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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
türkenblut bis türkenhilfe (Bd. 22, Sp. 1856 bis 1858)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) türkenblut, n.:

türkenblut ist zu vergieszen,
schont nicht der ungläubigen
Göthe I 3, 214 W.

übertragen: türcken-blut, n., sangue turco, met. vin negro, vernaccia Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a; ein dunckelrother wein Ludwig t.-engl. (1716) 2041. ursprünglich klammerform nach dem muster von ölblatt, weiszbäcker usw. aus türkentraubenblut: vinum atrum dicker roter wein, türcken-traubenblut Pomey (1720) 266; nach der herkunft (wie türkenkorn; -birne usw.): feierte das ereignis durch die erzeugung jener weitbekannten mischung aus porter und sekt, die man im kasino aus unbekannten gründen türkenblut nannte Stratz dienst 37. — arzneimittel: resina draconis. sanguis hirci G. Arends volkstüml. namen d. arzneimittel (1948) 236.
 
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türkenbruder, m.: umme veler der lozen bouen (buben) willen, turkenbroder gheheten efte ok sijk segghen to wesende turkenbroder unde nee uppe de reyse (den türkenzug, türkenkrieg) quemen, de hijr amme lande lopen unde schedelijk mochten wesen deme kopmanne uppe der straten etc. (1464) Lübecker urk.-buch 10, 529; item 20 schog den turgkennbrudern gegeben (um 1475) denkwürd. d. rathsm. Spittendorf 125 Opel.
 
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türkenbüchlein, n., name kirchlich-reformatorischer volksschriften: new türckenbüchlin, dergleichen vor diser zeit nie getruckt worden ... durch Simon Wolder, Pommern ... 1558 bei K. Goedeke grundrisz 22, 283. s. auch türkenkalender.
 
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türkenbund, m. , dasselbe wie türkenhut (s. d.), verdeutschung für den charakteristischen türkischen turban; vgl. türkischer bund, unter türkisch 3 b α, sp. 1867.
1) eigentlich: zwei Albanesen, wildfremde kerle mit türkenbunden Vischer altes u. neues (1881) 3, 310. als beteuerung: potz himmelblau und türkenbund J. Gotthelf ges. schr. (1856) 10, 205.
2) die eindrucksvoll-fremdartige form der türkischen kopfbedeckung hat zahlreiche übertragungen veranlaszt.

[Bd. 22, Sp. 1857]



a) volkstümlicher name für zwei heimische pflanzen, ihrer auffälligen form wegen.
α) eine lilienart, lilium martagon, goldwurzzwiebel; türkenbund für das freundliche lilium martagon: die wirklich auffallende ähnlichkeit der blumenkrone mit einem türkischen bunde, d. h. turban hat ihn (den namen) erzeugt Franz Söhns unsere pflanzen (1899) 62; türkenbund die blumenkrone gleicht einem türkischen bunde d. i. dem um den kopf gebundenen tuche, turban Prahn pflanzenn. (1909) 149; verzeichnet bei Holl pflanzennamen (1833) 227a; Fechner volksth. pflanzenn. (1871) 7; Schlechtendal flora v. Deutschl. (1880) 3, 79; G. Arends volkstüml. namen d. arzneimittel (1948) 236; zur volkskundlichen bedeutung vgl. hdwb. d. dt. aberglaubens 8, 1209-12: die türkenbund-lilie an den cammerrath nebst einem brief gesendet (1817) Göthe III 6, 74; die ebenen ... mit den vortrefflichsten kräutern geziert: ... anemonen, hohe delphinen, türkenbund (lilium martagon) Ritter erdkde (1822) 2, 1077;

aus dem kelch des türkenbundes
kommt ein neger stolz gezogen;
licht auf seinem grünen turban
glüht des halbmonds goldner bogen
Freiligrath ges. dicht. (1877) 1, 43.


β) eine kürbisart: cucurbita melopepo L. ... türkenbund, turbankürbis Holl wb. dt. pflanzenn. 215a; Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 1260; Oken naturgesch. 3 (1839) 831; Metzger pflanzenkde (1841) 695; K. G. Anton gesch. d. teutschen landwirtsch. (1799) 1, 216; vgl. DWB türkenkopf 3.
b) eine schneckenart: turbo cidaris Oken naturgesch. 5 (1835) 441.
c) zuckergebäck in form eines turbans; weit verbreitet; synonym gugel-hopf, s. schweiz. id. 4, 1361: mein befinden ist heut vorzüglich: mittag schweinefl. mit hirse ... und dann eine mehlspeise: türkenbund oder so etwas von gebackenem teig (1890) G. Freytag br. an s. gattin (1912) 532.
d) fachsprachliche sonderbedeutungen: türkenbund wird mit einer höchst übel gefundenen bezeichnung in älteren diplomen und wappenbeschreibungen der 'wulst' mitunter genannt Querfurth krit. wb. d. herald. termin. 160; türkenbund, türkischer bund eine kranzartige umflechtung eines gegenstandes mit tauwerk, wobei sich die einzelnen kardeele wie bei einem turban übereinanderlegen C. Eichler v. bug z. heck (1938) 439.
 
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türkengebet, n., gebet für die errettung aus der türkengefahr (s.türkenglocke); türcken-gebet, n., preghiera contro li turchi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a: mon tut aug ale suntag ein turckengebett Paumgartner briefw. 177 lit. ver.; so man das ave Maria abendts und morgendts, deszgleichen das dürgenpett leutet (1532) stadtr. v. Überlingen 380 Geier; wann man zu mittagszeit das türkenbeth leuth, wenig mehr weder jung noch alt niderkneuend (1585) ebda 562; und in selbigen (buszstunden) noch das türckengebeth continuiret wird J. Thomasius aufzeichn. 627 Sachse; das regelmäszige türkengebet ist noch nicht gar lange verschwunden Riehl naturgesch. d. volkes (1851) 1, 285; der alttestamentliche rachepsalmenton, der in so vielen türkengebeten ... die alleinherrschaft übt Cosack gesch. d. evang. ascet. lit. 184.
 
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türkengeld, n.: szo solt man dieweil vom turgkengelt ... nemen v. d. Planitz berichte 495 Wülcker; nichts dest weniger musz er (der arme mann) hilf, türkengelt, steur, scharwerk, guld, zins über masz, schankung, miet und gab geben Aventin s. w. 1, 214 bayr. akad.
 
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türkengeschrei, n., aufgebot zum türkenkrieg schweiz. id. 9, 1456: was oder wie vil zu ergangnem türkengeschrai bewilligt (16. jh.) Blarer br. u. akten 1, 346; das darauff erfolgte türckengeschrei Taurer buszruffer (1596) Q ab. —
 
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türkenglaube, m., creanza ò superstitione turchesca ò de' turchi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a: ouch ym turcken glauben Luther 34, 2, 61 W.; mit der theorie

[Bd. 22, Sp. 1858]


vom unabwendbaren schicksal, ... die man ... in neuerer zeit türkenglaube nennt Schopenhauer w. 1, 392 Gr.; vgl. DWB türkentum.
 
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türkenglocke, f. 1) diejenige kirchenglocke, deren regelmäsziges geläut zu bestimmten tagesstunden die gemeinde zum türkengebet (s. d.) ruft: den 6. december (1568) ist erkant worden von dem raht, dasz man die türckenglock, so man zu mittag leutt, ... in allen pfarrkürche (n soll) leuten Imlinsche familienchron. in: Alsatia 10 (1873) 439; J. Feinler geistl. türcken-glocke (1663) buchtitel; wurde verordnet, im ganzen römischen reich deutscher nation ..., wie schon vor zeiten, die türkenglocke mittags zu läuten Cosack gesch. d. evang. ascet. lit. 200. dieser terminus bleibt in historischen darstellungen noch jahrhundertelang nach beseitigung der türkengefahr lebendig: lütet d'türkeglocke an allen enden Hebel s. w. (1838) 2, 56; auf den türmen (von Magdeburg) läutete man (anno 1559) die bet- und türkenglocke W. Raabe s. w. I 2, 324. daneben in allgemeineren bezügen auf die türkenkriege: die Grosz-Halderner glocke, die sie die türkenglocke nannten, weil sie von geschützen gegossen war, die Matthias von Haldern aus dem türkenkriege mit heimgebracht hatte Fontane ges. w. (1905) I 5, 108. — 2) bei Jean Paul für einen gewürzmörser: dadurch, dasz er diese schand- und türkenglocke mit der ganzen hand ... umgriff w. 11/14, 164 Hempel.
 
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türkenheit, f., vereinzelt, der inbegriff aller Türken: Machomet hat platz in gantzer türckenheit H. v. Rüte faszn. (1532) E 3.
 
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türkenhilfe, f., besondere steuer zur aufstellung eines heeres gegen die Türken (vgl. DWB türkengeld, -kasten, -pfennig,- schatzung, -steuer an alphab. st.): von den andern (artikeln), die turkenhilf und underhaltung regiments und camergerichts betreffen (1529) polit. corresp. d. st. Straszburg 1, 321; auch willigten die weltlichen stände in Schlesien eine türckenhülffe Rätel Curäi chron. (1607) 447. die feste prägung bleibt in historischen darstellungen geläufig: allg. dt. bibl. (1765) 90, 21; ebda 105, 16; J. Möser s. w. (1842) 1, 395; von den protestantischen gesandten hatten die meisten die instruction, in keine türkenhülfe zu willigen Ranke s. w. (1867) 7, 111; K. Brandi d. dt. reformation (1927) 244; G. Ritter neugestaltung Europas (1950) 325. —

 

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