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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tupfpapier bis turba (Bd. 22, Sp. 1831 bis 1834)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tupfpapier, n., getüpfeltes musterpapier in der weberei: (man bedient sich) des patronenpapiers (musterpapier, tupfpapier ...) ... auf diesem papier werden durch besondere zeichen (punkte, tüpfel, augen usw.) diejenigen quadrate herausgehoben, wo das eine fadensystem oben liegt Lueger 7, 881; Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 783; Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 491. —
 
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-pinsel, m., pinsel zum tupfen: tupfpensel pennello da miniatura, it. da toccare ò ritoccare Kramer t.-ital. 2 (1702) 1162c; Ludwig t.-engl. (1716) 2040. —
 
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-werk, n., getüpfelte miniatur: miniatura, pictura minutis punctulis expressa Stieler (1691) 2258; getüpftes gemäl, tüpfwerk, getüpfte arbeit pittura miniata, fatta di miniatura Kramer t.-ital. 2 (1702) 1162c; düpfelwerck pictura miniata teutsch-lat. wörterb. (1713) 98; tüpfwerck tüpflichte, getüpfte oder getüpfelte arbeit eines miniatur-mahlers, miniatur, was mit wasserfarbe gantz klein gemahlet ist Ludwig teutsch-engl. (1716) 2040; düpffwerck, miniatur pictura miniata Pomey (1720) 411; Wachter gloss. germ. (1737) 1729; nouv. dict. allem.-franc. (1762) 921b; Schrader dt.-frz. (1781) 2, 1393.
 
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tüppel, düppel, dippel, m. , hirnkrankheit, beulenkrankheit, geschwulst; dummkopf, tölpel, narr. ein im 16. jh. wiederholt bezeugtes wort, das sich heute in verschiedener lautgestalt nur noch mundartlich hält; md. und obd., kerngebiet ist der alemannische raum. vielleicht mit Ochs bad. 1, 600 zu schwäb. duppen 'unsicher, schwankend gehen, auch von einem, in dem eine krankheit steckt'

[Bd. 22, Sp. 1832]


Fischer schwäb. 2, 475 ; bad. duppen 'ducken, sich in gedrückter oder kranker verfassung bewegen; einduseln, einnicken' Ochs bad. 1, 600; sich duppe 'stille halten' Seiler Basel 91 und weiter zu norw. dubba 'sich bücken, sich ducken, nicken', anord. dúfa 'untertauchen' oder aber zu taub, toben usw.; primär scheint die verwendung des wortes als name für die hirnkrankheit (drehkrankheit) zu sein, aus der sich dann die naheliegende übertragung auf den träger dieser krankheit ergab. die frühen belege zeigen das wort als synonymon von törpel, tölpel (s. DWB tölpel teil 11, 1, 654), von dem es nicht nur in der bedeutung 'dummkopf', sondern auch als krankheitsname verdrängt wurde; allein in den alem. maa., die das aus der ritterlichen standessprache abgesunkene tölpel nur zögernd aufgenommen haben (s. teil 11, 1, 655), hat sich tüppel lebenskräftig erhalten. offenbar ein altes wort der volkssprache, das tölpel in der bedeutung und vermutlich auch in seiner lautlichen umbildung beeinfluszt hat; der teil 11, 1, 653 unerklärt gebliebene suffixwechsel dörper > törpel wäre somit verständlich; vgl. auch ebda formen wie türppel, dülpel, tülpel. in älterer sprache (16. u. 17. jh.) fast durchweg mit doppelkonsonanz bezeugt (die teil 2, 1199 angenommene verwandtschaft mit ahd. horatupil, -tubil 'rohrdommel', das stets einfachkonsonanz hat, ist daher unwahrscheinlich); die formen in den heutigen maa. schwanken zwischen anlautender fortis und lenis, inlautender doppel- und einfachkonsonanz. die in form und bedeutung z. t. zu erkennende anlehnung an döbel 'pflock' (vgl. teil 2, 1198; Schmeller 1, 529; Fischer schwäb. 2, 475) scheint sekundär zu sein; anders Heusler ma. v. Baselstadt 12.
1) krankheitsname:
a) hirnkrankheit, insbesondere die drehkrankheit bei haustieren, vom menschen allgemeiner 'verrücktheit': dippel 'drehkrankheit der schafe, die diesen tieren tölpelhaften, trottelnden gang macht' Höfler krankheitsnamen 98; düppel Fischer schwäb. 2, 474; düppel, düpel, tippel name einer krankheit des hornviehs Unger-Khull steir. 180; düppel drehkrankheit der schafe, des rindviehs bad. wb. 1, 599; vgl. DWB tölpel 3a teil 11, 1, 662 und die zusammensetzungen düppelhirn Keisersberg postill (1522) 3, 57a; Weismann lex. bip. (1698) 92a (s. u. 2); teil 2, 1567; düppelhirnig wer den düppel im hirn hat Fischer schwäb. 2, 475; tölpelhirnig teil 11, 1, 67; hirndüppelig, hirndüppig im kopf verwirrt, hirnverrückt Fischer schwäb. 3, 1682; düppelsinnig blödsinnig Fischer schwäb. 2, 475; dippelsinnig verwirrt Seiler Basel 91. hierher die redensart den düppel bohren: 'die eröffnung der schädelkapsel durch bohren, um den drehwurm im gehirne aufzusuchen' Höfler krankheitsnamen 234b; bad. wb. 1, 599; in übertragenem gebrauch vom menschen: den düppel einem bohren ludibrio habere aliquem Weismann lex. bip. (1698) 92a; weil er sich vernünftig achtet, muss man ihme den dippel mit einem anderen neper bohren qu. v. 1583 bei Fischer schwäb. 2, 474; 'ihn vom eigendünkel heilen; ihn zur einsicht, zur besinnung bringen; einem gehörig die meinung sagen' bad. wb. a. a. o.; vgl. dippelbaren teil 2, 1184 und tölpelbohren teil 11, 1, 665. auch die bezeichnung dippelhaber (s. o. teil 2, 1184; Fischer schwäb. 2, 475) für 'schwindelhafer' lolium temulentum, geht auf den krankheitsnamen zurück, da der genusz des giftigen samens dieser grasart betäubung verursacht, vgl. DWB düppel rausch Unger-Khull steir. 180; tupper, tüpperer rausch Spiess Henneberg 261.
b) geschwulst, beule u. ä.: geschwulst, büngel, schwellblatter Höfler krankheitsnamen 98; beulengeschwulst ebda 757; (öl der pflanze) heilt die tüpel an den glidern Toxites horn d. heils (1576) Bb 2a; darmit schmirbe dem rosz den aller grössesten dippel, den jme der wurm auffgetriben hat Seutter roszartzney (1588) 192; von den frantzösischen kranckheiten, blattern, ... lähmi, tüppel und andern miszgewächsen Paracelsus chirurg. bücher (1618) 131a; (die pest) wordurch die menschliche leiber durch abscheuliche drüsen ... und tüpeln ... elendiglich vergehen Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 141. durch schlag und stosz hervorgerufene beule: wenn es auf dem tanzboden zum raufen kommt, sieht man am andern

[Bd. 22, Sp. 1833]


tage die burschen mit tüpúln herumgehen Lexer Kärnten 77; Schmeller 1, 529; Unger-Khull steir. 180; vgl. DWB döbel 4 teil 2, 1199 und düppel 1 teil 2, 1567. ziegenpeter: (wochen-) dippel die nicht über eine woche dauernde tölpelhaftes aussehen verursachende parotitis epidemica (mums) Höfler krankheitsn. 98; vgl. DWB wochendüppel teil 14, 2, 938, wochentölpel teil 14, 2, 956 und tölpel teil 11, 1, 662.
2) dummkopf, tölpel, narr; vereinzelt auch flegel; als ausgangspunkt der bezeichnung erscheint der krankheitsname (s. o. 1 a): es schos im der düppel ins hirn und vergafft sich ... ab dem frölin Zimm. chron. 22, 577 Barack; vgl. DWB wer aber zu seinem bruder spricht, öd köpff, düppelhirn, oder töuberich Keisersberg postill (1522) 3, 57a; hirndüppel dummer mensch Fischer schwäb. 2, 474. truncus, metaph. eyn klotz, düppel Dasypodius (1537) i 3b; blax eyn düppel, narr, verwehnter ebda C 3b; stipes stocknarr, tüppel Frisius dict. (1556) 1242b; socors träg, unfrütig, unbesinnt, hinlässig, sinnlosz, nit witzig, narr oder tüppel ebda 1218b; excors ein unbesinnter unverstendiger tüppel, törpel ebda 497b; 1368a; 424a; dörppel, düppel, grober und unverstendiger sine acumine homo, bardus Maaler (1561) 92b; düppel unweyser mensch, der weder weysz noch maasz kan ebda 93b; tüppel unbesinnter unverstendiger mensch ebda 411c; βλάξ tippel Martin Crusius gramm. graec. (1566) bei Fischer schwäb. 6, 1788; excors ein vnbesinnter tüppel, tölpel (1590) Diefenbach gl. 215b; socors hinlässig; unfrütig; tüppel ebda 540a; thorechtig, narr, tüppel excors, insipiens, stultus Calepinus (1598) 509a; düppel, tölpel, toll, eins groben verstands obtusus, stupidus Henisch (1616) 770; Schönsleder prompt. (1618) L 8b; düppel, düppelhirn stolidus homo, quo nullum est saxum stolidius, homo tardus, fatuus, excors, agrestis Weismann lex. bip. (1698) 92a: die fraw was ein düppel qu. v. 1485 bei Schmeller 1, 529;

ein düppel kan sich mit hosen decken
und für den hunnig hechlen lecken
Murner dt. schr. 4, 53;

wer do usz zorn ... spricht zu im (seinem nächsten), du narr, du eszels kopff, du düppel Keisersberg postill (1522) 3, 57b; er (Dr. Valentin) sagt öffentlich: Luther, Zwingli ... seien nichts als ungelehrte ... duppel (1509 bis 1567) Blaurer briefw. 3, 38 Schiesz; ich red ouch disz nit der meinung, dasz ich rach über disen tüppel berüfe Zwingli dt. schr. 1, 260 Schuler;

ich beut dirs recht, du grober düppel!
Hans Sachs fastnachtspiele 1, 47 Goetze;

wie kanst ein solcher tüppel syn? R. Manuel weinspiel 62 ndr.;

du narr, du bist mir ober dmassen
ein grosser tüppel und böser gauch ein spil, wie mann die narren von einem beschweeren soll (1554) B 1a;

oder von einem hertzhafften weisen manne ein tüppel vnd narr gezeuget wird Spangenberg anm. weiszh. lustgarte (1621) 122; und wann das gute weib bei ihren nachbaren sasz, stunden sie hinzu, und trieben gute schwänke und possen mit ihnen. diesz und dergleichen wollte den tüpel schier unsinnig machen Aurbacher volksbüchl. (1835) 93. dialektisch: düppel dummer mensch Fischer schwäb. 2, 474; einfaltspinsel, dummkopf Seiler Basel 91; duppel einfältiger mensch Müller rhein. wb. 1, 1569; düpel oder tüpel cretin Hunziker Aargau 65; düppel, tüppel dummkopf, schwindelgeist Stalder schweiz. id. 328; tupel dummer mensch, tölpel Follmann Lothr. 112; tupel, tuppel dummer mensch, der zu nichts zu brauchen ist Martin-Lienhart 2, 702; tüppel dummer, einfältiger mensch ebda; tuppel einfältiger mensch Keller Thür. waldgeb. 46; tüpúl grober, roher mensch, von dem man gleich einen tüpl (beule) bekommen kann Lexer Kärnten 77; toopl ungeschickter, dummer mensch Meisinger Rappenau 202a; dupel 'dummkopf' ders. Wiesental 17; dubel tölpel, dummkopf Martin-Lienhart 2, 645; dummkopf, tölpel, geistesschwacher bad. wb. 1, 582; dummkopf, halb blödsinniger mensch Seiler Basel 89; düppel, düpel, tippel unerzogener mensch ohne lebensart, lümmel, flegel Unger-

[Bd. 22, Sp. 1834]


Khull steir. 180. formen mit wechselnden suffixen: dupper blödsinniger, alberner mensch, dummkopf Fischer schwäb. 2, 476; düpper dummer mensch Martin-Lienhart 2, 702; töpper, tepper dummkopf, unüberlegt handelnder mensch Bruns volksw. d. prov. Sachsen 68; düppes dummer, ungeschickter mensch Müller rhein. wb. 1, 1577; duppes dummkopf Kehrein Nassau 119; tuppe halb blödsinniger mensch Lexer Kärnten 77; duppeler dummer, aufgeregter mensch Fischer schwäb. 2, 475. verkleinerungsformen: tuppele, n., dummes, ungeschicktes mädchen Martin-Lienhart 2, 702; 's dubeli halb blödsinniges geschöpf Seiler Basel 89; dupperlein gedankenloser mensch; kleine person, die schlecht sieht und unsicher umhertappt Fischer schwäb. 2, 476. vgl. die folgenden zusammensetzungen: tüppelärtzt, die etwan ein böse döwung für ein kranckheit achten qu. v. 1518 bei Schmidt elsäss. 364; machen ihre schuler schew und zu lauter düppelsköpffen qu. v. 1620 bei Fischer schwäb. 6, 1788; Schmidt elsäss. 70; der muter was angst mit dem tüppelnarren (1556) J. Frey gartenges. 11 Bolte;

ich schlag sie (die mönche) mit dem düppelsack,
das mancher uff der erden lag
Murner dt. schr. 4, 58; 4, 33; 4, 53;

dubelgrind, düppelsgrind starrkopf, mensch der lang zorn hält Stalder 1, 322; burentüppel bauernlümmel ... krüztüppel dummkopf Martin-Lienhart 2, 702.
 
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tüppel, n., s. töpflein.
 
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tuppen, m., s. DWB tubbe, tubben, m.
 
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tuppen, vb., s. DWB tupfen, DWB tüpfeln, vb.
 
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tüppig, tüpplig, tüpplecht, adj.-bildungen zu tüppel. 1) verrückt, dumm, blöde, ungeschickt; zu tüppel 2: es ist doch ie ein wunder, das die leut so gantz tüpplecht gewesen sein, das man sie also hat mögen betriegen Hätzer d. prophet Maleachi (1526) D 3b; so werden sie so düpplig und unsinnig, dass er sieht wie ein stier, der dem metzger entronnen qu. v. 1568 bei Fischer schwäb. 2, 475; dem höllischen dippelischen schwarm zum trotz qu. v. 1741 ebda; düppig, düppelich dumm, ungeschickt Müller rhein. wb. 1, 1577; tupplig, tüpplig dumm, stumpfsinnig; unsicher auf den beinen, mit den händen Martin-Lienhart 2, 702; düppelig, düpplig, duppelig schwindelig, benommen oder habituell dumm, tölpelhaft Fischer schwäb. 2, 475; duppig, düppig traurig, niedergeschlagen, ungelenk, tappig ebda 2, 476. 2) schwül (zu tüppel 1 a?): duppig drückend schwül Fischer schwäb. 2, 476; es ist ja bekannt, dasz gemeinlich eine strahl begleitet ist mit donner und ungestumen wetter, deme vorhergegangen eine tuppige und geschwüllige luft Scheuchzer physica (1711) 2, 49.
 
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tür, f., s. DWB thür teil 11, 1, 1, 457.
 
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turas, m., mehrkanttrommel zum umlenken der kette an einem eimerkettenbagger; sprach-Brockhaus (1935) 678: die schüttkante kann dann sehr nahe am turas liegen Paulmann-Blaum bagger 1 (1923) 186; die turasse werden allgemein aus stahlgusz gefertigt ebda. nach Conradis naszbaggerung bis zum 19. jh. (1940) niederdeutsche wortbildung aus dem frz. lehnwort tour 'wendung, umdrehung' und nd. as 'achse', a. a. o. 141.
 
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turba, f., unruhe, aufruhr; ein im 16. u. 17. jh. ins deutsche übernommenes lat. wort: der alt künig, wie er der turba gewar, do ergrimbt er über den son Zimmer. chron. (21881) 3, 233 B.; (occasion und praetext), hiernächst neue turbas im reich zu erregen (Osnabrück 1648) urk. u. aktenst. z. gesch. Friedr. Wilh. v. Brandenburg 4, 666 Erdm. vom seelischen zustand 'innere unruhe, seelische not': dasselb (kleine mädchen) als ein ellenden verlassnen und veruntrewten armen weisen nam in der turba und höchstem laid ein alter raisiger knecht in ainer stille zu sich Zimmer. chron. (21881) 1, 527 B. speziell bei Böhme für die irrung des menschlichen willens, die die innere verwirrung zur folge hat; vgl. DWB turbieren 3: du warest nur in einen willen geschaffen, alle deine zweige sollten deinen

[Bd. 22, Sp. 1835]


willen haben; aber der teufel miszgönnete dir das, und streuete gift in deinen willen, aus welchem die turba wuchs J. Böhme s. w. 4, 208 Sch.; turba ist, wenn sich der grimm in einem dinge eröffnet, so wird das gute zerstöret, ... turba ist grimm und zorn-wille, zerrütter ebda 6, 698; sie haben die göttliche stimme in ihnen verloren, und haben des teufels stimme eingenommen in turbam magnam ebda 4, 539.

 

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