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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turas bis turbation (Bd. 22, Sp. 1834 bis 1842)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turas, m., mehrkanttrommel zum umlenken der kette an einem eimerkettenbagger; sprach-Brockhaus (1935) 678: die schüttkante kann dann sehr nahe am turas liegen Paulmann-Blaum bagger 1 (1923) 186; die turasse werden allgemein aus stahlgusz gefertigt ebda. nach Conradis naszbaggerung bis zum 19. jh. (1940) niederdeutsche wortbildung aus dem frz. lehnwort tour 'wendung, umdrehung' und nd. as 'achse', a. a. o. 141.
 
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turba, f., unruhe, aufruhr; ein im 16. u. 17. jh. ins deutsche übernommenes lat. wort: der alt künig, wie er der turba gewar, do ergrimbt er über den son Zimmer. chron. (21881) 3, 233 B.; (occasion und praetext), hiernächst neue turbas im reich zu erregen (Osnabrück 1648) urk. u. aktenst. z. gesch. Friedr. Wilh. v. Brandenburg 4, 666 Erdm. vom seelischen zustand 'innere unruhe, seelische not': dasselb (kleine mädchen) als ein ellenden verlassnen und veruntrewten armen weisen nam in der turba und höchstem laid ein alter raisiger knecht in ainer stille zu sich Zimmer. chron. (21881) 1, 527 B. speziell bei Böhme für die irrung des menschlichen willens, die die innere verwirrung zur folge hat; vgl. DWB turbieren 3: du warest nur in einen willen geschaffen, alle deine zweige sollten deinen

[Bd. 22, Sp. 1835]


willen haben; aber der teufel miszgönnete dir das, und streuete gift in deinen willen, aus welchem die turba wuchs J. Böhme s. w. 4, 208 Sch.; turba ist, wenn sich der grimm in einem dinge eröffnet, so wird das gute zerstöret, ... turba ist grimm und zorn-wille, zerrütter ebda 6, 698; sie haben die göttliche stimme in ihnen verloren, und haben des teufels stimme eingenommen in turbam magnam ebda 4, 539.
 
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turban, m. , älter dulbend, tulband, turbant, kopfbund. herkunft.
dem abendlande wurde der brauch, den kopf oder die kopfbedeckung mit einem tuchstreifen zu umwinden sowie der name für diese art der kopfbedeckung vom orient vermittelt. zugrunde liegt persisch dulband (vgl.: les Turcs ont pris ce mot des Perses; Persae hodie vocant dulband Menage dict. étym. [1750] 2, 555b; dulband involucrum capitis, tiara, pileus Vullers lex. pers.-lat. etym. 1 [1855] 893), das ins türkische übernommen und dort in veränderter lautgestalt zur bezeichnung des bis ins 19. jh. üblichen kopfbundes gebraucht wurde: dülbend, vulg. tülbend nesseltuch, musselin; kopfbund, turban Zenker dict. turc.-arab.-pers. (1866) 433; Redhouse turk-engl. lex. (1921) 911; tülbent Heuser-Şevket türk.-dt. wb. (1942) 499. nach dem vorstosz der Türken auf den Balkan wurde mit der sache auch die türkische bezeichnung bei den europäischen völkern bekannt. im 15. jh. erscheint das wort bereits im ital. und franz. (vgl. Bloch-Wartburg dict. etym. [1950] 625); ins deutsche scheint das wort nicht vor der 2. hälfte des 16. jhs. eingedrungen zu sein; H. Dernschwam verwendet es noch nicht bei der beschreibung der kopfbedeckung der Türken: vor und noch dem khaiser reytten merlay in grossen weissen bunden ... mer die hoche rothe sarkule auff dem haupte tragen tageb. e. reise n. Konstant. u. Kleinasien (1553) 63 Babinger. dagegen findet es sich bereits in dem aus dem franz. übersetzten reisebericht des N. de Nikolay (Nürnberg 1572): und het ein grossen heidnischen bund auff (von jnen tulbant geheissen) schiffart u. raisz jn die Türckhei 7a. formen.
neben den aus dem pers.-türk. übernommenen formen mit inlautendem -lb- finden sich in den europäischen sprachen formen mit eingeschobenem gleitvokal (i, e, o, u), der jedoch schon im türkischen vorgebildet ist, s. u. 1 und vgl. DWB tulpe sp. 1702. nicht aus dem türkischen stammt der wechsel -lb- > -rb-, der bereits im 16. jh. bezeugt ist. die -rb-formen haben sich mit ausnahme der sprachen des südl. Balkans und des niederländischen allgemein in Europa durchgesetzt (s. u.). die dem vulgär-griechischen eigentümliche neigung, l vor konsonanten in r zu verwandeln, läszt den ausgangspunkt dieses lautwechsels in der mittelgriechischen volkssprache vermuten; zum wechsel λ > ρ im vulgärgriech. vgl. S. Portius gramm. ling. graec. vulg. (1638) 10 Meyer-Lübke; Morosi studi sui dial. greci d. terra d' Otranto (1870) 110; Psichari quelques traveaux (1930) 678; W. Schulze kl. schr. (1933) 296; ein mgriech. τουρμπάνι neben τουλπάνι bezeugt Triandaphyllides lehnw. d. mgr. vulgärlit. 57; 146.
1) wiedergabe türkischer formen im lat. und dt. context: die türckischen hüt, ... welche sie (die Türken) tolopam nennen Höniger hoffhaltung d. türck. keisers (1573) 33; tulbent pileus Turcicus Megiser instit. ling. Turc. (1612) Gggg 7b; tülbend tela alba subtilissima ex gossipio et involucrum capitis Meninski lex. arabo-pers.-turc. (1680) 1, 2120; tulbant et tulpant lineum capitis involucrum Turcicum Leunclavius hist. musul. Turc. (1591) 895; tulipant fascia linea, qua Turci caput involvunt ebda 895; nomen tulipa accepit a pilii (pilei) sclavonici similitudine, qui Turcis dicitur tulipant, dulpant, dublent (dulbent) J. Bodaeus a Stapel Theophrastii de hist. plant. (1644) 1171a; dahei es auch die Türcken dulbend schreiben Zedler universallex. 45 (1745) 1841; mit färbigen dülbenden (turbanen) Hammer gesch. d. osman. reiches (21834) 1, 94.

[Bd. 22, Sp. 1836]



2) lateinisch; -l(-)b-formen, meist mit dem gleitlaut i; nom. sg., neutr.: superimpositum est tulipantum vetus, non admodum magnum Leunclavius hist. musulm. Turc. (1591) 808; cidaris, involucrum capitis virile, sc. tulbantum vulgo Golius lex. arab.-lat. (1653) 1130. masc.: tulipantus pileus turcicus bei du Cange 8, 205. acc.: si tulipantum ... inimicus ... viderit Leunclavius a. a. o. 556; gen.: tulipanti veteris usum ebda 808; gen. pl.: dulbantiorum magnitudine ... ordines distingui solent Golius a. a. o. 869. abl. pl.: tulipantis capita tegebant Leunclavius a. a. o. 192; 404; 808. — -rb-formen: turbanus (1584) bei du Cange gloss. graec. 1590; turbantas, tarbantes (pl., entstellt) qu. v. 1540 in mod. lang. notes 38, 409. — bei Busbeq findet sich die latinisierte form tulipanti (gen. sg.) nur in der sekundären bedeutung als blumenname, s. o. tulpe sp. 1703. für die türkische kopfbedeckung stehen lateinische umschreibungen, vgl. linteum capitis involucrum leg. Turc. epist. IV (1595) 206; capitum tegmina, de candore cum nivibus certabant ebda 212 (fernzuhalten ist in diesem zusammenhang das adj. turbinatus ebda 77; 212; es ist zu lat. turbo 'wirbel, kreis' zu stellen und bezeichnet die eigenartige form der kopfbedeckung: 'kegelförmig zugespitzt').
3) west- u. nordeuropäisch: ital. turbante, m. (seit 15. jh., nach Bloch-Wartburg dict. etym. [1950] 625), daneben tulopante (16. jh.) Tommaseo-Bellini diz. 4, 1625; tulbante, tulpante, torbante Kramer it.-ted. (1693) 1221b; turbanti Pasqualino voc. sicil. 5 (1795) 263. span. turbante, m., dicc. de la leng. española (1925) 1209. port. turbante, turbão Figueiredo dic. port. 2, 1148b. franz. turban, m. (seit 16. jh.), daneben toliban (15. jh.), tolopan, tulban, turbant (16. jh.) Sainéan sources ind. de l'étym. franç. 3, 388; Bloch-Wartburg dict. etym. (1950) 625. provenc. turban, tolipan, toulipan (16. jh.) Sainéan a. a. o.; turban Mistral 2, 1064b. engl. turban, älter tolipane, tulbant, tuliban, tolibant (16. jh.), tulipant, turbant (17. jh.) Murray 10, 1, 471. ndl. tulband, m. Dale 42, 1802; älter tuliban insigne capitis ornamentum Turcarum Kilian (1605) 571a (wohl irrtümlich: tulpe tiara, cidaris ebda, s. o. tulpe sp. 1705); daneben turbant ebda 724b. dän. turban, m., älter toliban (16. jh.), turbant, tulban(d), tul(l)iband (17. u. 18. jh.) ordb. o. d. danske spr. 24, 1072. schwed. turban(d), m. (seit 1788), älter turbant (1613), tulbant (1698) Hellquist3 1246.
4) osteuropäisch, z. t. in differenzierter bed. u. wechselndem genus: russ. tjurban, m. Lochowiz-Leping (1951) 821; poln. turban, m. Mosbach-Lukaszewski (1906) 829; bulg. tulben; serb. tulbenta 'art kopfbedeckung der frauen', magy. turbán Miklosich türk. elem. i. d. südost- u. osteurop. spr. in: denkschr. d. kais. ak. d. wiss., ph.-hist. kl. (Wien 1884-85) 34, 287; 35, 181. rumän. turban, n.; tulpan, n., 'musselin, kopftuch' Tiktin rum.-dt. wb. 3, 1660; 1663; Saineanu dict. univ. (51925) 665; dial. dulben 'mouchoir de tête' Pascu dict. etym. macédoroum. 2 (1925) 131; tulbent (Transsilv.), turbent (Bukov.) Saineanu a. a. o. alban. dül'bén Meyer etym. wb. d. alb. spr. (1891) 78. griech. τουλουπάνι, n., τουλπάνι, n., Alessio da Somavera tresoro d. ling. grecavolg. (1709) 413c; λέξικον τῆς ἑλληνικῆς γλώσσης [1933] 2397.
5) im deutschen erscheinen ähnlich wie im franz. und engl. zunächst formen mit gleitvokal und neben einzelnen -rb-formen vorwiegend -lb-formen. während im 17. jh. noch -lb-formen überwiegen, gewinnen im 18. jh. -rb-formen die oberhand und setzen sich im 19. jh. schlieszlich durch. -lb-formen im 19. jh. sind z. t. als bewuszt orientalisierender sprachgebrauch zu werten, vgl. u. Göthe; heute nur noch mundartlich: tulbant Rovenhagen Aachen 148. auch das bisweilen als stammvokal auftretende ü und das in der endsilbe begegnende e können ihren ursprung in der neuanknüpfung an türkische formen haben; beim stammvokal ist jedoch in den meisten fällen durch den gleitvokal bewirkter umlaut anzunehmen. der auslautende verschluszlaut d (t, dt) fällt vereinzelt schon im 16. jh. ab, allgemein aber erst bei den -rb-formen im

[Bd. 22, Sp. 1837]


18. jh. oft stehen verschiedene formen in demselben werk nebeneinander, vgl. u. Lewenklaw (tulbant, tulpant, turbent), Zedler (tulipant, turban), Amaranthes (tulipant, tulbant, tulband, turban). — mit gleitvokal: duliban (1577) Krafft reis. u. gefangensch. 295 lit. ver.; tulipant Mandelslo morgenl. reisebeschr. (1696) 18; Paullini phil. feyerab. (1700) 1176; Amaranthes frauenzimmerlex. (1715) 2047; Zedler univ.-lex. 45 (1745) 1841; tulleband Olearius verm. reisebeschr. (1696) 75. — -lb (lp)-formen: tulbant Nikolay schiffart u. raisz (1572) 7a; Lubenau beschr. d. reisen 243 S.; Lewenklaw n. chron. (1590) 355; Amaranthes (1773) 3658; tulband P. d. Valle reiszbeschr. (1674) 4, 16; Weise polit. redner (1679) 570; Beer Dappers Asia (1681) 63; Boethius kriegshelm (1687) titel; Olearius pers. baumg. (1696) 52; Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1362; Sperander (1728) 762b; Reichard M. Schwarz (1786) 39; Göthe IV 27, 154 W.; J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 212; tulbend Göthe I 6, 155 W.; dülbend, tulbent Kaltschmidt ges. wb. (1834) 991; tlband Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1162c; tulbandt Kirchhof wendunmuth 2, 104 lit. ver.; tulpant Lewenklaw n. chron. (1590) 48; Kramer hd.-nd. (1719) 403; tlpant Pomey (1720) 127; tulban Rauwolff beschr. d. raisz (1582) 353; 409; Apinus (1728) 540; Lessing 3, 123 L.-M.; Pyrker s. w. (1855) 1, 10. — -rb-formen: turbat Frischlin nomencl. (1586) 181b; turbant Calepinus XI. ling. (1598) 236b; Megiser thes. polygl. (1603) 2, 627b; Schönsleder prompt. (1618) Kk 8a; Schupp schr. (1663) 713; Kramer it.-teutsch (1693) 1221b; Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 1, 471; Aler (1724) 2, 1929; nouv. dict. all.-franç. (1762) 921b; turband Döpler theatr. poen. (1693) 808; Sperling Nicodemus 2 (1719) 487; turbent Lewenklaw n. chron. (1590) 495; turban Weismann lex. bip. (1698) 383a; Rädlein dt.-it.-frz. (1711) 896a; Amaranthes (1715) 2047; Apinus (1728) 540; Sperander (1728) 762b; Frisius (1734) 2, 251; Zedler univ.-lex. 45 (1745) 1841; nouv. dict. all.-fr. (1762) 921b; Zachariae poet. schr. (1763) 1, 314; Weber dt.-lat. (1770) 700b; Haller Usong (1771) 131; Voigtel wb. (1793) 3, 433; Adelung (1793) 4, 723; Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 107. — ein vereinzeltes neutr., wohl auf -band bezogen, bei P. della Valle: diese (persische trabanten) tragen auf der stirn einen an das tulband ... geheffteten pfeil reiszbeschr. (1674) 2, 143; ein fem. bei Chr. Weise: der Euphrat, wenn er mit seinem schaume gleichsam eine tulpan oder königlichen hauptschmuck machet (wortspiel mit tulpe?) polit. redner (1679) 489. — im plural stehen neben endungslosen formen solche auf -er, -s und -e, von denen die letzten heute schriftsprachlich allein üblich sind: in ihren tulban oder bündten Rauwolff beschr. d. raisz (1582) 409; die Türcken ... tragen weisse turban Fäsch kriegslex. (1735) 933; tulbänder P. della Valle reiszbeschr. (1674) 1, 53; tulbande ebda; Beer Dappers Persien (1681) 78; tulbände ebda; Göthe IV 27, 154; tulbands J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 212; turbans Zedler univ.-lex. 45 (1745) 1841; turbane Haller Usong (1771) 131; Grabbe w. (1874) 2, 357; Laube ges. schr. (1875) 8, 255. mundartlich, mit nd. s-plur.: turbans Brinckman plattd. w. 2, 127. bedeutung und gebrauch.
1) in engerem sinne die bei orientalischen völkern um die filzmütze gewickelte, aus kostbarem stoff bestehende binde; in dieser bedeutung wohl ursprünglich: die Turkmanen (liebten) mützen aus rothem filz mit färbigen dülbenden (turbanen) umwunden Hammer gesch. d. osman. reiches (21834) 1, 94. allgemein jedoch die mit der binde umwickelte filzmütze oder die nur aus einem um das haupt gewundenen tuch bestehende kopfbedeckung morgenländischer völker. speziell die kopfbedeckung der Türken, anfangs meist in bezw. mit erläuternden zusätzen: türckischer turbat tiara, cidaris Frischlin nomencl. (1586) 181b; tiara ein türckischer turbant Megiser thes. polygl. (1603) 2, 627b; der hut war in gestalt eines turbants zierlich umbgewickelt, ... wie die türckische pflegen zu sein Schupp schr. (1663) 713; da der Achmet bassa diese schändliche that erfahren, ist

[Bd. 22, Sp. 1838]


er zum sultan Mahomet mit zerriszenen kleidern und tulbandt (ist der bund auffm haupt) kommen (1601) Kirchhof wendunmuth 2, 104 lit. ver.; sehr viel land und völcker werden gefunden, welche gar keine hütt tragen, sondern an statt derselben mit etwas anderst den kopff bedecken: die Türcken tragen ihren turbant Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 1, 471; vgl. türkenbund sp. 1856.
a) in den älteren quellen überwiegt die beschreibung der im abendland noch unbekannten kopfbedeckung, wobei besonders die verschiedenen farben des turbans, aber auch gestalt und verzierungen genannt oder geschildert werden: vor den pilgern zihen vorher sechs santoni, heilige leutte, ein jeder mitt seinem roten tulbant (um 1580) R. Lubenau beschr. d. reisen 243 Sahm; ein grosszer, faiszter ... man in einem langen rotten rockh vnd mit einem weyssen türckhischen duliban oder bund bedöcktt (1577) H. U. Krafft reisen u. gefangensch. 295 lit. ver.; habens doch, sonderlich in ihren tulban oder bündten, die sie aufftragen, ihre sondere farben, alsz die Türcken gantz weiszfarb, wie auch die Arabes vnnd Persae, allein das dise hinden rotfarbe tüchlein angehefft haben Rauwolff beschr. d. raysz (1582) 409; die jenige (Inder) aber, so etwas netter daher gehen wollen, pflegen einen gestriemten tulband von viel färbichter seyden wie auch von gold auf dem weiszen grund ... zu tragen P. della Valle reyszbeschr. (1674) 4, 16b; endlich bedecken sie (die Inder) das haupt samt den haaren ... mit einem kleinen und sehr zarten tulband, welcher gleichsam viereckicht ein wenig hoch und oben auf der spitze breit ist ebda 4, 16b; wie della Valle bezeuget, so ist ihr tulband scheckicht von vielfärbigter seiden, auf einem weiszen baumwollenen grund Beer Dappers Persien (1681) 78; die Persianer machen in ihren haubtdecken keinen unterschied der personen, wie die Türken, also dasz die Christen so wol als andere ebensolche kleider und tulbände tragen mögen wie die Persianer selbst ebda 78; weil die Muhamedaner einen subtilen linnen tulipant aufm haupte tragen ... und weil dieszer persianische tulipant zwölff falten hatte Paullini philos. feyerabend (1700) 476; die Türcken und Indianer tragen weisse turban, und die aus Mahomets geschlecht haben allein das vorrecht, dasz sie grüne tragen mögen. die Persianer tragen sie bundstreiffig, auch mit gold-farben durchzogen Fäsch kriegslex. (1735) 933. — reichtum und pracht des orients zeigt sich in dem mit federn, gold und edelsteinen geschmückten und aus kostbaren stoffen hergestellten turban: die manns-personen, insonderheit die wolhabend und reich sind, gehen nach ihrer landesart ziemlich stattlich gekleidet mit köstlichen tulbanden auf ihren häubtern Beer Dappers Asia (1681) 63; eines mannes haupt musz voll gehirn und verstand sein, und nicht auszgeziehret mit einem tulband voller edelgesteine Olearius pers. baumgarten (1696) 52; die seide rauscht um ihre lenden, und die turbane blitzen von juwelen Grabbe w. 2, 357 Bl.; ein weiszer turban, reich mit gold gestickt, bedeckte das haupt Hauff s. w. (1890) 4, 12. vgl. hierzu gelegentliche zusammensetzungen wie turbanfeder Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 154; turbanjuwel Ritter erdkde (1822) 6, 275. als kopfbedeckung des Plutus in sinnbildlich-allegorischer ausdrucksweise:

das würdige beschreibt sich nicht.
doch das gesunde mondgesicht,
ein voller mund, erblühte wangen,
die unterm schmuck des turbans prangen
Göthe I 15, 1, 42 W. (Faust II);

dazu vgl.: nun sollte ein vierbespannter prachtwagen heranglänzen ... und darauf säsze ein könig mit gesundem mondgesicht unter dem turban Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 412.
b) verzierung und schmuck machen den turban zum wahrzeichen einer gehobenen stellung bei den morgenländischen völkern, insbesondere zum sinnbild der herrscherwürde des sultans: die türckischen kayser haben oben auf ihren sarg ein ausgestopfftes kleid liegen ... und zum haupte einen tulband Chr. Weise polit. redner (1679) 570; des sultans turban ist sehr grosz und dicke, mit drey reiger-federbüschen, weil er in drey theilen der welt gewisse länder

[Bd. 22, Sp. 1839]


besitzet, und mit vielen diamanten und kostbaren edelsteinen gezieret Zedler univ.-lex. 45 (1745) 1841; es halten die Türcken des sultans turban dermassen in ehren, dasz sie sich denselben anzurühren kaum erkühnen ebda;

den reichen steinen nach,
die hoch auf seinem turban blitzen,
ein mann von wichtigkeit
Wieland s. w. (1853) 20, 92 Göschen;

sie ... stehn im range eines pascha's von zwei roszschweifen mit weiszem turban Pocci lust. komödienb. (1859) 129; der äuszeren erscheinung nach fehlte ihm nur der turban zu dem bilde eines temperamentvollen arabischen scheichs A. E. Hoche jahresringe (1934) 137. übertragen auf den abendländischen herrscher:

ein tulbend ist's, der unsern kaiser schmücket,
sie nennen's krone. name geht wohl hin!
juwel und perle! sei das aug' entzücket!
der schönste schmuck ist stets der musselin
Göthe I 6, 155 W.


c) die bedeutung des turbans für den orientalen zeigt sich in seiner verwendung als repräsentatives geschenk und auszeichnende belohnung (vgl. hierzu die rückführung der turbanmode auf die patriarchenzeit: adfirmant barbari, Josephum quoque patriarcham ... tali forma tulipanti veteris usum, et primum quidem eiusmodi tegminis in capita gestandi auctorem fuisse Leunclavius hist. musulm. Turc. [1591] 808): zu dessen bekräfftigung überreichete er ihm (dem sultan) einen tulipant J. A. v. Mandelslo morgenl. reisebeschr. (1696) 18; der richter selbst stund von seinem stuhl auff, nahm den tulband von seinem haupte, und sendete ihn dem armen mann, zu einem sonderbaren zeichen seiner gunst und höfflichkeit Olearius persian. baumg. (1696) 52a; die kriegsvölker aufzumuntern, versammelte sie Usong bey seinen jährlichen reisen; er liesz sie unter seinen augen allerley kriegsübungen vornehmen ... er gab preise für die gemeinen, theilte turbane, palmzweige, kränze ... aus Haller Usong (1771) 131.
d) in den auseinandersetzungen mit dem Islam wird der turban früh dem christlichen abendland zum wahrzeichen und symbol für die glaubenslehre Mohammeds und deren anhänger, vgl. DWB turbanträger: unnd damit sie (Mahomets sippschaft) von menigklich mögend erkennt werden, tragend sie so wol jres Mahomets grüne farben auff dem kopff, in ihren tulban oder bünden Rauwolff beschr. d. raisz (1582) 353; wo ich meinen tulpant oder bund auff eine stange ... werd setzen und die christen denselben sehen, werden sie sich darfür fürchten Lewenklaw n. chron. türck. nation (1590) 48; in dem gebiete der morgenländischen völcker aber ist keinem christen einen turban aufzusetzen erlaubt Zedler univ.-lex. 45 (1745) 1842;

bliebst du wohl bey mir?
um mir? — als Christ, als muselmann: gleich viel!
im weiszen mantel, oder jamerlonk;
im tulban, oder deinem filze
Lessing 3, 123 L.-M.;

dasz Araber an ihrem theil
die weite froh durchziehen,
hat Allah zu gemeinem heil
der gnaden vier verliehen.
den turban erst, der besser schmückt
als alle kaiserkronen
Göthe I 6, 12 W.;

dir selbst und gott getreu, und allen menschen gut,
dann trage, wie du magst, turban, kapp' oder hut
Rückert ges. poet. w. (1867) 8, 264.

in sinnbildlicher verwendung: turbante ein turbant ... met. das türckenthum und ihre religion Kramer it.-teutsch (1693) 1221b; den turbant annehmen pigliar' il turbante, met. farsi turco, abbracciare l'alcorano Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1162c; den turban aufsetzen prendre le turban, se faire turc nouv. dict. allem.-franç. (1762) 921b; triumpfleuchtender ... kriegshelm dero röm. kaiserl. ... maj. ... wider den blut-besprengten türckischen tulband d. i. ... historischer grundbericht aller derer kriegsactionen, welche ... wider den allgemeinen erbfeind, den Türcken

[Bd. 22, Sp. 1840]


fortgeführet worden Chr. Boethius (1687) titel; verbirg deinen (christlichen) glauben eine kleine zeit unter den turban, vater Gregor hat wasser genug in seiner ablaszcisterne, dich von dieser sünde rein zu waschen Musäus volksmärchen 1, 111 Hempel;

trotz hut und mantel bin ich doch ein moslem,
denn in der brust hier trag' ich meinen turban
H. Heine w. 2, 254 Elster.


e) ohne ausgesprochenen bezug auf das religiöse steht turban sinnbildlich für das morgenland überhaupt, seine bewohner, seine poesie, seine zauber- und märchenwelt u. dgl.: die menschen sind menschen geblieben, das heiszt: leidenschaftliche, ehrgeizige ... wesen, ... so, fürchte ich, werden sie bleiben, mögen sie nun turbane, indianerfedern, helme oder czakos auf den köpfen tragen Holtei erz. schr. (1861) 23, 96;

hat euch des dichters lied erfreut,
zu wohl und wehe süsz geweckt:
verzeiht ihm, dasz die stirn ihm heut
der turban statt des hutes deckt
Platen w. 1, 426 Hempel;

die moschee, der turban der dame, ihr schleier versetzten mich in die feerey des auslands Cl. Brentano Godwi (1801) 1, 99; singt sie (Marianne Willemer) kennst du das land — mir kamen die tränen und ihr auch, der lieblichhochgeliebten, die ich mit turban und schal geschmückt Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 336; ich werde begossen wie ... ein höllenbraten ... und du bist eingeladen, dich unter die ... zuschauer ... zu mischen, die magistratspersonen, das geladene publikum, in turbanen teils und teils in gut altdeutschen kappen Th. Mann Faustus (1948) 561. zusammen mit anderen orientalischen merkmalen erweckt der turban in dem fremden gefühle der sympathie oder der furcht: könig Saul im schwarzen sammtrocke mit der goldenen krone wollte Marianen gar nicht gefallen; er sehe ihr ... zu steif und pedantisch aus. desto besser behagte ihr Jonathan, sein glattes kinn, sein gelb und rothes kleid und der turban Göthe I 21, 14 W.; dort unter den bäumen treibt sich ein kerl herum, aus Armenien oder Mesopotanien, wie er sagt, in ganz fremder wunderlicher kleidung, einäugig, mit einem pflaster über dem gesicht, einem grausamen, dicken und krausen haarwulst, der ihm von allen seiten unter dem turban hervor quillt Tieck schr. (1828) 3, 353; turbane in endlosen reihen und blinkende säbel flogen im galopp vorüber, ... 'allah, il allah', der alte fabelhafte ruf, klang gespensterartig H. Laube ges. schr. (1875) 8, 255.
2) in neuerer zeit geht die im wortsinn ursprünglich enthaltene beziehung auf die orientalische tracht und umgebung mehr und mehr verloren, indem das wort nun auch zur bezeichnung turbanähnlicher kopfbedeckung nichtorientalischer völker und in der modesprache gebraucht wird.
a) im vergleich eine turbanähnliche kopfbedeckung kennzeichnend, wobei die orientalische herkunft zunächst noch deutlich bezeichnet wird: der hut oder die bischoffs-haube des hohen-priesters bey den juden war also gemacht, dasz sie nur den obersten theil des haupts bedeckte, nach der form eines turbands oder türckischen bundes J. Döpler theatr. poen. (1693) 808; eine gattung des kopfputzes, welcher beyden geschlechtern gemein ist, eine kugelförmige gestalt hat, und einem türkischen bunde oder tulband gleicht E. C. Reichard Matthäus u. Veit Konrad Schwarz (1786) 39; eine weisze mütze hatte er wie einen turban zurecht gebunden Göthe I 21, 87 W.; der herr direktor band sich ein tuch um den kopf in der weise, wie die Türken ihren turban tragen O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 511; der weisze schleier am grauen hut war wie eine binde am turban um die rundung gewunden Auerbach landhaus am Rhein (1869) 1, 1; nachdem ich mich von meiner reizenden führerin (einem thüringischen mädchen) getrennt, die in ihrem kleidsamen nationalkostüm, mit einer art turban auf ... dem haare, eine recht artige vignette ... abgeben würde Pückler briefw. u. tageb. (1873) 2, 335. in dichterisch gehobener sprache: ich fand

[Bd. 22, Sp. 1841]


die häupter jener berge mit wolken, wie mit grauen turbanen, umwickelt H. Heine w. 3, 230 Elster.
b) seit dem 18. jh. von der fremdartigen turbanähnlichen kopfbedeckung anderer, meist exotischer völkerschaften: sie (die äthiopischen klosterfrauen) tragen nach ihrer landesart einen aus gesteiffter leinwand geflochtenen tulband Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1362; ein mohr, mit einem silbernen turban Zachariae poet. schr. (1763) 1, 314; freilich begegnet man auch nicht alle tage einem manne, der ... den schwarzen turban der Kopten getragen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 81; auf Fidschi wird ein turban aus weiszem masi für eine der ersten notwendigkeiten eines mannes von stellung gehalten Ratzel völkerkde (1885) 2, 236. in diesem sinne auch bei der nachahmung exotischer kleidungsweise: herr Leonhard Hagebucher trug nicht mehr einen turban oder fez ... sondern einen sehr schönen, schwarzen, glänzenden zylinderhut Raabe s. w. II 1, 144 Klemm; vor einem tisch mit papieren stand auf einem kleinen podium ein mann mit einem turban. über seinem kopf hing ein schild: astrologie, handlesekunst, zukunftsdeutung, — ihr horoskop für 50 pfennige E. M. Remarque drei kameraden (1951) 374; mundartlich: ut den witten stripen, dor makt ji juch turbans ut J. Brinckman plattdt. w. 2, 127.
c) schlieszlich wird turban in der modesprache der neuzeit die bezeichnung einer kopfbedeckung der frau, die im aussehen an die orientalische zwar erinnert, aber mehr und mehr als eigene modeschöpfung empfunden wird: in Deutschland findet man dergleichen tracht und mode (den turban zu tragen) an etlichen orten ebenfalls Amaranthes frauenz.-lex. (31773) 3659; turban ... auch unsere frauenzimmer tragen dergleichen schmuck Voigtel wb. (1793) 3, 433a; endlich kam die langerwartete (frau von Stael) ... sie war als Corinna gekleidet, ein turban von aurora- und orangefarbner seide Bettina v. Arnim Göthes briefw. 1, 213 Fränkel; sie hatte den turban aus der zeit und mode der frau von Stael beibehalten L. Braun im schatten der titanen (1908) 89. in dieser verwendung bis zur gegenwart lebendig: die letzte neuheit aus Paris! eine grüne kette ist durch den kunstvoll geschlungenen jerseyturban gezogen Berlins modenbl. (1946) heft 4; will Gaby aber den kopf poncho-schmücken, auch dafür gibt es viele möglichkeiten, ob als aparter turban oder als kopftuch-hütchen Berliner zeitung v. j. 1952.
 
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turbanähnlich, adj.: wilde berghelden mit turbanähnlichem hauptschmuck Göthe I 49, 408 W.; der schwarze, turbanähnliche bund auf dem kopf ... (verriet) ihn als morgenländer Gaudy s. w. (1844) 15, 61; (das haar) umgibt dann den kopf ... als ein mächtiger turbanähnlicher wulst Ratzel völkerkde (1885) 2, 234. —
 
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-artig, adj., in der art eines turbans um den kopf gewunden, von kopftüchern oder -binden: die tagalischen weiber tragen das ... haar ... mit einer turbanartigen binde festgehalten Ratzel völkerkde (1885) 2, 392; so kostet ... ihr turbanartiges kopftuch ... einen halben dollar Ritter erdkde (1822) 5, 18. adv.: die köpfe hatten sie turbanartig mit einem tuche umschlungen Rosegger schr. (1895) I 8, 157; Vischer auch einer (1879) 1, 194. —
 
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-haupt, n., mit einem turban bedecktes haupt:

ist das Juan Ponce de Leon,
der ein schreck der mohren war,
und, als wären's distelköpfe
niederhieb die turbanhäupter?
H. Heine s. w. 2, 132 Elster. —



 
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-häuptig, adj., zu turbanhaupt:

der bringt, ein turbanhäupt'ger Sarazen,
ihm weihrauch dar in goldnen schalen
A. F. v. Schack ges. w. (1897) 3, 183. —


 
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-kürbis, m.: 'kürbis, sicilianischer. cucurbita melopepo L. jerusalemsartischocke, türkenbund, turbankürbis' Holl pflanzenn. (1833) 215a; melonenartiger turbankürbis, eigentlicher turbankürbis Metzger pflanzenkde (1841) 695. —
 
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-träger, m., träger eines turbans, bildlich für den orientalen, vgl. DWB turban 1 d:

[Bd. 22, Sp. 1842]


fleuch, o fleuch, Stolberg, wie des turbanträgers
und des knoblauchduftigen rabbis messer,
fleuch gebetabkugelnder glazenpfäflein tand und beschwörung!
J. H. Voss s. ged. (1802) 3, 239;

hier stand der Christ und da der turbanträger
K. Beck ged. (41846) 67;

lange waren wir in fremden
sandbedeckten heiszen ländern,
wo in weiten kaftanhemden
träge turbanträger schlendern
Freiligrath ges. dicht. (1877) 1, 39. —


 
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-tuch, n., zu einem turban gewundenes tuch: indische reiter mit riesigen turbantüchern tägl. rundschau (1901) beil. 355c; das gesicht unter dem verkommenen turbantuch in sich zusammengeschoben wie die stücke eines fernrohrs R. M. Rilke verse u. prosa a. d. nachl. (1929) 54.
 
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turbation, f., hinderung, belästigung, eingriff in einen bestehenden rechtszustand, besonders in der rechts- und urkundensprache des 17. jhs.; von lat. turbatio 'unruhe, unordnung'; vgl. DWB turbieren 1: und zwar ..., dasz herr beklagter ... nicht befugt gewesen, ... sich einer superiorität über einen probst zu Berchtesgaden, ... anzumassen, und denselben an seiner reichs-immedietät zu turbiren, und sey demnach herr beklagter erzbischof ... von solchen turbationen abzustehen qu. v. 1627 bei Lori baier. bergrecht (1764) 409; dann eben daraus, dass die stände in Böhmen sich über die turbationen in ihrer libertate ecclesiastica beschweret, ist dieser unselige krieg ursprünglich erwachsen (1645) urk. u. aktenst. z. gesch. d. kurf. Friedr. Wilh. v. Brandenburg 4, 387 Erdmannsd.; es were aber offenbar ...; wie nun von etlichen jahren her die stände dieser lande in ihrem gewissen ... aufs höchste bedrenget ... worden: der einträge und turbation in den landsprivilegien zugeschweigen Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 171; so wollen wir durch alle thunliche mittel daran sein, dasz ihnen darunter von niemand einige turbation, verhinderung oder eintrag zugefüget werde (1692) urk. d. kurf. Friedrich III. bei R. Schück Brandenb.-Preuszens kolonialpolitik 2, 431. in anderer abwandlung der grundbedeutung in dichterisch gehobener sprache für 'verwicklung, durchführung der handlung': da kein moment der handlung länger und gnügender wirkt, als eines schönen anfanges oder endes: so erfasse diesen die allegorie der kunst; die mittlern turbationen lasse sie andern künsten Herder 23, 320 S.

 

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