil 10, 4, sp. 1047ff. jüngerem sultanat entspricht älteres türkisches kaisertum u. ä.: den trotz wolt ich nicht fur zehen türckisch keiserthum nemen Luther 28, 299 W.; ders. tischr. 6, 194 W.; wenn meine tochter Magdalena ... wieder sollte lebendig werden und sollt mir das türkische königreich mitbringen, so wollt ichs nicht thun ebda 5, 192;

du sprichst, ich hab ein feines schlosz,
wann du darzu hettst tausent rosz,
ja, auch das türckisch keyserthumb,
so bistu noch nicht edel drumb
Alberus fabeln 13, 87 ndr.


2) mit negativer bewertung als folge der verachtung orientalischer lebens-, denk- und glaubensformen. sie prägt sich in dem schimpfwort türkischer hund, das in H. Hugs

[Bd. 22, Sp. 1866]


Villinger chron. bereits 1529 (s. 185), also früher als türkenhund (s. d.) bezeugt ist, besonders scharf aus.
a) diese bedeutungsfärbung reicht mundartlich bis in die gegenwart: wer machet dich gewisz, dasz du ... gott gefallest mit deiner päpstischen oder türkischen möncherei und heiligkeit? Luther 9, 9 Erl.; wo ist diese freyheit hinkommen, nach dem die einwohner selbst ihren monarchen fast auff türckische weise dienstbar seyn Chr. Weise polit. redner (1677) 517; die leut leben in aller schandt, vnfläterey, gleich als in einem Venusberg, vnd setzen auff gut türckisch, alle zucht vnd keuschheit hindan D. Schaller theolog. heroldt (1604) 95. auf bestimmte charakterliche eigenheiten anspielend: eine mehr als türkische eifersucht (1797) Caroline 1, 194 Waitz; der schwiegersohn ist ein melancholischer mensch und in der eifersucht türkisch gesinnt E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 159 Gr.; ich werde alle zeit dazu haben, da ... meine türkische faulheit in dieser beziehung nichts zu wünschen übrig läszt Pückler briefw. u. tageb. (1873) 6, 43.
b) der negative bedeutungsgehalt verfestigt sich zu der sonderbedeutung 'hart, grausam, barbarisch; willkürlich, despotisch, ungerecht'; vgl. DWB Türke 1 d; entstanden aus verbindungen wie mit türckischer vnerhörter vngüte, gewald, zwang, drang Spangenberg jagteuffel (1562) G 4a: was auch ferner für ein grausahmer mordgeist in unseren herren soldaten wohne, dasz beweisen ihre mehr als türckische vnd tartarische thaten Rist rettung (1642) C 5a. so lexikalisch: einen auf türckisch ò türkisch brügeln, tractiren, bastonare, trattare uno alla turchesca, alla turca, cioè crudelmente, spietatamente, barbaramente, alla barbara; v. 'grausam' Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; auf gut türkisch mit einem umgehen, crudelissimo dominata premere, immanibus plagis in alicujus tergum saevire Weismann lex. bip. (1725) 2, 417 (vgl. die ausgangsbedeutung aufhellendes auf türkisch unter 1 c); türkisch: st. grausam; z. b. türkisch mit jemandem umgehen Voigtel wb. (1793) 3, 433b. sogar bis in die maa. gedrungen und dort erhalten: türksch, adj. u. adv., unchristlich; unbillig Dähnert pommersch-rüg. (1781) 498a; grosz, heftig M. Schuster alt-wienerisch 171; Schranka Wiener dial. 175. literarisch seit dem 16. jh. belegt; dabei schimmert meist die entstehung dieser bedeutung aus der eigentlichen durch (s. 1): sonder dasselbige tyrannisch, türckisch, unmenschlich, ja auch teüflisch schetze Montanus schwankb. 41 Bolte; denen, welche sich gefangen geben, ... gnade beweisen sol, unnd nicht türckisch mit den christen leuten handeln Lorichius pädag. princip. (1595) 333;

ein tartarisch übel wird die gicht genennt.
gar ein türckisch rasen ist sie, wer sie kennt
Logau sinngedichte (1654) nr. 3508.

erst im 18. jh. zu völliger selbständigkeit erstarkt: viele leute ..., wenn sie ... den kindern ... das fell auf türkisch durchgerben, meynen sie, sie haben ihre kinder recht erzogen G. Schuster christerbaul. sendschr. (1742) 759;

ein pudel wars, den er auf türkisch plagte
Pfeffel poet. versuche (1802) 3, 95;

ganz türkisch metzgerte man hier (in Troja),
hatschier und läufer und portier,
und was man fand, zusammen
Blumauer ged. (1782) 203;

sie sehen, mein freund, wie unbillig und türkisch das urtheil sey: es strangulirt den ausleger und den propheten Herder 10, 100 S.
3) zu Türke 2, als feste zusatzbezeichnung zum namen bestimmter heimischer pflanzen- und tiersorten, die durch die Türken eingeführt oder verbreitet worden sind.
a) für 'mais'; in älterer zeit üblich: türkisch korn bei Fuchs neukreuterbuch (1543) 320; frumentum turcicum, türckisch korn Frischlin nomencl. (1591) 87; triticum asiaticum türckisch korn nomencl. lat.-germ. (1634) 102; türckisch korn sorbo ò sorgo turco Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; irio, frumentum nigrum heidnisch oder türckisch korn Pomey (1720) 140; teutsch-lat. wb. 33; türckisch korn frumentum indicum seu turcicum Lonicerus (1737) 525. über ganz Deutschland verbreitet: khamen erstlich zu einer

[Bd. 22, Sp. 1867]


nazion, die heist Suruchakuiss; diese hatten vonn dem türckischenn khornn unnd mandeoch auch ander wurtzeln U. Schmiedel reise (1554) 60; vonn dem türckhischen khornn oder meys ebda 43; ferrner fande ich auch gantze äcker vol mit türckischem korn, sesamo vnnd bomwoll vberseet Rauwolff aigentl. beschr. (1582) 137; ebda 198; maisz aber ist türckisch oder indianisch korn, so man triticum sarracenum vnd milium crassum oder amplum, auch triticum peruanum nennet Decker diurnal (1629) 53; das sogenannte türkische korn oder der mais ... ward uns zuerst aus Nordamerika zugeführt J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 159; in einem (kistchen) ist das türckische korn, 2 pfund türckisch garn und etwas rabuntzeln (1795) frau rat Göthe br. 1, 276 Köster; man sagt, das türkische korn zehre (in Italien) den boden aus Göthe I 30, 178 W.; der Colone baut nach wie vor ... im schweisze seines angesichts wein oder oel oder türkischkorn F. Gregorovius wanderj. in Italien 2 (1904) 241. im norden Deutschlands dafür türkischer weizen: melica ... türckisch weitzen Decimator thes. (1608) 784a; auch mundartlich: torkschen weiten Block Eilsdorf 98; torkschen weten Böning Oldenburg (1941) 117; Sallmann neue beitr. z. dt. ma. in Estland 33. entsprechend literarisch: ein kleiner beutel mit geröstetem türkischem waizenmehl stillte unsern hunger Kotzebue s. dram. w. (1827) 6, 192; auch türkischen weizen zieht er Storm s. w. (1898) 7, 33; ein leiterwagen, mit türkischem weizen beladen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 119.
b) für allerlei andere kulturpflanzen in feld und garten.
α) turckische bund lilium intortum Hohberg georg. cur. (1682) 3, 487a; türkischer bund Zorn botanologia medica (1714) 398; vgl. türkenbund 2 a α:

das schöne blumen-bilt, das türkschem bunde gleichet
W. Scherffer bei
Drechsler 89.


β) türckischer cucumer türckische pfeben Wirsung artzneyb. (1588) reg.; die melonen oder türckisch cucumern (heiszen) latine melopepo, cucumer turcicus Lonicerus (1737) 445; vgl. türkenbund 2 a β.
γ) sonstige zier- und nährpflanzen: der türckische kressen heist ... draba, dabra, araba Lonicerus (1737) 507; türkische wicke lathyrus odoratus Reinwald Henneberg 209;

wenn ihr die persische rose, bis auf die letzte minute
fest geschlossen, den mittag, die türkische tulpe den abend
... verkündigt
Hebbel s. w. (1904) 8, 290 Werner;

türckische nelcken und grasz Chr. Lehman histor. schaupl. (1699) 473; phalaris picta Reinwald Henneberg 209; rhiz. graminis Arends volkstüml. namen d. arzneimittel (1948) 236;

dort blühen purpurn ganze bäume
wie hier der türk'sche klee
Rückert ges. poet. w. (1867) 2, 237;

türckische melissen Chr. Wirsung artzneyb. (1588) reg.; Hohberg georg. cur. (1682) 3, 481b; etliche nennens knottenkraut vnd türckischen beyfusz Lonicerus (1737) 193; herb. botryos Arends volkstüml. namen d. arzneimittel (1948) 236. türkisch kümmel: fruct. cumini ebda 236; piperitis, siliquastrum türckischer pfeffer Frischlin nomencl. (1591) 73; nomencl. lat.-germ. (1634) 108; fruct. capsici Arends volkstüml. namen d. arzneimittel (1948) 236; türckische bonen fave turchesche cioè baccelli, fagginoli Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; Hohberg georg. cur. (1682) 3, 481a; die hülsenfrüchte aber sind in den hülsen vnd vnterschiedenen fachlein eingewickelt, wie an der bonen ... vnd den welschen (türckischen) bonen zusehen Comenius janua res. (1638) § 128; wo die türkische bohn über nacht einen so langen stengel schieszt Bettine dies buch geh. d. könig (1843) 1, 131; türckische hirse Chr. Lehman histor. schaupl. (1699) 473; corylus colurna L. türkische nuss Schlechtendal flora v. Deutschl. (1880) 10, 160; türckischer hanff, auch wunderbaum Chr. Wirsung artzneyb. (1588) reg.; wunderbaum hat viel namen, wirdt auch römischer hanff, türckischer

[Bd. 22, Sp. 1868]


hanff, creutzbaum vnnd zeckenkörner genannt Lonicerus (1737) 237.
c) von bestimmten, aus dem vorderen orient eingeführten und nun heimisch gewordenen rassen des federviehs: türckischer, calecutisch oder indianischer han, gallus Indicus, coq d'Inde, ist ein bekandter grosser vogel, welcher seinen ursprung aus Ostindien ... hat Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2048; vgl. engl. turkey 'truthahn'; turkeypowt 'puter' Lokotsch etym. wb. (1927) 165b; gleich wie ein hausvater aufm lande seine lust daran hat, wenn er sein federvieh, die tauben, die hüner, die gänse, die endten, die türckischen hüner zusammen locket Scriver seelenschatz (1737) 1, 759a; vor uns war ein teich, auf welchem schwäne, türkische enten und anderes geflügel schwamm Nicolai reise (1781) 3, 118.
4) zusammensetzungen mit farbadj. zur bezeichnung bestimmter kräftiger und lichtbeständiger farben (vgl. oben unter 1 a sp. 1864/65): türkischblau ... sanft röthlich schimmerndes blau Mothes ill. baulex. (1881) 4, 381; die (kleider) sich ein wenig au fftürckischblau zogen P. della Valle reiszbeschr. (1674) 1, 57; die durch mischung von chromgelb mit pariserblau hergestellten grünen federn (sind) ... türkischgrün Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 3, 49; mit weiszem, lose gedrehtem sogenannten muggengarn, mitunter auch mit türkischroth gefärbten, deszgleichen mit blauen garnen Göthe I 25, 1, 231 W.; das rosiren der türkischroth gefärbten baumwolle Muspratt chemie 3 (1891) 39; das schöne türkischrot wurde aus dem krapp (rubia tinctorum) gewonnen Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 252. davon in technischen werken die miszbildungen: das türkischrothfärben Muspratt chemie 1 (1888) 1813; Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 739; türkischrothfärberei Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 1, 77; Muspratt chemie 3 (1891) 3; türkischrotgarnfärberei Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 1, 602; türkischrothölverfahren Muspratt chemie 3 (1891) 372.
 
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türkisen, adj., 'aus türkis, wie türkis, türkisartig, türkisfarben'; gelegenheitsbildung (vgl.türkosen, adv.): da glitten ... zwei fischerboote durch die lichte türkisne flut Heer könig d. Bernina (1916) 104.
 
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türkislein, n., diminutiv von türkis (s. d.): guldine ringlein, ... darein granätlein, türckiszlein, robinlein etc., oder berlein versetzet Rauwolff aigentl. beschr. (1582) 191; ein ringlein mit einem türkislein Schweinichen denkwürdigk. (1878) 540; die reichen tragen im nasloch ... ringlein mit granaten, türkislein, rubinlein Ritter erdkde (1822) 11, 708. —
 
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türkisring, m.:

goldne türkisringe zieren
seine klaren silberhände
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 3, 330;

türkisringe für die pilger Ritter erdkde (1822) 8, 304; ein ... ringelchen, das er halb versteckt unter einem groszen türkisringe trug Fontane ges. w. (1905) I 4, 214. —

 

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