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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
türkenhut bis türkenmäszig (Bd. 22, Sp. 1858 bis 1860)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) türkenhut, m., im gegensatz zum gleichbedeutenden türkenbund (s. d.) nur in eigentlicher verwendung: cyrbasia einn spitz hut, türckenhut Alberus (1540) J 3a; tiara ein türckenhut, bischoffshut Starck lex. lat.-germ. 208; das sie gesehen etwa wie türckenhäupter, die türckenhüth auff hetten Goltwurm wunderzeichen (1567) 118a; der türckenhut roth mit einem weissen bund Spener op. herald. (1680) 504. —
 
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türkenkalender, m., 'noch bis zur zeit der ersten französ. revolution erschienen alljährlich sogenannte türkenkalender mit ... schilderungen künftiger und vergangener türkengreuel angefüllt' Riehl naturgesch. d. volkes (1851) 1, 284; der titel eines der ältesten gedruckten kalender in Deutschland, der unmittelbar nach der eroberung Konstantinopels durch die Türken erschien, lautet jedoch: eyn manung der cristenheit widder die Durken (von A. Bieling unter dem von ihm gewählten

[Bd. 22, Sp. 1859]


titel 'türkenkalender auf d. jahr 1455' in: Wagners arch. f. d. gesch. d. dt. spr. [1874] 291 -313; 443-446 abgedruckt); vgl. DWB türkenalmanach; -büchlein. —
 
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türkenkappe, f., 'fez, Glarus, wo sie einen wichtigen ausfuhrartikel bildet' schweiz. id. 3, 396. —
 
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türkenkasten, m., allgemeine kasse für die türkensteuer: die 3000 fl., so der bischof in den turkenkasten schuldig (1543) polit. korresp. d. Moritz von Sachsen 1, 718. —
 
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türkenklee, m., gewöhnlich esparsette (onobrychis sativa) ... esparsette in Österreich; türkischer und turkenklee bei Würzburg Metzger pflanzenkunde (1841) 842; als türkischer klee bei Ehrhart pflanzenhist. 9, 173.
 
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türkenkopf, m.
1) eigentlich; testa di turco, it. saricino, facchino Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a: vor dem thor zu Comorra sahe ich 24 türckenköpff an einem zaun herumb nacheinander stecken Schweigger reyszbeschr. (1619) 8; andere (hagelkörner) wie türcken-köpfe und etliche rund wie die kugeln Prätorius anthrop. plut. (1666) 1, 193; die bauren, die beym untergange der sonne oft streitende kriegesheere, türkenköpfe, thiere, und ich weisz nicht was in den wolken erblicken Liscow sat. u. ernsth. schr. (1739) 55; berge, die vordem dicht bestanden waren, sehen jetzt aus wie glattrasierte türkenköpfe B. Auerbach schr. (1892) 16, 197. sogar mundartlich: a hōd 'n stäppel wie a tärkakōp Karl Rother schles. sprichw. (1928) 52.
2) hölzerne nachbildungen: nach dem türckenkopf rennen correre il saracino Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a; die putzigen türkenköpfe auf den schnäbeln der schlitten gafft die jugend ... an Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 5, 8. insbesondere der tabakbehälter bei pfeifen: dabei blies er mir aus einer kurzen, aber umfangreichen pfeife mit einem türkenkopf eine rauchwolke ins gesicht M. Reich d. geleitsmann 155; welche dort ... behaglich den tabak der zigarre, wie den des rothen türkenkopfs verglimmen lieszen Gaudy s. w. (1844) 13, 9.
3) 'eine art kürbisse' Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 1264; Voigtel wb. (1793) 3, 433a; Mozin frz. spr. 3, 31b. —
 
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türkenkopfkerne: semen cucurbitae G. Arends volkstüml. namen d. arzneimittel (1948) 236; vgl. türkenbund 2 a β.
 
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türkenkorn, n., 'mais', gewöhnlich einfach türk genannt, vgl. DWB türke 2 c: 's dürkechorn mais Seiler Basel 92; türkenkorn im obern Elsasz Metzger pflanzenkde 205;

rauschendes türkenkorn; buchweizen mit röthlichen blüthen
v. Salis in: Göttg. musenalmanach (1787) 65;

ein schwerer brei von hirse und türkenkorn ... Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 1, 298.
 
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türkenkrieg, m., guerra di ò contro i turchi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a. seit beginn der unmittelbaren türkengefahr zu anfang des 16. jhs. neben türkenzug (s. d.) geläufig: wie wol uns bis her gelungen sey mit dem türcken krieg Luther 30, 2, 113 W.; disz gibt dem herrn doctor vrsach, das er ... nicht allein vom türcken krieg, sondern auch von Machomets gottslesterlichen religion schreibet Mathesius ausgew. w. 3, 157 Loesche; Sebastian Schertel, obrister vnd general leutenant im türckenkrieg, als Wien belägert ward Zinkgref apophth. (1628) 1, 191; weil nun der türcken-krieg wiederum von neuem anging Chr. Weise kluger hofmeister (1688) 165. wie türkenzug wird es zum festen begriff für die militärischen auseinandersetzungen mit den Türken im 16. und 17. jh., die als einheit gesehen werden; daher geradezu regelmäszig im singular: er hat sich indessen in dem türkenkriege einen hölzernen arm geholt Klinger stürmer u. dränger 1, 213; der grosze aufwand des immer sich erneuernden türkenkriegs Schiller 8, 24 G.; sie hausen im lande wie im türkenkrieg W. Hauff s. w. (1890) 1, 227; der türkenkrieg sei nur ein vorwand, um das unwissende volk auszuplündern D. Fr. Strausz ges. w. (1876) 7, 220; Fontane ges. w. (1905) I 5, 108. sogar mundartlich in der redensart: zuegān wie z'Wien im türggen-krieg schweiz. id.

[Bd. 22, Sp. 1860]


3, 797; selbst metaphorischer gebrauch ist möglich: es konnte nichts weniger als ein türkenkrieg darauf erfolgen Gottsched ges. schr. 4, 167 Gottsched-ges. gegenüber dieser festen geschichtlichen beziehung tritt die anwendung auf spätere, ungefähr zeitgenössische kriegerische zusammenstösze mit der Türkei zurück: über den jetzigen türkenkrieg allg. dt. bibl. (1765) 111, 583; ich beziehe mich hiebey auf eine geschichte des vorigen türkenkrieges (1806) A. v. Arnim in: schr. d. Goethe-ges. 14, 32; die insel wurde um so mehr beunruhigt, als die schwäche ihres alten österreichischen verbündeten auch in einem neuen türkenkriege sich erwies Ludwig Dehio gleichgewicht od. hegemonie (1948) 97.
 
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türkenland, n., zusammenrückung aus ursprünglicher genitivverbindung, die noch lange gefühlt wird: da sahen sie von fern, dasz sich unter des Turken lande wohl neuen schiffe ereugten (16. jh.) Pomerania 2, 57 Gaebel. nach dem muster von Mohrenland, Egyptenland, Syrerland früh verfestigt: und ist nit daz recht Kriechenland, als dann die landfarer sagen, wann daz recht Durkenland (hs. Durckchenland) ist verrer über mer sächs. weltchron. 383 Weiland; Ottakcher was ain künig in Dorczling und Türkenland österr. chron. 68, 21 Seem.;

manig heiden wirt gevalt
in Egypten und Syna,
in Turkelant und Capadocia
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 5417 Singer.

im altnordischen scheint um 1150 als erster der isländische abt Nikolás von þverá Tyrkland in seinem reiseführer zu nennen PBB 69 (1947) 475. mit beginn der neuzeit rasch durch Türkei (s. d.) verdrängt. seitdem nur dichterisch:

dort liegt vor mir ein pfad gebahnt
der führt tief in das Türkenland
A. Grün krain. volkslieder (1850) 5, 108;

gebieter wie die Türken im Türkenlande (1890) G. Freytag br. an s. gattin (1912) 419.
 
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türkenmäszig, adj.: welcher ... sich offt mit den ... fliegen in ein hartes schier türckenmässiges gefecht eineliesz Jesuiter rahtsstube (1684) 91; anders: ein reifer verstand, der über seine meynungen türkenmäszig zu halten weisz Lessing 1, 325 L.-M.

 

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