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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tünchkalk bis tün(c)kel (Bd. 22, Sp. 1787 bis 1789)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -kalk, m., kalk zum tünchen (vgl. weiszkalk teil 14, 1, 1217): und thon und tnch-kalck von den mauren essen Th. Gage, neue merckwürdige reise-beschr. (1693) 223; mit tnchkalck bewerffen opere tinctorio aliquid exornare Steinbach wb. (1734) 1, 822; tünchen ... eine wand mit ... tünchkalk anstreichen Mothes ill. baulex. (1881) 4, 379; man nimmt auszer weiszkalk und ... tünchsand häufig noch gips zu dem dabei gebrauchten mörtel (tünchkalk) ebda 4, 379. —
 
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-kelle, f., maurerkelle zum tünchen (vgl.tüncherkelle): trulla instrumentum est fabrorum cœmentariorum eine tünchkellen oder maurkellen Faber thes. (1587) 888a; tünchkelle a plaisterer's trowel Ludwig teutsch-engl. (1716) 2040. —
 
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-kübel, m., 'ein kübel, worin sich die tünche zum tünchen befindet' (Campe 4 [1810] 911): tnchkbel, tnch-hafen, tnch-topf mastello, vaso, albio da imbiancare Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1162b; tnchkbel anger Schrader dt.-frz. 2 (1784) 1392. —
 
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-pinsel, m., lexikalisch seit dem 16. jh. bezeugt (vgl. tüncherpinsel): penicillus tectorius tnchpensel Frischlin nomencl. (1586) 190b; tnchpensel oder weiszpinsel peniculus tectorius vel dealbatorius Duez dict. (1664) 2, 530; tnch-pensel pennellone grande e grosso da imbiancare Kramer teutschital. 2 (1702) 1162b; der tünchpinsel ... der grosze pinsel der tüncher, vermittelst dessen sie die wände und decken etc. anstreichen Campe 4 (1810) 911. —
 
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-sand, m., sand zur herstellung von mörtel als tünchmaterial; nur vereinzelt bezeugt: 3 vecturae harenae vulgo thyncz zanth (1539) qu. z. gesch. d. st. Kronstadt 2, 641; man nimmt, auszer weiszkalk und ... sand, tünchsand, häufig noch gips zu dem dabei gebrauchten mörtel Mothes ill. baul. (1881) 4, 379; tünchsand, scheuersand ... very fine sand, sablon ... très ... menu Hoyer-Kreuter technolog. wb. (1902) 1, 782; s. auch Albrecht Leipzig 23. —
 
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-scheibe, f. 1) 'ein bret mit einem griffe, den kalk zum verschmieren vor dem tünchen darauf in der linken hand zu halten' (Adelung 4 [1780] 1103): aufziehbret ... auch ... tünchscheibe gen., ... bret ..., worauf der maurer den kalk bringt, um ihn von da an die wand zu tragen Mothes ill. baulex. (1881) 1, 189; zwischen diesen (abständen) wird der putzmörtel mit der kelle von der tünchscheibe angetragen Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 6, 892. 2) 'ein bret mit einem griffe zum beschmieren und glattstreichen der übertünchten wände'

[Bd. 22, Sp. 1788]


(Poppe technol. lex. 5 [1820] 350): tünchen ... überreiben des putzes mit ganz feinem putzmörtel, tünche, mittels dünnscheibe, richtiger tünchscheibe und filzstöckchen Mothes ill. baulex. 4 (1877) 281. —
 
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-schicht, f., putzschicht: wandmalereien, die am südgiebel des rathssaales unter dicken tünchschichten neuerdings wieder aufgetaucht und leidlich wieder hergestellt sind tägl. rundschau (1899) unterhaltungsbeil. 751c; tünchschicht ... finishingcoat, chemise Hoyer-Kreuter technolog. wb. (1902) 1, 782. —
 
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-topf, m., s. u. DWB tünchkübel.
 
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tünchung, f., nomen actionis zu 1tünchen (s. dort); ahd. tunichunga (10. jh.) ahd. gl. 1, 644 St.-S.; tunichunia (11./12. jh.) ebda; dunchunga (11. jh.) ebda 3, 279; mhd. tunechunga, tunechunge (12. jh.) ebda 3, 245; tunichunge (13./14. jh.) ebda 1, 644; mit synkope des i: tunchunga (12. jh.) ebda; tunchunge (14. jh.) ebda; dunchunge (12. jh.) ebda 3, 279. frühnhd. tünchung Güntzel (1648) s. u. DWB A 1; vereinzelt noch mit anl. lenis: dünchung Dasypodius (1547) s. u. DWB A 1; mnd. donnekinge Schiller-Lübben 1, 542a.
A. als bautechnischer ausdruck.
1) 'abputz, bewurf, bestreichung' (zu tünchen A 1 bzw. 2); in ahd. u. mhd. zeit allgemein als wiedergabe von lat. litura: litura dunchunga (11. jh.) ahd. gl. 3, 279, 4 St.-S.; litura, littura ... tunchunge gloss. (13./14. jh. obd. mit nd. ankl.) bei Diefenbach gl. 334a; dann in verschiedener glossierung bezeugt: dünchung trullisatio Dasypodius (1547) C 3a; die tnchung, vberziehung desz gemurs smaltamento di muro, incalcinamento, sbiancheggiamento, il lauoro di stucco Güntzel haubtschlüss. (1648) 792; die weisse tünchung, weisz anstreichung imbianchatura, sbancheggiamento [!] ebda 853; tnchung intonicamento, imbiancamento Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1162b; tünchung chemise, finishing-coat, arenatum opus, arenatio Müller-Mothes archäol. wb. (1877) 945.
2) 'putzschicht, tünche': (ubi est) litura (quam linistis? Ezech. 13, 12) tunichunga (10. jh.), tunchunga (12. jh.), in späteren handschr. dafür: tunicha, tuniche (12. jh.), tunche (13. jh.) ahd. gl. 1, 644; dann nur noch vereinzelt bezeugt: tnchung ... tnchwerck imbiancatura, intonicatore, intonico Kramer dict. (1678) 1063; tünchung 'letzte schicht des dreitheiligen putzes' Mothes ill. baulex. 4 (1884) 379; gelegentlich auch für den als malgrund dienenden kalkbewurf (vgl. DWB tünche A 2 b): die bemalte tünchung der mauern Winckelmann w. (1839) 1, 275 Meyer.
B. metaphorisch; im sinne von 'färbung' (zu tünchen B 3):

stets nährt das meer (wer löschet je sein flutgewog?)
viel silbergleichen purpurs neu aufschäumenden
glanz unerschöpft, die tünchung reicher teppiche
W. v. Humboldt ges. w. 3 (1843) 65.


 
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tünchwerk, n.
A. technischer ausdruck (vgl. tüncherwerk).
1) putz, anstrich: marmoratum ein abstrich oder tünchwerck von märmelstein Faber thes. (1587) 484a; tectorium, κονία, κονίαμα, pavimentum, parietis atque incrustatio ex calce et arena ein tünchwerck, damit man eine wand auszfüllet albarium ders., thes. (1655) 1367b; weil sie (wasserleitungen) nemlich rund ausgehölet und mit einem gantz glatten tnchwerck berzogen waren J. Chr. Sturm kurtzer begriff d. physic (1713) 244; rehhaare ... werden ... dem kalkmörtel für tünchwerke beigemischt Mothes ill. baulex. 4 (1884) 29; aufreisser ... werkzeug der maurer zum aufreissen frischer lehmwände und decken, damit das tünchwerk leichter haftet Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 1, 549.
2) wandmalerei, bzw. stuckarbeit: neque id opere tectorio exornari, nec hermas eos quos vocant licebat imponi man drffte das grab weder mit einem tnchwerck schmcken, noch bilder drauff stellen Faber thes. (1587) 381a; ein wolgemachtes tnchwerg sbiancheggimento ben fatto (tectorium concinnum) Güntzel haubtschlüss. (1648) 792; tnchwerck tectorium, opus tectorium Steinbach wb. (1734) 2, 978.

[Bd. 22, Sp. 1789]



B. metaphorisch, im sinne von 'beschönigende hülle, maske':

... weiblein hören seine (des superintendenten) reden gern,
die ...
gefällig wie sein bückling, leer an kraft
wie er, und tünchwerk seiner schalkheit sind
Stolberg ges. w. 3 (1821) 35.


 
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tün(c)kel, m., zea, s. u. dünkel teil 2, 1539 u. dinkel ebda 1178.

 

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