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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turkel bis türkenbüchlein (Bd. 22, Sp. 1855 bis 1856)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turkel, m. , nebenform von 2torkel, teil 11, 1, 1, sp. 891.
1) taumel Brendicke Berlin 185; vgl. turkelig; turkeln.
2) glück Brendicke Berlin 185: er hat'n furchtbarn torkel. auch turkel Meyer-Mauermann d. richtige Berliner (91925) 178; wenn er turkel hat Fontane br. an s. familie (1905) 2, 135.
 
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türkel, adj. , 'löchrig, pertusus, schadhaft'; ableitung von durch; vgl. DWB dürchel, DWB dürkel teil 2, sp. 1603 und zum k Behaghel gesch. d. dt. sprache (51928) 407.
1) eigentlich: der do gelt sament, der schutte is in einen turkiln sac (Haggai 1, 6) Claus Cranc prophetenübers. 356 Ziesemer (durch löchrigen 1. dt. bibel 10, 104 Kurr.; löcherigen Wormser propheten (1527) q 1b; löcherten Luther);

der türkel oder lam ist,
dem hilft er (der arzt Vivian) zu keiner frist fastnachtsp. 2, 679 Keller.


2) fachausdruck der bergmannssprache: sobald ein ausgezimmerter schacht dürkel wird, kan man ... ihn mit verwandruthen in ruhe und sicherheit sezen qu. v. 1772 in: Veith bergwb. 506; die zimmerung (mit dem messer) anzustechen, um zu sehen, ob sie noch frisch oder dürkel ist bergm. wb. (Chemnitz 1778) 567; törkel, türkel Gätzschmann bergm. ausdrücke (1881) 102; Dannenberg-Frantz bergm. wb. (1882) 102. redensartlich türkel hauen: zeche türkel hauen, it. abhutten, eben machen, abköhlen, das ist, wenn man die stroszen und bergfesten alle daraus hauet, die schächte und strecken nicht mit notdürfftiger zimmerung versiehet, sondern alles zu bruch und sumpffe gehen läst Minerophilus bergwercks-lex. (1730) 726; vgl. Schönberg ausführl. berginform. (1693) 2, 110; ebda anh. 32; zs. f. dt. wortf. 13, 114; eine zeche dunkel oder türkel hauen sie eingehen lassen Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 1, 211; abhütten Wenckenbach bergm. wb. (1864) 111; raubbau treiben Driszen bergmannsspr. 86; vgl. auch dürchl machen extenuare (1419) Diefenbach gl. 219c.

[Bd. 22, Sp. 1856]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) türkel, m., mittelalterlicher name eines edelsteins; wohl diminutiv zu Türke 2 d, nach der herkunft, vgl. türkis a. a. a.:

saffîr von Orîente und manic edel stein ...
türkel und jâchande sach man glesten drîn Wolfdietrich D 92, 3 Amelung;

in der cronen stuont ouch ein stein, ...
das ist ein türkel, was bla grüen
meister Altswert 39, 16 lit. ver.;

der lîhten stein man dâ vermist,
als gorallus und amatist
turkel und magnes,
beryllus und agates ...
dise steine al,
die dâ sô lutzel kosten
Ottokar reimchronik 69274 Seem.


 
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turkeln, vb., nebenform zu 2torkeln teil 11, 1, 1, sp. 892-94; taumeln; hin und her schwankend gehen Klein prov. wb. 2, 201; turkeln taumeln Schmitz sitten u. sagen d. Eifler volkes 1, 232b: er turckelt vnd wanket stet Eyering proverb. copia (1601) 2, 437; der recht beym wein taumelt und turckelt im koth Lehman flor. polit. (1640) 615; man ... plaudert bis mitternacht und turkelt in die nacht hinein Fontane ges. w. (1920) II 4, 41; ein ziel, auf das er mit der sturen wut des betrunkenen loszging ... er schwankte und turkelte Polenz Büttnerbauer (1895) 3, 352. —
 
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turkeltaube, f., s. DWB turteltaube, f.
 
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türkenalmanach, m.: türken-allmanach von Matth. Rohlfs auf das 1771. jahr Christi, worin beygefügt von den kriegen der Türken (buchtitel); J. H. Voss krit. blätter (1828) 2, 90; vgl. unten türkenkalender; -büchlein. —
 
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türkenbirne, f., sommer-apothekerbirne schweiz. id. 4, 1498; die bergamotbirne, in Tirol u. a. türkenbir genannt anz. f. dt. altert. 24, 340. —
 
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türkenblau, n., sanft röthlich schimmerndes blau Mothes ill. baulex. (1881) 4, 381: der mantel, der von der linken schulter abfällt, ist türkenblau Welcker alte denkm. (1849) 4, 24; vgl. türkischblau, türkisblau. —
 
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türkenblut, n.:

türkenblut ist zu vergieszen,
schont nicht der ungläubigen
Göthe I 3, 214 W.

übertragen: türcken-blut, n., sangue turco, met. vin negro, vernaccia Kramer t.-ital. 2 (1702) 1163a; ein dunckelrother wein Ludwig t.-engl. (1716) 2041. ursprünglich klammerform nach dem muster von ölblatt, weiszbäcker usw. aus türkentraubenblut: vinum atrum dicker roter wein, türcken-traubenblut Pomey (1720) 266; nach der herkunft (wie türkenkorn; -birne usw.): feierte das ereignis durch die erzeugung jener weitbekannten mischung aus porter und sekt, die man im kasino aus unbekannten gründen türkenblut nannte Stratz dienst 37. — arzneimittel: resina draconis. sanguis hirci G. Arends volkstüml. namen d. arzneimittel (1948) 236.
 
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türkenbruder, m.: umme veler der lozen bouen (buben) willen, turkenbroder gheheten efte ok sijk segghen to wesende turkenbroder unde nee uppe de reyse (den türkenzug, türkenkrieg) quemen, de hijr amme lande lopen unde schedelijk mochten wesen deme kopmanne uppe der straten etc. (1464) Lübecker urk.-buch 10, 529; item 20 schog den turgkennbrudern gegeben (um 1475) denkwürd. d. rathsm. Spittendorf 125 Opel.
 
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türkenbüchlein, n., name kirchlich-reformatorischer volksschriften: new türckenbüchlin, dergleichen vor diser zeit nie getruckt worden ... durch Simon Wolder, Pommern ... 1558 bei K. Goedeke grundrisz 22, 283. s. auch türkenkalender.

 

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