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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tunnelzimmerung bis tupf (Bd. 22, Sp. 1812 bis 1814)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -zimmerung, f., mit holz ausgeführte versteifung des tunnelausbruchs: tunnel-timbering Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 783; Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 9, 728; Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 743.
 
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tünntuch, n., 'im österreichischen, flor; eigentlich dünnes tuch' Campe 4, 911; s. DWB dünntuch, tuntuch teil 2, 1557.
 
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tunsch, m., mundartlich, nur ostmd.: dunsch verzogener mund mit aufgeworfenen lippen Müller-Fraureuth obersächs. 1, 264; derb volkssprachlich bei dem Obersachsen Henrici für 'kusz':

... das pöbelhaffte wesen,
und reden, so wir noch in alten schrifften lesen,
als: bossen; dieses wort ist längstens ausgestört,
kaum dasz man selbiges annoch bey kindern hört!
ein guschel klingt zu thumm; die menschen sind nicht schweine,
ein tunsch, wie auch ein maul läst eben nicht gar feine ged. (1727) 1, 357;

das ist mein gantzer wunsch,
nimm deine braut hierauf, und gieb ihr einen tuntsch ebda 3, 411.

hierzu auch das dim.: dünschel os, cujus labida turgida sunt Stieler (1691) 349; 1579; die liebesdienst und dünschel Müller-Fraureuth 1, 265; dünschel schiefer mund Hertel Thür. 86 und die gelegenheitsbildung tunschelt 'geliebter':

doch nein! ich will sie (die jungfern) nicht verklagen,
ein tunschelt kömmt von tunsche her,
das heist, wenn sie mein tunschelt sagen,
ach wer doch bald geküsset wär
Henrici ged. (1727) 3, 328;

es fällt mir die gesellschafft ein,
wo sie das wort im munde führen:
wo musz wohl jetzt mein tunschelt seyn? ebda 3, 328.

wohl zu tunschen stoszen, schlagen, puffen Anton Oberlausitz 13, 21; Jungandreas zeitwortbildung 89.
 
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tunte, tuntel, f., mundartliches wort für 'weibsperson'; oberdt.: duntel, duntle ein wegen fette schwerfälliges weibsbild Stalder schweiz. id. 1, 327; dundel 'schlechtes weibsbild' Ochs bad. 1, 595; dund, n., 'dummes mädchen', dundel, n., Elsässer dundel 'Elsässerin', dundenen, n., 'dickes, dummes mädchen' u. ä. Martin-Lienhart elsäss. 2, 688; dundel 'schimpf- oder schmeichelwort für weibspersonen' Fischer schwäb. 2, 464; vgl. weiter roman. tunt in rum. tînt, it., span., portug. tonto 'dumm', die 'zeigen, dasz die lautgruppe tunt, vielleicht ursprünglich tnt, als schallwort zur bezeichnung eines albernen menschen verwendet wurde, wohl zunächst in nachahmung des lallens von geistig verkümmerten menschen' Meyer-Lübke 8988. auf niederdt. boden überwiegt tunte, tünte, nur im nordosten herrscht tuntel: tünte müsziggängerisches frauenzimmer, albernes frauenzimmer Woeste westf. 276; tüntel ein launenhaftes, eigensinniges frauenzimmer Köppen Dortmund 60; tunte zimperliches, albernes oder hochnasiges weib Böning Oldenburg 119; langsames frauenzimmer Brendicke Berliner wortsch. 185; verzärteltes frauenzimmer Meyer d. richtige Berliner 41; unordentliches weib Frederking Hahlen 147; schlafmützige person Teuchert neumärk. (1907) 243; vgl.tunt, m., tropf, ungeschickter mensch Mensing schles.-holst. 5, 183. im engeren sinne auch für 'gesicht', 'nase': tuntel das dicke,

[Bd. 22, Sp. 1813]


unfreundliche gesicht; die unbeholfene, langweilige person Lemke volksthümliches (1884) 1, 186. herabsetzende bezeichnung für nase Betcke Königsb. 62; er hat sich die tuntel begossen hat sich betrunken Frischbier 2, 415; Fischer Samland 92.
 
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tüntelei, f., zu tünteln (s. u.): tüntelee wirrwarr Mensing schlesw.-holst. 5, 205; zauderei, wirrsal, verwirrung Stürenburg ostfries. 291; se hett ümmer so veele tüntelij sie läszt sich durch jede kleinigkeit aufhalten Dähnert plattdt. 498; Mensing 5, 205; Hönig Köln 157; Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 447; brem.-ns. wb. 5, 133; vereinzelt literatursprachlich:

ja doch, geh nur eilend, behend
und mach der tüntelei ein end
Rollenhagen amantes amentes (1609) F 4a.


 
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tüntelig, adj., zu tünteln (s. u.); mundartlich und umgangssprachlich: ungeschickt, umständlich, unsicher auf den füszen (infolge altersschwäche) Mensing schlesw.-holst. 5, 205; nie zu rechter zeit fertig werdend Flemes Kalenberg in: Hann. geschichtsbl. 2, 109; kleinlich, verhätschelt, verzärtelt, zimperlich Hönig Köln 157; tünteleh langsam Bauer-Collitz Waldeck 106b; tuntlig unbeholfen Lemke volksthüml. 1, 186: Rosine zeigte sich sehr tüntlig und Anna sehr brauchbar und praktisch (1842) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 46 Schulte-K.; was mich ärgert, ist ihre tüntlige schamhaftigkeit (1840) ebda 1, 455.
 
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tünteln, vb. , flechten, verwirren; zaudern. im nd. und md. verbreitet; auch fries.: tüntele Outzen fries. 368; tontali Schmidt-Petersen nordfries. 137; tontlin Johansen nordfries. 55. iterativbildung, vermutlich von nd. tûnen, tünen 'zäunen, flechten' (s. o. tünen sp. 1789), vereinzelt auch 'stricken' Schambach Göttingen 236, auf die dann in form und bedeutung nahestehende wörter wie tudeln, 2tüdern (s. o. sp. 1540, 1543) einwirkten; zum nebeneinander der formen tünneln, tündeln, tünteln, vertünneln, vertünteln, vertüddeln, vertüdern vgl. Mensing schlesw.-holst. 5, 205; 5, 444. im md. ist das wort mit tändeln (s. teil 11, 1, 105) sekundär vermischt, vgl. tentelen, tüntelen bei Stieler (1691) 2255; tönteln Waldbrühl rhingscher klaaf 214. tenuis und media wechseln in zweiter silbe wie bei tändeln; dabei herrscht t- vor, formen mit -d- verzeichnen Fromme Hohenbostel 86 Alpers; Schambach Göttingen 236; Böning Oldenburg 119; Mensing 5, 205. der stammvokal ist in der regel umgelautet; formen ohne umlaut bei Brendicke berlinisch 185; brem.-ns. wb. 5, 132; Frischbier 2, 416; Hennig 281. — nur zufällig klingen an schweiz. dünteln, tündeln 'klöppeln' Stalder 1, 327; döntla dass. Tobler Appenzell 145, die vielmehr von düntel, tünde- bzw. döntel 'klöppel' abgeleitet sind, das von Hotzen- köcherle ma. v. Mutten (1934) 101 mit tεndələ 'schlecht tönende schelle' (ε = umgelautetes o) zusammengestellt wird.
1) flechten, winden, ineinander schlingen: he tüntelt de band um de spiker herum Doornkaat-Koolman 3, 447; verwickeln, in einander schlingen Stürenburg ostfries. 291; Frischbier 2, 415; Hennig 281; speziell: 'litzen machen' brem.-ns. wb. 5, 132; Campe 4, 911; litzen klöppeln Mensing 5, 205; die groben wollnen litzen knüppeln Schütze Holst. 4, 289; allgemeiner auch 'verwirren', 'durcheinander bringen': dat gaarn verwirren Böning Oldenb. 119; dat tüntelt in kluun gerät durcheinander, verwirrt sich zu einem knäuel Mensing 5, 205.
2) von der bezeichnung der tätigkeit übergehend zur bezeichnung des verhaltens: sich bei der arbeit ungeschickt benehmen, langsam arbeiten, die arbeit nicht aus den händen loswerden können Mensing a. a. o.; du tuntelst und tuntelst un fertig krijst de nischt Brendicke berlinisch 185; langsam arbeiten Bauer-Collitz Waldeck 106b; Fromme Hohenbostel 86 Alpers; nicht vorwärts kommen Flemes Kalenberg in: Hann. geschichtsbl. 20, 371; wo tuntelst du so lange? warum machst du nicht fort? brem.-ns. wb. 5, 132. nur auf das verhalten bezogen 'zögern', 'zaudern': schon bei Stieler (1691) morari, plumbeum esse, torpere, ... cunctari,

[Bd. 22, Sp. 1814]


tardare, diem ex die expectare a. a. o. 2255; zögern Krüger Emden 70; Böning Oldenburg 119; Schambach Göttingen 236; Hennig 281; Frischbier 2, 416; zaudern, zögern Stürenburg ostfries. 291; zaudern, ehe man auf den weg kommt; andere auf sich warten lassen Dähnert plattdt. wb. 498. schlieszlich auch die ursache des verhaltens anklingen lassend: sachte und behende thun, sich zieren Schrader dt.-frz. (1781) 2, 1393; langsam und behende tun, delicate et cum mora agere Richey Hamburg (1755) 317.
3) zusammensetzungen mit vorsilben, die sich an die abgeleiteten bedeutungen unter 2 anschlieszen: betünteln: eene betüntelte deern ein mädgen, das gern zart und vornehm thun will, une precieuse affectée Richey a. a. o.; Schütze Holst. 4, 289; betünteld verwickelt, verwirrt, verlegen Stürenburg ostfries. 291; betunteln sich heimlich verloben Frischbier 2, 416. vertünteln: sie hat sich vertuntelt heimlich versprochen Hennig 281; sik im slaap vertünteln nicht munter werden können; sik mit en deeren vertünteln sich mit einer dirne aufs heirathen einlassen Schütze Holst. 4, 289; durch nachlässigkeit vergessen, verlieren oder verzögern Mensing 5, 444; he fertünteld sin geld un tid Doornkaat-Koolman 3, 447.
4) mit tändeln vermischt: tüntele tändeln, verzärteln Hönig Köln 183; tünteln, tönteln tändeln Waldbrühl rhingscher klaaf 214; vgl. tentelen bei Stieler (1691) 2255 (s. o.).
 
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tünzltag, m., tag der jährlichen versammlung einer zunftgenossenschaft, zu dinzeltag teil 2, 1183: (es ist) an merigsten orten üeblich, das von pfingsten bis Maria geburt alle spilleut und tänz (ausser denen kürchtagen, hantstreich, hochzeiten, airschmalz- und tünzltagen) eingebotten werden tirol. weist. 2, 364.
 
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tupé, m., f., n., nach oben gekämmte haarfrisur; vgl. DWB toppe teil 11, 1, 872 und toupet ebda 916. modewort aus dem 18. jh., frz. toupet 'haarschopf, tolle', auch 'frechheit', das seinerseits auf die dem hd. zopf zugrunde liegende germ. vorstufe top zurückgeht, s. Bloch-Wartburg dict. etym. (1950) 610: der putz half seine tupe mit klugen fingern thürmen Schwabe belust. (1741) 6, 251; besser stünde ein tuppee ihm zu gesicht Görres ges. br. (1858) 2, 325; tupee, n., toppè Jagemann ted.-ital. (1803) 1188; mundartl. noch im südwestdt. lebendig: tupe, m., zurückgekämmtes, in die höhe gestelltes stirnhaar Martin-Lienhart 2, 702; tupei, m., haarschopf wb. d. lux. ma. 445; tupi, m., haarschopf, in die höhe gestelltes stirnhaar Follmann Lothr. 112; 's duppè gekräuseltes stirnhaar Seiler Basel 91; vgl.: tupper, m., verwirrtes haar bad. wb. 600. in erweiterter bedeutung: tupe, n., scherzhaft für 'kopf' bad. wb. 1, 598; Martin-Lienhart a. a. o. übertragen auch 'eigensinnige laune, frechheit' u. dgl.: (die altdeutschen frauen erfaszten beim schwur den haarschopf), welchen gleichsam uufstrüszt, wer zur durchsetzung einer eigensinnigen laune 's duppee het Friedli Bärndütsch 6, 582; dreistes auftreten, unverfrorenheit Follmann a. a. o.; hochmut Martin-Lienhart a. a. o.
 
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tupf, m. , punctum, macula.
ahd. topho; mhd. topfe. verwandt mit dem synon. stupf (s. teil 10, 4, 552 u. tupfen sp. 1823), ahd. stopho, stupf, mit dem es auf eine gemeinsame idg. wurzel *(s)teu 'stoszen, schlagen' zurückgeht, vgl. Walde-Pokorny 2, 619. nahe steht nd. topp, s. teil 11, 1, 866; 817; ebda 2 a weitere hierher gehörige formen. ursprüngliche verwandtschaft mit tupfen besteht trotz Kluge 11635; Kluge-Götze 15814 nicht, wohl aber sekundäre annäherung. im nhd. hat sich der stammvokal an tupfen, vb., angeglichen; topf noch mundartl. bei Tobler Appenzell 141. umgelautete und entrundete formen: tüpff Blümml Leipz. liederhs. d. 17. jhs. 112; tipff Czepko geistl. schr. 279 Milch; tipf W. Scherffer ged. (1652) 549. der auslautende vokal ist obd.-md. noch erhalten: tupfe Fischer schwäb. 2, 472; Halter Hagenau 148; Hunziker Aargau 65; Seiler Basel 91; Hertel Thür. 249; dupfa Kuen oberschwäb. wb. 13; tuppa Sartorius Würzburg 128; die pluralendung der schwachen

[Bd. 22, Sp. 1815]


dekl. dringt bisweilen in den nom. sg., ohne sich jedoch durchzusetzen: tupfen Martin-Lienhart 2, 703; Frisch (1741) 395a; tuppen wb. d. Elberf. ma. 166; Leithäuser Barmen 161; Follmann Lothr. 112; bis ins 18. jh. schriftsprachlich auch dupff: S. v. Birken ostl. lorbeerhayn (1657) 330; Volkamer Nürnb. hesp. (1708) 49; Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1913; Pomey (1720) 315. vereinzeltes femin. bezeugen Fischer schwäb. 2, 472; Seiler Basel 91; Hertel Thür. 249.
die aus dem ursprung des wortes herzuleitende grundbedeutung 'durch stosz, stich oder berührung überhaupt entstandener punkt' hat sich früh differenziert. in den ahd. Prudentiusglossen des 11. jhs. als glossierung zu lat. nota, punctum in den bedeutungen 'schriftzeichen, punkt, funken': tophun (Eulalia enumerante) notas ahd. gl. 2, 444, 26; 27; notas (vepribus inpositas) ebda 2, 438, 21; tophin, t(r)ophun punctis (stridulis sparsim per artus figitur) ebda 2, 428, 53; 476, 61 St.-S.; vgl. auch den beleg aus dem frühmhd. (s. u. 3). in neuerer zeit bezeichnet das wort vorwiegend den für das auge wahrnehmbaren fleck; der vorgang der berührung tritt deutlich nur in einem vereinzelten beleg des 16. jhs. hervor: damit die iungen verstendig ... werden, so will jch jnen den punckten als ein gemel mit eym tupff einer federn fürsetzen Dürer underweys. d. messung (1525) A 11a.
1) der einzelne, durch bestimmte lage ausgezeichnete punkt; 'geom. punkt, mittelpunkt, scheitelpunkt'; in dieser bedeutung schriftsprachlich nur bis in das 18. jh.: punctum, apex Weismann lex. bipart. (1698) 383a; centrum der mittelpunct oder dupff Pomey (1720) 315: es ist aber mit dem dreiyeck also beschaffen, dasz er aus einem eintzigen tipff seinen ursprung nihmt, welcher sich in 2 andere auswirfft, dasz zwar 3 tipff offenbar werden, aber alle drey ... dem eintzigen und ersten alle gleich sind und an sich selbst ein eintziger tipff verbleiben Czepko geistl. schr. 279 Milch; also verursachen die so vielerley zenith, oder scheitel-tupffe desz himmels, dasz hiesige körper, welche allhie schier einander berühren, dem himmlischen einflusz nach dennoch, auf viel meilen, von einander geschieden seien Francisci d. eröffn. lusthaus (1676) 1354; bildlich:

die scheibe warest du in angestellter wahl
nach welcher hat gezielt so vieler stimmen zahl.
auf dich, den mitteldupff, die striche traffen alle
Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 330;


mundartlich: er trifft alle tur de 'tupfe' (mittelpunkt der scheibe) Martin-Lienhart 2, 703. vereinzelt auch 'punkt über dem i', wofür sonst allgemein tüpfel (s. d.): tupfen ein punct, als einer insgemein über das i gemacht wird Frisch (1741) 2, 395a.
2) punkt, farbfleck, der durch künstliche färbung entstanden ist; vorwiegend pluralisch:
a) flüchtig und regellos hingeworfene flecken, die auf verschiedenartigem untergrund gemalt oder gezeichnet sind: mit den wenigen weiszen, wohlangebrachten strichen und tupfen auf dem roten grunde (die ein maler mit einem pinsel auf das tuch warf) G. Keller ges. w. (1889) 1, 109; eigene zeichner, deren aufgabe es ist, ... nach herzenslust blumen, sterne, ranken, tupfen und linien durcheinander zu werfen ebda 1, 225; Kulekule hatte gesicht und oberkörper mit orangeroten strichen und tupfen verziert v. d. Steinen Zentralbrasilien (1894) 86.
b) ohne die ausgesprochene vorstellung einer manuellen tätigkeit im sinne von 2 a; punkte des stickmusters, punktartiges muster von stoffen: strich-oderstrick-nahd, (i. e.) eine kunst ... mit weissen zwirn in ein gestrick entweder nach alter art nach dem so genannten dupff mit lauter vollen und wiefel oder nach der neuen mode nach dem risz ... der zeichnung nach ... umzulegen, zu vollen, zu wiefeln Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1913; die tupfen sind schön, rund und voll zu sticken Dillmont encycl. d. weibl. handarb. 53; es ist reizend hellblauer tüll mit eingestickten tupfen E. Georgy d. Berliner range (1900) 1, 185; die angewendeten farben (für den polynesischen rindenstoff) sind nur schwarz, weisz und rotbraun, die

[Bd. 22, Sp. 1816]


muster ebenso geradlinig, mit ausnahme der selten vorkommenden tupfen Ratzel völkerkunde (1885) 2, 173; grauweiszes gewand mit braunen tupfen Hiller v. Gärtringen Thera (1903) 2, 25; das gewöhnliche braune kleid mit den roten tupfen Rosegger wildlinge (1905) 359.
3) von der natürlichen färbung 'punkt, farbfleck, sprenkel'; schon frühmhd.:

der x. stain ist sus
gehaizen, crisophîrus ...
dâ stênt ane tophen,
sam dî golttrophen
darane sîn gemâlôt beschr. d. himml. Jerusalems v. 375 Waag.


a) gesprenkelte färbung des tier- oder pflanzenkleides: da hingegen diejenige (blüten), welche nur lauter dünne fadenähnliche zasern mit gelben dupffen zeigen, leer sein, und keine früchte bringen Volkamer nürnberg. hesperides (1706) 49; ein leopardenfell, das mir wegen seiner schönen zeichnung auffiel: fast rein weiszer grund mit ziemlich genau quadratischen schwarzen tupfen Soyaux aus Westafrika (1879) 2, 14; ein herrlicher schmetterling mit seinen blutroten tupfen auf den flügeln qu. v. j. 1930; neben grau und weisz (als farben des fisches) kommen alle farben in streifen, flecken, tupfen ... vor Vischer ästhetik (1846) 2, 130; von vogeleiern: die eier sind ... mit ... ölbraunen tupfen ... gezeichnet Brehm tierl. 4, 497 P.-L.
b) in z. t. deutlicher anlehnung an das tierkleid auch von der färbung der menschlichen haut und von gegenständen:

nehmt froschlaich, krötenzungen, cohobirt,
im vollsten mondlicht sorglich distillirt;
und, wenn er abnimmt, reinlich aufgestrichen,
der frühling kommt, die tupfen (sommersprossen) sind entwichen
Göthe I 15, 76 W.;

die (messer-)klinge ... sah aus wie der leib einer forelle, silbern mit roten tupfen (von rost) bestreut Alverdes Reinhold (1931) 104. im vergleich: ihr gesicht hatten luft und sonne so dunkelbraun gemacht, dasz die groszen sommersprossen sich als helle tupfen daraus abhoben; sie wurde daher im ganzen dorf die forelle genannt Carossa eine kindheit (1922) 12; mundartl.: fleck auf der haut, sommersprosse, blatternarbe Fischer schwäb. 2, 472.
c) zur wiedergabe von fleckenartigen licht- und schattenwirkungen (s. DWB tupfen, vb., 2 c): sein verzaubertes ansehen ward heute noch dadurch vermehrt, dasz es bei dem schein der astrallampe ... auf der rechten seite glänzend silberweisz, auf der linken schwarz mit rothen tupfen ... erschien Pückler südöstl. bildersaal (1840) 1, 117; blau war er (der himmel) nicht mehr, sondern nach und nach aschgrau mit gelben und feuerroten tupfen über den bergen Federer berge u. menschen (1911) 56; (der) abend ... der dazu einen schön blauen himmel mit goldnen tupfen über ihnen ausspannte W. Speck Ursula (1906) 357; die nachmittagssonne fiel schräg durch die bäume, unter welchen ihr freund sie erwartete, und malte zitternde kringel und tupfen auf ihr hübsches, erhitztes gesicht Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 285.
4) zur bezeichnung des kleinen, winzigen in verschiedener hinsicht, vgl. DWB punkt 7, teil 7, 2236; geldstück geringen werts: 7 tupf 7 kreuzer Jacob Wien 198; tupf 1 pfennig Ostwald rinnsteinspr. (1906) 157;

man darff nur auff die neustadt gehn,
so sieht man auff der gassen stehn
und auff der gassen lauffen,
die ihren alabasterleib
dem teutschen volck zum zeitvertreib
um einen tüpff verkauffen bei
Blümml zwei Leipz. liederhandschr. d. 17. jhs. 112;

kleckschen: in eine gefettete springform streut man eine lage brot, gibt darauf tupfen von dem apfelmus daheim 71. jahrg., nr. 7, 17b. von den emporsprudelnden teilchen kohlensäurehaltiger getränke:

zwar gibt es lust zutrinken,
wenn man den edlen safft
im glaase siehet blinken
und dessen innre krafft
aufwallen und aufhüpfen
in zart-subtilen tipfen
W. Scherffer ged. (1652) 549.

[Bd. 22, Sp. 1817]


von menschen: tupf kleine person Martin-Lienhart 2, 703.
5) mundartlich auch synonym mit punkt in anderer hinsicht; 'pünktlich; auf den punkt genau': tupf 2 uhr punkt 2 uhr Fischer schwäb. 2, 472; er ist auf den tupf gekommen auf denselben augenblick, wie er sagte Stalder Schweiz 1, 327; er het's uff der dupfe errote Seiler Basel 91; ken topf dezue ond ken devo beim erzählen, auf den punkt genau Tobler Appenzell 141; of de dube auf den punkt, genau Hertel Thür. 249; om tuppen brengen auf den wesentlichen punkt wb. d. Elberf. ma. 166.

 

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