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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
türkensäbel bis türkenzug (Bd. 22, Sp. 1860 bis 1862)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) türkensäbel, m., 'allgemein, gilt als besonders schreckhaft' schweiz. id. 7, 37:

bald sieht man die habichts-schnäbel
ihro krumme clarität
hauen, wie die türcken-säbel
Lindenborn Diogenes 2 (1741) 751;

ritter Carl hat dem alten Adolf einen türkensäbel zugeschickt maler Müller w. (1811) 3, 81; einen rittersmann, ... der sich vor keinem türkensäbel fürchtet Ch. v. Schmid ges. schr. (1858) 7, 172; L. v. François letzte Reckenburgerin (1871) 2, 213; Spielhagen s. w. (1877) 4, 35. —
 
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türkensattel, m., fachausdruck der anatomie, 'vertiefung zwischen der vordern u. hintern spitze des körpers vom keilbeine, selle turcique' Mozin wb. d. frz. spr. 3, 31b: die obere seite des körpers hat jederzeit eine dem türkensattel ähnliche gestalt Göthe II 8, 202 W.; in der schädelhöhle erhebt sich von dem türkensattel eine spitze, die ursache sehr heftiger kopfschmerzen Sömmerring menschl. körper (1839) 2, lxxxi.
 
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türkenschatzung, f., älter für türkensteuer (s. d.): es hat der prätext ... der türcken-schatzung manchem herren von hundert jahren her ein grosses eingetragen Moscherosch

[Bd. 22, Sp. 1861]


gesichte (1650) 1, 400. —
 
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türkenschlüssel, m., 'ein etwa 30 cm langer schlüssel für ein altertümliches, in der Türkei hergestelltes schlosz aus holz; veraltet' Hardenberg fachspr. d. bergischen eisenind. 168. —
 
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türkenstecher, m., von einem, der mit mord und totschlag droht: da stund nun der türckenstecher und hatte alle boszheit inwendig (1663) Chr. Weise erznarren 90 ndr.
 
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türkensteuer, f., abgabe zur finanzierung der verteidigungsmasznahmen gegen die vorstösze der Türken besonders im 16. und 17. jh.; gebucht bei Schottel haubtspr. (1663) 482; contributione per la guerra contro i turchi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a; tributum belli turcici causa collectum Apinus (1728) 539; Steinbach dt. wb. (1734) 2, 697. seit alters synonym mit zeitgenössischem türkengeld, -pfennig, -schatzung (s. an alphab. st.; vgl. auch oben türkenkasten und türkenhilfe): wirt das lehen an der sonnen ontfangen, hat auch mit keinen schatzingen, türkenstuir oder mit niemants zu schaffen (1469) J. Grimm dt. rechtsaltert. 41, 388; sollen auch kelch vnd monstrantzen zu schmelzt werden ... zu türcken steur (1544) Luther br. 10, 558 W.; erstlick hebben alle reykesstende bewilligt einen turckensteuer van dem gantzen koninchryke tofoddern (um 1564) Stralsund. chron. 3 (1870) 498; turckensteür (1610) bürgerspr. d. st. Wismar 77, 35 Techen; so weren auch zugleich im reich ... die alt restirende türckenstewer eingetrieben C. Ensz fama Austriaca (1627) 313a; die türcken-steuer collectiren Chr. Weise kluger hofmeister (1688) 265. im gegensatz zu den synonymen bleibt es neben türkenhilfe als feste historische prägung lebendig: an ausständiger 7procentiger türkensteuer 36 fl. 46 kr. (um 1750) mitt. d. hist. ver. f. Steiermark 37 (1889) 169; allg. dt. bibl. (1765) 7, 2, 226; K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 6, 456; die bewilligte türkensteuer Ranke s. w. (1867) 7, 110. —
 
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türkentrank, m.:

c-a-f-f-e-e, trink nicht caffee, caffee!
nicht für kinder ist der türkentrank,
schwächt die nerven, macht dich blass und krank.
sey du kein muselmann, der ihn nicht missen kann (um 1800)
C. G. Hering in: Beethoven-album (1846) 90.


 
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türkentum, n., in älternhd. zeit gewöhnlich die glaubensform des Islam, die das abendland durch die Türken kennenlernt: wenn nu solcher ungetauffter hauffe uberhand neme, was solt anders bald draus werden, denn ein lauter turckenthum odder heidenschafft? Luther 30, 2, 595 W.; das pabstthum, türkenthum nebst allen secten und religionen erlangen alsdenn ihre gewisse endschaft Q. Kuhlmann bei D. Hollatz examen theol. acroamaticum (1750) 1270; das ganze türckenthum und mahometsche wesen M. Wiedemann hist.-poet. gefangensch. (1690) 79; das hab ich wahrlich ... nicht gewust, dasz das türckenthum eine kirche genennt werde J. Scheffler ecclesiologia (1735) 1, 50a; A. Florschütz Türken u. türkenthum; glaubens- u. sittenlehre des koran (1855) buchtitel. in jüngerer zeit zieht sich die inhaltsvorstellung gern auf die dem Islam eigentümliche fatalistische lebenshaltung zusammen (vgl. oben türkenglaube): von dem, was dir bevorsteht, hab' ich gehört, ... mache das beste davon. ohne ein gutes stück türkentum kann man überhaupt nicht existieren (1880) Fontane br. an s. familie (1905) 1, 295.
 
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türkenwein, m.: vinum turcicum, vel undetrigesimum, der türckenwein, der neun vnd zwentziger, sic vocatur in hunc usque diem, quod eo anno Turca Viennam obsideret, scilicet anno domini M. D. XXIX., cuius vinum erat plane, quod dicebatur, turcicum i. pestilentissimum et crudelissimum, adeoque plenus malis erat annus iste Alberus dict. (1540) Nn 3a; man hat in den türckhenwein genant, darumb das der Turckh zu derselben zeit Wien in Osterreich belegert ... hat (15 jh.) Herolt chron. 249 Kolb; vgl. oben türkenblut.
 
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türkenzen, vb., sich barbarisch wie ein Türke benehmen; vgl. griechenzen teil 4, 1, 6, sp. 258; turcheggiare, propendere un poco alla superstitione, it. alla barbarie turchesca

[Bd. 22, Sp. 1862]


Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163b; er türckentzet noch ein wenig egli turcheggia pur' ancora un tantino ebda: so gehn wir vmb vmschantzen, prassen, rasen, dantzen, ... teuffelentzen, mönchentzen, weibentzen vnd türckentzen Fischart Garg. 72 ndr. das allein in faulenzen durch Luther schriftsprachlich gewordene ostmd. -enzen ist eine mundartliche nebenform des germ. intensiv- und iterativsuffixes ahd. -a(z)zen, -e(z)zen; vgl. Henzen dt. wortbildung 231.
 
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türkenzug, m., für gewöhnlich nicht eine unternehmung von Türken: türcken-zug durch Arabien sc. caravana Kramer t.-ital. 2 (1702) 1452b, sondern infolge der geschichtlichen vorgänge im Deutschland des 16. und 17. jhs. ein kriegszug gegen die Türken: türcken-zug, creutz-zug crociata, espeditione sacra contro li turchi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1452b; ebda 1163a; türckenzug expeditio contra Turcam Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1101. so literarisch neben türkenkrieg (s. d.) geläufig: wol ist war, dasz s. f. g. zu ... dem turckenzuge eyn suma gelts ... uffgelegt worden (1525) d. dt. bauernkrieg 228 Franz; verschatzung seiner güter, zu behuff des turckenzuges (1542) Luther br. 10, 19 W.; nach dem grossen türckenzug, welcher war anno 1542 Kirchhof wendunmuth 1, 117 lit. ver.; kaiser Sigmundt hat anno domini 1392 ain statlichen türkenzug gethon Zimmer. chron. (21881) 1, 288 B. in der neuzeit nur mit historischem bezug:

was spricht man vom türckenzug,
ihr bischöffliche gnaden?
Göthe I 39, 38 W.;

ebda 39, 80; K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 9, 78; L. v. François letzte Reckenburgerin (1871) 1, 44.

 

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