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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
türkenschlüssel bis türkisgrün (Bd. 22, Sp. 1861 bis 1864)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) türkenschlüssel, m., 'ein etwa 30 cm langer schlüssel für ein altertümliches, in der Türkei hergestelltes schlosz aus holz; veraltet' Hardenberg fachspr. d. bergischen eisenind. 168. —
 
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türkenstecher, m., von einem, der mit mord und totschlag droht: da stund nun der türckenstecher und hatte alle boszheit inwendig (1663) Chr. Weise erznarren 90 ndr.
 
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türkensteuer, f., abgabe zur finanzierung der verteidigungsmasznahmen gegen die vorstösze der Türken besonders im 16. und 17. jh.; gebucht bei Schottel haubtspr. (1663) 482; contributione per la guerra contro i turchi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a; tributum belli turcici causa collectum Apinus (1728) 539; Steinbach dt. wb. (1734) 2, 697. seit alters synonym mit zeitgenössischem türkengeld, -pfennig, -schatzung (s. an alphab. st.; vgl. auch oben türkenkasten und türkenhilfe): wirt das lehen an der sonnen ontfangen, hat auch mit keinen schatzingen, türkenstuir oder mit niemants zu schaffen (1469) J. Grimm dt. rechtsaltert. 41, 388; sollen auch kelch vnd monstrantzen zu schmelzt werden ... zu türcken steur (1544) Luther br. 10, 558 W.; erstlick hebben alle reykesstende bewilligt einen turckensteuer van dem gantzen koninchryke tofoddern (um 1564) Stralsund. chron. 3 (1870) 498; turckensteür (1610) bürgerspr. d. st. Wismar 77, 35 Techen; so weren auch zugleich im reich ... die alt restirende türckenstewer eingetrieben C. Ensz fama Austriaca (1627) 313a; die türcken-steuer collectiren Chr. Weise kluger hofmeister (1688) 265. im gegensatz zu den synonymen bleibt es neben türkenhilfe als feste historische prägung lebendig: an ausständiger 7procentiger türkensteuer 36 fl. 46 kr. (um 1750) mitt. d. hist. ver. f. Steiermark 37 (1889) 169; allg. dt. bibl. (1765) 7, 2, 226; K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 6, 456; die bewilligte türkensteuer Ranke s. w. (1867) 7, 110. —
 
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türkentrank, m.:

c-a-f-f-e-e, trink nicht caffee, caffee!
nicht für kinder ist der türkentrank,
schwächt die nerven, macht dich blass und krank.
sey du kein muselmann, der ihn nicht missen kann (um 1800)
C. G. Hering in: Beethoven-album (1846) 90.


 
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türkentum, n., in älternhd. zeit gewöhnlich die glaubensform des Islam, die das abendland durch die Türken kennenlernt: wenn nu solcher ungetauffter hauffe uberhand neme, was solt anders bald draus werden, denn ein lauter turckenthum odder heidenschafft? Luther 30, 2, 595 W.; das pabstthum, türkenthum nebst allen secten und religionen erlangen alsdenn ihre gewisse endschaft Q. Kuhlmann bei D. Hollatz examen theol. acroamaticum (1750) 1270; das ganze türckenthum und mahometsche wesen M. Wiedemann hist.-poet. gefangensch. (1690) 79; das hab ich wahrlich ... nicht gewust, dasz das türckenthum eine kirche genennt werde J. Scheffler ecclesiologia (1735) 1, 50a; A. Florschütz Türken u. türkenthum; glaubens- u. sittenlehre des koran (1855) buchtitel. in jüngerer zeit zieht sich die inhaltsvorstellung gern auf die dem Islam eigentümliche fatalistische lebenshaltung zusammen (vgl. oben türkenglaube): von dem, was dir bevorsteht, hab' ich gehört, ... mache das beste davon. ohne ein gutes stück türkentum kann man überhaupt nicht existieren (1880) Fontane br. an s. familie (1905) 1, 295.
 
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türkenwein, m.: vinum turcicum, vel undetrigesimum, der türckenwein, der neun vnd zwentziger, sic vocatur in hunc usque diem, quod eo anno Turca Viennam obsideret, scilicet anno domini M. D. XXIX., cuius vinum erat plane, quod dicebatur, turcicum i. pestilentissimum et crudelissimum, adeoque plenus malis erat annus iste Alberus dict. (1540) Nn 3a; man hat in den türckhenwein genant, darumb das der Turckh zu derselben zeit Wien in Osterreich belegert ... hat (15 jh.) Herolt chron. 249 Kolb; vgl. oben türkenblut.
 
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türkenzen, vb., sich barbarisch wie ein Türke benehmen; vgl. griechenzen teil 4, 1, 6, sp. 258; turcheggiare, propendere un poco alla superstitione, it. alla barbarie turchesca

[Bd. 22, Sp. 1862]


Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; er türckentzet noch ein wenig egli turcheggia pur' ancora un tantino ebda: so gehn wir vmb vmschantzen, prassen, rasen, dantzen, ... teuffelentzen, mönchentzen, weibentzen vnd türckentzen Fischart Garg. 72 ndr. das allein in faulenzen durch Luther schriftsprachlich gewordene ostmd. -enzen ist eine mundartliche nebenform des germ. intensiv- und iterativsuffixes ahd. -a(z)zen, -e(z)zen; vgl. Henzen dt. wortbildung 231.
 
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türkenzug, m., für gewöhnlich nicht eine unternehmung von Türken: türcken-zug durch Arabien sc. caravana Kramer t.-ital. 2 (1702) 1452b, sondern infolge der geschichtlichen vorgänge im Deutschland des 16. und 17. jhs. ein kriegszug gegen die Türken: türcken-zug, creutz-zug crociata, espeditione sacra contro li turchi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1452b; ebda 1163a; türckenzug expeditio contra Turcam Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1101. so literarisch neben türkenkrieg (s. d.) geläufig: wol ist war, dasz s. f. g. zu ... dem turckenzuge eyn suma gelts ... uffgelegt worden (1525) d. dt. bauernkrieg 228 Franz; verschatzung seiner güter, zu behuff des turckenzuges (1542) Luther br. 10, 19 W.; nach dem grossen türckenzug, welcher war anno 1542 Kirchhof wendunmuth 1, 117 lit. ver.; kaiser Sigmundt hat anno domini 1392 ain statlichen türkenzug gethon Zimmer. chron. (21881) 1, 288 B. in der neuzeit nur mit historischem bezug:

was spricht man vom türckenzug,
ihr bischöffliche gnaden?
Göthe I 39, 38 W.;

ebda 39, 80; K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 9, 78; L. v. François letzte Reckenburgerin (1871) 1, 44.
 
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türkes, m.; s. türkis, m.
 
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türkin, f., moviertes fem. zu Tǖrke, m.: das ich keyne Turckyn, jüdyn oder ketzeryn nemen mag Luther 10, 2, 283 W.; sunst gehn die weiber (der Mauren) nit mit verdeckten angesichten, wie die Türckinen Rauwolff aigentl. beschreib. (1582) 191; ebda 88; den busen einer Türkin und die zähne einer mohrin Kotzebue s. dram. w. (1827) 8, 154; sie (Annette v. Droste) ... sitzt wie eine Türkin in höchster saloppheit auf einem ungeheuren schwarzen kanapee (1843) Schücking in: br. 210 Muschler; der Türkin des Wertmüllers; er hat sie aus dem morgenlande heimgebracht C. F. Meyer s. w. (o. j.) 3, 79 Knaur.
 
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türkis, m.
1) ein edelstein; it. turchina, adj. turchino, frz. turquoise, span. turquesa, portug. turqueza; ndl. turkoois; dt. türkis, engl. turquoise; 'so benannt, weil die Europäer ihn zuerst durch die Türken erhielten' K. Lokotsch etym. wb. (1927) 165a; vgl. J. E. Polak d. orient. türkis in: österr. monatsschr. f. d. Orient (1877) 175 -77: türkis ... ist ein edelgestein, der zwar undurchsichtig, aber sehr hart, schatticht und himmelblau fällt, wird in Persien oder Indien sehr häuffig gefunden, und bey den Türcken sehr hoch gehalten Minerophilus bergwerckslex. (1730) 672; allg. haush.-lex. (1749) 3, 556a. das wort ist aus dem frz. übernommen und sprachlich verbequemlicht; die lautgestalt in Luthers bibelübersetzung (s. u.) erst hat ihr zum siege verholfen. mhd. begegnen allerlei nicht immer ganz durchsichtige formen: do hoyt man us deme gebirge di edile gesteyne, di do heysin turchicases in grozer obirvlussikeit md. Marco Polo 8 Tscharner;

ain halsband, darinne lag ain karfunckelstain,
... da nieben manig edel diemant,
rubin unnd thüris tur erkannt Friedrich v. Schwaben 6802 Jelinek;

unmittelbar frz. turkoyse (pl.) Wolfram Parz. 791, 24; 741, 6; vgl.türkoas bei H. Heine s. w. 2, 481 Elster, auch turkoisenblau ebda 6, 489; ferner türkos; Türke 2 d; türkel, m. beliebtes lexikonwort, oft dem saphir gleichgesetzt: Maaler teutsch spr. 411c; Frisius dict. (1556) 360b; Siber gemma (1581) 191; Golius onomast. (1585) 81; Ruland lex. alchim. (1612) 259; nomencl. lat.-germ. (1634) 59; Schönsleder prompt. (1647) Kkk 5a;

[Bd. 22, Sp. 1863]


vgl. ferner Diefenbach gl. 602b; Calepinus XI. ling. (1598) 365a; Reyher thes. (1668) 1, 817; Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; Steinbach dt. wb. (1734) 2, 882; Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 226. der ansatz zu weiterer eindeutschung durch vokalabschwächung in der zweiten silbe und die dadurch bewiesene anfangsbetonung haben sich bei dem nicht volksläufig gewordenen wort auf die dauer nicht behauptet: mit spongrün zu grünem agstein, dem türckes gleich Paracelsus opera (1616) 1, 902; Rauwolff aigentl. beschr. (1582) 96; güldene ringe voll türckessen Meyfart d. himml. Jerusalem (1630) 1, 297, und in den aufzählungen bei M. Rolando lex. alch. (1612) 258; Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 4, 355. manchmal begegnet sogar einsilbigkeit: aver den torksringk geve ik mynem brodere urkunde v. 1471 v. St. Blasien in Braunschweig; da sieht man amathyst, smaragd, türcks und jaspinen wohlausgeführte jungfernanatomie (o. j.) B 2b;

er praalet hie und da mit türksen und safiren
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 279.

für gewöhnlich in der dem frz. nahebleibenden lautgestalt mit dem ton auf der zweiten silbe: ein türkis, onich, jaspis, in gold sollen sie gefasset sein (2. Mos. 28, 20) Luther; Zürcher bibel (1531); (dagegen vor Luther: crisolitus, onichinos vnd berillinus 1. dt. bibel 3, 314 Kurr.; entsprechend Hes. 10, 9; 28, 13; Dan. 10, 6; statt dessen crysolitus Claus Cranc prophetenübers. [passim] Ziesemer; hyacinckt Wormser propheten [1527] passim); dürfen ein türkis um fünf hundert gülden achten (1533) Luther tischr. 3, 132 W.; einem edlen hochferbigen türckisz ... gleich Thurneysser magna alchymia (1583) 45; seyn es gewesen etlich stümmel türckis, vngeleutert vnd vngeseubert Schweigger reyszbeschr. (1619) 79; item nimm gecalcinirten vitriolum ungaricum, der fein blau ist wie lasurstein oder turckis Walther pferde- u. viehzucht (1658) 34. wegen seiner kostbarkeit und seiner farbe beliebter schmuckstein: ein auszdermassen schönen ringe, darinn war ein blawer türckysz versetzt (1559) V. Schumann nachtbüchlein 313 Bolte; mit guten edelen diamanten, wolfärbigen rubinen, hellen türckis, klaren smaragden vnnd persischen perlin Fischart Garg. 175 ndr.; ain geschirr von lauterem türckis aines stückhs Ernstinger raisbuch 44 lit. ver.; der Juno palast ... aus türkisen, auch sonst von allen andern köstlichkeiten und reichtümern glänzte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 896;

Dieterich, was führst du viel über meine hoffart klage,
weil ich, wo es sich gebürt, einen kleinen türkis trage
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 81;

es ragt' ein prächtiger pallast,
erbauet aus türkisen
Hölty ged. 24 Halm;

seine hände goldringe mit türkisen besezzt Göthe I 37, 307 W.; kaufte er der baronin einen schmuck von türkisen G. Freytag ges. w. 4 (1887) 81; an der linken glänzt manchmal hellblau ein türkis A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 379. zur volkskundlichen bedeutung, die ebenfalls aus der Türkei überkommen ist, s. hdwb. d. dt. abergl. 8, 1212/13 (ferner unten sp. 1869 s. v. türkos Schmidt):

noh der eiter varwe turggis,
der hat vur vallen hohin pris
Hugo v. Langenstein Martina 50, 81 lit. ver.;

dazu adj.-zusammensetzungen zur bezeichnung eines besonderen blaugrünen farbtons, vgl. türkisblau ein grünliches blau auf wolle, das bei künstlichem licht denselben grünlichen schimmer zeigt wie bei tageslicht Karmarsch-Heeren techn. wb. 9, 714; türkoiszblaue gebrandte steine Olearius persian. Rosenthal (1696) 85b; die strahlende sonne, als der helle jaspis des türckis-blauen himmels v. Glaubig pistophile (1713) 2, 77; die schwanzdeckfedern sind ... türkisblau Brehm tierl. 5, 44 P.-L.; land und himmel waren von sanftem türkisblauem lichte umflutet, als ich um drei uhr morgens in die vollmondnacht hinaustrat A. Steinitzer a. d. unbekannten Italien (1911) 22; die ausgabe altprovenzalischer lieder in silberschrift auf

[Bd. 22, Sp. 1864]


türkisblauem grund Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 265; um des metrums willen viersilbig:

der blaue himmel zeigt türkisenblau
ganz schmale streifen
O. J. Bierbaum ges. w. (1913) 1, 184.

türkisgrün: ein anderes nüancirtes grün, türkisgrün Muspratt chemie (1888) 4, 1464.
2) mhd. eine art kleiderstoff, vermutlich dasselbe wie frz. draps d'or de Turquie A. Rosenquist d. frz. einflusz a. d. mhd. sprache (1932) 245. mit deutscher betonung:

was ain samit von Pliant,
rot recht als ain plüt.
ir halfften warn parten (= borten) güt
von turkis, vier vinger praitt
Heinrich v. Neustadt Apollonius 4150 Singer;

er trug an im so reiche claid
von samit und von talit (hs. A.: turkis) rot ebda 16 345;

es war ain tüch von golde gar,
es was von turkysz pracht dar ebda 19 877.

mit abschwächung des endsilbenvokals:

sy wurcket plia und samit,
turckes porten und capit,
da claidt er dann sein ritter mit
und sich: das sind desz mores sitt ebda 19 339.


3) schmetterlingsart: draconita Diefenbach gl. 191a; zygaena stutices Oken allg. naturgesch. 5 (1835) 1369.

 

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