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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tunnelmündung bis vertünteln (Bd. 22, Sp. 1811 bis 1814)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -mündung, f., ausgang, öffnung eines tunnels: weiter nach oberhalb der tunnelmündung die grotte aux fées, eine sehenswerthe tropfsteinhöhle Bädeker d. Schweiz (1893) 228; (die eisenbahn) die von der tunnelmündung das baugut bis an die nordspitze fährt tägl. rundschau (1905) nr. 327. —
 
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-sohle, f., boden, basis eines tunnels; floor of a tunnel Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1,

[Bd. 22, Sp. 1812]


783; base d'un tunnel Röhrig technol. wb. 775; der firststollen bedingt ... eine bahn im stollen und eine auf der tunnelsohle Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 9, 732. —
 
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-sprache, f., fachsprache der tunnelbauer: unterstützt der bock ein sparrenzimmer, so nennt man ihn in der tunnelsprache einen sparrenbock Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 2, 498. —
 
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-stollen, m., in bergmännischer art vorgetriebener stollen, von dem aus der ausbruch des tunnels erfolgt: maschinenbohrung ist ... für den ausbruch der ... tunnelstollen in verwendung Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 6, 291; ausbau des tunnelstollens mit eisenschienen Darmstädter hdb. z. gesch. d. naturwiss. (1908) 613; (es) waren fünf angriffsstellen für die tunnelstollen gegeben Kellermann d. tunnel (1948) 44. —
 
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-zimmerung, f., mit holz ausgeführte versteifung des tunnelausbruchs: tunnel-timbering Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 783; Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 9, 728; Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 743.
 
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tünntuch, n., 'im österreichischen, flor; eigentlich dünnes tuch' Campe 4, 911; s. DWB dünntuch, tuntuch teil 2, 1557.
 
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tunsch, m., mundartlich, nur ostmd.: dunsch verzogener mund mit aufgeworfenen lippen Müller-Fraureuth obersächs. 1, 264; derb volkssprachlich bei dem Obersachsen Henrici für 'kusz':

... das pöbelhaffte wesen,
und reden, so wir noch in alten schrifften lesen,
als: bossen; dieses wort ist längstens ausgestört,
kaum dasz man selbiges annoch bey kindern hört!
ein guschel klingt zu thumm; die menschen sind nicht schweine,
ein tunsch, wie auch ein maul läst eben nicht gar feine ged. (1727) 1, 357;

das ist mein gantzer wunsch,
nimm deine braut hierauf, und gieb ihr einen tuntsch ebda 3, 411.

hierzu auch das dim.: dünschel os, cujus labida turgida sunt Stieler (1691) 349; 1579; die liebesdienst und dünschel Müller-Fraureuth 1, 265; dünschel schiefer mund Hertel Thür. 86 und die gelegenheitsbildung tunschelt 'geliebter':

doch nein! ich will sie (die jungfern) nicht verklagen,
ein tunschelt kömmt von tunsche her,
das heist, wenn sie mein tunschelt sagen,
ach wer doch bald geküsset wär
Henrici ged. (1727) 3, 328;

es fällt mir die gesellschafft ein,
wo sie das wort im munde führen:
wo musz wohl jetzt mein tunschelt seyn? ebda 3, 328.

wohl zu tunschen stoszen, schlagen, puffen Anton Oberlausitz 13, 21; Jungandreas zeitwortbildung 89.
 
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tunte, tuntel, f., mundartliches wort für 'weibsperson'; oberdt.: duntel, duntle ein wegen fette schwerfälliges weibsbild Stalder schweiz. id. 1, 327; dundel 'schlechtes weibsbild' Ochs bad. 1, 595; dund, n., 'dummes mädchen', dundel, n., Elsässer dundel 'Elsässerin', dundenen, n., 'dickes, dummes mädchen' u. ä. Martin-Lienhart elsäss. 2, 688; dundel 'schimpf- oder schmeichelwort für weibspersonen' Fischer schwäb. 2, 464; vgl. weiter roman. tunt in rum. tînt, it., span., portug. tonto 'dumm', die 'zeigen, dasz die lautgruppe tunt, vielleicht ursprünglich tnt, als schallwort zur bezeichnung eines albernen menschen verwendet wurde, wohl zunächst in nachahmung des lallens von geistig verkümmerten menschen' Meyer-Lübke 8988. auf niederdt. boden überwiegt tunte, tünte, nur im nordosten herrscht tuntel: tünte müsziggängerisches frauenzimmer, albernes frauenzimmer Woeste westf. 276; tüntel ein launenhaftes, eigensinniges frauenzimmer Köppen Dortmund 60; tunte zimperliches, albernes oder hochnasiges weib Böning Oldenburg 119; langsames frauenzimmer Brendicke Berliner wortsch. 185; verzärteltes frauenzimmer Meyer d. richtige Berliner 41; unordentliches weib Frederking Hahlen 147; schlafmützige person Teuchert neumärk. (1907) 243; vgl.tunt, m., tropf, ungeschickter mensch Mensing schles.-holst. 5, 183. im engeren sinne auch für 'gesicht', 'nase': tuntel das dicke,

[Bd. 22, Sp. 1813]


unfreundliche gesicht; die unbeholfene, langweilige person Lemke volksthümliches (1884) 1, 186. herabsetzende bezeichnung für nase Betcke Königsb. 62; er hat sich die tuntel begossen hat sich betrunken Frischbier 2, 415; Fischer Samland 92.
 
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tüntelei, f., zu tünteln (s. u.): tüntelee wirrwarr Mensing schlesw.-holst. 5, 205; zauderei, wirrsal, verwirrung Stürenburg ostfries. 291; se hett ümmer so veele tüntelij sie läszt sich durch jede kleinigkeit aufhalten Dähnert plattdt. 498; Mensing 5, 205; Hönig Köln 157; Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 447; brem.-ns. wb. 5, 133; vereinzelt literatursprachlich:

ja doch, geh nur eilend, behend
und mach der tüntelei ein end
Rollenhagen amantes amentes (1609) F 4a.


 
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tüntelig, adj., zu tünteln (s. u.); mundartlich und umgangssprachlich: ungeschickt, umständlich, unsicher auf den füszen (infolge altersschwäche) Mensing schlesw.-holst. 5, 205; nie zu rechter zeit fertig werdend Flemes Kalenberg in: Hann. geschichtsbl. 2, 109; kleinlich, verhätschelt, verzärtelt, zimperlich Hönig Köln 157; tünteleh langsam Bauer-Collitz Waldeck 106b; tuntlig unbeholfen Lemke volksthüml. 1, 186: Rosine zeigte sich sehr tüntlig und Anna sehr brauchbar und praktisch (1842) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 46 Schulte-K.; was mich ärgert, ist ihre tüntlige schamhaftigkeit (1840) ebda 1, 455.
 
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tünteln, vb. , flechten, verwirren; zaudern. im nd. und md. verbreitet; auch fries.: tüntele Outzen fries. 368; tontali Schmidt-Petersen nordfries. 137; tontlin Johansen nordfries. 55. iterativbildung, vermutlich von nd. tûnen, tünen 'zäunen, flechten' (s. o. tünen sp. 1789), vereinzelt auch 'stricken' Schambach Göttingen 236, auf die dann in form und bedeutung nahestehende wörter wie tudeln, 2tüdern (s. o. sp. 1540, 1543) einwirkten; zum nebeneinander der formen tünneln, tündeln, tünteln, vertünneln, vertünteln, vertüddeln, vertüdern vgl. Mensing schlesw.-holst. 5, 205; 5, 444. im md. ist das wort mit tändeln (s. teil 11, 1, 105) sekundär vermischt, vgl. tentelen, tüntelen bei Stieler (1691) 2255; tönteln Waldbrühl rhingscher klaaf 214. tenuis und media wechseln in zweiter silbe wie bei tändeln; dabei herrscht t- vor, formen mit -d- verzeichnen Fromme Hohenbostel 86 Alpers; Schambach Göttingen 236; Böning Oldenburg 119; Mensing 5, 205. der stammvokal ist in der regel umgelautet; formen ohne umlaut bei Brendicke berlinisch 185; brem.-ns. wb. 5, 132; Frischbier 2, 416; Hennig 281. — nur zufällig klingen an schweiz. dünteln, tündeln 'klöppeln' Stalder 1, 327; döntla dass. Tobler Appenzell 145, die vielmehr von düntel, tünde- bzw. döntel 'klöppel' abgeleitet sind, das von Hotzen- köcherle ma. v. Mutten (1934) 101 mit tεndələ 'schlecht tönende schelle' (ε = umgelautetes o) zusammengestellt wird.
1) flechten, winden, ineinander schlingen: he tüntelt de band um de spiker herum Doornkaat-Koolman 3, 447; verwickeln, in einander schlingen Stürenburg ostfries. 291; Frischbier 2, 415; Hennig 281; speziell: 'litzen machen' brem.-ns. wb. 5, 132; Campe 4, 911; litzen klöppeln Mensing 5, 205; die groben wollnen litzen knüppeln Schütze Holst. 4, 289; allgemeiner auch 'verwirren', 'durcheinander bringen': dat gaarn verwirren Böning Oldenb. 119; dat tüntelt in kluun gerät durcheinander, verwirrt sich zu einem knäuel Mensing 5, 205.
2) von der bezeichnung der tätigkeit übergehend zur bezeichnung des verhaltens: sich bei der arbeit ungeschickt benehmen, langsam arbeiten, die arbeit nicht aus den händen loswerden können Mensing a. a. o.; du tuntelst und tuntelst un fertig krijst de nischt Brendicke berlinisch 185; langsam arbeiten Bauer-Collitz Waldeck 106b; Fromme Hohenbostel 86 Alpers; nicht vorwärts kommen Flemes Kalenberg in: Hann. geschichtsbl. 20, 371; wo tuntelst du so lange? warum machst du nicht fort? brem.-ns. wb. 5, 132. nur auf das verhalten bezogen 'zögern', 'zaudern': schon bei Stieler (1691) morari, plumbeum esse, torpere, ... cunctari,

[Bd. 22, Sp. 1814]


tardare, diem ex die expectare a. a. o. 2255; zögern Krüger Emden 70; Böning Oldenburg 119; Schambach Göttingen 236; Hennig 281; Frischbier 2, 416; zaudern, zögern Stürenburg ostfries. 291; zaudern, ehe man auf den weg kommt; andere auf sich warten lassen Dähnert plattdt. wb. 498. schlieszlich auch die ursache des verhaltens anklingen lassend: sachte und behende thun, sich zieren Schrader dt.-frz. (1781) 2, 1393; langsam und behende tun, delicate et cum mora agere Richey Hamburg (1755) 317.
3) zusammensetzungen mit vorsilben, die sich an die abgeleiteten bedeutungen unter 2 anschlieszen: betünteln: eene betüntelte deern ein mädgen, das gern zart und vornehm thun will, une precieuse affectée Richey a. a. o.; Schütze Holst. 4, 289; betünteld verwickelt, verwirrt, verlegen Stürenburg ostfries. 291; betunteln sich heimlich verloben Frischbier 2, 416. vertünteln: sie hat sich vertuntelt heimlich versprochen Hennig 281; sik im slaap vertünteln nicht munter werden können; sik mit en deeren vertünteln sich mit einer dirne aufs heirathen einlassen Schütze Holst. 4, 289; durch nachlässigkeit vergessen, verlieren oder verzögern Mensing 5, 444; he fertünteld sin geld un tid Doornkaat-Koolman 3, 447.
4) mit tändeln vermischt: tüntele tändeln, verzärteln Hönig Köln 183; tünteln, tönteln tändeln Waldbrühl rhingscher klaaf 214; vgl. tentelen bei Stieler (1691) 2255 (s. o.).

 

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