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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
türkengeschrei bis türkenkasten (Bd. 22, Sp. 1857 bis 1859)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) türkengeschrei, n., aufgebot zum türkenkrieg schweiz. id. 9, 1456: was oder wie vil zu ergangnem türkengeschrai bewilligt (16. jh.) Blarer br. u. akten 1, 346; das darauff erfolgte türckengeschrei Taurer buszruffer (1596) Q ab. —
 
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türkenglaube, m., creanza ò superstitione turchesca ò de' turchi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a: ouch ym turcken glauben Luther 34, 2, 61 W.; mit der theorie

[Bd. 22, Sp. 1858]


vom unabwendbaren schicksal, ... die man ... in neuerer zeit türkenglaube nennt Schopenhauer w. 1, 392 Gr.; vgl. DWB türkentum.
 
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türkenglocke, f. 1) diejenige kirchenglocke, deren regelmäsziges geläut zu bestimmten tagesstunden die gemeinde zum türkengebet (s. d.) ruft: den 6. december (1568) ist erkant worden von dem raht, dasz man die türckenglock, so man zu mittag leutt, ... in allen pfarrkürche (n soll) leuten Imlinsche familienchron. in: Alsatia 10 (1873) 439; J. Feinler geistl. türcken-glocke (1663) buchtitel; wurde verordnet, im ganzen römischen reich deutscher nation ..., wie schon vor zeiten, die türkenglocke mittags zu läuten Cosack gesch. d. evang. ascet. lit. 200. dieser terminus bleibt in historischen darstellungen noch jahrhundertelang nach beseitigung der türkengefahr lebendig: lütet d'türkeglocke an allen enden Hebel s. w. (1838) 2, 56; auf den türmen (von Magdeburg) läutete man (anno 1559) die bet- und türkenglocke W. Raabe s. w. I 2, 324. daneben in allgemeineren bezügen auf die türkenkriege: die Grosz-Halderner glocke, die sie die türkenglocke nannten, weil sie von geschützen gegossen war, die Matthias von Haldern aus dem türkenkriege mit heimgebracht hatte Fontane ges. w. (1905) I 5, 108. — 2) bei Jean Paul für einen gewürzmörser: dadurch, dasz er diese schand- und türkenglocke mit der ganzen hand ... umgriff w. 11/14, 164 Hempel.
 
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türkenheit, f., vereinzelt, der inbegriff aller Türken: Machomet hat platz in gantzer türckenheit H. v. Rüte faszn. (1532) E 3.
 
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türkenhilfe, f., besondere steuer zur aufstellung eines heeres gegen die Türken (vgl. DWB türkengeld, -kasten, -pfennig,- schatzung, -steuer an alphab. st.): von den andern (artikeln), die turkenhilf und underhaltung regiments und camergerichts betreffen (1529) polit. corresp. d. st. Straszburg 1, 321; auch willigten die weltlichen stände in Schlesien eine türckenhülffe Rätel Curäi chron. (1607) 447. die feste prägung bleibt in historischen darstellungen geläufig: allg. dt. bibl. (1765) 90, 21; ebda 105, 16; J. Möser s. w. (1842) 1, 395; von den protestantischen gesandten hatten die meisten die instruction, in keine türkenhülfe zu willigen Ranke s. w. (1867) 7, 111; K. Brandi d. dt. reformation (1927) 244; G. Ritter neugestaltung Europas (1950) 325. —
 
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türkenholz, n., 'zweige von vib. lant. (schlingstrauch) ... zu tabakspfeifenröhrchen gebraucht' schweiz. id. 2, 1263. —
 
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türkenhund, m., abfällige bezeichnung des Türken: last mich diesem ... türkkenhunde ... das hertze im leibe suchen Schottel friedenssieg 30 ndr.; herr Walther verteidigte den leidigen türkenhund aus leibeskräften J. G. Müller kom. romane 2 (1786) 55;

bey solchen türken-hunden
ist man an nichts gebunden
Kotzebue s. dram. w. (1827) 4, 25;

(1685) Körner histor. volkslieder 338 in: teil 5, sp. 234 s. v. kartaunenknall; Ditfurth volkslieder d. bayer. heeres (1871) 30; auch übertragen: Pansner schimpfwb. (1839) 71b; vgl. türkisch 2, sp. 1865/66.
 
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türkenhut, m., im gegensatz zum gleichbedeutenden türkenbund (s. d.) nur in eigentlicher verwendung: cyrbasia einn spitz hut, türckenhut Alberus (1540) J 3a; tiara ein türckenhut, bischoffshut Starck lex. lat.-germ. 208; das sie gesehen etwa wie türckenhäupter, die türckenhüth auff hetten Goltwurm wunderzeichen (1567) 118a; der türckenhut roth mit einem weissen bund Spener op. herald. (1680) 504. —
 
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türkenkalender, m., 'noch bis zur zeit der ersten französ. revolution erschienen alljährlich sogenannte türkenkalender mit ... schilderungen künftiger und vergangener türkengreuel angefüllt' Riehl naturgesch. d. volkes (1851) 1, 284; der titel eines der ältesten gedruckten kalender in Deutschland, der unmittelbar nach der eroberung Konstantinopels durch die Türken erschien, lautet jedoch: eyn manung der cristenheit widder die Durken (von A. Bieling unter dem von ihm gewählten

[Bd. 22, Sp. 1859]


titel 'türkenkalender auf d. jahr 1455' in: Wagners arch. f. d. gesch. d. dt. spr. [1874] 291 -313; 443-446 abgedruckt); vgl. DWB türkenalmanach; -büchlein. —
 
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türkenkappe, f., 'fez, Glarus, wo sie einen wichtigen ausfuhrartikel bildet' schweiz. id. 3, 396. —
 
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türkenkasten, m., allgemeine kasse für die türkensteuer: die 3000 fl., so der bischof in den turkenkasten schuldig (1543) polit. korresp. d. Moritz von Sachsen 1, 718. —

 

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