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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tünchtopf bis tungsteinmetall (Bd. 22, Sp. 1788 bis 1790)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -topf, m., s. u. DWB tünchkübel.
 
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tünchung, f., nomen actionis zu 1tünchen (s. dort); ahd. tunichunga (10. jh.) ahd. gl. 1, 644 St.-S.; tunichunia (11./12. jh.) ebda; dunchunga (11. jh.) ebda 3, 279; mhd. tunechunga, tunechunge (12. jh.) ebda 3, 245; tunichunge (13./14. jh.) ebda 1, 644; mit synkope des i: tunchunga (12. jh.) ebda; tunchunge (14. jh.) ebda; dunchunge (12. jh.) ebda 3, 279. frühnhd. tünchung Güntzel (1648) s. u. DWB A 1; vereinzelt noch mit anl. lenis: dünchung Dasypodius (1547) s. u. DWB A 1; mnd. donnekinge Schiller-Lübben 1, 542a.
A. als bautechnischer ausdruck.
1) 'abputz, bewurf, bestreichung' (zu tünchen A 1 bzw. 2); in ahd. u. mhd. zeit allgemein als wiedergabe von lat. litura: litura dunchunga (11. jh.) ahd. gl. 3, 279, 4 St.-S.; litura, littura ... tunchunge gloss. (13./14. jh. obd. mit nd. ankl.) bei Diefenbach gl. 334a; dann in verschiedener glossierung bezeugt: dünchung trullisatio Dasypodius (1547) C 3a; die tnchung, vberziehung desz gemurs smaltamento di muro, incalcinamento, sbiancheggiamento, il lauoro di stucco Güntzel haubtschlüss. (1648) 792; die weisse tünchung, weisz anstreichung imbianchatura, sbancheggiamento [!] ebda 853; tnchung intonicamento, imbiancamento Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1162b; tünchung chemise, finishing-coat, arenatum opus, arenatio Müller-Mothes archäol. wb. (1877) 945.
2) 'putzschicht, tünche': (ubi est) litura (quam linistis? Ezech. 13, 12) tunichunga (10. jh.), tunchunga (12. jh.), in späteren handschr. dafür: tunicha, tuniche (12. jh.), tunche (13. jh.) ahd. gl. 1, 644; dann nur noch vereinzelt bezeugt: tnchung ... tnchwerck imbiancatura, intonicatore, intonico Kramer dict. (1678) 1063; tünchung 'letzte schicht des dreitheiligen putzes' Mothes ill. baulex. 4 (1884) 379; gelegentlich auch für den als malgrund dienenden kalkbewurf (vgl. DWB tünche A 2 b): die bemalte tünchung der mauern Winckelmann w. (1839) 1, 275 Meyer.
B. metaphorisch; im sinne von 'färbung' (zu tünchen B 3):

stets nährt das meer (wer löschet je sein flutgewog?)
viel silbergleichen purpurs neu aufschäumenden
glanz unerschöpft, die tünchung reicher teppiche
W. v. Humboldt ges. w. 3 (1843) 65.


 
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tünchwerk, n.
A. technischer ausdruck (vgl. tüncherwerk).
1) putz, anstrich: marmoratum ein abstrich oder tünchwerck von märmelstein Faber thes. (1587) 484a; tectorium, κονία, κονίαμα, pavimentum, parietis atque incrustatio ex calce et arena ein tünchwerck, damit man eine wand auszfüllet albarium ders., thes. (1655) 1367b; weil sie (wasserleitungen) nemlich rund ausgehölet und mit einem gantz glatten tnchwerck berzogen waren J. Chr. Sturm kurtzer begriff d. physic (1713) 244; rehhaare ... werden ... dem kalkmörtel für tünchwerke beigemischt Mothes ill. baulex. 4 (1884) 29; aufreisser ... werkzeug der maurer zum aufreissen frischer lehmwände und decken, damit das tünchwerk leichter haftet Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 1, 549.
2) wandmalerei, bzw. stuckarbeit: neque id opere tectorio exornari, nec hermas eos quos vocant licebat imponi man drffte das grab weder mit einem tnchwerck schmcken, noch bilder drauff stellen Faber thes. (1587) 381a; ein wolgemachtes tnchwerg sbiancheggimento ben fatto (tectorium concinnum) Güntzel haubtschlüss. (1648) 792; tnchwerck tectorium, opus tectorium Steinbach wb. (1734) 2, 978.

[Bd. 22, Sp. 1789]



B. metaphorisch, im sinne von 'beschönigende hülle, maske':

... weiblein hören seine (des superintendenten) reden gern,
die ...
gefällig wie sein bückling, leer an kraft
wie er, und tünchwerk seiner schalkheit sind
Stolberg ges. w. 3 (1821) 35.


 
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tün(c)kel, m., zea, s. u. dünkel teil 2, 1539 u. dinkel ebda 1178.
 
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tundra, f., moosbedeckte sumpfsteppe nördlicher zonen, über russ. tundra aus finn. tuntur(i) entlehnt (s. Seiler d. entw. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnw. 4 [1912] 349 u. Weigand-Hirt 2, 1087), das auch in die nord. sprachen (norw.-schwed. tundra), sowie ins engl. (tundra, erstbeleg 1841, s. Murray 10, 1, 465) gedrungen ist; im dt. seit dem 19. jh. nachweisbar: auf den tundren des hohen nordens in Amerika Peschel völkerkde (1874) 452; nach meiner überzeugung hat es während der glacialperiode bzw. im unmittelbaren anschlusz an dieselbe einerseits arktische steppen oder tundren, andrerseits subarktische steppen oder doch steppenähnliche districte mit subarktischem klima in Mittel-Europa gegeben Nehring tundren u. steppen (1890) 3; ihr (der schallente) sommerliches brutgebiet, die sumpfwiesen der sibirischen tundren, verläszt sie im herbst Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 360.
 
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tünen, vb., '(ein-)zäunen, flechten; lügen, flunkern', s. u. DWB zäunen teil 15, 415, sowie bei Sass d. spr. d. nd. zimmermanns (1927) 80; zusammenhang der übertragenen bedeutung mit tönen 'schwatzen' (s. teil 11, 1, 1, 765) ist wenig wahrscheinlich (vgl. das nebeneinander ähnlicher bedeutungen bei spinnen und s. J. Trier über den zusammenhang der wörter des sprechens mit wörtern der hegung und des zauns, PBB. 66, 234); nur aus dem nd. sprachgebiet bezeugt, s. Mensing schlesw.-holst. 5, 204; Böning plattdt. (oldenb.) 119; Schambach Göttingen 236 und Frederking Hahlen (b. Minden) 147; vereinzelt auch literarisch im sprachgebrauch norddeutscher schriftsteller nachweisbar: die frau rief aus der stube: du tühnst, Jasper Frenssen Jörn Uhl (1902) 136 (ebda 456 auch: da hat er die geschichte erfunden. so'n tühnkram); in Grabbes humor verbinden sich ... die stammhafte freude ... am spinnen und 'tünen' und der grimm des leidend einsamen Fr. Martini Grabbes nd. drama in: germ.-rom. monatsschr. 30 (1942) 166.
 
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tunfisch, m., thunnus, s. teil 11, 1, 1, 456 s. v. thunfisch.
 
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tüngel, m., vereinzelt als pflanzenname bezeugt: der tüngel ... im gemeinen leben einiger gegenden, besonders Nieder-Deutschlandes, ein nahme einer doppelten art unkrautes, welches theils unter der gerste, theils aber auch in den hecken und an den wegen wächset; galium aparine und valantia aparine Linn. Adelung 4 (1780) 1104; tüngel (klebekraut) gaillet accrochant, (kreuzkraut) croisette Mozin wb. 4 (1856) 876c.
 
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tungstein, m., tophus, formvariante von tupfstein, s. dort sowie teil 2, 1497 s. v. duckstein.
 
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tungstein, m. , vereinzelt auch tunkstein allg. dt. bibl. (1771ff.) anh. z. bd. 53-86, 1514 u. tungstēn, s. u.; wie engl. tungsten (erstbeleg 1770, s. Murray 10, 1, 467) aus norw.-dän.-schwed. tungsten 'schwerstein' entlehnt, das durch dt. vermittlung auch ins frz. gedrungen ist (tungstène, 1783, s. Bloch-v. Wartburg [1950] 625 u. P. Lévy la langue allemande en France 1 [1950] 194); im dt. seit dem 18. jh. häufig als mineralbezeichnung belegt.
1) 'der weisze wolfram, calcareus ponderosus, metallum ponderosum' (Campe 4 [1810] 911): der tungstein ... und der apatit erscheinen unter den kalkerden allg. dt. bibl. 105 (1791) 159 (s. auch ebda 110 [1792] 166); (ich bin nur) im stand, dir mit einem stücke tungstein zu dienen, das ich diesen sommer aus Carlsbad mitgebracht habe, und das deszhalb interessant ist, weil das mineral

[Bd. 22, Sp. 1790]


mit einem quarzkrystall verwachsen ist (15. 3. 1796) Göthe IV 11, 48 W. (s. auch ebda 20, 61); Scheel untersuchte ... den ... tungstein Zappe miner. hand-lex. (1817) 1, 213; tungstein oder schwerstein, ein stein, welcher seines grossen specifischen gewichtes wegen also benannt wird Oken allg. nat.-gesch. (1839) 1, 121 (s. auch ebda 282); tungstein, zum Scheelgeschlechte der erze und metalle gehörend (auch schwerstein genannt), ist meist milchweisz oder gelblich-weisz, durchscheinend, fettglänzend, im bruche fast muschelig, ungeformt oder krystallisirt Behlen forst- u. jagdkde (1840) 7, 448; tungstein ... Scheelerz Mothes ill. baulex. 4 (1877) 281; scheelit, schwerstein, tungstein, ein tetragonales ... mineral, grau, gelb, braun oder rot gefärbt, fettglänzend ...; chemisch ... wolframsaurer kalk, CaWO4 Brockhaus 16 (1933) 555; vereinzelt im plural, einzelne gesteinsstücke bezeichnend: Voigt, ein getreuer mitarbeiter auch im mineralogischen felde, kam von Karlsbad zurück und brachte sehr schöne tungsteine, theils in gröszeren massen, theils deutlich krystallisiert (1794) Göthe I 35, 32 W.
2) als terminus der radiotechnik findet sich tungstēn für wolfram, s. Brockhaus 19 (1934) 174 sowie s. v. tungsteinmetall u. vgl. engl. tungsten (2) 'a heavy, steel-grey, ductile, very infusible metal, contained in the above mentioned mineral and in wolfram' Murray 10, 1, 467.
 
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tungsteinmetall, n., 'wolfram' (zu 2tungstein), so bei Liebig handb. d. chemie (1843) 441 u. Mothes ill. baulex. 4 (1884) 488.

 

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