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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tünchsand bis tüngel (Bd. 22, Sp. 1787 bis 1789)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -sand, m., sand zur herstellung von mörtel als tünchmaterial; nur vereinzelt bezeugt: 3 vecturae harenae vulgo thyncz zanth (1539) qu. z. gesch. d. st. Kronstadt 2, 641; man nimmt, auszer weiszkalk und ... sand, tünchsand, häufig noch gips zu dem dabei gebrauchten mörtel Mothes ill. baul. (1881) 4, 379; tünchsand, scheuersand ... very fine sand, sablon ... très ... menu Hoyer-Kreuter technolog. wb. (1902) 1, 782; s. auch Albrecht Leipzig 23. —
 
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-scheibe, f. 1) 'ein bret mit einem griffe, den kalk zum verschmieren vor dem tünchen darauf in der linken hand zu halten' (Adelung 4 [1780] 1103): aufziehbret ... auch ... tünchscheibe gen., ... bret ..., worauf der maurer den kalk bringt, um ihn von da an die wand zu tragen Mothes ill. baulex. (1881) 1, 189; zwischen diesen (abständen) wird der putzmörtel mit der kelle von der tünchscheibe angetragen Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 6, 892. 2) 'ein bret mit einem griffe zum beschmieren und glattstreichen der übertünchten wände'

[Bd. 22, Sp. 1788]


(Poppe technol. lex. 5 [1820] 350): tünchen ... überreiben des putzes mit ganz feinem putzmörtel, tünche, mittels dünnscheibe, richtiger tünchscheibe und filzstöckchen Mothes ill. baulex. 4 (1877) 281. —
 
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-schicht, f., putzschicht: wandmalereien, die am südgiebel des rathssaales unter dicken tünchschichten neuerdings wieder aufgetaucht und leidlich wieder hergestellt sind tägl. rundschau (1899) unterhaltungsbeil. 751c; tünchschicht ... finishingcoat, chemise Hoyer-Kreuter technolog. wb. (1902) 1, 782. —
 
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-topf, m., s. u. DWB tünchkübel.
 
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tünchung, f., nomen actionis zu 1tünchen (s. dort); ahd. tunichunga (10. jh.) ahd. gl. 1, 644 St.-S.; tunichunia (11./12. jh.) ebda; dunchunga (11. jh.) ebda 3, 279; mhd. tunechunga, tunechunge (12. jh.) ebda 3, 245; tunichunge (13./14. jh.) ebda 1, 644; mit synkope des i: tunchunga (12. jh.) ebda; tunchunge (14. jh.) ebda; dunchunge (12. jh.) ebda 3, 279. frühnhd. tünchung Güntzel (1648) s. u. DWB A 1; vereinzelt noch mit anl. lenis: dünchung Dasypodius (1547) s. u. DWB A 1; mnd. donnekinge Schiller-Lübben 1, 542a.
A. als bautechnischer ausdruck.
1) 'abputz, bewurf, bestreichung' (zu tünchen A 1 bzw. 2); in ahd. u. mhd. zeit allgemein als wiedergabe von lat. litura: litura dunchunga (11. jh.) ahd. gl. 3, 279, 4 St.-S.; litura, littura ... tunchunge gloss. (13./14. jh. obd. mit nd. ankl.) bei Diefenbach gl. 334a; dann in verschiedener glossierung bezeugt: dünchung trullisatio Dasypodius (1547) C 3a; die tnchung, vberziehung desz gemurs smaltamento di muro, incalcinamento, sbiancheggiamento, il lauoro di stucco Güntzel haubtschlüss. (1648) 792; die weisse tünchung, weisz anstreichung imbianchatura, sbancheggiamento [!] ebda 853; tnchung intonicamento, imbiancamento Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1162b; tünchung chemise, finishing-coat, arenatum opus, arenatio Müller-Mothes archäol. wb. (1877) 945.
2) 'putzschicht, tünche': (ubi est) litura (quam linistis? Ezech. 13, 12) tunichunga (10. jh.), tunchunga (12. jh.), in späteren handschr. dafür: tunicha, tuniche (12. jh.), tunche (13. jh.) ahd. gl. 1, 644; dann nur noch vereinzelt bezeugt: tnchung ... tnchwerck imbiancatura, intonicatore, intonico Kramer dict. (1678) 1063; tünchung 'letzte schicht des dreitheiligen putzes' Mothes ill. baulex. 4 (1884) 379; gelegentlich auch für den als malgrund dienenden kalkbewurf (vgl. DWB tünche A 2 b): die bemalte tünchung der mauern Winckelmann w. (1839) 1, 275 Meyer.
B. metaphorisch; im sinne von 'färbung' (zu tünchen B 3):

stets nährt das meer (wer löschet je sein flutgewog?)
viel silbergleichen purpurs neu aufschäumenden
glanz unerschöpft, die tünchung reicher teppiche
W. v. Humboldt ges. w. 3 (1843) 65.


 
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tünchwerk, n.
A. technischer ausdruck (vgl. tüncherwerk).
1) putz, anstrich: marmoratum ein abstrich oder tünchwerck von märmelstein Faber thes. (1587) 484a; tectorium, κονία, κονίαμα, pavimentum, parietis atque incrustatio ex calce et arena ein tünchwerck, damit man eine wand auszfüllet albarium ders., thes. (1655) 1367b; weil sie (wasserleitungen) nemlich rund ausgehölet und mit einem gantz glatten tnchwerck berzogen waren J. Chr. Sturm kurtzer begriff d. physic (1713) 244; rehhaare ... werden ... dem kalkmörtel für tünchwerke beigemischt Mothes ill. baulex. 4 (1884) 29; aufreisser ... werkzeug der maurer zum aufreissen frischer lehmwände und decken, damit das tünchwerk leichter haftet Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 1, 549.
2) wandmalerei, bzw. stuckarbeit: neque id opere tectorio exornari, nec hermas eos quos vocant licebat imponi man drffte das grab weder mit einem tnchwerck schmcken, noch bilder drauff stellen Faber thes. (1587) 381a; ein wolgemachtes tnchwerg sbiancheggimento ben fatto (tectorium concinnum) Güntzel haubtschlüss. (1648) 792; tnchwerck tectorium, opus tectorium Steinbach wb. (1734) 2, 978.

[Bd. 22, Sp. 1789]



B. metaphorisch, im sinne von 'beschönigende hülle, maske':

... weiblein hören seine (des superintendenten) reden gern,
die ...
gefällig wie sein bückling, leer an kraft
wie er, und tünchwerk seiner schalkheit sind
Stolberg ges. w. 3 (1821) 35.


 
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tün(c)kel, m., zea, s. u. dünkel teil 2, 1539 u. dinkel ebda 1178.
 
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tundra, f., moosbedeckte sumpfsteppe nördlicher zonen, über russ. tundra aus finn. tuntur(i) entlehnt (s. Seiler d. entw. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnw. 4 [1912] 349 u. Weigand-Hirt 2, 1087), das auch in die nord. sprachen (norw.-schwed. tundra), sowie ins engl. (tundra, erstbeleg 1841, s. Murray 10, 1, 465) gedrungen ist; im dt. seit dem 19. jh. nachweisbar: auf den tundren des hohen nordens in Amerika Peschel völkerkde (1874) 452; nach meiner überzeugung hat es während der glacialperiode bzw. im unmittelbaren anschlusz an dieselbe einerseits arktische steppen oder tundren, andrerseits subarktische steppen oder doch steppenähnliche districte mit subarktischem klima in Mittel-Europa gegeben Nehring tundren u. steppen (1890) 3; ihr (der schallente) sommerliches brutgebiet, die sumpfwiesen der sibirischen tundren, verläszt sie im herbst Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 360.
 
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tünen, vb., '(ein-)zäunen, flechten; lügen, flunkern', s. u. DWB zäunen teil 15, 415, sowie bei Sass d. spr. d. nd. zimmermanns (1927) 80; zusammenhang der übertragenen bedeutung mit tönen 'schwatzen' (s. teil 11, 1, 1, 765) ist wenig wahrscheinlich (vgl. das nebeneinander ähnlicher bedeutungen bei spinnen und s. J. Trier über den zusammenhang der wörter des sprechens mit wörtern der hegung und des zauns, PBB. 66, 234); nur aus dem nd. sprachgebiet bezeugt, s. Mensing schlesw.-holst. 5, 204; Böning plattdt. (oldenb.) 119; Schambach Göttingen 236 und Frederking Hahlen (b. Minden) 147; vereinzelt auch literarisch im sprachgebrauch norddeutscher schriftsteller nachweisbar: die frau rief aus der stube: du tühnst, Jasper Frenssen Jörn Uhl (1902) 136 (ebda 456 auch: da hat er die geschichte erfunden. so'n tühnkram); in Grabbes humor verbinden sich ... die stammhafte freude ... am spinnen und 'tünen' und der grimm des leidend einsamen Fr. Martini Grabbes nd. drama in: germ.-rom. monatsschr. 30 (1942) 166.
 
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tunfisch, m., thunnus, s. teil 11, 1, 1, 456 s. v. thunfisch.
 
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tüngel, m., vereinzelt als pflanzenname bezeugt: der tüngel ... im gemeinen leben einiger gegenden, besonders Nieder-Deutschlandes, ein nahme einer doppelten art unkrautes, welches theils unter der gerste, theils aber auch in den hecken und an den wegen wächset; galium aparine und valantia aparine Linn. Adelung 4 (1780) 1104; tüngel (klebekraut) gaillet accrochant, (kreuzkraut) croisette Mozin wb. 4 (1856) 876c.

 

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