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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tüppel bis turbanartig (Bd. 22, Sp. 1831 bis 1841)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tüppel, düppel, dippel, m. , hirnkrankheit, beulenkrankheit, geschwulst; dummkopf, tölpel, narr. ein im 16. jh. wiederholt bezeugtes wort, das sich heute in verschiedener lautgestalt nur noch mundartlich hält; md. und obd., kerngebiet ist der alemannische raum. vielleicht mit Ochs bad. 1, 600 zu schwäb. duppen 'unsicher, schwankend gehen, auch von einem, in dem eine krankheit steckt'

[Bd. 22, Sp. 1832]


Fischer schwäb. 2, 475 ; bad. duppen 'ducken, sich in gedrückter oder kranker verfassung bewegen; einduseln, einnicken' Ochs bad. 1, 600; sich duppe 'stille halten' Seiler Basel 91 und weiter zu norw. dubba 'sich bücken, sich ducken, nicken', anord. dúfa 'untertauchen' oder aber zu taub, toben usw.; primär scheint die verwendung des wortes als name für die hirnkrankheit (drehkrankheit) zu sein, aus der sich dann die naheliegende übertragung auf den träger dieser krankheit ergab. die frühen belege zeigen das wort als synonymon von törpel, tölpel (s. DWB tölpel teil 11, 1, 654), von dem es nicht nur in der bedeutung 'dummkopf', sondern auch als krankheitsname verdrängt wurde; allein in den alem. maa., die das aus der ritterlichen standessprache abgesunkene tölpel nur zögernd aufgenommen haben (s. teil 11, 1, 655), hat sich tüppel lebenskräftig erhalten. offenbar ein altes wort der volkssprache, das tölpel in der bedeutung und vermutlich auch in seiner lautlichen umbildung beeinfluszt hat; der teil 11, 1, 653 unerklärt gebliebene suffixwechsel dörper > törpel wäre somit verständlich; vgl. auch ebda formen wie türppel, dülpel, tülpel. in älterer sprache (16. u. 17. jh.) fast durchweg mit doppelkonsonanz bezeugt (die teil 2, 1199 angenommene verwandtschaft mit ahd. horatupil, -tubil 'rohrdommel', das stets einfachkonsonanz hat, ist daher unwahrscheinlich); die formen in den heutigen maa. schwanken zwischen anlautender fortis und lenis, inlautender doppel- und einfachkonsonanz. die in form und bedeutung z. t. zu erkennende anlehnung an döbel 'pflock' (vgl. teil 2, 1198; Schmeller 1, 529; Fischer schwäb. 2, 475) scheint sekundär zu sein; anders Heusler ma. v. Baselstadt 12.
1) krankheitsname:
a) hirnkrankheit, insbesondere die drehkrankheit bei haustieren, vom menschen allgemeiner 'verrücktheit': dippel 'drehkrankheit der schafe, die diesen tieren tölpelhaften, trottelnden gang macht' Höfler krankheitsnamen 98; düppel Fischer schwäb. 2, 474; düppel, düpel, tippel name einer krankheit des hornviehs Unger-Khull steir. 180; düppel drehkrankheit der schafe, des rindviehs bad. wb. 1, 599; vgl. DWB tölpel 3a teil 11, 1, 662 und die zusammensetzungen düppelhirn Keisersberg postill (1522) 3, 57a; Weismann lex. bip. (1698) 92a (s. u. 2); teil 2, 1567; düppelhirnig wer den düppel im hirn hat Fischer schwäb. 2, 475; tölpelhirnig teil 11, 1, 67; hirndüppelig, hirndüppig im kopf verwirrt, hirnverrückt Fischer schwäb. 3, 1682; düppelsinnig blödsinnig Fischer schwäb. 2, 475; dippelsinnig verwirrt Seiler Basel 91. hierher die redensart den düppel bohren: 'die eröffnung der schädelkapsel durch bohren, um den drehwurm im gehirne aufzusuchen' Höfler krankheitsnamen 234b; bad. wb. 1, 599; in übertragenem gebrauch vom menschen: den düppel einem bohren ludibrio habere aliquem Weismann lex. bip. (1698) 92a; weil er sich vernünftig achtet, muss man ihme den dippel mit einem anderen neper bohren qu. v. 1583 bei Fischer schwäb. 2, 474; 'ihn vom eigendünkel heilen; ihn zur einsicht, zur besinnung bringen; einem gehörig die meinung sagen' bad. wb. a. a. o.; vgl. dippelbaren teil 2, 1184 und tölpelbohren teil 11, 1, 665. auch die bezeichnung dippelhaber (s. o. teil 2, 1184; Fischer schwäb. 2, 475) für 'schwindelhafer' lolium temulentum, geht auf den krankheitsnamen zurück, da der genusz des giftigen samens dieser grasart betäubung verursacht, vgl. DWB düppel rausch Unger-Khull steir. 180; tupper, tüpperer rausch Spiess Henneberg 261.
b) geschwulst, beule u. ä.: geschwulst, büngel, schwellblatter Höfler krankheitsnamen 98; beulengeschwulst ebda 757; (öl der pflanze) heilt die tüpel an den glidern Toxites horn d. heils (1576) Bb 2a; darmit schmirbe dem rosz den aller grössesten dippel, den jme der wurm auffgetriben hat Seutter roszartzney (1588) 192; von den frantzösischen kranckheiten, blattern, ... lähmi, tüppel und andern miszgewächsen Paracelsus chirurg. bücher (1618) 131a; (die pest) wordurch die menschliche leiber durch abscheuliche drüsen ... und tüpeln ... elendiglich vergehen Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 141. durch schlag und stosz hervorgerufene beule: wenn es auf dem tanzboden zum raufen kommt, sieht man am andern

[Bd. 22, Sp. 1833]


tage die burschen mit tüpúln herumgehen Lexer Kärnten 77; Schmeller 1, 529; Unger-Khull steir. 180; vgl. DWB döbel 4 teil 2, 1199 und düppel 1 teil 2, 1567. ziegenpeter: (wochen-) dippel die nicht über eine woche dauernde tölpelhaftes aussehen verursachende parotitis epidemica (mums) Höfler krankheitsn. 98; vgl. DWB wochendüppel teil 14, 2, 938, wochentölpel teil 14, 2, 956 und tölpel teil 11, 1, 662.
2) dummkopf, tölpel, narr; vereinzelt auch flegel; als ausgangspunkt der bezeichnung erscheint der krankheitsname (s. o. 1 a): es schos im der düppel ins hirn und vergafft sich ... ab dem frölin Zimm. chron. 22, 577 Barack; vgl. DWB wer aber zu seinem bruder spricht, öd köpff, düppelhirn, oder töuberich Keisersberg postill (1522) 3, 57a; hirndüppel dummer mensch Fischer schwäb. 2, 474. truncus, metaph. eyn klotz, düppel Dasypodius (1537) i 3b; blax eyn düppel, narr, verwehnter ebda C 3b; stipes stocknarr, tüppel Frisius dict. (1556) 1242b; socors träg, unfrütig, unbesinnt, hinlässig, sinnlosz, nit witzig, narr oder tüppel ebda 1218b; excors ein unbesinnter unverstendiger tüppel, törpel ebda 497b; 1368a; 424a; dörppel, düppel, grober und unverstendiger sine acumine homo, bardus Maaler (1561) 92b; düppel unweyser mensch, der weder weysz noch maasz kan ebda 93b; tüppel unbesinnter unverstendiger mensch ebda 411c; βλάξ tippel Martin Crusius gramm. graec. (1566) bei Fischer schwäb. 6, 1788; excors ein vnbesinnter tüppel, tölpel (1590) Diefenbach gl. 215b; socors hinlässig; unfrütig; tüppel ebda 540a; thorechtig, narr, tüppel excors, insipiens, stultus Calepinus (1598) 509a; düppel, tölpel, toll, eins groben verstands obtusus, stupidus Henisch (1616) 770; Schönsleder prompt. (1618) L 8b; düppel, düppelhirn stolidus homo, quo nullum est saxum stolidius, homo tardus, fatuus, excors, agrestis Weismann lex. bip. (1698) 92a: die fraw was ein düppel qu. v. 1485 bei Schmeller 1, 529;

ein düppel kan sich mit hosen decken
und für den hunnig hechlen lecken
Murner dt. schr. 4, 53;

wer do usz zorn ... spricht zu im (seinem nächsten), du narr, du eszels kopff, du düppel Keisersberg postill (1522) 3, 57b; er (Dr. Valentin) sagt öffentlich: Luther, Zwingli ... seien nichts als ungelehrte ... duppel (1509 bis 1567) Blaurer briefw. 3, 38 Schiesz; ich red ouch disz nit der meinung, dasz ich rach über disen tüppel berüfe Zwingli dt. schr. 1, 260 Schuler;

ich beut dirs recht, du grober düppel!
Hans Sachs fastnachtspiele 1, 47 Goetze;

wie kanst ein solcher tüppel syn? R. Manuel weinspiel 62 ndr.;

du narr, du bist mir ober dmassen
ein grosser tüppel und böser gauch ein spil, wie mann die narren von einem beschweeren soll (1554) B 1a;

oder von einem hertzhafften weisen manne ein tüppel vnd narr gezeuget wird Spangenberg anm. weiszh. lustgarte (1621) 122; und wann das gute weib bei ihren nachbaren sasz, stunden sie hinzu, und trieben gute schwänke und possen mit ihnen. diesz und dergleichen wollte den tüpel schier unsinnig machen Aurbacher volksbüchl. (1835) 93. dialektisch: düppel dummer mensch Fischer schwäb. 2, 474; einfaltspinsel, dummkopf Seiler Basel 91; duppel einfältiger mensch Müller rhein. wb. 1, 1569; düpel oder tüpel cretin Hunziker Aargau 65; düppel, tüppel dummkopf, schwindelgeist Stalder schweiz. id. 328; tupel dummer mensch, tölpel Follmann Lothr. 112; tupel, tuppel dummer mensch, der zu nichts zu brauchen ist Martin-Lienhart 2, 702; tüppel dummer, einfältiger mensch ebda; tuppel einfältiger mensch Keller Thür. waldgeb. 46; tüpúl grober, roher mensch, von dem man gleich einen tüpl (beule) bekommen kann Lexer Kärnten 77; toopl ungeschickter, dummer mensch Meisinger Rappenau 202a; dupel 'dummkopf' ders. Wiesental 17; dubel tölpel, dummkopf Martin-Lienhart 2, 645; dummkopf, tölpel, geistesschwacher bad. wb. 1, 582; dummkopf, halb blödsinniger mensch Seiler Basel 89; düppel, düpel, tippel unerzogener mensch ohne lebensart, lümmel, flegel Unger-

[Bd. 22, Sp. 1834]


Khull steir. 180. formen mit wechselnden suffixen: dupper blödsinniger, alberner mensch, dummkopf Fischer schwäb. 2, 476; düpper dummer mensch Martin-Lienhart 2, 702; töpper, tepper dummkopf, unüberlegt handelnder mensch Bruns volksw. d. prov. Sachsen 68; düppes dummer, ungeschickter mensch Müller rhein. wb. 1, 1577; duppes dummkopf Kehrein Nassau 119; tuppe halb blödsinniger mensch Lexer Kärnten 77; duppeler dummer, aufgeregter mensch Fischer schwäb. 2, 475. verkleinerungsformen: tuppele, n., dummes, ungeschicktes mädchen Martin-Lienhart 2, 702; 's dubeli halb blödsinniges geschöpf Seiler Basel 89; dupperlein gedankenloser mensch; kleine person, die schlecht sieht und unsicher umhertappt Fischer schwäb. 2, 476. vgl. die folgenden zusammensetzungen: tüppelärtzt, die etwan ein böse döwung für ein kranckheit achten qu. v. 1518 bei Schmidt elsäss. 364; machen ihre schuler schew und zu lauter düppelsköpffen qu. v. 1620 bei Fischer schwäb. 6, 1788; Schmidt elsäss. 70; der muter was angst mit dem tüppelnarren (1556) J. Frey gartenges. 11 Bolte;

ich schlag sie (die mönche) mit dem düppelsack,
das mancher uff der erden lag
Murner dt. schr. 4, 58; 4, 33; 4, 53;

dubelgrind, düppelsgrind starrkopf, mensch der lang zorn hält Stalder 1, 322; burentüppel bauernlümmel ... krüztüppel dummkopf Martin-Lienhart 2, 702.
 
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tüppel, n., s. töpflein.
 
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tuppen, m., s. DWB tubbe, tubben, m.
 
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tuppen, vb., s. DWB tupfen, DWB tüpfeln, vb.
 
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tüppig, tüpplig, tüpplecht, adj.-bildungen zu tüppel. 1) verrückt, dumm, blöde, ungeschickt; zu tüppel 2: es ist doch ie ein wunder, das die leut so gantz tüpplecht gewesen sein, das man sie also hat mögen betriegen Hätzer d. prophet Maleachi (1526) D 3b; so werden sie so düpplig und unsinnig, dass er sieht wie ein stier, der dem metzger entronnen qu. v. 1568 bei Fischer schwäb. 2, 475; dem höllischen dippelischen schwarm zum trotz qu. v. 1741 ebda; düppig, düppelich dumm, ungeschickt Müller rhein. wb. 1, 1577; tupplig, tüpplig dumm, stumpfsinnig; unsicher auf den beinen, mit den händen Martin-Lienhart 2, 702; düppelig, düpplig, duppelig schwindelig, benommen oder habituell dumm, tölpelhaft Fischer schwäb. 2, 475; duppig, düppig traurig, niedergeschlagen, ungelenk, tappig ebda 2, 476. 2) schwül (zu tüppel 1 a?): duppig drückend schwül Fischer schwäb. 2, 476; es ist ja bekannt, dasz gemeinlich eine strahl begleitet ist mit donner und ungestumen wetter, deme vorhergegangen eine tuppige und geschwüllige luft Scheuchzer physica (1711) 2, 49.
 
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tür, f., s. DWB thür teil 11, 1, 1, 457.
 
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turas, m., mehrkanttrommel zum umlenken der kette an einem eimerkettenbagger; sprach-Brockhaus (1935) 678: die schüttkante kann dann sehr nahe am turas liegen Paulmann-Blaum bagger 1 (1923) 186; die turasse werden allgemein aus stahlgusz gefertigt ebda. nach Conradis naszbaggerung bis zum 19. jh. (1940) niederdeutsche wortbildung aus dem frz. lehnwort tour 'wendung, umdrehung' und nd. as 'achse', a. a. o. 141.
 
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turba, f., unruhe, aufruhr; ein im 16. u. 17. jh. ins deutsche übernommenes lat. wort: der alt künig, wie er der turba gewar, do ergrimbt er über den son Zimmer. chron. (21881) 3, 233 B.; (occasion und praetext), hiernächst neue turbas im reich zu erregen (Osnabrück 1648) urk. u. aktenst. z. gesch. Friedr. Wilh. v. Brandenburg 4, 666 Erdm. vom seelischen zustand 'innere unruhe, seelische not': dasselb (kleine mädchen) als ein ellenden verlassnen und veruntrewten armen weisen nam in der turba und höchstem laid ein alter raisiger knecht in ainer stille zu sich Zimmer. chron. (21881) 1, 527 B. speziell bei Böhme für die irrung des menschlichen willens, die die innere verwirrung zur folge hat; vgl. DWB turbieren 3: du warest nur in einen willen geschaffen, alle deine zweige sollten deinen

[Bd. 22, Sp. 1835]


willen haben; aber der teufel miszgönnete dir das, und streuete gift in deinen willen, aus welchem die turba wuchs J. Böhme s. w. 4, 208 Sch.; turba ist, wenn sich der grimm in einem dinge eröffnet, so wird das gute zerstöret, ... turba ist grimm und zorn-wille, zerrütter ebda 6, 698; sie haben die göttliche stimme in ihnen verloren, und haben des teufels stimme eingenommen in turbam magnam ebda 4, 539.
 
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turban, m. , älter dulbend, tulband, turbant, kopfbund. herkunft.
dem abendlande wurde der brauch, den kopf oder die kopfbedeckung mit einem tuchstreifen zu umwinden sowie der name für diese art der kopfbedeckung vom orient vermittelt. zugrunde liegt persisch dulband (vgl.: les Turcs ont pris ce mot des Perses; Persae hodie vocant dulband Menage dict. étym. [1750] 2, 555b; dulband involucrum capitis, tiara, pileus Vullers lex. pers.-lat. etym. 1 [1855] 893), das ins türkische übernommen und dort in veränderter lautgestalt zur bezeichnung des bis ins 19. jh. üblichen kopfbundes gebraucht wurde: dülbend, vulg. tülbend nesseltuch, musselin; kopfbund, turban Zenker dict. turc.-arab.-pers. (1866) 433; Redhouse turk-engl. lex. (1921) 911; tülbent Heuser-Şevket türk.-dt. wb. (1942) 499. nach dem vorstosz der Türken auf den Balkan wurde mit der sache auch die türkische bezeichnung bei den europäischen völkern bekannt. im 15. jh. erscheint das wort bereits im ital. und franz. (vgl. Bloch-Wartburg dict. etym. [1950] 625); ins deutsche scheint das wort nicht vor der 2. hälfte des 16. jhs. eingedrungen zu sein; H. Dernschwam verwendet es noch nicht bei der beschreibung der kopfbedeckung der Türken: vor und noch dem khaiser reytten merlay in grossen weissen bunden ... mer die hoche rothe sarkule auff dem haupte tragen tageb. e. reise n. Konstant. u. Kleinasien (1553) 63 Babinger. dagegen findet es sich bereits in dem aus dem franz. übersetzten reisebericht des N. de Nikolay (Nürnberg 1572): und het ein grossen heidnischen bund auff (von jnen tulbant geheissen) schiffart u. raisz jn die Türckhei 7a. formen.
neben den aus dem pers.-türk. übernommenen formen mit inlautendem -lb- finden sich in den europäischen sprachen formen mit eingeschobenem gleitvokal (i, e, o, u), der jedoch schon im türkischen vorgebildet ist, s. u. 1 und vgl. DWB tulpe sp. 1702. nicht aus dem türkischen stammt der wechsel -lb- > -rb-, der bereits im 16. jh. bezeugt ist. die -rb-formen haben sich mit ausnahme der sprachen des südl. Balkans und des niederländischen allgemein in Europa durchgesetzt (s. u.). die dem vulgär-griechischen eigentümliche neigung, l vor konsonanten in r zu verwandeln, läszt den ausgangspunkt dieses lautwechsels in der mittelgriechischen volkssprache vermuten; zum wechsel λ > ρ im vulgärgriech. vgl. S. Portius gramm. ling. graec. vulg. (1638) 10 Meyer-Lübke; Morosi studi sui dial. greci d. terra d' Otranto (1870) 110; Psichari quelques traveaux (1930) 678; W. Schulze kl. schr. (1933) 296; ein mgriech. τουρμπάνι neben τουλπάνι bezeugt Triandaphyllides lehnw. d. mgr. vulgärlit. 57; 146.
1) wiedergabe türkischer formen im lat. und dt. context: die türckischen hüt, ... welche sie (die Türken) tolopam nennen Höniger hoffhaltung d. türck. keisers (1573) 33; tulbent pileus Turcicus Megiser instit. ling. Turc. (1612) Gggg 7b; tülbend tela alba subtilissima ex gossipio et involucrum capitis Meninski lex. arabo-pers.-turc. (1680) 1, 2120; tulbant et tulpant lineum capitis involucrum Turcicum Leunclavius hist. musul. Turc. (1591) 895; tulipant fascia linea, qua Turci caput involvunt ebda 895; nomen tulipa accepit a pilii (pilei) sclavonici similitudine, qui Turcis dicitur tulipant, dulpant, dublent (dulbent) J. Bodaeus a Stapel Theophrastii de hist. plant. (1644) 1171a; dahei es auch die Türcken dulbend schreiben Zedler universallex. 45 (1745) 1841; mit färbigen dülbenden (turbanen) Hammer gesch. d. osman. reiches (21834) 1, 94.

[Bd. 22, Sp. 1836]



2) lateinisch; -l(-)b-formen, meist mit dem gleitlaut i; nom. sg., neutr.: superimpositum est tulipantum vetus, non admodum magnum Leunclavius hist. musulm. Turc. (1591) 808; cidaris, involucrum capitis virile, sc. tulbantum vulgo Golius lex. arab.-lat. (1653) 1130. masc.: tulipantus pileus turcicus bei du Cange 8, 205. acc.: si tulipantum ... inimicus ... viderit Leunclavius a. a. o. 556; gen.: tulipanti veteris usum ebda 808; gen. pl.: dulbantiorum magnitudine ... ordines distingui solent Golius a. a. o. 869. abl. pl.: tulipantis capita tegebant Leunclavius a. a. o. 192; 404; 808. — -rb-formen: turbanus (1584) bei du Cange gloss. graec. 1590; turbantas, tarbantes (pl., entstellt) qu. v. 1540 in mod. lang. notes 38, 409. — bei Busbeq findet sich die latinisierte form tulipanti (gen. sg.) nur in der sekundären bedeutung als blumenname, s. o. tulpe sp. 1703. für die türkische kopfbedeckung stehen lateinische umschreibungen, vgl. linteum capitis involucrum leg. Turc. epist. IV (1595) 206; capitum tegmina, de candore cum nivibus certabant ebda 212 (fernzuhalten ist in diesem zusammenhang das adj. turbinatus ebda 77; 212; es ist zu lat. turbo 'wirbel, kreis' zu stellen und bezeichnet die eigenartige form der kopfbedeckung: 'kegelförmig zugespitzt').
3) west- u. nordeuropäisch: ital. turbante, m. (seit 15. jh., nach Bloch-Wartburg dict. etym. [1950] 625), daneben tulopante (16. jh.) Tommaseo-Bellini diz. 4, 1625; tulbante, tulpante, torbante Kramer it.-ted. (1693) 1221b; turbanti Pasqualino voc. sicil. 5 (1795) 263. span. turbante, m., dicc. de la leng. española (1925) 1209. port. turbante, turbão Figueiredo dic. port. 2, 1148b. franz. turban, m. (seit 16. jh.), daneben toliban (15. jh.), tolopan, tulban, turbant (16. jh.) Sainéan sources ind. de l'étym. franç. 3, 388; Bloch-Wartburg dict. etym. (1950) 625. provenc. turban, tolipan, toulipan (16. jh.) Sainéan a. a. o.; turban Mistral 2, 1064b. engl. turban, älter tolipane, tulbant, tuliban, tolibant (16. jh.), tulipant, turbant (17. jh.) Murray 10, 1, 471. ndl. tulband, m. Dale 42, 1802; älter tuliban insigne capitis ornamentum Turcarum Kilian (1605) 571a (wohl irrtümlich: tulpe tiara, cidaris ebda, s. o. tulpe sp. 1705); daneben turbant ebda 724b. dän. turban, m., älter toliban (16. jh.), turbant, tulban(d), tul(l)iband (17. u. 18. jh.) ordb. o. d. danske spr. 24, 1072. schwed. turban(d), m. (seit 1788), älter turbant (1613), tulbant (1698) Hellquist3 1246.
4) osteuropäisch, z. t. in differenzierter bed. u. wechselndem genus: russ. tjurban, m. Lochowiz-Leping (1951) 821; poln. turban, m. Mosbach-Lukaszewski (1906) 829; bulg. tulben; serb. tulbenta 'art kopfbedeckung der frauen', magy. turbán Miklosich türk. elem. i. d. südost- u. osteurop. spr. in: denkschr. d. kais. ak. d. wiss., ph.-hist. kl. (Wien 1884-85) 34, 287; 35, 181. rumän. turban, n.; tulpan, n., 'musselin, kopftuch' Tiktin rum.-dt. wb. 3, 1660; 1663; Saineanu dict. univ. (51925) 665; dial. dulben 'mouchoir de tête' Pascu dict. etym. macédoroum. 2 (1925) 131; tulbent (Transsilv.), turbent (Bukov.) Saineanu a. a. o. alban. dül'bén Meyer etym. wb. d. alb. spr. (1891) 78. griech. τουλουπάνι, n., τουλπάνι, n., Alessio da Somavera tresoro d. ling. grecavolg. (1709) 413c; λέξικον τῆς ἑλληνικῆς γλώσσης [1933] 2397.
5) im deutschen erscheinen ähnlich wie im franz. und engl. zunächst formen mit gleitvokal und neben einzelnen -rb-formen vorwiegend -lb-formen. während im 17. jh. noch -lb-formen überwiegen, gewinnen im 18. jh. -rb-formen die oberhand und setzen sich im 19. jh. schlieszlich durch. -lb-formen im 19. jh. sind z. t. als bewuszt orientalisierender sprachgebrauch zu werten, vgl. u. Göthe; heute nur noch mundartlich: tulbant Rovenhagen Aachen 148. auch das bisweilen als stammvokal auftretende ü und das in der endsilbe begegnende e können ihren ursprung in der neuanknüpfung an türkische formen haben; beim stammvokal ist jedoch in den meisten fällen durch den gleitvokal bewirkter umlaut anzunehmen. der auslautende verschluszlaut d (t, dt) fällt vereinzelt schon im 16. jh. ab, allgemein aber erst bei den -rb-formen im

[Bd. 22, Sp. 1837]


18. jh. oft stehen verschiedene formen in demselben werk nebeneinander, vgl. u. Lewenklaw (tulbant, tulpant, turbent), Zedler (tulipant, turban), Amaranthes (tulipant, tulbant, tulband, turban). — mit gleitvokal: duliban (1577) Krafft reis. u. gefangensch. 295 lit. ver.; tulipant Mandelslo morgenl. reisebeschr. (1696) 18; Paullini phil. feyerab. (1700) 1176; Amaranthes frauenzimmerlex. (1715) 2047; Zedler univ.-lex. 45 (1745) 1841; tulleband Olearius verm. reisebeschr. (1696) 75. — -lb (lp)-formen: tulbant Nikolay schiffart u. raisz (1572) 7a; Lubenau beschr. d. reisen 243 S.; Lewenklaw n. chron. (1590) 355; Amaranthes (1773) 3658; tulband P. d. Valle reiszbeschr. (1674) 4, 16; Weise polit. redner (1679) 570; Beer Dappers Asia (1681) 63; Boethius kriegshelm (1687) titel; Olearius pers. baumg. (1696) 52; Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1362; Sperander (1728) 762b; Reichard M. Schwarz (1786) 39; Göthe IV 27, 154 W.; J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 212; tulbend Göthe I 6, 155 W.; dülbend, tulbent Kaltschmidt ges. wb. (1834) 991; tlband Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1162c; tulbandt Kirchhof wendunmuth 2, 104 lit. ver.; tulpant Lewenklaw n. chron. (1590) 48; Kramer hd.-nd. (1719) 403; tlpant Pomey (1720) 127; tulban Rauwolff beschr. d. raisz (1582) 353; 409; Apinus (1728) 540; Lessing 3, 123 L.-M.; Pyrker s. w. (1855) 1, 10. — -rb-formen: turbat Frischlin nomencl. (1586) 181b; turbant Calepinus XI. ling. (1598) 236b; Megiser thes. polygl. (1603) 2, 627b; Schönsleder prompt. (1618) Kk 8a; Schupp schr. (1663) 713; Kramer it.-teutsch (1693) 1221b; Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 1, 471; Aler (1724) 2, 1929; nouv. dict. all.-franç. (1762) 921b; turband Döpler theatr. poen. (1693) 808; Sperling Nicodemus 2 (1719) 487; turbent Lewenklaw n. chron. (1590) 495; turban Weismann lex. bip. (1698) 383a; Rädlein dt.-it.-frz. (1711) 896a; Amaranthes (1715) 2047; Apinus (1728) 540; Sperander (1728) 762b; Frisius (1734) 2, 251; Zedler univ.-lex. 45 (1745) 1841; nouv. dict. all.-fr. (1762) 921b; Zachariae poet. schr. (1763) 1, 314; Weber dt.-lat. (1770) 700b; Haller Usong (1771) 131; Voigtel wb. (1793) 3, 433; Adelung (1793) 4, 723; Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 107. — ein vereinzeltes neutr., wohl auf -band bezogen, bei P. della Valle: diese (persische trabanten) tragen auf der stirn einen an das tulband ... geheffteten pfeil reiszbeschr. (1674) 2, 143; ein fem. bei Chr. Weise: der Euphrat, wenn er mit seinem schaume gleichsam eine tulpan oder königlichen hauptschmuck machet (wortspiel mit tulpe?) polit. redner (1679) 489. — im plural stehen neben endungslosen formen solche auf -er, -s und -e, von denen die letzten heute schriftsprachlich allein üblich sind: in ihren tulban oder bündten Rauwolff beschr. d. raisz (1582) 409; die Türcken ... tragen weisse turban Fäsch kriegslex. (1735) 933; tulbänder P. della Valle reiszbeschr. (1674) 1, 53; tulbande ebda; Beer Dappers Persien (1681) 78; tulbände ebda; Göthe IV 27, 154; tulbands J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 212; turbans Zedler univ.-lex. 45 (1745) 1841; turbane Haller Usong (1771) 131; Grabbe w. (1874) 2, 357; Laube ges. schr. (1875) 8, 255. mundartlich, mit nd. s-plur.: turbans Brinckman plattd. w. 2, 127. bedeutung und gebrauch.
1) in engerem sinne die bei orientalischen völkern um die filzmütze gewickelte, aus kostbarem stoff bestehende binde; in dieser bedeutung wohl ursprünglich: die Turkmanen (liebten) mützen aus rothem filz mit färbigen dülbenden (turbanen) umwunden Hammer gesch. d. osman. reiches (21834) 1, 94. allgemein jedoch die mit der binde umwickelte filzmütze oder die nur aus einem um das haupt gewundenen tuch bestehende kopfbedeckung morgenländischer völker. speziell die kopfbedeckung der Türken, anfangs meist in bezw. mit erläuternden zusätzen: türckischer turbat tiara, cidaris Frischlin nomencl. (1586) 181b; tiara ein türckischer turbant Megiser thes. polygl. (1603) 2, 627b; der hut war in gestalt eines turbants zierlich umbgewickelt, ... wie die türckische pflegen zu sein Schupp schr. (1663) 713; da der Achmet bassa diese schändliche that erfahren, ist

[Bd. 22, Sp. 1838]


er zum sultan Mahomet mit zerriszenen kleidern und tulbandt (ist der bund auffm haupt) kommen (1601) Kirchhof wendunmuth 2, 104 lit. ver.; sehr viel land und völcker werden gefunden, welche gar keine hütt tragen, sondern an statt derselben mit etwas anderst den kopff bedecken: die Türcken tragen ihren turbant Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 1, 471; vgl. türkenbund sp. 1856.
a) in den älteren quellen überwiegt die beschreibung der im abendland noch unbekannten kopfbedeckung, wobei besonders die verschiedenen farben des turbans, aber auch gestalt und verzierungen genannt oder geschildert werden: vor den pilgern zihen vorher sechs santoni, heilige leutte, ein jeder mitt seinem roten tulbant (um 1580) R. Lubenau beschr. d. reisen 243 Sahm; ein grosszer, faiszter ... man in einem langen rotten rockh vnd mit einem weyssen türckhischen duliban oder bund bedöcktt (1577) H. U. Krafft reisen u. gefangensch. 295 lit. ver.; habens doch, sonderlich in ihren tulban oder bündten, die sie aufftragen, ihre sondere farben, alsz die Türcken gantz weiszfarb, wie auch die Arabes vnnd Persae, allein das dise hinden rotfarbe tüchlein angehefft haben Rauwolff beschr. d. raysz (1582) 409; die jenige (Inder) aber, so etwas netter daher gehen wollen, pflegen einen gestriemten tulband von viel färbichter seyden wie auch von gold auf dem weiszen grund ... zu tragen P. della Valle reyszbeschr. (1674) 4, 16b; endlich bedecken sie (die Inder) das haupt samt den haaren ... mit einem kleinen und sehr zarten tulband, welcher gleichsam viereckicht ein wenig hoch und oben auf der spitze breit ist ebda 4, 16b; wie della Valle bezeuget, so ist ihr tulband scheckicht von vielfärbigter seiden, auf einem weiszen baumwollenen grund Beer Dappers Persien (1681) 78; die Persianer machen in ihren haubtdecken keinen unterschied der personen, wie die Türken, also dasz die Christen so wol als andere ebensolche kleider und tulbände tragen mögen wie die Persianer selbst ebda 78; weil die Muhamedaner einen subtilen linnen tulipant aufm haupte tragen ... und weil dieszer persianische tulipant zwölff falten hatte Paullini philos. feyerabend (1700) 476; die Türcken und Indianer tragen weisse turban, und die aus Mahomets geschlecht haben allein das vorrecht, dasz sie grüne tragen mögen. die Persianer tragen sie bundstreiffig, auch mit gold-farben durchzogen Fäsch kriegslex. (1735) 933. — reichtum und pracht des orients zeigt sich in dem mit federn, gold und edelsteinen geschmückten und aus kostbaren stoffen hergestellten turban: die manns-personen, insonderheit die wolhabend und reich sind, gehen nach ihrer landesart ziemlich stattlich gekleidet mit köstlichen tulbanden auf ihren häubtern Beer Dappers Asia (1681) 63; eines mannes haupt musz voll gehirn und verstand sein, und nicht auszgeziehret mit einem tulband voller edelgesteine Olearius pers. baumgarten (1696) 52; die seide rauscht um ihre lenden, und die turbane blitzen von juwelen Grabbe w. 2, 357 Bl.; ein weiszer turban, reich mit gold gestickt, bedeckte das haupt Hauff s. w. (1890) 4, 12. vgl. hierzu gelegentliche zusammensetzungen wie turbanfeder Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 154; turbanjuwel Ritter erdkde (1822) 6, 275. als kopfbedeckung des Plutus in sinnbildlich-allegorischer ausdrucksweise:

das würdige beschreibt sich nicht.
doch das gesunde mondgesicht,
ein voller mund, erblühte wangen,
die unterm schmuck des turbans prangen
Göthe I 15, 1, 42 W. (Faust II);

dazu vgl.: nun sollte ein vierbespannter prachtwagen heranglänzen ... und darauf säsze ein könig mit gesundem mondgesicht unter dem turban Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 412.
b) verzierung und schmuck machen den turban zum wahrzeichen einer gehobenen stellung bei den morgenländischen völkern, insbesondere zum sinnbild der herrscherwürde des sultans: die türckischen kayser haben oben auf ihren sarg ein ausgestopfftes kleid liegen ... und zum haupte einen tulband Chr. Weise polit. redner (1679) 570; des sultans turban ist sehr grosz und dicke, mit drey reiger-federbüschen, weil er in drey theilen der welt gewisse länder

[Bd. 22, Sp. 1839]


besitzet, und mit vielen diamanten und kostbaren edelsteinen gezieret Zedler univ.-lex. 45 (1745) 1841; es halten die Türcken des sultans turban dermassen in ehren, dasz sie sich denselben anzurühren kaum erkühnen ebda;

den reichen steinen nach,
die hoch auf seinem turban blitzen,
ein mann von wichtigkeit
Wieland s. w. (1853) 20, 92 Göschen;

sie ... stehn im range eines pascha's von zwei roszschweifen mit weiszem turban Pocci lust. komödienb. (1859) 129; der äuszeren erscheinung nach fehlte ihm nur der turban zu dem bilde eines temperamentvollen arabischen scheichs A. E. Hoche jahresringe (1934) 137. übertragen auf den abendländischen herrscher:

ein tulbend ist's, der unsern kaiser schmücket,
sie nennen's krone. name geht wohl hin!
juwel und perle! sei das aug' entzücket!
der schönste schmuck ist stets der musselin
Göthe I 6, 155 W.


c) die bedeutung des turbans für den orientalen zeigt sich in seiner verwendung als repräsentatives geschenk und auszeichnende belohnung (vgl. hierzu die rückführung der turbanmode auf die patriarchenzeit: adfirmant barbari, Josephum quoque patriarcham ... tali forma tulipanti veteris usum, et primum quidem eiusmodi tegminis in capita gestandi auctorem fuisse Leunclavius hist. musulm. Turc. [1591] 808): zu dessen bekräfftigung überreichete er ihm (dem sultan) einen tulipant J. A. v. Mandelslo morgenl. reisebeschr. (1696) 18; der richter selbst stund von seinem stuhl auff, nahm den tulband von seinem haupte, und sendete ihn dem armen mann, zu einem sonderbaren zeichen seiner gunst und höfflichkeit Olearius persian. baumg. (1696) 52a; die kriegsvölker aufzumuntern, versammelte sie Usong bey seinen jährlichen reisen; er liesz sie unter seinen augen allerley kriegsübungen vornehmen ... er gab preise für die gemeinen, theilte turbane, palmzweige, kränze ... aus Haller Usong (1771) 131.
d) in den auseinandersetzungen mit dem Islam wird der turban früh dem christlichen abendland zum wahrzeichen und symbol für die glaubenslehre Mohammeds und deren anhänger, vgl. DWB turbanträger: unnd damit sie (Mahomets sippschaft) von menigklich mögend erkennt werden, tragend sie so wol jres Mahomets grüne farben auff dem kopff, in ihren tulban oder bünden Rauwolff beschr. d. raisz (1582) 353; wo ich meinen tulpant oder bund auff eine stange ... werd setzen und die christen denselben sehen, werden sie sich darfür fürchten Lewenklaw n. chron. türck. nation (1590) 48; in dem gebiete der morgenländischen völcker aber ist keinem christen einen turban aufzusetzen erlaubt Zedler univ.-lex. 45 (1745) 1842;

bliebst du wohl bey mir?
um mir? — als Christ, als muselmann: gleich viel!
im weiszen mantel, oder jamerlonk;
im tulban, oder deinem filze
Lessing 3, 123 L.-M.;

dasz Araber an ihrem theil
die weite froh durchziehen,
hat Allah zu gemeinem heil
der gnaden vier verliehen.
den turban erst, der besser schmückt
als alle kaiserkronen
Göthe I 6, 12 W.;

dir selbst und gott getreu, und allen menschen gut,
dann trage, wie du magst, turban, kapp' oder hut
Rückert ges. poet. w. (1867) 8, 264.

in sinnbildlicher verwendung: turbante ein turbant ... met. das türckenthum und ihre religion Kramer it.-teutsch (1693) 1221b; den turbant annehmen pigliar' il turbante, met. farsi turco, abbracciare l'alcorano Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1162c; den turban aufsetzen prendre le turban, se faire turc nouv. dict. allem.-franç. (1762) 921b; triumpfleuchtender ... kriegshelm dero röm. kaiserl. ... maj. ... wider den blut-besprengten türckischen tulband d. i. ... historischer grundbericht aller derer kriegsactionen, welche ... wider den allgemeinen erbfeind, den Türcken

[Bd. 22, Sp. 1840]


fortgeführet worden Chr. Boethius (1687) titel; verbirg deinen (christlichen) glauben eine kleine zeit unter den turban, vater Gregor hat wasser genug in seiner ablaszcisterne, dich von dieser sünde rein zu waschen Musäus volksmärchen 1, 111 Hempel;

trotz hut und mantel bin ich doch ein moslem,
denn in der brust hier trag' ich meinen turban
H. Heine w. 2, 254 Elster.


e) ohne ausgesprochenen bezug auf das religiöse steht turban sinnbildlich für das morgenland überhaupt, seine bewohner, seine poesie, seine zauber- und märchenwelt u. dgl.: die menschen sind menschen geblieben, das heiszt: leidenschaftliche, ehrgeizige ... wesen, ... so, fürchte ich, werden sie bleiben, mögen sie nun turbane, indianerfedern, helme oder czakos auf den köpfen tragen Holtei erz. schr. (1861) 23, 96;

hat euch des dichters lied erfreut,
zu wohl und wehe süsz geweckt:
verzeiht ihm, dasz die stirn ihm heut
der turban statt des hutes deckt
Platen w. 1, 426 Hempel;

die moschee, der turban der dame, ihr schleier versetzten mich in die feerey des auslands Cl. Brentano Godwi (1801) 1, 99; singt sie (Marianne Willemer) kennst du das land — mir kamen die tränen und ihr auch, der lieblichhochgeliebten, die ich mit turban und schal geschmückt Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 336; ich werde begossen wie ... ein höllenbraten ... und du bist eingeladen, dich unter die ... zuschauer ... zu mischen, die magistratspersonen, das geladene publikum, in turbanen teils und teils in gut altdeutschen kappen Th. Mann Faustus (1948) 561. zusammen mit anderen orientalischen merkmalen erweckt der turban in dem fremden gefühle der sympathie oder der furcht: könig Saul im schwarzen sammtrocke mit der goldenen krone wollte Marianen gar nicht gefallen; er sehe ihr ... zu steif und pedantisch aus. desto besser behagte ihr Jonathan, sein glattes kinn, sein gelb und rothes kleid und der turban Göthe I 21, 14 W.; dort unter den bäumen treibt sich ein kerl herum, aus Armenien oder Mesopotanien, wie er sagt, in ganz fremder wunderlicher kleidung, einäugig, mit einem pflaster über dem gesicht, einem grausamen, dicken und krausen haarwulst, der ihm von allen seiten unter dem turban hervor quillt Tieck schr. (1828) 3, 353; turbane in endlosen reihen und blinkende säbel flogen im galopp vorüber, ... 'allah, il allah', der alte fabelhafte ruf, klang gespensterartig H. Laube ges. schr. (1875) 8, 255.
2) in neuerer zeit geht die im wortsinn ursprünglich enthaltene beziehung auf die orientalische tracht und umgebung mehr und mehr verloren, indem das wort nun auch zur bezeichnung turbanähnlicher kopfbedeckung nichtorientalischer völker und in der modesprache gebraucht wird.
a) im vergleich eine turbanähnliche kopfbedeckung kennzeichnend, wobei die orientalische herkunft zunächst noch deutlich bezeichnet wird: der hut oder die bischoffs-haube des hohen-priesters bey den juden war also gemacht, dasz sie nur den obersten theil des haupts bedeckte, nach der form eines turbands oder türckischen bundes J. Döpler theatr. poen. (1693) 808; eine gattung des kopfputzes, welcher beyden geschlechtern gemein ist, eine kugelförmige gestalt hat, und einem türkischen bunde oder tulband gleicht E. C. Reichard Matthäus u. Veit Konrad Schwarz (1786) 39; eine weisze mütze hatte er wie einen turban zurecht gebunden Göthe I 21, 87 W.; der herr direktor band sich ein tuch um den kopf in der weise, wie die Türken ihren turban tragen O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 511; der weisze schleier am grauen hut war wie eine binde am turban um die rundung gewunden Auerbach landhaus am Rhein (1869) 1, 1; nachdem ich mich von meiner reizenden führerin (einem thüringischen mädchen) getrennt, die in ihrem kleidsamen nationalkostüm, mit einer art turban auf ... dem haare, eine recht artige vignette ... abgeben würde Pückler briefw. u. tageb. (1873) 2, 335. in dichterisch gehobener sprache: ich fand

[Bd. 22, Sp. 1841]


die häupter jener berge mit wolken, wie mit grauen turbanen, umwickelt H. Heine w. 3, 230 Elster.
b) seit dem 18. jh. von der fremdartigen turbanähnlichen kopfbedeckung anderer, meist exotischer völkerschaften: sie (die äthiopischen klosterfrauen) tragen nach ihrer landesart einen aus gesteiffter leinwand geflochtenen tulband Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1362; ein mohr, mit einem silbernen turban Zachariae poet. schr. (1763) 1, 314; freilich begegnet man auch nicht alle tage einem manne, der ... den schwarzen turban der Kopten getragen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 81; auf Fidschi wird ein turban aus weiszem masi für eine der ersten notwendigkeiten eines mannes von stellung gehalten Ratzel völkerkde (1885) 2, 236. in diesem sinne auch bei der nachahmung exotischer kleidungsweise: herr Leonhard Hagebucher trug nicht mehr einen turban oder fez ... sondern einen sehr schönen, schwarzen, glänzenden zylinderhut Raabe s. w. II 1, 144 Klemm; vor einem tisch mit papieren stand auf einem kleinen podium ein mann mit einem turban. über seinem kopf hing ein schild: astrologie, handlesekunst, zukunftsdeutung, — ihr horoskop für 50 pfennige E. M. Remarque drei kameraden (1951) 374; mundartlich: ut den witten stripen, dor makt ji juch turbans ut J. Brinckman plattdt. w. 2, 127.
c) schlieszlich wird turban in der modesprache der neuzeit die bezeichnung einer kopfbedeckung der frau, die im aussehen an die orientalische zwar erinnert, aber mehr und mehr als eigene modeschöpfung empfunden wird: in Deutschland findet man dergleichen tracht und mode (den turban zu tragen) an etlichen orten ebenfalls Amaranthes frauenz.-lex. (31773) 3659; turban ... auch unsere frauenzimmer tragen dergleichen schmuck Voigtel wb. (1793) 3, 433a; endlich kam die langerwartete (frau von Stael) ... sie war als Corinna gekleidet, ein turban von aurora- und orangefarbner seide Bettina v. Arnim Göthes briefw. 1, 213 Fränkel; sie hatte den turban aus der zeit und mode der frau von Stael beibehalten L. Braun im schatten der titanen (1908) 89. in dieser verwendung bis zur gegenwart lebendig: die letzte neuheit aus Paris! eine grüne kette ist durch den kunstvoll geschlungenen jerseyturban gezogen Berlins modenbl. (1946) heft 4; will Gaby aber den kopf poncho-schmücken, auch dafür gibt es viele möglichkeiten, ob als aparter turban oder als kopftuch-hütchen Berliner zeitung v. j. 1952.
 
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turbanähnlich, adj.: wilde berghelden mit turbanähnlichem hauptschmuck Göthe I 49, 408 W.; der schwarze, turbanähnliche bund auf dem kopf ... (verriet) ihn als morgenländer Gaudy s. w. (1844) 15, 61; (das haar) umgibt dann den kopf ... als ein mächtiger turbanähnlicher wulst Ratzel völkerkde (1885) 2, 234. —
 
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-artig, adj., in der art eines turbans um den kopf gewunden, von kopftüchern oder -binden: die tagalischen weiber tragen das ... haar ... mit einer turbanartigen binde festgehalten Ratzel völkerkde (1885) 2, 392; so kostet ... ihr turbanartiges kopftuch ... einen halben dollar Ritter erdkde (1822) 5, 18. adv.: die köpfe hatten sie turbanartig mit einem tuche umschlungen Rosegger schr. (1895) I 8, 157; Vischer auch einer (1879) 1, 194. —

 

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