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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
türkenland bis türkentrank (Bd. 22, Sp. 1860 bis 1861)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) türkenland, n., zusammenrückung aus ursprünglicher genitivverbindung, die noch lange gefühlt wird: da sahen sie von fern, dasz sich unter des Turken lande wohl neuen schiffe ereugten (16. jh.) Pomerania 2, 57 Gaebel. nach dem muster von Mohrenland, Egyptenland, Syrerland früh verfestigt: und ist nit daz recht Kriechenland, als dann die landfarer sagen, wann daz recht Durkenland (hs. Durckchenland) ist verrer über mer sächs. weltchron. 383 Weiland; Ottakcher was ain künig in Dorczling und Türkenland österr. chron. 68, 21 Seem.;

manig heiden wirt gevalt
in Egypten und Syna,
in Turkelant und Capadocia
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 5417 Singer.

im altnordischen scheint um 1150 als erster der isländische abt Nikolás von þverá Tyrkland in seinem reiseführer zu nennen PBB 69 (1947) 475. mit beginn der neuzeit rasch durch Türkei (s. d.) verdrängt. seitdem nur dichterisch:

dort liegt vor mir ein pfad gebahnt
der führt tief in das Türkenland
A. Grün krain. volkslieder (1850) 5, 108;

gebieter wie die Türken im Türkenlande (1890) G. Freytag br. an s. gattin (1912) 419.
 
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türkenmäszig, adj.: welcher ... sich offt mit den ... fliegen in ein hartes schier türckenmässiges gefecht eineliesz Jesuiter rahtsstube (1684) 91; anders: ein reifer verstand, der über seine meynungen türkenmäszig zu halten weisz Lessing 1, 325 L.-M.
 
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türkenpfeife, f.:

euer dank soll, wenn ich sterbe,
die türkenpfeife seyn
Pfeffel poet. vers. (1802) 2, 104;

W. Raabe s. w. I 6, 414; eine lange türkenpfeife B. Goltz ein jugendleben (1852) 1, 212; L. v. François letzte Reckenburgerin (1871) 1, 230. —
 
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türkenpfennig, m., in älterer zeit dasselbe wie DWB türkensteuer (s. d.): anno 1542 ward ein landtag ... gehalten, darinnen der turckenpfennig, oder wie man es nun heist, die grosse czeisz auffgebracht Hennenberg erclerung d. preusz. landtaffel (1595) 178. —
 
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türkensäbel, m., 'allgemein, gilt als besonders schreckhaft' schweiz. id. 7, 37:

bald sieht man die habichts-schnäbel
ihro krumme clarität
hauen, wie die türcken-säbel
Lindenborn Diogenes 2 (1741) 751;

ritter Carl hat dem alten Adolf einen türkensäbel zugeschickt maler Müller w. (1811) 3, 81; einen rittersmann, ... der sich vor keinem türkensäbel fürchtet Ch. v. Schmid ges. schr. (1858) 7, 172; L. v. François letzte Reckenburgerin (1871) 2, 213; Spielhagen s. w. (1877) 4, 35. —
 
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türkensattel, m., fachausdruck der anatomie, 'vertiefung zwischen der vordern u. hintern spitze des körpers vom keilbeine, selle turcique' Mozin wb. d. frz. spr. 3, 31b: die obere seite des körpers hat jederzeit eine dem türkensattel ähnliche gestalt Göthe II 8, 202 W.; in der schädelhöhle erhebt sich von dem türkensattel eine spitze, die ursache sehr heftiger kopfschmerzen Sömmerring menschl. körper (1839) 2, lxxxi.
 
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türkenschatzung, f., älter für türkensteuer (s. d.): es hat der prätext ... der türcken-schatzung manchem herren von hundert jahren her ein grosses eingetragen Moscherosch

[Bd. 22, Sp. 1861]


gesichte (1650) 1, 400. —
 
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türkenschlüssel, m., 'ein etwa 30 cm langer schlüssel für ein altertümliches, in der Türkei hergestelltes schlosz aus holz; veraltet' Hardenberg fachspr. d. bergischen eisenind. 168. —
 
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türkenstecher, m., von einem, der mit mord und totschlag droht: da stund nun der türckenstecher und hatte alle boszheit inwendig (1663) Chr. Weise erznarren 90 ndr.
 
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türkensteuer, f., abgabe zur finanzierung der verteidigungsmasznahmen gegen die vorstösze der Türken besonders im 16. und 17. jh.; gebucht bei Schottel haubtspr. (1663) 482; contributione per la guerra contro i turchi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a; tributum belli turcici causa collectum Apinus (1728) 539; Steinbach dt. wb. (1734) 2, 697. seit alters synonym mit zeitgenössischem türkengeld, -pfennig, -schatzung (s. an alphab. st.; vgl. auch oben türkenkasten und türkenhilfe): wirt das lehen an der sonnen ontfangen, hat auch mit keinen schatzingen, türkenstuir oder mit niemants zu schaffen (1469) J. Grimm dt. rechtsaltert. 41, 388; sollen auch kelch vnd monstrantzen zu schmelzt werden ... zu türcken steur (1544) Luther br. 10, 558 W.; erstlick hebben alle reykesstende bewilligt einen turckensteuer van dem gantzen koninchryke tofoddern (um 1564) Stralsund. chron. 3 (1870) 498; turckensteür (1610) bürgerspr. d. st. Wismar 77, 35 Techen; so weren auch zugleich im reich ... die alt restirende türckenstewer eingetrieben C. Ensz fama Austriaca (1627) 313a; die türcken-steuer collectiren Chr. Weise kluger hofmeister (1688) 265. im gegensatz zu den synonymen bleibt es neben türkenhilfe als feste historische prägung lebendig: an ausständiger 7procentiger türkensteuer 36 fl. 46 kr. (um 1750) mitt. d. hist. ver. f. Steiermark 37 (1889) 169; allg. dt. bibl. (1765) 7, 2, 226; K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 6, 456; die bewilligte türkensteuer Ranke s. w. (1867) 7, 110. —
 
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türkentrank, m.:

c-a-f-f-e-e, trink nicht caffee, caffee!
nicht für kinder ist der türkentrank,
schwächt die nerven, macht dich blass und krank.
sey du kein muselmann, der ihn nicht missen kann (um 1800)
C. G. Hering in: Beethoven-album (1846) 90.

 

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