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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
türkenkorn bis türkenstecher (Bd. 22, Sp. 1859 bis 1861)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) türkenkorn, n., 'mais', gewöhnlich einfach türk genannt, vgl. DWB türke 2 c: 's dürkechorn mais Seiler Basel 92; türkenkorn im obern Elsasz Metzger pflanzenkde 205;

rauschendes türkenkorn; buchweizen mit röthlichen blüthen
v. Salis in: Göttg. musenalmanach (1787) 65;

ein schwerer brei von hirse und türkenkorn ... Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 1, 298.
 
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türkenkrieg, m., guerra di ò contro i turchi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a. seit beginn der unmittelbaren türkengefahr zu anfang des 16. jhs. neben türkenzug (s. d.) geläufig: wie wol uns bis her gelungen sey mit dem türcken krieg Luther 30, 2, 113 W.; disz gibt dem herrn doctor vrsach, das er ... nicht allein vom türcken krieg, sondern auch von Machomets gottslesterlichen religion schreibet Mathesius ausgew. w. 3, 157 Loesche; Sebastian Schertel, obrister vnd general leutenant im türckenkrieg, als Wien belägert ward Zinkgref apophth. (1628) 1, 191; weil nun der türcken-krieg wiederum von neuem anging Chr. Weise kluger hofmeister (1688) 165. wie türkenzug wird es zum festen begriff für die militärischen auseinandersetzungen mit den Türken im 16. und 17. jh., die als einheit gesehen werden; daher geradezu regelmäszig im singular: er hat sich indessen in dem türkenkriege einen hölzernen arm geholt Klinger stürmer u. dränger 1, 213; der grosze aufwand des immer sich erneuernden türkenkriegs Schiller 8, 24 G.; sie hausen im lande wie im türkenkrieg W. Hauff s. w. (1890) 1, 227; der türkenkrieg sei nur ein vorwand, um das unwissende volk auszuplündern D. Fr. Strausz ges. w. (1876) 7, 220; Fontane ges. w. (1905) I 5, 108. sogar mundartlich in der redensart: zuegān wie z'Wien im türggen-krieg schweiz. id.

[Bd. 22, Sp. 1860]


3, 797; selbst metaphorischer gebrauch ist möglich: es konnte nichts weniger als ein türkenkrieg darauf erfolgen Gottsched ges. schr. 4, 167 Gottsched-ges. gegenüber dieser festen geschichtlichen beziehung tritt die anwendung auf spätere, ungefähr zeitgenössische kriegerische zusammenstösze mit der Türkei zurück: über den jetzigen türkenkrieg allg. dt. bibl. (1765) 111, 583; ich beziehe mich hiebey auf eine geschichte des vorigen türkenkrieges (1806) A. v. Arnim in: schr. d. Goethe-ges. 14, 32; die insel wurde um so mehr beunruhigt, als die schwäche ihres alten österreichischen verbündeten auch in einem neuen türkenkriege sich erwies Ludwig Dehio gleichgewicht od. hegemonie (1948) 97.
 
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türkenland, n., zusammenrückung aus ursprünglicher genitivverbindung, die noch lange gefühlt wird: da sahen sie von fern, dasz sich unter des Turken lande wohl neuen schiffe ereugten (16. jh.) Pomerania 2, 57 Gaebel. nach dem muster von Mohrenland, Egyptenland, Syrerland früh verfestigt: und ist nit daz recht Kriechenland, als dann die landfarer sagen, wann daz recht Durkenland (hs. Durckchenland) ist verrer über mer sächs. weltchron. 383 Weiland; Ottakcher was ain künig in Dorczling und Türkenland österr. chron. 68, 21 Seem.;

manig heiden wirt gevalt
in Egypten und Syna,
in Turkelant und Capadocia
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 5417 Singer.

im altnordischen scheint um 1150 als erster der isländische abt Nikolás von þverá Tyrkland in seinem reiseführer zu nennen PBB 69 (1947) 475. mit beginn der neuzeit rasch durch Türkei (s. d.) verdrängt. seitdem nur dichterisch:

dort liegt vor mir ein pfad gebahnt
der führt tief in das Türkenland
A. Grün krain. volkslieder (1850) 5, 108;

gebieter wie die Türken im Türkenlande (1890) G. Freytag br. an s. gattin (1912) 419.
 
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türkenmäszig, adj.: welcher ... sich offt mit den ... fliegen in ein hartes schier türckenmässiges gefecht eineliesz Jesuiter rahtsstube (1684) 91; anders: ein reifer verstand, der über seine meynungen türkenmäszig zu halten weisz Lessing 1, 325 L.-M.
 
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türkenpfeife, f.:

euer dank soll, wenn ich sterbe,
die türkenpfeife seyn
Pfeffel poet. vers. (1802) 2, 104;

W. Raabe s. w. I 6, 414; eine lange türkenpfeife B. Goltz ein jugendleben (1852) 1, 212; L. v. François letzte Reckenburgerin (1871) 1, 230. —
 
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türkenpfennig, m., in älterer zeit dasselbe wie DWB türkensteuer (s. d.): anno 1542 ward ein landtag ... gehalten, darinnen der turckenpfennig, oder wie man es nun heist, die grosse czeisz auffgebracht Hennenberg erclerung d. preusz. landtaffel (1595) 178. —
 
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türkensäbel, m., 'allgemein, gilt als besonders schreckhaft' schweiz. id. 7, 37:

bald sieht man die habichts-schnäbel
ihro krumme clarität
hauen, wie die türcken-säbel
Lindenborn Diogenes 2 (1741) 751;

ritter Carl hat dem alten Adolf einen türkensäbel zugeschickt maler Müller w. (1811) 3, 81; einen rittersmann, ... der sich vor keinem türkensäbel fürchtet Ch. v. Schmid ges. schr. (1858) 7, 172; L. v. François letzte Reckenburgerin (1871) 2, 213; Spielhagen s. w. (1877) 4, 35. —
 
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türkensattel, m., fachausdruck der anatomie, 'vertiefung zwischen der vordern u. hintern spitze des körpers vom keilbeine, selle turcique' Mozin wb. d. frz. spr. 3, 31b: die obere seite des körpers hat jederzeit eine dem türkensattel ähnliche gestalt Göthe II 8, 202 W.; in der schädelhöhle erhebt sich von dem türkensattel eine spitze, die ursache sehr heftiger kopfschmerzen Sömmerring menschl. körper (1839) 2, lxxxi.
 
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türkenschatzung, f., älter für türkensteuer (s. d.): es hat der prätext ... der türcken-schatzung manchem herren von hundert jahren her ein grosses eingetragen Moscherosch

[Bd. 22, Sp. 1861]


gesichte (1650) 1, 400. —
 
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türkenschlüssel, m., 'ein etwa 30 cm langer schlüssel für ein altertümliches, in der Türkei hergestelltes schlosz aus holz; veraltet' Hardenberg fachspr. d. bergischen eisenind. 168. —
 
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türkenstecher, m., von einem, der mit mord und totschlag droht: da stund nun der türckenstecher und hatte alle boszheit inwendig (1663) Chr. Weise erznarren 90 ndr.

 

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