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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tupfer bis tüppig (Bd. 22, Sp. 1829 bis 1834)
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[Bd. 22, Sp. 1829]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tupfer, m., in verschiedenen bedeutungen in mundart, fach- und umgangssprache; als nomen actionis: 'leichte berührung' (vgl. DWB tupfen 3): tupfar (nom. agentis und) ein einmaliges tupfen Lexer Kärnten 77; ein tupfer mit dem sabl Schönherr glaube u. heimat (1910) 62; berührung Jakob Wien 198; Unger-Khull steir. 180. — als nomen agentis; zu tupfen 'schlagen, klopfen', s. o. 4 a α: beym kupfer sollten wol solche tupfer (kupferhammerschmiede) schamroth werden, indeme sie ihre arbeit nicht recht verrichten Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 342. anders: wer sein geld gern heimlich verbraucht Fischer schwäb. 2, 473. wer tupfenweise trinkt, d. h. nie viel auf einmal, aber bei jeder gelegenheit bad. wb. 1, 599. — woran man tupft: der dünne eiserne stift ... wodurch bei manchen büchsen das stechschlosz losgedrückt wird Hartig lex. f. jäger (1861) 376; tupfer am stechschlosse la détente aux platines de carabine Heinze wb. d. artillerie (1850) 585; der nadelförmige drücker am stechschlosse einer büchse Behlen forst- u. jagdkde (1840) 6, 198; schneller am schieszgewehr Schöpf Tirol 776; Schmeller 1, 615. ein kleines kelchförmiges gläschen Pichler marksteine (1874) 149; vgl.: das tupferl branntweingläschen Schöpf Tirol 776. euphemistisch: so musz der pfarrer, bey dem ein bauer klagt, dasz sein weib zu früh kindsmutter geworden ist, etwa sagen: vielleicht seid ihr auch schon zu früh an den tupfer kommen qu. v. 1800 bei Schmeller 1, 615. — womit man tupft: 'kleine bäusche aus mull oder watte, bes. zum abtupfen von blut bei operationen' gr. Brockhaus 1519, 179. gabel Train chochemer loschen 128b.
 
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tupfig, adj., fleckig, gepunktet: vom zarten, hellen, ausgezackten blütenrand zum tiefleuchtenden mittelpunkt schattiert sich's tropfig, tupfig ab Poppenberg bibelots (1904) 32; fleckig Martin-Lienhart 2, 704; Fischer schwäb. 2, 473.
 
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tüpflein, n. , kleiner tupf, punkt; dim. zu tupf. das dim.-suffix ist häufig zu -(e)lin, -len abgeschwächt, dialektisch wechselt es in der üblichen weise, schwäb. -le, bair. -el, schweiz. -li. die lautform der stammsilbe zeigt die auch bei tupf, tüpfel (s. d.) auftretenden schwankungen, bisweilen wechseln die formen in demselben werk, vgl. dupffelin, düpfflen, düpfflein Henisch (1616) 770; düpfflin, tüpfflin Gäbelkover artzneyb. (1596) 1, 320; 2, 352; vereinzelt eine form mit stammauslautendem reibelaut: tuffelin Neusidler lautenbuch (1536) 1, a 3a. im frühnhd. häufig neben tüpfel in gleicher bedeutung; mit beginnendem 18. jh. jedoch schriftsprachlich zurücktretend und z. t. durch die diminutivformen tüpfchen und tüpfelchen ersetzt (s. d.). in älteren wörterbüchern übersetzt es 'punctum, punctus': punctum tupfflin, tipfflin Diefenbach gl. 473b; punctus tüpffle Frisius (1556) 1093a; Maaler (1561) 411c; punctum düpfflein Pomey (1720) 408.
1) punkt im mathem.-geometr. sinne (vgl. DWB tupf 1 u. tüpfel 1): centrum ein punckt vel düpfflin mitten im kreisz voc. pred. (1486) D 5b; das mittlest düpffle eines yeden dings ... centrum Maaler (1561) 93b; centrum Frisch (1741) 395a; dupffelin punctum, quod magnitudinem nullam habet Henisch (1616) 770: ain punct oder tipfflin, wirdt das genant, so khain thail hat W. Holtzman Euclid (1562) 1; Democratus aber und Epicurus ... hielten die atomes das seind unzertheilbare düpfflin oder stüpffelin ... für den anfang aller ding Rivius Vitruv (1575) 134; etliche wollen, dasz die zahlen von den puncten oder tüpplen entstanden Harsdörffer poet. trichter 2 (1648) 24; 26; der punct ist ein tüpfflein, das in seiner grösse unzertheilig ist Pirckenstein teutsch-red. Euclides (1694) 3; Isokrates ... hat auch diser zeit gelebt, dergleichen ... auch Euclides, ... ein maister des zirkels mas, gewichts, zal, pauens vom minsten tüpflein bis auf das gröst werk Aventin s. w. 4, 315 Lexer; das mittele ist nur ein düpflin, die geschöpfe seind mit leibern begabt, die einen raum einnehmen Kepler opera omnia 7, 747 Frisch.
2) punkt in schrift oder druck (vgl. DWB tüpfel 2): apex ein cleinsz dyppflin super literam (15. jh.) bei Diefenbach

[Bd. 22, Sp. 1830]


gl. 40a; apex das klein typflin auff dem buchstaben Serranus dict. (1540) b 4b; interpunctus understupfft, mit puncten, düpfflinen oder strichlinen underscheyden Frisius dict. (1556) 723b; punto, come nel scrivere, è il periodo ein punct oder tüpfflein im schreiben Hulsius (1618) 2, 316a; ein tüpffelein in der rechtschreibung punto fermo Kramer t.-ital. (1678) 1063; puntar' una linea eine lini oder zeile mit tüpfflein anlegen ders. it.-teutsch (1693) 908c; punctum ein punct, tüpflein (.) wird in der orthographie oder rechtschreibung allemal gesetzet, wann ein satz aus ist Sperander (1727) 533; tüppelein punkt auf dem i Spiess Henneberg 260: wie wol nun etlich ... für die coma zway klaine tüpflin seczen also: Steinhöwel de clar. mul. 312 lit. ver.; dieweil sie (die laute ä ö ü) schier lauten wie das a o u, werden sie auch mit disen drey buchstaben geschriben, oben mit einem kleinen ubergeschribnen e oder tipflin verzeichnet Ickelsamer gramm. (ca. 1530) a 7a; und hab solch büchlein in zwey theyl geordnet ... und mit tuffelin, wie man die application der finger prauchen sol, uberzaichet Neusidler lautenbuch (1536) 1, a 3a; so haben endlich die Ebreer ... etliche tüpflein, so den eigendlichen lebendigen laut andeuten solten, erfunden Zesen rosenmând (1651) 77. nach Matth. 5, 18 iota ... non praeteribit a lege (vgl. DWB tüpfel 2): aber es ist ringer das himel und erd vergang, weder das des gsatzs ein buchstab oder tupflin hinfalle ein kurtze u. christ. einleitg (1523) C 4a; (gott) der von seinem gesaz nit den minsten buechstaben oder nur ain dipflein undergên liesz Aventin s. w. 1, 183 ; in anderer wendung: und sagst man soll nit ein tüpfflin zu der schrifft thun, wie kumbst dann du yetzt- und dahör mit der verseumung, so doch hie solicher sachen gar nit gedacht wird Dietenberger ander buch wid. M. Luther (1524) g 1b.
3) zur bezeichnung eines merkzeichens bei Stieler (1691): diple 'nota marginalis quaedam, asteriscus, et signum notatu dignioribus in libris vel scriptis appositum, sive praefixum, understrich, zeichnung' a. a. o. 2258.
4) künstlich aufgetragener farbfleck, pünktchen (vgl. DWB tupf 2 u. tüpfel 3): mit tüpffelein mahlen miniare Kramer t.-ital. (1678) 1063; die weiber mahlen ihnen an händen und füssen, gesicht und weisz nicht wo mehr hin blaue tüpffelein türk. vagant (1683) 57. kreidepünktchen in der geomantie: ob gleichwol einer spreche, die geomantia ist kein kunst, dann nichts ist da, dann händ vnd kreiden, vnd darausz tüpflin machen Paracelsus opera (1616) 2, 395.
5) farbiger fleck, pünktchen in natürlicher färbung; vorwiegend im bereich des organischen (vgl. DWB tupf 3 u. tüpfel 4): gespregelächtige oder gefläckete thier von mancherley farben oder tüpfflinen, die man pantherthier nennt Frisius dict. (1556) 1346b; porphyrites roter marmelstein mit weisen düpfflinen gespreckelet Calepinus (1598) 1115a; das schwartze klein düpfflein an den bonen fabae hilum Henisch (1616) 770: das schwartz hündlin hett ... zwey rechte oüglin, zwey gele oder rott düpfflin darüber Keisersberg christenl. bilgersch. (1512) 145c; wenn die lchs jhren harn ... abgehen lassen, verfreurt er bald wie ein eisz, das ein edelgestein drausz wirt, nach des carbunckels gestalt, welches gantz durchsichtig mit roten fewrigen tüplen unterstrichen ist Heyden Plinius (1565) 192; dieser hatte ein hundskopff, schwartz vnd weisz, im schwartzen weisse täpfflen, vnd weissen schwartze volksb. v. Dr. Faust 49 Petsch; nim baumöl ... thue ein krotten, die voller tüpfflin oder spreckeln ist, also lebendig in das oel Gäbelkover artzneyb. (1596) 2, 352; dann wir sehen täglich, dass die sonne vil schwarzer düpfflein bekompt, jetzt kleine, bald grosse Kepler opera omnia 4, 208 Frisch; die fliegeschwämm ... seyn ... mit weissen tüppelein besprenget Tabernämontanus kräuterb. (1687) 1521; also sind mir in Ungern vorkommen auff dem sterngeschosz (sternschnuppe) zeichen gleich einer zungen, fingers dick mit schwartzen düpfflen gleich den grossen perlen anzusehen Paracelsus opera (1616) 1, 335; wann man wissen will, ob die nelcke von diesem ungeziefer angegriffen sey,

[Bd. 22, Sp. 1831]


darff man nur auf gewisse weisse flecken achtung geben, die sich, wie dipfflein auf denen blättern zeigen Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 581a. sinnbildlich: seine sprache ist ein stieglitz, grundfarbe immer noch gut schwäbisch, daneben kommt ein schweizer färblein, manches tüpflein wienerisch P. Dörfler Apollonias sommer (1934) 387.
6) kleine erhöhung oder vertiefung auf der hautoberfläche; pickel, maser, blatternarbe (vgl. DWB tüpfel 5): tubera tipflin Diefenbach gl. 600b; pellis fit ruch und unglich, hat klein kugelet duppffelin Melber (1482) M 8a; myrrhen mit honig zerlassen und angestriechen, benimpt die tupple oder durchschlichtige masern Rochlitz artzneib. (1599) 256; dann dieweil herte düpflin da sind, soltu sie nit heylen, es würd in kein weg gestandt habent Paracelsus chirurg. bücher u. schr. (1618) 111; gleich da kombt eine, der zwar die gestrenge blattersucht minatur arbeit ins gesicht gesetzt, so von lauter tüpfflen bestehet Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 26; wenn ein kleines kind auf der haut weisze dipfla bekommt, so stirbt es bald; denn das sind kirchhofdipfla qu. bei Fischer schwäb. 2, 473; s. auch 1tüppel 1 b grübchen:

die diplein ihres küns und ihrer rosenwangen
Weckherlin ged. 2, 359 lit. ver.


7) synonym mit punkt in anderer hinsicht; allgemein zur bezeichnung des kleinen, winzigen: bis der tod ... diejenige gleichsam in ein tüpflein des erdbodens verschliesset, welche, bey leben, vileicht den gantzen erdbodem in ihrem hirn und gutten gedächtnisse begriffen Butschky Pathmos (1677) 181; die erd ist in ansehung des himmels und des unermessenen besitzers dieser beiden nur ein kleines tüpflein Lindenborn Diogenes (1742) 1, 545; o wie scheint es (das wohnhaus) gar so winzig klein! die fenster gleichen nur schwarzen tüpfelein! Schmid ges. schr. (1858) 4, 77. zielpunkt: hab gott lieb ausz gantzen deim hertzen. wann disz ist das recht end, vnd das tüpflin, darauff alle übungen ir zil müssen richten, die tzu ainem schowenden leben gehörend Keisersberg predigen teütsch (1508) 27a. zeitpunkt: punctum ein tipfflein, püncklin, augenplick voc. pred. (1486) Y 1a.
8) redensartlich: aufs tüpflein 'genau', 'bis aufs letzte': was ... B ... gesagt hat, unterschreib ich aufs tüpfele hin B. Auerbach schr. (1892) 9, 102; Fischer schwäb. 2, 473. — es goht kein tüpflein davon es ist unabänderlich ebda; das isch's düpfli uff's i das fehlte noch, jetzt ist die sache in ordnung Seiler Basel 91; vgl. tüpfelchen.
 
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tupfpapier, n., getüpfeltes musterpapier in der weberei: (man bedient sich) des patronenpapiers (musterpapier, tupfpapier ...) ... auf diesem papier werden durch besondere zeichen (punkte, tüpfel, augen usw.) diejenigen quadrate herausgehoben, wo das eine fadensystem oben liegt Lueger 7, 881; Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 783; Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 491. —
 
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-pinsel, m., pinsel zum tupfen: tupfpensel pennello da miniatura, it. da toccare ò ritoccare Kramer t.-ital. 2 (1702) 1162c; Ludwig t.-engl. (1716) 2040. —
 
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-werk, n., getüpfelte miniatur: miniatura, pictura minutis punctulis expressa Stieler (1691) 2258; getüpftes gemäl, tüpfwerk, getüpfte arbeit pittura miniata, fatta di miniatura Kramer t.-ital. 2 (1702) 1162c; düpfelwerck pictura miniata teutsch-lat. wörterb. (1713) 98; tüpfwerck tüpflichte, getüpfte oder getüpfelte arbeit eines miniatur-mahlers, miniatur, was mit wasserfarbe gantz klein gemahlet ist Ludwig teutsch-engl. (1716) 2040; düpffwerck, miniatur pictura miniata Pomey (1720) 411; Wachter gloss. germ. (1737) 1729; nouv. dict. allem.-franc. (1762) 921b; Schrader dt.-frz. (1781) 2, 1393.
 
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tüppel, düppel, dippel, m. , hirnkrankheit, beulenkrankheit, geschwulst; dummkopf, tölpel, narr. ein im 16. jh. wiederholt bezeugtes wort, das sich heute in verschiedener lautgestalt nur noch mundartlich hält; md. und obd., kerngebiet ist der alemannische raum. vielleicht mit Ochs bad. 1, 600 zu schwäb. duppen 'unsicher, schwankend gehen, auch von einem, in dem eine krankheit steckt'

[Bd. 22, Sp. 1832]


Fischer schwäb. 2, 475 ; bad. duppen 'ducken, sich in gedrückter oder kranker verfassung bewegen; einduseln, einnicken' Ochs bad. 1, 600; sich duppe 'stille halten' Seiler Basel 91 und weiter zu norw. dubba 'sich bücken, sich ducken, nicken', anord. dúfa 'untertauchen' oder aber zu taub, toben usw.; primär scheint die verwendung des wortes als name für die hirnkrankheit (drehkrankheit) zu sein, aus der sich dann die naheliegende übertragung auf den träger dieser krankheit ergab. die frühen belege zeigen das wort als synonymon von törpel, tölpel (s. DWB tölpel teil 11, 1, 654), von dem es nicht nur in der bedeutung 'dummkopf', sondern auch als krankheitsname verdrängt wurde; allein in den alem. maa., die das aus der ritterlichen standessprache abgesunkene tölpel nur zögernd aufgenommen haben (s. teil 11, 1, 655), hat sich tüppel lebenskräftig erhalten. offenbar ein altes wort der volkssprache, das tölpel in der bedeutung und vermutlich auch in seiner lautlichen umbildung beeinfluszt hat; der teil 11, 1, 653 unerklärt gebliebene suffixwechsel dörper > törpel wäre somit verständlich; vgl. auch ebda formen wie türppel, dülpel, tülpel. in älterer sprache (16. u. 17. jh.) fast durchweg mit doppelkonsonanz bezeugt (die teil 2, 1199 angenommene verwandtschaft mit ahd. horatupil, -tubil 'rohrdommel', das stets einfachkonsonanz hat, ist daher unwahrscheinlich); die formen in den heutigen maa. schwanken zwischen anlautender fortis und lenis, inlautender doppel- und einfachkonsonanz. die in form und bedeutung z. t. zu erkennende anlehnung an döbel 'pflock' (vgl. teil 2, 1198; Schmeller 1, 529; Fischer schwäb. 2, 475) scheint sekundär zu sein; anders Heusler ma. v. Baselstadt 12.
1) krankheitsname:
a) hirnkrankheit, insbesondere die drehkrankheit bei haustieren, vom menschen allgemeiner 'verrücktheit': dippel 'drehkrankheit der schafe, die diesen tieren tölpelhaften, trottelnden gang macht' Höfler krankheitsnamen 98; düppel Fischer schwäb. 2, 474; düppel, düpel, tippel name einer krankheit des hornviehs Unger-Khull steir. 180; düppel drehkrankheit der schafe, des rindviehs bad. wb. 1, 599; vgl. DWB tölpel 3a teil 11, 1, 662 und die zusammensetzungen düppelhirn Keisersberg postill (1522) 3, 57a; Weismann lex. bip. (1698) 92a (s. u. 2); teil 2, 1567; düppelhirnig wer den düppel im hirn hat Fischer schwäb. 2, 475; tölpelhirnig teil 11, 1, 67; hirndüppelig, hirndüppig im kopf verwirrt, hirnverrückt Fischer schwäb. 3, 1682; düppelsinnig blödsinnig Fischer schwäb. 2, 475; dippelsinnig verwirrt Seiler Basel 91. hierher die redensart den düppel bohren: 'die eröffnung der schädelkapsel durch bohren, um den drehwurm im gehirne aufzusuchen' Höfler krankheitsnamen 234b; bad. wb. 1, 599; in übertragenem gebrauch vom menschen: den düppel einem bohren ludibrio habere aliquem Weismann lex. bip. (1698) 92a; weil er sich vernünftig achtet, muss man ihme den dippel mit einem anderen neper bohren qu. v. 1583 bei Fischer schwäb. 2, 474; 'ihn vom eigendünkel heilen; ihn zur einsicht, zur besinnung bringen; einem gehörig die meinung sagen' bad. wb. a. a. o.; vgl. dippelbaren teil 2, 1184 und tölpelbohren teil 11, 1, 665. auch die bezeichnung dippelhaber (s. o. teil 2, 1184; Fischer schwäb. 2, 475) für 'schwindelhafer' lolium temulentum, geht auf den krankheitsnamen zurück, da der genusz des giftigen samens dieser grasart betäubung verursacht, vgl. DWB düppel rausch Unger-Khull steir. 180; tupper, tüpperer rausch Spiess Henneberg 261.
b) geschwulst, beule u. ä.: geschwulst, büngel, schwellblatter Höfler krankheitsnamen 98; beulengeschwulst ebda 757; (öl der pflanze) heilt die tüpel an den glidern Toxites horn d. heils (1576) Bb 2a; darmit schmirbe dem rosz den aller grössesten dippel, den jme der wurm auffgetriben hat Seutter roszartzney (1588) 192; von den frantzösischen kranckheiten, blattern, ... lähmi, tüppel und andern miszgewächsen Paracelsus chirurg. bücher (1618) 131a; (die pest) wordurch die menschliche leiber durch abscheuliche drüsen ... und tüpeln ... elendiglich vergehen Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 141. durch schlag und stosz hervorgerufene beule: wenn es auf dem tanzboden zum raufen kommt, sieht man am andern

[Bd. 22, Sp. 1833]


tage die burschen mit tüpúln herumgehen Lexer Kärnten 77; Schmeller 1, 529; Unger-Khull steir. 180; vgl. DWB döbel 4 teil 2, 1199 und düppel 1 teil 2, 1567. ziegenpeter: (wochen-) dippel die nicht über eine woche dauernde tölpelhaftes aussehen verursachende parotitis epidemica (mums) Höfler krankheitsn. 98; vgl. DWB wochendüppel teil 14, 2, 938, wochentölpel teil 14, 2, 956 und tölpel teil 11, 1, 662.
2) dummkopf, tölpel, narr; vereinzelt auch flegel; als ausgangspunkt der bezeichnung erscheint der krankheitsname (s. o. 1 a): es schos im der düppel ins hirn und vergafft sich ... ab dem frölin Zimm. chron. 22, 577 Barack; vgl. DWB wer aber zu seinem bruder spricht, öd köpff, düppelhirn, oder töuberich Keisersberg postill (1522) 3, 57a; hirndüppel dummer mensch Fischer schwäb. 2, 474. truncus, metaph. eyn klotz, düppel Dasypodius (1537) i 3b; blax eyn düppel, narr, verwehnter ebda C 3b; stipes stocknarr, tüppel Frisius dict. (1556) 1242b; socors träg, unfrütig, unbesinnt, hinlässig, sinnlosz, nit witzig, narr oder tüppel ebda 1218b; excors ein unbesinnter unverstendiger tüppel, törpel ebda 497b; 1368a; 424a; dörppel, düppel, grober und unverstendiger sine acumine homo, bardus Maaler (1561) 92b; düppel unweyser mensch, der weder weysz noch maasz kan ebda 93b; tüppel unbesinnter unverstendiger mensch ebda 411c; βλάξ tippel Martin Crusius gramm. graec. (1566) bei Fischer schwäb. 6, 1788; excors ein vnbesinnter tüppel, tölpel (1590) Diefenbach gl. 215b; socors hinlässig; unfrütig; tüppel ebda 540a; thorechtig, narr, tüppel excors, insipiens, stultus Calepinus (1598) 509a; düppel, tölpel, toll, eins groben verstands obtusus, stupidus Henisch (1616) 770; Schönsleder prompt. (1618) L 8b; düppel, düppelhirn stolidus homo, quo nullum est saxum stolidius, homo tardus, fatuus, excors, agrestis Weismann lex. bip. (1698) 92a: die fraw was ein düppel qu. v. 1485 bei Schmeller 1, 529;

ein düppel kan sich mit hosen decken
und für den hunnig hechlen lecken
Murner dt. schr. 4, 53;

wer do usz zorn ... spricht zu im (seinem nächsten), du narr, du eszels kopff, du düppel Keisersberg postill (1522) 3, 57b; er (Dr. Valentin) sagt öffentlich: Luther, Zwingli ... seien nichts als ungelehrte ... duppel (1509 bis 1567) Blaurer briefw. 3, 38 Schiesz; ich red ouch disz nit der meinung, dasz ich rach über disen tüppel berüfe Zwingli dt. schr. 1, 260 Schuler;

ich beut dirs recht, du grober düppel!
Hans Sachs fastnachtspiele 1, 47 Goetze;

wie kanst ein solcher tüppel syn? R. Manuel weinspiel 62 ndr.;

du narr, du bist mir ober dmassen
ein grosser tüppel und böser gauch ein spil, wie mann die narren von einem beschweeren soll (1554) B 1a;

oder von einem hertzhafften weisen manne ein tüppel vnd narr gezeuget wird Spangenberg anm. weiszh. lustgarte (1621) 122; und wann das gute weib bei ihren nachbaren sasz, stunden sie hinzu, und trieben gute schwänke und possen mit ihnen. diesz und dergleichen wollte den tüpel schier unsinnig machen Aurbacher volksbüchl. (1835) 93. dialektisch: düppel dummer mensch Fischer schwäb. 2, 474; einfaltspinsel, dummkopf Seiler Basel 91; duppel einfältiger mensch Müller rhein. wb. 1, 1569; düpel oder tüpel cretin Hunziker Aargau 65; düppel, tüppel dummkopf, schwindelgeist Stalder schweiz. id. 328; tupel dummer mensch, tölpel Follmann Lothr. 112; tupel, tuppel dummer mensch, der zu nichts zu brauchen ist Martin-Lienhart 2, 702; tüppel dummer, einfältiger mensch ebda; tuppel einfältiger mensch Keller Thür. waldgeb. 46; tüpúl grober, roher mensch, von dem man gleich einen tüpl (beule) bekommen kann Lexer Kärnten 77; toopl ungeschickter, dummer mensch Meisinger Rappenau 202a; dupel 'dummkopf' ders. Wiesental 17; dubel tölpel, dummkopf Martin-Lienhart 2, 645; dummkopf, tölpel, geistesschwacher bad. wb. 1, 582; dummkopf, halb blödsinniger mensch Seiler Basel 89; düppel, düpel, tippel unerzogener mensch ohne lebensart, lümmel, flegel Unger-

[Bd. 22, Sp. 1834]


Khull steir. 180. formen mit wechselnden suffixen: dupper blödsinniger, alberner mensch, dummkopf Fischer schwäb. 2, 476; düpper dummer mensch Martin-Lienhart 2, 702; töpper, tepper dummkopf, unüberlegt handelnder mensch Bruns volksw. d. prov. Sachsen 68; düppes dummer, ungeschickter mensch Müller rhein. wb. 1, 1577; duppes dummkopf Kehrein Nassau 119; tuppe halb blödsinniger mensch Lexer Kärnten 77; duppeler dummer, aufgeregter mensch Fischer schwäb. 2, 475. verkleinerungsformen: tuppele, n., dummes, ungeschicktes mädchen Martin-Lienhart 2, 702; 's dubeli halb blödsinniges geschöpf Seiler Basel 89; dupperlein gedankenloser mensch; kleine person, die schlecht sieht und unsicher umhertappt Fischer schwäb. 2, 476. vgl. die folgenden zusammensetzungen: tüppelärtzt, die etwan ein böse döwung für ein kranckheit achten qu. v. 1518 bei Schmidt elsäss. 364; machen ihre schuler schew und zu lauter düppelsköpffen qu. v. 1620 bei Fischer schwäb. 6, 1788; Schmidt elsäss. 70; der muter was angst mit dem tüppelnarren (1556) J. Frey gartenges. 11 Bolte;

ich schlag sie (die mönche) mit dem düppelsack,
das mancher uff der erden lag
Murner dt. schr. 4, 58; 4, 33; 4, 53;

dubelgrind, düppelsgrind starrkopf, mensch der lang zorn hält Stalder 1, 322; burentüppel bauernlümmel ... krüztüppel dummkopf Martin-Lienhart 2, 702.
 
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tüppel, n., s. töpflein.
 
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tuppen, m., s. DWB tubbe, tubben, m.
 
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tuppen, vb., s. DWB tupfen, DWB tüpfeln, vb.
 
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tüppig, tüpplig, tüpplecht, adj.-bildungen zu tüppel. 1) verrückt, dumm, blöde, ungeschickt; zu tüppel 2: es ist doch ie ein wunder, das die leut so gantz tüpplecht gewesen sein, das man sie also hat mögen betriegen Hätzer d. prophet Maleachi (1526) D 3b; so werden sie so düpplig und unsinnig, dass er sieht wie ein stier, der dem metzger entronnen qu. v. 1568 bei Fischer schwäb. 2, 475; dem höllischen dippelischen schwarm zum trotz qu. v. 1741 ebda; düppig, düppelich dumm, ungeschickt Müller rhein. wb. 1, 1577; tupplig, tüpplig dumm, stumpfsinnig; unsicher auf den beinen, mit den händen Martin-Lienhart 2, 702; düppelig, düpplig, duppelig schwindelig, benommen oder habituell dumm, tölpelhaft Fischer schwäb. 2, 475; duppig, düppig traurig, niedergeschlagen, ungelenk, tappig ebda 2, 476. 2) schwül (zu tüppel 1 a?): duppig drückend schwül Fischer schwäb. 2, 476; es ist ja bekannt, dasz gemeinlich eine strahl begleitet ist mit donner und ungestumen wetter, deme vorhergegangen eine tuppige und geschwüllige luft Scheuchzer physica (1711) 2, 49.

 

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