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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turben bis turbulenz (Bd. 22, Sp. 1842 bis 1848)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turben, m., torf; in alem. maa., aus dem frz. entlehnt, s. o. torf teil 11, 1, 1, sp. 882: Martin-Lienhart elsäss. 2, 711; Fischer schwäb. 2, 478; bad. wb. 1, 601; Stalder schweiz. id. 1, 328; vgl.turbenmesser messer zum torfstechen schweiz. id. 4, 464.
 
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turbieren, vb. , stören, beunruhigen, plagen. mnl. turberen, nl. turbeeren. ein nach lat. turbare 'in unordnung bringen, beunruhigen' mit dem lehnsuffix -ieren gebildetes lehnwort, das zuerst in der urkundensprache des 16. jhs. begegnet, dann aber auch in der literatur- und umgangssprache, wo es sich bis ins 19. jh. hält; heute nur noch

[Bd. 22, Sp. 1843]


mundartl., vorwiegend ostmd. lexikalisch: turbare stören, turbiren (1507) Diefenbach gl. 602a; turbiren troubler nouv. dict. allem.-franç. (1762) 921b; turbiren stören, hindern, beunruhigen Moritz gramm. wb. (1793) 4, 169.
1) in einen bestehenden zustand oder vorgang eingreifen, eine vorhandene ordnung, einen geregelten ablauf stören; in politischer hinsicht: ein reich, welches vil wird turbirt, durch unordnung, das muoz zergehn qu. v. j. 1581 in: zs. f. dt. wortf. 15, 214; ehe ... ichtwas in seinem eigenen lande turbieret ... würde Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 1, G 5a;

er hat das gantze reich turbirt,
hat herrn vnd knecht zugleich verführt cursus Kleselianus (1619) B 4a.

so auch die präfigierte form (nach lat. perturbare): nur durch einen unvorhergesehenen raschen durchbruch könnte sie (die neutralität) vorübergehend perturbiert werden C. F. Meyer s. w. 1, 89 Knaur. rechtmäszigen besitz streitig machen, vgl. DWB turbation; 'insbesondere von leuten gesagt, welche andere in der possesz oder dem besitze ihrer güter und sachen stören und beunruhigen' Zedler univ.-lex. 45 (1745) 1850: da einige puissance sich unterstünde, se. churfl. dl. in dero rechtmässigen possessionen und commercien in Africa und America zu turbiren, ... so solle die crone Engeland gehalten sein, sr. churfl. dl. ... satisfaction zu verschaffen (1691) bei R. Schück Brandenb.-Preuszens kolonialpolitik 2, 377; ihn ... bey allen itzigen besitz- und inhabungen ohne einige ausnahm zu schützen, und nicht nachzugeben, dasz er oder die seinige einiges weges darin turbiret würden Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 114. den wortlaut einer schrift entstellen: indessen geschiehet es auch zuweilen, dasz die ordnung der rede in der heil. schrift sehr turbiret und verletzet wird, weil etwa hier und da diejenigen, so nach der apostel zeiten parentheses ... hinzugethan, in ihrem fleis nicht sind so volkommen glücklich gewesen, dasz nicht solte in dieser sache manches zu ändern und zu bessern seyn Chr. Starke synopsis 2 (1735) 601. einen chemischen vorgang störend beeinflussen oder hervorrufen: solcher vrsach halben möchte die grosse gewalt ... des feuers, zu gutem theyl jre (der ölsamen) distillation turbiren, umkehren und verhindern, das ist, sie würde machen, dasz die gedistillierte und fliessende materien etwas trüber würden fliessen Sebiz feldbau (1579) 437; opio, welchen safft sie ... wissen zu präpariren ... durch welchen sein (des menschen) geblüt gantz turbiret und verändert wird J. Döpler theatr. poen. (1693) 353.
2) im bereich menschlicher beziehungen; jemand in der ausführung einer handlung behindern, stören: durch solche und vill andere anreytzung aller yrer prediger das gemeyne volck bewogen wurden, das sie ... im barvothen und Pauler clöstern zwene brüder und prediger ... mit yren ketzerischen gesengen in der predigit turbiret (Magdeb. 1524) städtechron. 27, 200; und sie (die bürger) von ihnen (den soldaten) in administratione justitiae vnd ambtsgeschäfften nicht turbiret würden Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 285; sagt mir, wie ich es anfange, mich bei schicklicher gelegenheit in eine wespe zu verwandeln, und den fürstlichen hund dermaszen zu turbieren, dasz er aus seinem verfluchten konzept kommt E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 184 Gr. durch lärm, tumult oder auffälliges verhalten unruhe stiften, beunruhigen: die historie von den besoffenen jäger, welcher die versammlung turbiret, und nicht genugsam bestrafft worden Zinzendorf Ludingische slg. (1736) 2, 136; gelärmt, gebrummt, geschimpft, geflucht, turbiert, von früh bis in die sinkende nacht Iffland dram. w. 3 (1798) 40; der portier des thors und der der kirche ... schlossen einen verein und suchten die polizei aufzuwecken, um es mir verstärkt zu wehren, damit ich nicht unmittelbar vor den langen kirchenfenstern in die höhe segelte und sie drinnen turbirte Jean Paul w. 19, 127 Hempel. mit betont aggressiver absicht 'angreifen, schaden, beunruhigen': so würden s. ch. d. doch, wann sie das land (Pommern) solchergestalt einbekämen, es nimmer in ruhe und mit

[Bd. 22, Sp. 1844]


nutzen haben, sondern stetiglich aus der see angefochten, turbiret und beschädiget werden (1648) urk. u. aktenst. z. gesch. d. kurf. Friedr. Wilh. v. Brandenburg 1, 671 Erdmannsd.; in wehrendem stillstande solte kein theil dem andern ... seine soldaten abspenstig machen, oder in seinen quartiern turbiren Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 214. auch vom verhalten des menschen den tieren gegenüber 'jagen, nachstellen, beunruhigen': daraus vermuthete man, dasz die wilden thiere daselbst meist zahm wären, und gar leicht zu menschen gewohnen dürfften, dieweil sie vormahls von keinem menschen turbiret und gejagt worden Chr. Lehman hist. schauplatz (1699) 526.
3) von der beeinflussung des menschlichen gemütszustandes 'stören, beunruhigen, verwirren' s. DWB turba, sp. 1834: so sie (die seele) sich aber unterstehet, von der räumlichkeit oder abmeszlichkeit zu reden: so wird sie lügenhaft und wird turbiret J. Böhme s. w. 3, 28 Schiebler; so aber das kind seinen willen und begierde wieder in das einführet, daraus es erboren und geurständet ist, so ists mit demselben ganz eins, und mag von nichts turbiret werden ebda 4, 441;

viel grösser ist die angst vnd schmertz,
so anficht vnd turbirt mein hertz,
als dasz ich kan erzehlen (17. jh.) bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 1, 512;

also habe ich ... im geringsten meine gemüths-ruhe nicht turbiren lassen Chr. Thomasius ernsth. ged. u. erinn. (1720) 3, 26; wenn's zu arg in dir tobt, wenn des vaters und der mutter geblüte dich turbiret, dann gedenk an die groszmutter Holtei erz. schr. (1861) 10, 162. vgl. hierzu eine präfigierte form: den der teufl kan mir nichts abgewinnen vnd will mir nun politiam auf mein hals laden vnd mein conscientz damit perturbirn Luther tischr. 2, 191 W. verwirren, aus der fassung bringen: der war hiemit ... ganz confus und dermasen turbiert, das er sich selbs mit seinem schweigen und geberden schuldig gab (16. jh.) Zimmer. chron. (21881) 1, 529 B. mundartl.: im kopf verwirrt Hügel Wien 135. 'stören, belästigen':

bring ich euch, monsieur, das glässlein,
und wolt euch ietzt nicht gern turbieren
Weckherlin ged. 1, 512 Fischer;

ein stück geld, — so schafft er mir ruhe, dasz der alte lieutenant uns nicht mehr turbiert Iffland theatr. w. (1827) 2, 289; ich denke nichts, erwiderte der fürst feierlich, turbier'er mich nicht mit lästigen fragen nach gedanken, jäger! E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 331 Gr.
4) mundartlich in intensivierter bedeutung 'plagen, quälen, ängstigen' u. dgl.: turbieren quälen, peinigen, plagen Weise Altenburger ma. 121; stören, beunruhigen, plagen Bernd (1820) 374; drängen, peinigen, quälen, ängstigen Spiess Henneberg 261; torbiren, turbiren peinigen, quälen, foppen Albrecht Leipzig 223; torbire quälen Pasch Altenburger bauerndeutsch 101; torbiren ... einem unruhe, plage, angst machen Anton Oberlausitz 17; torwiern, trwiern, tulwiern, tolwiern plagen, quälen durch unablässiges fragen, bitten, fordern; eine angelegenheit immer wieder erwähnen, bösartig necken; unzufriedenheit äuszern Müller-Fraureuth 1, 266; dorwire quälen Hertel Thür. 249; torwîrn beunruhigen, plagen, quälen durch unaufhörliches bitten Göpfert sächs. Erzgeb. 34.
 
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turbine, f. , ursprünglich horizontales wasserrad mit erhöhter umlaufgeschwindigkeit, dann allgemein jede maschine, bei der die energie des kraftmittels (wasser, wind, dampf) unmittelbar in drehende bewegung umgesetzt wird. 1823 zuerst von dem Franzosen Burdin als technischer terminus verwandt, s. Darmstädter hdb. z. gesch. d. naturwiss. (1908) 354. franz. turbine, von lat. turbo 'kreis, wirbel', auch 'spindelrad, kreisel', s. Bloch-Wartburg dict. étym. (1950) 625. seit dem aufkommen der energiewirtschaft im 19. jh. als internationaler fachausdruck verbreitet: engl., nl., dän. turbine; schwed. turbin; ital., span., port., poln., russ. turbina.
1) wasser-, kreiselrad, bzw. die nach diesem prinzip gebaute maschine, wasserturbine: ein kleines eisernes wasserrad mit doppelten schaufeln ..., welches horizontal liegt

[Bd. 22, Sp. 1845]


und durch den druck einer wassersäule in sehr schnelle bewegung versetzt (wird) Scheuchenstuel berg- u. hüttenspr. (1856) 246; turbine kreiselrad, horizontales wasserrad an vertikaler achse Mothes ill. baulex. (1881) 4, 379; Röhrig technol. wb. (1887) 1, 775; turbinen (erhalten) eine grosze umdrehungszahl und sind daher bei gleicher leistung weit kompendiöser als wasserräder Lueger lex. d. ges. techn. 7, 862; die turbine eignet sich ... gut zum übertragen der wasserenergie auf schnellaufende maschinen Everling erfind. u. fortschritte (1930) 2, 248; sobald die drehzahl der turbine ... sich über das normale hinaus zu erhöhen beginnt, werden die leitschaufeln auf eine geringere wassermenge eingestellt ebda 2, 256; das wasser flieszt der turbine durch ein seitliches zufluszrohr zu Brockhaus konvers. lex. (1928) 20, 59; turbinen, welche stromabgehende fische ... massenhaft zermalmen, sollten durch gitter den fischen unzugänglich gemacht werden M. v. d. Borne hdb. d. fischzucht (1886) 309; aber da (in der stadt) haben sie eine besondere art von wasserrädern, turbinen heiszen sie qu. v. j. 1936; (die) turbine hat manches mühl- u. wasserrad verdrängt bad. wb. 1, 601.
2) maschine, in der rotierende bewegung unmittelbar durch ausströmenden dampf erzeugt wird, dampfturbine: Curtis erfindet eine druckturbine mit mehreren druckstufen, bei welcher die turbinenlaufräder sich, zu gruppen vereinigt, in mehreren von einander getrennten räumen bewegen, in welchen verschiedene dampfdrucke herrschen Darmstädter hdb. z. gesch. d. naturwiss. (1908) 944; während dieser wanderung des dampfes sinkt der druck gleichmäszig in der ganzen turbine Everling erfind. u. fortschritte (1930) 2, 302; (der) wirtschaftliche betrieb verlangt, ... dasz die durch die turbine strömenden dampfmengen stets restlos verwertet werden können Brockhaus konvers.-lex. (1928) 4, 373.
3) windrad, windmotor, nur als compositum gebräuchlich, windturbine: man kann auch den wind durch ein das windrad umschlieszendes leitschaufelrad ... von seiner natürlichen richtung ablenken ... man erhält alsdann eine sogen. windturbine Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 936; (windräder) werden gebaut als windmühlen und als windturbinen Brockhaus konvers.-lex. (1928) 20, 360.
4) reich entwickelt sind in der fachsprache der technik zusammensetzungen, die bestimmte compositionstypen erkennen lassen. a) turbine als grundwort in zusammensetzungen, die sich auf die antriebsart beziehen: wasser-, dampf-, abdampf-, wind-, gasturbine; auf die wirkungsweise: überdruck-, freistrahl-, reaktions-, gleichdruckturbine; auf die bauweise: schacht-, spiral-, kesselturbine; auf die beaufschlagung: axial-, radial-, tangentialturbine; auf die verwendung: industrie-, vorschaltturbine; auf die nach erfinder oder herstellungsfirma benannte konstruktionsweise: Parsons-, Curtisturbine, AEG-turbine u. dgl.; vgl. Brockhaus 154, 370; 20, 59. b) turbine als bestimmungswort in zusammensetzungen zur bezeichnung von maschinenteilen: turbinendüse, -gehäuse, -kammlager, -kranz, -läufer, -laufrad, -leitschaufel, -mantel, -propeller, -rad (s. u.), -regler, -schaufel, -stopfbüchse, -trommel, -welle, -zapfen, -zylinder; vgl. Krebs techn. wb. dt.-engl. 128; Lueger 6, 213; Brockhaus konvers.-lex. 154, 375.
 
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turbinenanlage, f., kraftwerk mit turbinenbetrieb: bezüglich der weiteren baudetails der turbinenanlagen wäre noch zu erwähnen, dass die ... wasserkästen aus ... bohlen zur ausführung gelangen Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 367. —
 
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-dampfer, m., dampfer mit turbinenantrieb: je nach dem motor unterscheidet man schraubendampfer, raddampfer und turbinendampfer Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 3, 141; Workman, Clark ... bauen den ersten für den transatlantischen verkehr bestimmten turbinendampfer Darmstädter hdb. z. gesch. d. naturwiss. (1908) 1037; der turbinendampfer wälzte seine zwölftausend registertonnen durch den schwall wie ein blindes ungeheuer H. W. Seidel Krüsemann (1935) 193. —
 
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-göpel, m.: ein durch eine turbine

[Bd. 22, Sp. 1846]


bewegter göpel Veith bergwb. (1870) 247. —
 
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-konstruktion, f., bauweise der turbine: die älteste turbinenkonstruktion ... ist: die Fourneyronsche turbine Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 865. —
 
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-rad, n., kreiselrad, s. o. turbine: der Bernhard war ein jahr in der polytechnischen schule und hat seines vaters mühlen neu hergerichtet, er kommt ... hierher, um dem Bachmüller ein turbinenrad in sein klapperwerk einzurichten Auerbach ges. schr. (1857) 14, 220.
 
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turbith, turbit, m. (ein neutr. bei Lonicerus kreuterb. (1737) 511, ein fem. bei Wirsung artzneyb. (1584) reg. m 2b); die früher offizinelle pflanze ipomaea turpethum; mlat. turbet(hum), turpet(hum). von pers.-arab. turbid, turbed aus aind. trivt 'dreifaltig', f., 'ipomoea turbethum' Böhtlinck sanskrit-wb. in kürzerer fassung 3 (1882) 54a; Löw flora d. juden 1 (1928) 462; vgl. auch Lokotsch etym. wb. d. europ. wörter orient. ursprungs (1927) 2110; frz. turbith (seit 13. jh.), engl. turpeth, turbith (seit etwa 1400). aus Indien eingeführte arzneipflanze, s. Tschirch hdb. d. pharmakognosie 2 (1917) 1337, bzw. deren wurzel; auch turbithwurzel Wirsung a. a. o.
a) ohne bezeichnung einer besonderen species: turbit ein kraut, tybsynna, turbulus idem voc. theut. (1482) hh 3b; electarium e turbith cum rheubarbaro lattwerg von turbith und rheobarbara Frischlin nom. (1591) 219; turpetum turbith Megiser pol. (1603) 2, 661c; turbith ein kraut in den apotheken Duez dict. (1664) 2, 530a; turbith, -bithum, -pethum turbith (1694) bei Diefenbach gl. 602a; turbith (wurzel) turbito, turbit Rädlein dt.-it.-frz. (1711) 896a; turbith ist eine hartzige fingerdicke wurtzel, auswendig grau, inwendig weisz, so aus Arabien und China zu uns gebracht wird, sie purgieret heftig und wird in der wassersucht gebrauchet allg. haush.-lex. (1749) 3, 560; turbit indische windig Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 340; turbith purgirwinde Roux dt.-frz. (1796) 630; turbith, turbithwinde convolvulus turpethum Nemnich wb. d. naturgesch. 1, 1210; darf kein bürger dryackers, manus christi, penidien, schamny, turbit ... oder anderes, was von rechts wegen in eine apotheke gehört, verkaufen qu. v. 1468 bei Fischer schwäb. 2, 479; da sie (die quacksalber) furhebent, man müsse kostliche stük von turbich (wohl entstellt aus turbith) vnd reubarbaro brúchen úber mer her gefüret Stainhöwel spec. vit. hum. in: de cl. mulieribus 335 lit. ver. zinober, turbit, tama ... aufflegen vnnd eingeben Fischart Garg. 253 ndr.; mechoaca ... hat ... würckung ... als sonst ... turbith vnd andere ... purgirende artzenei Sebiz feldbau (1579) 232; nim entzian, imber ... fenchelwurtz ... turbith Gärbelkover artzneyb. (1596) 1, 190; das rhabarbarum, der turbit, die senablätter Guarinonius grewel d. verw. (1610) 911; nimm ... turbit zwey quentlein Eisenberg reitschule (1746) wb. 49b.
b) weiszer turbit, alypum, alypia (wohl wurzel von 'ipomaea turpethum'; zu den versch. arten vgl. auch Tabernaemontanus kräuterb. [1731] 1312): alypum quae et alypia Paulo Aeginetae ein fremmd kraut, etlich machend ein geschlecht darvon, das die apotecker weisz turbit nennend Gesner catal. plant. (1542) 5; das erst geschlecht ist die weisz turbit, in den apotecken gemein Wirsung artzneyb. (1584) reg. m 2b; alypum, candidum turbith weisser turbith Frischlin nomencl. (1591) 84; turbith alypia Weismann lex. bip. (1698) 383a; turbit ein kraut, alypum Frisch (1741) 2, 395a; turbith turbith, alypum nouv. dict. allem.-franç. (1762) 921b; aber in summa darvon zu reden, so ist das turbith nichts anders, dann das alypon oder alypia, desz wurtzel gebraucht wird vnd insonderheit turbith, wie auch das kraut, genennet wirdt Lonicerus kreuterb. (1737) 511.
c) tripolium: torpeton vel turpeton, lege tripolium die apotecker nennend die wurtzen turbit Gesner catal. plant. (1542) 130a; tripolium ein kraut von welchem die wurtz bey den artzeten turbit genennt wirt Frisius dict. (1556) 1331a; Maaler teutsch spr. 411d; Calepinus XI. ling. (1598) 1492b; tripolium, süsse wolffsmilch, deren wurtzel turbith genannt wirdt Frischlin nomencl. (1591)

[Bd. 22, Sp. 1847]


84; turbith turbit tripoglio Hulsius-Ravellus teutschfrz.-it. (1616) 332a.
d) thapsia: turbith, thapsia. pentandria digynia, fam. umbelliferae Holl pflanzenn. (1833) 385b; 'unter dem namen turpethwurzel kommt auch die von thapsia und athamanta vor' Oken naturgesch. 3, 2 (1841) 1084; thapsia garganica spanischer turbith Dragendorff heilpflanzen (1898) 501.
 
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turbulent, adj. , unruhig, (wirbelnd) bewegt, stürmisch; von lat. turbulentus, vgl. ital. turbolento, frz. turbulent(e), engl., ndl. turbulent. bereits im 15. jh. in lat. form im dt. context bezeugt: er ward auch nye turbulentus, betrübt oder pinlich und bitter, kein schwere erschin in im St. Fridolin dt. pred. 47 Schmidt. bis zur gegenwart in gebrauch, jedoch auf fach-, literatur- und gebildetensprache beschränkt. in der verwendung zeigt sich reiche bedeutungsdifferenzierung; neben der zugrunde liegenden bedeutung 'unruhig, bewegt, beunruhigt, stürmisch' (zu lat. turba 'unordnung, menge') zeigt sich in einem anwendungsbereich (3) der einflusz von lat. turbo 'kreis, wirbel' und davon abgeleiteter wörter, vgl. DWB turbine. lexikalisch: turbulent aufrührisch, unruhig, verwirrt, stürmisch, ungestümm, verdrüszlich, bösz, schlimm Sperander à la mode-sprache (1728) 763; ungestüm, heftig Moritz gramm. wb. (1793) 4, 169; Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 340.
1) von menschlichem verhalten, handlungen, geistigseelischer verfassung; 'stürmisch bewegt': einen turbulenten verlauf nahm die erste pressekonferenz, die der vorbereitende ausschusz des deutschen volkskongresses ... in München veranstaltete Berliner ztg. (1948). 'unruhig, zügellos, lärmend': turbulent, streitsüchtig, habgierig, ... so zeigte sich die menschenmasse, welche sich das römische volk nennen liesz Döllinger akad. vortr. (1888) 1, 63; das benehmen der in plumpen zwischenrufen sich gefallenden zuhörerschaft (während einer versammlung) war turbulent, kindisch und verroht Th. Mann Faustus (1948) 541. 'ungezügelt, lebenssprühend': der erste film, den ich (eine nonne, die das kloster verlassen hatte) sah, war ein turbulenter schwank, bei dem mir die meisten späsze unverständlich blieben qu. v. j. 1951. 'unbeherrscht, unüberlegt': man war jedoch seit lange gewohnt, auf die einfälle des verdienstvollen, aber unbesonnenen und turbulenten mannes keine rücksicht zu nehmen Grillparzer s. w. 20, 197 Sauer; ähnlich, doch mit stärkerer betonung der seelischen veranlagung: dabei war ... der andere (mensch) nur jung, unfertig, turbulent, falsch angefangen vielleicht, ehrlich im eifer, möglicherweise nicht anders könnend (1912) Rilke briefe (1933) 241 inselverlag.
2) von unruhigen zuständen und ereignisreichen zeiten: (solche leute) welche bei diesem turbulenten zustande nichts anders, denn ihren eignen vortheil suchen (1657) urk. u. aktenst. z. gesch. d. kurf. Friedr. Wilh. v. Brandenburg 5, 894 Erdm.; von allerley geschäftstreiben und vielem fremdartigen ... sieht es um mich her immer turbulent aus, so dasz ich deine paradiesesruhe oft beneide Göthe IV 26, 209 W.; bin durch mancherley erzählungen in deine (Zelters) gegenwärtigen turbulenten zustände versetzt worden ebda 37, 103; nächsten sonnabend ... gedenke ich wieder in Weimar zu seyn. doch würde mir es, weil die ersten tage immer etwas turbulent sind, sehr unbequem seyn, dienstag hauptprobe ... zu halten ebda 21, 108; 41, 142; die kriegsläufte sind schon turbulenter und gefährlicher gewesen, und ihm ist nicht in den sinn gekommen, dasz er ausreiszen sollte Holtei erz. schr. (1861) 35, 16; 13, 2; wie man sagt, sollen (während des wahlkampfes) die advocaten zu hause gehalten werden, aber ohne sie werden sich elemente genug zu einem turbulenten winter zusammenfinden Görres ges. br. (1858) 3, 527.
3) von flüssigkeiten, deren bestandteile sich in wirbelnder bewegung befinden: alhie erscheinen viel grössere tropffen, als die vorige gewesen, anfangs turbulent vnnd trüb ...,

[Bd. 22, Sp. 1848]


wann sie nachgehends sich setze vnd heller werden, nemen sie viel vnd vnderschiedliche farben an Paracelsus bücher u. schr. (1618) 749b Huser. besonders in neuerer zeit als fachausdruck der strömungslehre: turbulente bewegung eine form der bewegung einer flüssigkeit, bei der ... die flüssigkeitsteilchen wirbelbewegungen ausführen Brockhaus konvers.-lex. 1519, 181; strömt eine flüssigkeit oder ein gas längs der oberfläche eines glatten stromlinienförmigen körpers, so ist die reibungsschicht am vorderteil laminar und weiter hinten turbulent ebda 18, 273.
 
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turbulenz, f., unruhe, verwirrung, von frz. turbulence, lat. turbulentia. 'unruhe, bedrängnis': träfe mich nur ihr junger mann in einer solchen art von turbulenz Göthe IV 21, 244 W. 'übermäszige lebhaftigkeit': der so weise aufgesparte Friedrich (gestalt aus Wilh. Meister), der durch seine turbulenz am ende die reife frucht vom baume schüttelt und zusammen weht, was zusammen gehört, er scheint bey der catastrophe gerade so, wie einer, der uns aus einem bänglichen traum durch lachen aufweckt (1796) Schiller br. 4, 467 Jonas. 'unruhe im öffentlichen leben, parteigezänk': alle drei (hauptgruppen der Afghanen) sind tüchtige krieger und plünderhorden; aber die östlichen zeichnen sich durch gröszere ränkesucht und demokratische turbulenz aus Ritter erdkde (1822) 6, 1, 193. 'betriebsamkeit, äuszere und innere unruhe': werden solche reine, nur dem lyrischen gebilde zugewandte dichter (wie Rilke) in unserer gegenwärtigen zeit der turbulenz und allgemeinen verstörtheit abermals möglich sein? St. Zweig welt v. gestern (1947) 167.

 

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