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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tüpfelig bis tupfpapier (Bd. 22, Sp. 1821 bis 1831)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tüpfelig, adj., punktiert, gesprenkelt; im 18. u. 19. jh. für tüpfelicht (s. dort) eintretend; vorwiegend umgangssprachlich (s. Adelung) und mundartlich: tüpflich punctis notatus Frisch (1741) 395a; tüpfelig mit tüpfeln d. i. puncten oder kleinen flecken versehen ... am häufigsten im gemeinen leben Adelung (1774) 4, 1104; Voigtel wb. (1793) 3, 433a; Campe (1807) 4, 911; dibbelig punktiert Hertel Salzungen 48; tüpflig getüpfelt Martin-Lienhart 2, 704. mundartlich oft in übertragener bedeutung 'kleinlich, pedantisch': tipelig spielerig od. tändelig, langweilig ... kleinlich u. minutiös Doornkaat-Koolman 3, 413; dippelig pedantisch auf das kleine unbedeutende werth legend Kehrein Nassau 112; klein, pedantisch Wegeler Coblenz 18; tüpfelig peinlich genau, übertrieben pünktlich, kleinlich bad. wb. 1, 598; pedantisch pünktlich, auch spitzfindig, streitsüchtig Fischer schwäb. 2, 474.
 
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tüpfelkanal, m., porenartiges loch in der zellwand, fachausdruck der zell- und gewebelehre (vgl. DWB tüpfel 5): solche canäle, die in vielen arten von pflanzenzellen ... vorkommen, werden mit dem namen der tüpfel- oder

[Bd. 22, Sp. 1822]


porencanäle bezeichnet Sömmerring menschl. körper (1839) 6, 182. dim.: die zelle hat fünf solche verdickungsschichten, in diesen zeigt das abgezeichnete stück vier tüpfelkanälchen Rossmässler d. mensch i. spiegel d. natur (1855) 2, 92. —
 
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-klein, adj., klein wie ein tüpfel, pünktchen: ein gewisser scribent verwundert sich sehr darüber, dasz man an diesem tüpffelkleinem thierlein, dennoch alle gliedmassen ... gar kenntlich ersihet Francisci weh d. ewigk. (1686) 980. —
 
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-kreis, m., getüpfelter, punktierter kreis: ich hatte auch schohn begriffen, dasz ... die zwei tipfelkreise der mitternächtische und der mittagische wären Zesen Ibrahim (1645) 1, 386. —
 
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-maler, m., miniaturmaler: tüpfel- oder miniatur-mahler pittore in miniatura Kramer t.-ital. 2 (1702) 13b; 1162c; die migniaturmahler tüpfeln die figuren, welche sie mahlen ... daher der migniaturmahler in den gemeinen mundarten auch der tüpfelmahler genannt wird Adelung (21793) 4, 723; Campe (1807) 4, 911; Mozin dt.-frz. (31856) 4, 877.
 
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tüpfeln, vb. , punktieren, sprenkeln, kleine flecken machen; ableitung von tüpfel, daneben vielleicht auch iterativum von tupfen. mundartl. nur im obd.; im nd. und md. entspricht in der bedeutung tippeln (zu tippen teil 11, 1, sp. 504): tippeln Stürenburg ostfries. wb. 283; Frischbier 2, 402; Gutzeit 3, 3, 26; Schambach Göttg. 231; Müller-Fraureuth 1, 265; Liesenberg Stiege 91; tippele Rovenhagen Aachen 146; tipele Schön Saarbr. 213; dibbele Crecelius 311; dippeln Albrecht Leipzig 102; Jecht Mansfeld 16; vereinzelt auch obd.: gedippelt qu. v. 1629 bei Fischer schwäb. 2, 476. in der bedeutung tupfen 2 nahestehend, wobei bisweilen neben dem iterativen auch ein diminutiver sinn mitspricht; wie tupfen 2 vorwiegend als part. perf.
1) punktieren; mit der schreibfeder punkte auf dem papier machen, eine punktierte linie ziehen; ich tüpfele punctulis noto Steinbach dt. wb. (1734) 2, 882: dise geng wil ich in dem nachfolgenden platten grund mit getupfelten linien anzeygen Dürer befestig. d. stett (1527) C 2a; wan man die striche des mitteltüpfels machen wil, so ziehet oder tüpfelt man im weissen ... gantz lange gerade striche mitten durch die ekken des vielekkes Zesen kriegsarbeit (1672) 1, 21; in der miniaturmalerei: 'ein gemälde in punktirter manier ausführen, was bes. bei kleinen miniaturbildern geschieht' Müller-Mothes archäol. wb. 2 (1878) 946a.
2) von der künstlichen oder natürlichen färbung eines einfarbigen grundes mit meist regellos verstreuten, oft verschiedenfarbigen punkten oder farbfleckchen: guttatus getröufft, hin vnd här gedüpfflet, gefläcket Frisius dict. (1556) 615a; nobiles variis maculis columnae mit mancherley fläcken vnd strymen vnderscheiden, getüpfflet ebda 253a; mensa apiata ein tisch von getüpffletem holtz, gleych als ob die bynle darauf geschmeiszt hettind ebda 104a; pantherae pictae tüpfflet oder gefläcket von mancherley farben ebda 1005b; guttatus, notatus gedüpfelt Frisch (1741) 2, 395a: der marmor ist, als wann er mit gemahlenem silber gedippelt qu. v. 1629 bei Fischer schwäb. 2, 476; das mit braunen linien getüpffelte saffranfärbige martagon ... blühet gar gern Hohberg georg. cur. (1682) 1, 663; von denen weissen picotirten oder gedipfelten, item von drey-, vier- und fünfffärbichten nelcken ebda 3, 580; die eine brachte ihr kostbares kopfzeug herbey, auf dasz sie dafür von dem Vertumnus einen welschen-hennen-kopf erlangen mögte, der fein roth und weisz getüpfelt und gezipfelt wäre Lindenborn Diogenes (1741) 2, 174; es sind solche runde und ordentliche reihen weisz getüpfelte seegeschöpfe, die wie rockknöpfe aussehen anmuth. gelehrsamk. 4, 891 Gottsched;

und schau, o schau das äpflein, gar
wie gold und incarnat;
gestreift, getüpfelt wunderbar
und würzig, wie muscat
Kind ged. (1817) 2, 96;

diese (samen) sind ... von glänzendglatter oberfläche, die auf hellgrauem grunde rothbraun getüpfelt erscheint

[Bd. 22, Sp. 1823]


Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 6, 410. von sommersprossen und blatternarben, vgl. DWB tupfen 2 b: auch sieht man in keinem bilde oder gemälde, dasz David oder Salomon davon getüpfelt im gesicht gewesen (von den blattern) Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 13, 29; sein kleines gesicht war allzu getüpfelt von sommersprossen, um etwas düsteres auszudrücken A. Seghers das siebte kreuz (1950) 220; ttöpflet ... ttüpflet ... blatternsteppig, pockennarbig, zum unterschiede von ruch tiefnarbig Tobler Appenzell 141; von pockennarben verunziert Seiler Basel 91; Schmeller 1, 615.
3) als fachausdruck der gewebelehre, vgl. DWB tüpfel 5a: äussere zellen behöft getüpfelt Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 6, 569; ihre (der ahornholzzellen) wände sind entweder ... getüpfelt oder spiralig verdickt Muspratt chemie (1888) 6, 1459; s. auch tüpfelkanal.
4) mundartlich in verschiedenen sonderbedeutungen; in anlehnung an das lautlich anklingende tüfteln, tifteln (vgl. o. tüfteln 2, sp. 1556): hin und her denken, sinnen Unger-Khull steir. 180; tüfteln Martin-Lienhart 2, 704; tüfteln, ausklügeln bad. wb. 1, 598; etwas austüpfeln, genau berechnen, entziffern Schöpf Tirol 776; nachsinnen und rechnen Schmeller 1, 615; genau sein, nachdenken, spekulieren Lexer Kärnten 77; untersuchen, überlegen, austippeln, ausfindig machen Jecht Mansfeld 16. — herumtüpflen 'herumtasten, nörgeln' Fischer schwäb. 2, 473; in diesem sinne vereinzelt auch schriftsprachlich: an diesem verdienste soll nicht getüpfelt noch gemakelt werden Przibram erinn. (1910) 1, 269. — steine über eine wasserfläche hüpfen lassen bad. wb. a. a. o.
5) auszergewöhnlich in poetischer sprache:

in dicken tropfen, einzeln und zerstreut,
des reichern segens bothen — tüpfelts nun
sanft in den teich
Harries Thomsons jahreszeiten (1796) 13.

vom würfelspiel: dasz ein schönes kind puncte über puncte tüpfelt, nachschlägt und sucht, was ihr für ein gatte werden möchte? ob der liebhaber treu ist? und so weiter, das find ich wohlgethan Göthe I 17, 6 W.
 
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tupfen, vb. , benetzen; sprenkeln; leicht stoszend berühren. herkunft und form.
1) im ahd. als j-bildung in einer Prudentiusglosse tupfta lavit (doch vgl. 2). im engl., nl. und nd. in der bedeutung 'etwas eintauchen': ags. dyppan; engl. dip; nl. dippen; nd. dippen, düppen, daraus entlehnt dän. dyppe, s. Falk-Torp 172; im nord. als deverb. ō-verb: norw. duppa, aschw. schw. doppa 'tauchen, untertauchen'. diese wortgruppe gehört zur germ. sippe *deup-, *daup-, *dup- und stellt sich somit zu tief und taufen, vgl. teil 11, 1, 188; 479. die ō-formen weisen auf eine vorstufe mit intensivierender verdoppelung des wurzelschluszkonsonanten, vgl. Wissmann nom. postverb. 186. die bedeutung 'eintauchen' kommt dem hd. tupfen in der schriftsprache nicht mehr zu; sie ist lexikalisch bis zum beginn des 18. jhs. verzeichnet und hält sich im obd. noch mundartlich (s. u. 1). im hd. hat sich vielmehr tupfen in seiner bedeutung durch stupfen beeinflussen lassen, vielleicht gefördert durch das alte nebeneinander von topho und stopho 'punctum', vgl. den synon. gebrauch von tupfen und stupfen in der rechtssprache (s. u. 3 b u. stupfen teil 10, 4, 562), bei Kramer hd.-nd. (1719) 216, und die zwillingsformel tupfen und stupfen bei Stelzhamer dicht. (1884) 4, 124. von topho ist abgeleitet getophot 'gepunktet' (s. u. 2 und tupf sp. 1814), das im Wallis als gitupfud fortlebt (s. PBB 64, 284). durch das fehlen von belegen im mhd. wird ein einblick in die bedeutungsentwicklung im hd. erschwert. im nd. steht neben dippen 'eintauchen' das lautlich anklingende tippen 'berühren' mit dem synon. stippen 'stechen, leicht stoszend berühren, tunken', dem hd. tupfen-stupfen entsprechend. im md. sind dippen und tippen bedeutungsmäszig nicht mehr scharf geschieden: dibbe tupfen Autenrieth pfälz. id. 33; dippen, tippen leise anrühren Albrecht Leipzig 102; spezielle bedeutungen des hd. tupfen werden auf tippen

[Bd. 22, Sp. 1824]


übertragen, vgl. u. Happel hist. mod. Europae (1692) 301b; Müller Aachen 245.
2) in der schriftsprache hat sich wie bei anderen intensiva die umlautlose form durchgesetzt, die möglicherweise auf ein im ahd. nicht nachweisbares, aber durch die nord. formen nahegelegtes ō-verb zurückgeht, vgl. Wissmann nom. postverb. 172. in den wörterbüchern hält sich tüpfen neben tupfen bis in das 19. jh., s. Adelung (1793) 4, 723; Campe (1807) 4, 912; Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877; literarisch zuletzt bei E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 3, 141; zu einer begriffsscheidung beider formen im schweiz. vgl. Stalder 2, 415. der umgelautete stammvokal begegnet im hd. auch in der entrundeten form: dipfe bad. wb. 1, 598; tipfen Adelung (1793) 4, 723; Schnabel insel Felsenb. (1731) 4, 449.
3) formen mit anlautendem d sind im md., vor allem aber im alem. bezeugt: Crecelius 311; Schmitz Eifler volk 1, 223b; Martin-Lienhart 2, 704; Fischer 2, 473; Schmidt Straszb. 30; Halter Hagenau 148; Mone bruhrain. id. 134; bad. wb. 1, 598; Alemannia 19, 76; Seiler Basel 91; Friedli Bärndütsch 4, 394; 416. im md. und angrenzenden nd. und obd. gebieten sind danebenwohl mit tippen vermischtformen mit anl. t häufig; am Mittelrhein überwiegt tuppen: wb. d. Elberf. ma. 166; wb. d. lux. ma. 445; Leithäuser Barmen 161; Müller Aachen 245; Rovenhagen Aachen 149; Kisch Nösner ma. 227; Follmann Lothr. 112; tupən Leihener Cronenberg 127, im thür. tüppen: Stieler (1691) 2258; Reinwald Henneberg 175; Keller thür. waldgeb. 46. literarisch und lexikalisch haben sich mit d anlautende formen bis an das ende des 18. jhs. gehalten: Kessler sabbata 107 hist. ver. v. St. Gallen; Frisius (1556) 383a; Maaler (1561) 93d; Gäbelkover artzneyb. (1596) 1, 155; 2, 97; Schönsleder prompt. (1618) L 8b; Würtz wundartzney (1624) 56; Duez (1664) 2, 108a; Weismann (1698) 92a; Rädlein (1711) 205b; Frisch (1741) 395a; Miller Siegwart (1777) 1, 153. Adelung scheidet dupfen von tupfen: dupfen mit einem stumpfen oder weichen körper leicht anstoszen oder berühren ...; ist der körper, womit solches geschieht, härter, oder der stosz stärker, so heiszt es tupfen und tüpfen (1793) 1, 1580.
4) eine nasalierte form tumpf ist im schweizerischen (Brienz) bezeugt, vgl. PBB 18, 323. bedeutung und gebrauch.
die vorgeschichte des wortes weist auf zwei verschiedene bedeutungslinien, von denen die eine auf ursprüngliches tupfen 'eintauchen' (ags. dyppan), die andere auf (s)tupfen 'stoszen, berühren' zurückgeht (s. o.). beide haben sich früh beeinfluszt und können in den historischen belegen begrifflich nicht immer getrennt werden. als neuer gemeinsamer kern läszt sich die mit der hand wiederholt und leicht ausgeführte bewegung erkennen, die im gegensatz zu dem kontinuierlichen auftragen, streichen den gegenstand nur kurz trifft.
1) das erste zeugnis im sinne von 'benetzen, anfeuchten' zeigt das moment des eintauchens nur noch insofern, als es die berührung mit einer flüssigkeit meint: tupfta, nazta (arvina posthinc igneum inpressa cauterem) lavit (11. jh.) ahd. gl. 2, 429, 1 St.-S. (glosse zu Prudentius perist. 5, 230).
a) flüchtig einsenken, dabei einen gegenstand oder den finger benetzen; die feder in die dinte dupffen Duez dict. (1664) 2, 108a; immergere digitum Stieler (1691) 2258; tuncken, eintuncken Kramer hochniderdt. (1719) 1, 371c; in's dintefass dupfe Martin-Lienhart 2, 704; ins wasser tupfen (mit dem finger) Fischer schwäb. 2, 473; eintauchen Lessiak ma. v. Pernegg, s. PBB 28, 112: also tüpffte er mit seinem mittelfinger in die milch grillenvertreiber (1670) 1, 242;

Cynthia tüpfte nunmehr, die dampfende quelle versuchend
kek ihr lilienfüszchen hinein
Baggesen Parthenais (o. j.) 13;

wenn du dir wieder ein hündchen ziehen willst, so tupfe mit dem finger in den roten schaum, der auf dem hute

[Bd. 22, Sp. 1825]


(des pilzes) liegt und netze das mit deinen lippen! Storm s. w. 5, 167 Köster.den finger oder einen gegenstand kurz einsenken (in ein gefäsz, salz oder dgl.), ohne dasz die bedeutung 'benetzen' im wortsinn enthalten sein musz: auch haben die auf der stein galera selten warme speiss, ohn bisweilen schnecken in der asch gebraten, die auss den häusslein gezogen, in salz getupft, und so verschluckt (1573) Lubenau beschr. d. reisen 217 Sahm; der hat ins handbecken tupfet Kirchhofer schweiz. sprichw. (1824) 257; il ne faut pas dépendre de ses sujets! sagte der hofmarschall, in sein spanioldöschen mit dem finger tupfend Alexis Isegrim (1854) 1, 270; sie schob die papiere zur seite, tupfte mit dem finger in die kleine goldene spanioldose, die neben dem briefe lag, und führte den tabak mit einer gewissen zierlichkeit zur nase Höfer auf deutscher erde 2 (1860) 69. — aus einer geste bei gemeinsamer verabredung entstand die redewendung in der rechtssprache: 'in den huet tupfen sich zusammen verschwören' qu. bei Schmeller 1, 615; vgl.zusammendupfen obligare se dextris, seu, sacramento dexterarum obstringere fidem suam punctis digitorum Schönsleder prompt. (1618) L 8b; dupften zusammen (zeigt der amtsknecht an) und bedienten sich mithin der fisch im herrenbach — sie wurden bestraft — solte jeder für das kartengeld 3 fl. bezahlen qu. in Alemannia 10, 176; zesamentupfen einen anschlag miteinander machen Schmeller a. a. o.; weitere belege ebda; Lexer Kärnten 77 (vgl. DWB stupfen teil 10, 4, 562).
b) ein trinkgefäsz, ein getränk leicht mit den lippen berühren, um zu kosten, nippen: delibare blosz an ein ding dupffen, ein wenig mit den läfftzen versuchen Frisius dict. (1556) 383a; Maaler 93b; glich so ainen durstigen ain becher mit klem wasser dargeraicht und fürgstelt und, sobald er daran dupft und versucht, behend widerumb entzogen wirt J. Kessler Sabbata 107 hist. ver. St. Gallen; den wein antüpffen oder nur blosz ein wenig versuchen pitissare, parum vini paulatim, et quasi tentandi gratia Calepinus (1598) 1097a. in neuerer zeit halten sich reste dieses früher weiter verbreiteten gebrauchs nur noch mundartlich, vgl. ein glas austupfen austrinken Schöpf Tirol 776.
c) einen gegenstand durch leichtes berühren anfeuchten, benetzen: benetzend berühren Lenz Handschuhsheim 72b; mach ein pulver, binds in ein tüchlein, lasz's in wein stehen übernacht, darnach dupff die bläterlin wol mit dem büschelin Gäbelkover artzneyb. (1595) 2, 97; 1, 155;

Wilibald! tupfe nunmehr mit fressendem scheidewasser
J. H. Voss s. ged. (1802) 2, 189;

aus der erde kocht, unsichtbar,
die empfangene nässe,
die stirn mir tupfend
Liliencron s. w. (1896) 8, 73;

verschiedenartig geflecktes ... papier wird erhalten, wenn man mit einem ... schwamme ... das papier tupft Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 2, 173. vereinzelt auch für 'auftragen': auch tupft man wohl ...mit gummiwasser angemachten porzellanschlicker mittelst eines spitzen hölzchens ... auf die gewünschten stellen der gewandung der figur Muspratt chemie 8 (1905) 465; den firnisz (mit der hand oder dem tupfbällchen) tupfen Mozin dt.-frz. (31856) 4, 877.
2) frühzeitig bildet sich die verwendung des wortes für 'punktieren, sprenkeln, farbflecke machen' heraus; der häufige gebrauch des part. perf. läszt erkennen, dasz sich hier der wortsinn bald von dem vorgang in das ergebnis der tätigkeit verlagert; vgl. DWB tupf 2. 3 sp. 1815/6 u. ahd. getopfôt: (helina) tiedir getopfote mit sternahten ougon manige skimen durhskinen (stellantibus oculis interstinctos) Notker 1, 2, 741 Piper; fone demo lozta in manega uuîs ketopfotiu ioh kefehtiu fareuua, also in lenzen diu erda getan ist (coloribus notulis variata pictura) ebda.
a) einen oder mehrere punkte machen, farbflecke oder kleckschen machen: ich redt hie von solchen puncten und linien die mit der nadel oder spitzigen federn getupfet

[Bd. 22, Sp. 1826]


vnd gerissen werden an eim richtscheit Dürer menschl. proportion (1520) O 3a; maculare Stieler (1691) 2258; puntare, puntecchiare, puntigliare, punzecchiare, dipignere di miniatura ò miniare Kramer t.-ital. 2 (1702) 1162b; getupftes gemäl, getupfte arbeit pittura miniata, fatta di miniatura ebda 1162c; linea puntata eine getupffte lini ders., it.-teutsch (1693) 908c; far un punto Rädlein (1711) 205b; mit tüpflein sprengen oder besprengen Kramer hochniderdt. (1719) 1, 371c.
b) losgelöst von der vorstellung der manuellen tätigkeit (a) hat das part. perf. getupft die bedeutung 'mit farbflecken versehen sein, gesprenkelt, punktiert'; von stoffen: man müsse sich nur sommerkleider dazu denken, getupfte oder geblümte Waggerl Wagrainer tageb. (1936) 79; in einem hellen rohleinenjackett mit einer blauseidenen, weiszgetupften krawatte Fr. Wolf zwei a. d. grenze (1948) 87. vgl. hierzu eine bedeutungsübertragung auf das lautlich anklingende tippen (s. o. sp. 1823): darauf (kam) ihre maj. die königin, mit scepter, kron, reichs-apffel, in einem violblau-sammeten rock, mit güldenen frantzen bordiret, mit weissem futter und schwartz getippt Happel hist. mod. Europae (1692) 301b. von der färbung der haut, insbesondere von sommersprossen, vgl. tupf 3a, tüpfel 5, tüpfeln 2: vollkommen runden, gedupften angesichts qu. v. 1799 in: Alemannia 19, 76; schwarz gedupften angesichts, solcher augen und haare ... weisslechten, etwas gedupften a ... qu. bei Fischer schwäb. 2, 473;

(Blondine:)
da sprossen hundert bräunlich rothe flecken,
die zum verdrusz die weisze haut bedecken.
ein mittel!
(Mephistopheles:) schade! so ein leuchtend schätzchen,
im mai getupft wie eure pantherkätzchen
Göthe I 15, 1, 76 W. (Faust II);

jetzt dachte er an sein rundes, von sommersprossen getupftes gesicht, wie an eine liebe, für immer versperrte landschaft A. Seghers d. siebte kreuz (1950) 74. von der gesprenkelten färbung des tier- und pflanzenkleides: ain dupffeter hund Fischer schwäb. 2, 474;

wie wunderbar sind sie (die tulpen) gemenget!
getüpft, gestrichelt und gesprenget!
Triller poet. betracht. (1750) 1, 226.

lustig herbei nun ihr freunde!
hier dampfen getupfte forellen
Matthisson ged. 2, 15 lit. ver.;

schwein mit niederen höckern als beinen; getupft Furtwängler vasenbeschreib. (1885) 155.
c) in impressionistischer darstellungsweise zur wiedergabe von fleckenartigen licht- und schattenwirkungen: wenn der herbst die ersten farben in das satte sommergrün tupft Timm Kröger wohnung d. glücks (1906) 121; ein sonnenfinger griff durchs zerlöcherte dach ... und tupfte scharf auf seine (des bauern) brille qu. a. d. j. 1923; aber die kippel (alte nomadengrabhügel) tupften die steppe — wie von der hand stummer geschichte ausgesäte riesenkörner fanden sich die kurgane im lande qu. a. d. j. 1933; unter der mittagssonne funkelte die nasse stadt ... fahnen, kleider, hüte und blumen tupften farben in die straszenzüge Carossa winterl. Rom (1947) 31.
3) in anderer richtung verläuft die entwicklung in einer bedeutungsgruppe, die auf das blosze berühren einer oberfläche zielt, ohne dasz das hinterlassen einer farbspur zum vorstellungsgehalt gehört.
a) leicht, flüchtig berühren, besonders mit der spitze eines gegenstandes oder mit dem finger: libare digitis Schönsleder prompt. (1618) L 8b; mit dem finger dupffen toucher ou picotter du doigt Duez dict. (1664) 2, 108a; summo digito attingere Stieler (1691) 2258; toccare leggiermente colla punta di qualche cosa Kramer t.-ital. 2 (1702) 1162b; tupfen, stupfen mit dem finger ders., hochniderdt. (1719) 216c; toccar col dito Rädlein (1711) 205b; mit der spitze eines dinges stoszen oder berühren Adelung (1774) 4, 1104; es belaydigen gott all die jenige, welche seynd wie ein orgl, die man kaum darff ein wenig tupffen, so schreyts gleich Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 47;

[Bd. 22, Sp. 1827]


tipfte jeden hund mit ihrem weissen stabe auf den kopf Schnabel Felsenburg (1731) 4, 449; ich meine da — wo ich itzt mit dem zeigefinger hin tupfe Bode Tristram Schandi (1776) 8, 11;

auf dasz kein armer erdensohn
sich seines glückes überhebe ...,
lauscht immer eine böse fey
am nest der brütenden, und tüpft auf jedes ey
Gotter ged. (1787) 1, 332;

der offizier fühlte sich auf die schulter getupft und sah seinen gefährten vom kreuze (grabstein) herabsteigen Goldammer Litthauen (1858) 96; Rothköpfchen muszte erst das vögelchen noch etliche male mit dem finger der andern hand tupfen und stupfen, dasz es bisz und krabbelte Stelzhamer ausgew. dicht. (1884) 4, 124; eine weidengerte berührte mit mahnendem tupfen seine schulter Cl. Viebig d. schlaf. heer (1904) 2, 321; es gibt viele berühmte und lustige seiltänze in unsern vaterländischen bergen, wo einem der tod mit dem kleinen finger kalt in den rücken tupft Federer berge u. menschen (1911) 160; Klaus leckte in gedanken seinen zeigefinger an und tupfte auf die plätte Kluge Kortüm (1938) 72. mit dem finger die stirn berühren: aber Cynthia, rief Toni und tupfte sich an die stirn — ein mensch musz doch hundertmal schwerer zu zeichnen sein als so ein kleines ding (schmetterling) Carossa d. arzt Gion (1931) 156.
b) die nase, die augen, die stirn u. dgl. mit einem taschentuche trocknen: sie tupfte ... mit ihrem taschentuch über die stirn hin Fontane ges. w. (1905) I 4, 157; dann plötzlich ein ruck, ein kerzengerader sprung, ein tupfen mit dem mundtuch über stirn und hand qu. a. d. j. 1927; der wanderer, der ... den hut in der einen hand, mit dem tuche in der andern einen leichten schweisz von der stirne tupfte Ponten rhein. zwischensp. (1937) 72; man war ergriffen ... eine dame tupfte sich mit dem gestickten ausgeh-tüchlein ein auge Th. Mann Faustus (1948) 654; eine wunde tupfen nettoyer une plaie en la touchant légèrement avec du linge Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877; eine wunde mit charpie dupfe Schmidt Straszburg 30; schaffet den zorn aus eurer seele, bat sie, mit dem schwamm auf seine wunde tupfend G. Freytag ges. w. 12 (1887) 25; Kurt, dem Sanna die wunde tupfte, murrte ein geständnis qu. a. d. j. 1937; vgl. hierzu folgende präfigierte formen: auftupfen: indem er (Göthe) einige brösel und kügelchen einzeln mit dem ringfinger auftupfte Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 455. austupfen: einen tintenklecks mit dem finger austupfen Crecelius 311. forttupfen: damit erhob er sich zum weitergehen, und Mathilde tupfte ihr tränlein fort und folgte ihm qu. a. d. j. 1938. wegtupfen: und sie (die weiber) tupften mit dem zackigen wischtüchlein die zähren weg qu. a. d. j. 1923.
c) speziell pulver mit brennender kohle oder der lunte berühren und dadurch zur entzündung bringen; mettre le feu au canon Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877; tupfen, tüpfen mit der brennenden lunte eine kanone losbrennen Stalder schweiz. id. 1, 328: leg aber solches (pulver) auff ein rein weisz breit thuch oder papyr vnd tupffe dann mit einem gelinden kol dareyn Fronsperger kriegsb. 1 (1578) 152b. vgl. hierzu den ausruf:

vorn auf dem hügelchen steht so ein bocksfusz bei der kanone,
sein stets rauchender schwanz dient ihm als lunte dabei.
...
aber der kerl ist feige; denn während langsam der schweif sich
nach dem zündloch bewegt, hält er die ohren sich zu ...
krümmt sich, und — tupf! folgt der entsetzliche knall
Mörike ges. schr. 1, 130 Göschen.


d) beim vogelfang die vögel mit der leimrute berühren: dupfen heiszt der fang mit einer langen dünnen stange, an die eine leimrute gebunden ist, vermittelst derer man harmlose vögel ... verfolgt, bis man einen nach dem andern mit dem leim berührt Meyer lex. 620, 210.
e) übertragen im sinne von 'zeigen, hinweisen, deuten, nahekommen', wobei die vorstellung des berührens vom gegenständlichen auf das optische und gedankliche übergreift:

[Bd. 22, Sp. 1828]


tüppen mit der spitze des fingers oder griffels drauf deuten Reinwald Henneberg 1, 175; halt, wenn du mit dem finger dort vom Wettingerhause, das am wasser steht, über das gewirre der dächer aufwärts fährst, so tupfst du auf das sogenannte grüne schlosz G. Keller ges. w. (1889) 6, 23; wie du nun die offenbarung gottes in Christo und in der natur nach deiner weise, und ich möchte sagen und du selbst tüpfest darauf, nach Friedrich Schlegels weise in dem weiland heiligen römischen reiche deutscher nation am vollkommensten und in den mannigfaltigsten bildern abgeprägt findest, ... darüber liesze sich viel hübsches und viel trauriges sagen E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 3, 141.
4) in den mundarten findet sich das wort in weiterer bedeutungsentfaltung, wobei der ausgangspunkt der bezeichnung jedoch vorwiegend in der unter 3 entwickelten bedeutung 'leicht stoszend berühren' liegt.
a) im gegenständlichen bereich:
α) verschiedene arten einer stärkeren berührung bezeichnend: pochen, klopfen Müller Aachen 250; Rosenhagen Aachen 149; Follmann Lothr. 112; klopfen, hauen, schlagen wb. d. lux. ma. 445; schlagen, stoszen, prügeln Martin-Lienhart 2, 704; einen durch schlagen oder sonstige gewalt bändigen Crecelius 311; einem auf die finger tupfen Fischer schwäb. 2, 473; schlagen, durch schläge demütigen Lenz Handschuhsheim 72b; es ist ein student von Dillingen, und vermuthlich hat er einen gedupft oder umgebracht Miller Siegwart 1 (1777) 153. nahestehend, doch wohl fachsprachlich: ein stein tupfen (mit der spitze des hammers) rustiquer une pierre, la tailler rustiquement Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877.
β) von kinderspielen, insbesondere von dem aneinanderschlagen der ostereier (vgl. atlas d. dt. volkskunde, karte 30): dies (eier-)spiel ist in unserem ganzen gebiete verbreitet und führt die verschiedensten namen: tippen, antippen (im Egerland) stutzen, anstutzen, tupfen (Plauer bezirk) John sitte, brauch u. volksglaube (1905) 60; im eierspiel die eier, bes. die gefärbten ostereier, prüfend auf einander schlagen Martin-Lienhart elsäss. 2, 704; Fischer schwäb. 2, 473; dübfe bad. wb. 1, 598; düpfe, dupfe Seiler Basel 91; tüpfe Hunziker Aargau 65; düpfen, düpsen Friedli Bärndütsch 4, 416; tupfen, tüpfen Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877. mit bedeutungsübertragung auf das nd. tippen (s. o.): man gebraucht ... tippen von dem aneinanderstoszen der ostereier Müller Aachen 245. ball werfen: im ballspiel wird der fehler des gegners festgestellt durch den ruf: 1-2-3 gedupft, wobei der ball auf den boden getatscht wird bad. wb. 1, 598; düpfen Meisinger Wiesental 17. 'steine über eine wasserfläche hüpfen lassen' bad. wb. a. a. o.
γ) ausgehend von der bedeutung 'mit der spitze eines gegenstandes berühren' (s. 3 a), wird das wort im bair.-österr. für das impfen der kinder verwendet: ein kind tupfen ihm die kuhpocken einimpfen Schmeller 1, 615; ein kind tupfen es impfen Schöpf Tirol 776. vgl.: mit einem spitzen werkzeuge etwas berühren, daher intupfún die schutzpocken einimpfen Lexer Kärnten 77.
δ) coire: Lexer Kärnten 77; Jakob Wien 198; bad. wb. 1, 598.
b) übertragen; in verschiedener hinsicht in der bedeutung 'im gespräch eine empfindliche seite des gesprächspartners berühren': auf etwas anspielen, sticheln Stalder Schweiz 328; picoter, pointiller. Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877; zur ruhe bringen, zurechtweisen Crecelius 311; durch eine schlagfertige antwort abführen Martin-Lienhart 2, 704; gehörig die meinung sagen Follmann Lothr. 112; schimpfen, durch anzüglichkeiten reizen, beleidigen Fischer schwäb. 2, 473; jemandes schwache seite berühren, ihm einen treff geben bad. wb. 1, 598; einen bloszstellen, abfahren lassen ebda; auch umgangssprachlich: denn wer sich ärgerte (über die xenien), freute sich auch, dasz ein anderer getupft war Zelter in: briefw. zw. Göthe u. Zelter 5, 238 Riemer.betrügen: Fischer schwäb. 2, 473; antupfen Martin-Lienhart 2, 704; vgl.tuppe, betuppe Rovenhagen Aachen 149; betuppen Woeste westf. 30.

[Bd. 22, Sp. 1829]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tupfer, m., in verschiedenen bedeutungen in mundart, fach- und umgangssprache; als nomen actionis: 'leichte berührung' (vgl. DWB tupfen 3): tupfar (nom. agentis und) ein einmaliges tupfen Lexer Kärnten 77; ein tupfer mit dem sabl Schönherr glaube u. heimat (1910) 62; berührung Jakob Wien 198; Unger-Khull steir. 180. — als nomen agentis; zu tupfen 'schlagen, klopfen', s. o. 4 a α: beym kupfer sollten wol solche tupfer (kupferhammerschmiede) schamroth werden, indeme sie ihre arbeit nicht recht verrichten Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 342. anders: wer sein geld gern heimlich verbraucht Fischer schwäb. 2, 473. wer tupfenweise trinkt, d. h. nie viel auf einmal, aber bei jeder gelegenheit bad. wb. 1, 599. — woran man tupft: der dünne eiserne stift ... wodurch bei manchen büchsen das stechschlosz losgedrückt wird Hartig lex. f. jäger (1861) 376; tupfer am stechschlosse la détente aux platines de carabine Heinze wb. d. artillerie (1850) 585; der nadelförmige drücker am stechschlosse einer büchse Behlen forst- u. jagdkde (1840) 6, 198; schneller am schieszgewehr Schöpf Tirol 776; Schmeller 1, 615. ein kleines kelchförmiges gläschen Pichler marksteine (1874) 149; vgl.: das tupferl branntweingläschen Schöpf Tirol 776. euphemistisch: so musz der pfarrer, bey dem ein bauer klagt, dasz sein weib zu früh kindsmutter geworden ist, etwa sagen: vielleicht seid ihr auch schon zu früh an den tupfer kommen qu. v. 1800 bei Schmeller 1, 615. — womit man tupft: 'kleine bäusche aus mull oder watte, bes. zum abtupfen von blut bei operationen' gr. Brockhaus 1519, 179. gabel Train chochemer loschen 128b.
 
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tupfig, adj., fleckig, gepunktet: vom zarten, hellen, ausgezackten blütenrand zum tiefleuchtenden mittelpunkt schattiert sich's tropfig, tupfig ab Poppenberg bibelots (1904) 32; fleckig Martin-Lienhart 2, 704; Fischer schwäb. 2, 473.
 
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tüpflein, n. , kleiner tupf, punkt; dim. zu tupf. das dim.-suffix ist häufig zu -(e)lin, -len abgeschwächt, dialektisch wechselt es in der üblichen weise, schwäb. -le, bair. -el, schweiz. -li. die lautform der stammsilbe zeigt die auch bei tupf, tüpfel (s. d.) auftretenden schwankungen, bisweilen wechseln die formen in demselben werk, vgl. dupffelin, düpfflen, düpfflein Henisch (1616) 770; düpfflin, tüpfflin Gäbelkover artzneyb. (1596) 1, 320; 2, 352; vereinzelt eine form mit stammauslautendem reibelaut: tuffelin Neusidler lautenbuch (1536) 1, a 3a. im frühnhd. häufig neben tüpfel in gleicher bedeutung; mit beginnendem 18. jh. jedoch schriftsprachlich zurücktretend und z. t. durch die diminutivformen tüpfchen und tüpfelchen ersetzt (s. d.). in älteren wörterbüchern übersetzt es 'punctum, punctus': punctum tupfflin, tipfflin Diefenbach gl. 473b; punctus tüpffle Frisius (1556) 1093a; Maaler (1561) 411c; punctum düpfflein Pomey (1720) 408.
1) punkt im mathem.-geometr. sinne (vgl. DWB tupf 1 u. tüpfel 1): centrum ein punckt vel düpfflin mitten im kreisz voc. pred. (1486) D 5b; das mittlest düpffle eines yeden dings ... centrum Maaler (1561) 93b; centrum Frisch (1741) 395a; dupffelin punctum, quod magnitudinem nullam habet Henisch (1616) 770: ain punct oder tipfflin, wirdt das genant, so khain thail hat W. Holtzman Euclid (1562) 1; Democratus aber und Epicurus ... hielten die atomes das seind unzertheilbare düpfflin oder stüpffelin ... für den anfang aller ding Rivius Vitruv (1575) 134; etliche wollen, dasz die zahlen von den puncten oder tüpplen entstanden Harsdörffer poet. trichter 2 (1648) 24; 26; der punct ist ein tüpfflein, das in seiner grösse unzertheilig ist Pirckenstein teutsch-red. Euclides (1694) 3; Isokrates ... hat auch diser zeit gelebt, dergleichen ... auch Euclides, ... ein maister des zirkels mas, gewichts, zal, pauens vom minsten tüpflein bis auf das gröst werk Aventin s. w. 4, 315 Lexer; das mittele ist nur ein düpflin, die geschöpfe seind mit leibern begabt, die einen raum einnehmen Kepler opera omnia 7, 747 Frisch.
2) punkt in schrift oder druck (vgl. DWB tüpfel 2): apex ein cleinsz dyppflin super literam (15. jh.) bei Diefenbach

[Bd. 22, Sp. 1830]


gl. 40a; apex das klein typflin auff dem buchstaben Serranus dict. (1540) b 4b; interpunctus understupfft, mit puncten, düpfflinen oder strichlinen underscheyden Frisius dict. (1556) 723b; punto, come nel scrivere, è il periodo ein punct oder tüpfflein im schreiben Hulsius (1618) 2, 316a; ein tüpffelein in der rechtschreibung punto fermo Kramer t.-ital. (1678) 1063; puntar' una linea eine lini oder zeile mit tüpfflein anlegen ders. it.-teutsch (1693) 908c; punctum ein punct, tüpflein (.) wird in der orthographie oder rechtschreibung allemal gesetzet, wann ein satz aus ist Sperander (1727) 533; tüppelein punkt auf dem i Spiess Henneberg 260: wie wol nun etlich ... für die coma zway klaine tüpflin seczen also: Steinhöwel de clar. mul. 312 lit. ver.; dieweil sie (die laute ä ö ü) schier lauten wie das a o u, werden sie auch mit disen drey buchstaben geschriben, oben mit einem kleinen ubergeschribnen e oder tipflin verzeichnet Ickelsamer gramm. (ca. 1530) a 7a; und hab solch büchlein in zwey theyl geordnet ... und mit tuffelin, wie man die application der finger prauchen sol, uberzaichet Neusidler lautenbuch (1536) 1, a 3a; so haben endlich die Ebreer ... etliche tüpflein, so den eigendlichen lebendigen laut andeuten solten, erfunden Zesen rosenmând (1651) 77. nach Matth. 5, 18 iota ... non praeteribit a lege (vgl. DWB tüpfel 2): aber es ist ringer das himel und erd vergang, weder das des gsatzs ein buchstab oder tupflin hinfalle ein kurtze u. christ. einleitg (1523) C 4a; (gott) der von seinem gesaz nit den minsten buechstaben oder nur ain dipflein undergên liesz Aventin s. w. 1, 183 ; in anderer wendung: und sagst man soll nit ein tüpfflin zu der schrifft thun, wie kumbst dann du yetzt- und dahör mit der verseumung, so doch hie solicher sachen gar nit gedacht wird Dietenberger ander buch wid. M. Luther (1524) g 1b.
3) zur bezeichnung eines merkzeichens bei Stieler (1691): diple 'nota marginalis quaedam, asteriscus, et signum notatu dignioribus in libris vel scriptis appositum, sive praefixum, understrich, zeichnung' a. a. o. 2258.
4) künstlich aufgetragener farbfleck, pünktchen (vgl. DWB tupf 2 u. tüpfel 3): mit tüpffelein mahlen miniare Kramer t.-ital. (1678) 1063; die weiber mahlen ihnen an händen und füssen, gesicht und weisz nicht wo mehr hin blaue tüpffelein türk. vagant (1683) 57. kreidepünktchen in der geomantie: ob gleichwol einer spreche, die geomantia ist kein kunst, dann nichts ist da, dann händ vnd kreiden, vnd darausz tüpflin machen Paracelsus opera (1616) 2, 395.
5) farbiger fleck, pünktchen in natürlicher färbung; vorwiegend im bereich des organischen (vgl. DWB tupf 3 u. tüpfel 4): gespregelächtige oder gefläckete thier von mancherley farben oder tüpfflinen, die man pantherthier nennt Frisius dict. (1556) 1346b; porphyrites roter marmelstein mit weisen düpfflinen gespreckelet Calepinus (1598) 1115a; das schwartze klein düpfflein an den bonen fabae hilum Henisch (1616) 770: das schwartz hündlin hett ... zwey rechte oüglin, zwey gele oder rott düpfflin darüber Keisersberg christenl. bilgersch. (1512) 145c; wenn die lchs jhren harn ... abgehen lassen, verfreurt er bald wie ein eisz, das ein edelgestein drausz wirt, nach des carbunckels gestalt, welches gantz durchsichtig mit roten fewrigen tüplen unterstrichen ist Heyden Plinius (1565) 192; dieser hatte ein hundskopff, schwartz vnd weisz, im schwartzen weisse täpfflen, vnd weissen schwartze volksb. v. Dr. Faust 49 Petsch; nim baumöl ... thue ein krotten, die voller tüpfflin oder spreckeln ist, also lebendig in das oel Gäbelkover artzneyb. (1596) 2, 352; dann wir sehen täglich, dass die sonne vil schwarzer düpfflein bekompt, jetzt kleine, bald grosse Kepler opera omnia 4, 208 Frisch; die fliegeschwämm ... seyn ... mit weissen tüppelein besprenget Tabernämontanus kräuterb. (1687) 1521; also sind mir in Ungern vorkommen auff dem sterngeschosz (sternschnuppe) zeichen gleich einer zungen, fingers dick mit schwartzen düpfflen gleich den grossen perlen anzusehen Paracelsus opera (1616) 1, 335; wann man wissen will, ob die nelcke von diesem ungeziefer angegriffen sey,

[Bd. 22, Sp. 1831]


darff man nur auf gewisse weisse flecken achtung geben, die sich, wie dipfflein auf denen blättern zeigen Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 581a. sinnbildlich: seine sprache ist ein stieglitz, grundfarbe immer noch gut schwäbisch, daneben kommt ein schweizer färblein, manches tüpflein wienerisch P. Dörfler Apollonias sommer (1934) 387.
6) kleine erhöhung oder vertiefung auf der hautoberfläche; pickel, maser, blatternarbe (vgl. DWB tüpfel 5): tubera tipflin Diefenbach gl. 600b; pellis fit ruch und unglich, hat klein kugelet duppffelin Melber (1482) M 8a; myrrhen mit honig zerlassen und angestriechen, benimpt die tupple oder durchschlichtige masern Rochlitz artzneib. (1599) 256; dann dieweil herte düpflin da sind, soltu sie nit heylen, es würd in kein weg gestandt habent Paracelsus chirurg. bücher u. schr. (1618) 111; gleich da kombt eine, der zwar die gestrenge blattersucht minatur arbeit ins gesicht gesetzt, so von lauter tüpfflen bestehet Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 26; wenn ein kleines kind auf der haut weisze dipfla bekommt, so stirbt es bald; denn das sind kirchhofdipfla qu. bei Fischer schwäb. 2, 473; s. auch 1tüppel 1 b grübchen:

die diplein ihres küns und ihrer rosenwangen
Weckherlin ged. 2, 359 lit. ver.


7) synonym mit punkt in anderer hinsicht; allgemein zur bezeichnung des kleinen, winzigen: bis der tod ... diejenige gleichsam in ein tüpflein des erdbodens verschliesset, welche, bey leben, vileicht den gantzen erdbodem in ihrem hirn und gutten gedächtnisse begriffen Butschky Pathmos (1677) 181; die erd ist in ansehung des himmels und des unermessenen besitzers dieser beiden nur ein kleines tüpflein Lindenborn Diogenes (1742) 1, 545; o wie scheint es (das wohnhaus) gar so winzig klein! die fenster gleichen nur schwarzen tüpfelein! Schmid ges. schr. (1858) 4, 77. zielpunkt: hab gott lieb ausz gantzen deim hertzen. wann disz ist das recht end, vnd das tüpflin, darauff alle übungen ir zil müssen richten, die tzu ainem schowenden leben gehörend Keisersberg predigen teütsch (1508) 27a. zeitpunkt: punctum ein tipfflein, püncklin, augenplick voc. pred. (1486) Y 1a.
8) redensartlich: aufs tüpflein 'genau', 'bis aufs letzte': was ... B ... gesagt hat, unterschreib ich aufs tüpfele hin B. Auerbach schr. (1892) 9, 102; Fischer schwäb. 2, 473. — es goht kein tüpflein davon es ist unabänderlich ebda; das isch's düpfli uff's i das fehlte noch, jetzt ist die sache in ordnung Seiler Basel 91; vgl. tüpfelchen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tupfpapier, n., getüpfeltes musterpapier in der weberei: (man bedient sich) des patronenpapiers (musterpapier, tupfpapier ...) ... auf diesem papier werden durch besondere zeichen (punkte, tüpfel, augen usw.) diejenigen quadrate herausgehoben, wo das eine fadensystem oben liegt Lueger 7, 881; Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 783; Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 491. —

 

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