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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tümnitz bis tümpelig (Bd. 22, Sp. 1755 bis 1762)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tümnitz, f., gefängnis, s. u. timnitz teil 11, 1, 1, 501 u. tümmerze.
 
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tump, tumpf, m., wasserloch, lache, pfuhl, s. u. tümpel.
 
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tümpel, m. herkunft und form:
ahd. tumphilo (9. jh.) ahd. gl. 1, 55 St.-S. (aus dem ahd. entlehnt scheinen aprov. tomplina, prov. toumple und ital. tonfano, s. Mackel d. germ. elemente i. d. frz. u. prov. spr., frz. stud. 6 [1888] 23, 158, 181; Meyer-Lübke roman. etym. wb. [21935] 8980 [wonach aus dem langobard.], sowie Zaccaria elemento germ. nella ling. ital. [1901] 514 u. Bertoni l'elemento germ. nella ling. ital. [1914] 209); seit dem mhd. bzw. frühen nhd. in mehreren formvarianten (mit früher apokope des -e und übertritt in die starke deklination, s. Wilmanns dt. gr. 3, 2 [1909] 378; schwach flektierte formen finden sich vereinzelt noch im 12. jh. [s. unter b], gelegentlich auch in moderner mundart [s. unter B 1]).
a) tümpfel mhd. wb. 3, 130; Lexer 4, 1567. in dieser form literarisch bis ins 19. jh. nachweisbar: H. Sachs s. u. DWB A 1 a; Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 1, 264; Ch. Fr. Schulz (1795) s. u. DWB A 2 a; Naumann (1822) s. u. DWB A 2 b; Rückert ges. poet. w. 8 (1882) 457. mit verschobenem labial noch mundartlich im fränk., henneb., thür., vogtl., egerländ., wien., bair., schwäb., elsäss., tirol., kärnt. u. steir. (s. u.).
b) formen mit unverschobenem p (s. Paul dt. gr. 1, 269 u. V. Moser frühnhd. gr. 1, 3 [1951] 127); zuerst md. bezeugt, von da in die schriftsprache gedrungen (s. Kluge-Götze [151951] 813): dumpele als mittelrhein. grenzname (1169) bei J. Kehrein slg. alt- u. mitteldt. wörter aus lat. urk. (1863) 42; literar.: tmpel Luther 34, 2, 396, 10 W. (neben dumpffel 2, 64 W.); G. Forberger wahrhafftige beschreibungen (1570) 38; G. Klee berümter ... leute leben (1589) 1, 379. lexikalisch zuerst in einem lat.-dt. voc. aus Nordwestböhmen, Lausitz, Mähren nachweisbar: lacuna tumpil (1420) 21 Schröer, sowie bei Er. Alberus, s. u.c γ; danach erst seit dem 18. jh. gebucht (tmpel Steinbach wb. [1734] 1, 305 u. 2, 881; Hederich dt.-lat. lex. [1777] 1, 864), noch bei Adelung 4 (1801) 721 daneben tümpfel. — erst im 19. jh. ist tümpel allgemein schriftsprachlich durchgedrungen, nun auch von obd. autoren gebraucht (K. Stieler,

[Bd. 22, Sp. 1756]


s. u. DWB A 2 a; Rosegger, s. u. DWB A 1 a; G. Keller ges. w. [1889] 10, 197; 4, 108).
c) gelegentlich auftretende formbesonderheiten.
α) umlautlosigkeit des stammvokals (s. Wilmanns dt. gr. 1, 263 [§ 204]; Lessiak anz. f. dt. altert. 32, 126), besonders in einzelnen ostmd. u. obd. quellen (s. auch die im mhd. wb. und bei Lexer a. a. o. angeführten spätmhd. bzw. frühnhd. formen ohne umlaut): dumpele (1169) s. u.b; tumpil (1420) s. u.b; tumphel mlat.-hd.-böhm. wb. (1470) 238 Diefenbach; tumpel Mathesius Sarepta (1578) 99b (daneben tmpel Syrach [1586] 122a); tumphl österr. weist. 8, 582; dumpffel Castelli dizz. (1709) 1228. — in heutiger mundart nur vereinzelt (s. u.).
β) entrundung des ü (hierzu vielleicht schon timmel Oswald v. Wolkenstein 200 [85, 25 ] Schatz, s. auch Lexer 2, 1439 u. Schatz gl. 102a): timpfel österr. weist. 1, 85 anm.; Musäus märchen (1826) 5, 131; timpel Fr. Seidel türck. gefängn. (1629) B 1b; Döbel jägerpract. (1754) 4, 99a, anh. 74. auch in heutiger mundart besonders md. u. südostdt. bezeugt (s. u.).
γ) anlautende lenis (s. auch unter dümpfel teil 2, 1525): dumpele (1169) s. u.b; dũpffel Melber voc. pred. (1482) s. v. gurges; dmpel Er. Alberus dict. (1540) A a 3a; dumpffel Luther 2, 64 W. (neben t: 34, 2, 396); dümpffel Schupp (1663) s. u. DWB C 2; dümpel, dümpfel Kramer teutsch-ital. 1 (1700) 251c; dümpfel Adelung 1 (1793) 1572 (neben tümpfel, tümpel ebda 4 [1801] 721); Reithard (1853) s. u. DWB A 1 a. mundartlich besonders nd. und md. vertreten.
in heutiger mundart über das ganze sprachgebiet verbreitet; im nd. wohl nicht von alters her bodenständig (mnd. nicht bezeugt; noch 1767 heiszt es im brem.-nieders. wb. 1, 271: 'dümpfel oder tümpfel, welches wort bey uns nicht im gebrauch ist', ein befund, der durch die beschränkung des grundwortes tump, tumpf auf das md. und obd. gestützt wird, s. u.); im obd., besonders alem., weitgehend von gumpe, gumpf, gümpel, gümpfel (s. teil 4, 1, 6, 1097) zurückgedrängt: tümpel Mensing schlesw.-holst. 5, 203; dümpel, dömpel (neben nasallosem döpel) ebda 1, 783; tümpel (entlehnt) Frederking Hahlen (b. Minden) 147; dümp'l Kück Lüneburg 1, 390; dümpel Woeste westfäl. 63 (als ortsname); Mi mecklenb. 18; dimpl Teuchert neumärk. 142; tümp'l Danneil altmärk.-plattdt. 229; tümpel Bernd Pos. 325; tümpel, dümpel Ziesemer pr. 2, 128; dümpel, dömpel Frischbier pr. 1, 156; dümpel Hönig Köln 39; dumpel, dympel, dempel rhein. wb. 1, 1561; 4, 1723; dömpel luxemb. ma. 66; Follmann lothr. 95; dümpel Schmitz Eifel 1, 223; tümpel (als ortsname: Dimpelbrunnen) bad. wb. 591; Vilmar hess. 419; dimpel, dempel, tempel Crecelius oberhess. 1, 309; dembəl Hofmann niederhess. 243; tümpel, dimbl Albrecht Leipzig 225; tümpel Müller-Fraureuth obers. 1, 262; Weinhold schl. 101; timpala Knothe schl. ma. i. Nordb. 196; dissim. tirpel (nordböhm.) bei Frommann zs. 2, 239; timpel Schröer beitr. z. dt. ma. d. ungr. bergl. 44. mit verschobenem p: tümpfel (fränk.) ebda; Reinwald henneb. 1, 175 (ebda für Koblenz auch kümpel, s. teil 5, 2613); tümpfel, dèmpfl Hertel thür. 249; tümpfl Neubauer Egerl. ma. 53; dimpf Gerbet Vogtland 183; Loritza Wien 35; dümpfel, dîmpfl bayr. wald, in: Bayerns maa. 1, 80; dümpfel Schmeller-Frommann bair. 1, 512; dümpfel (als ortsname: Dimpfelwiesen) Fischer schwäb. 2, 455; tümpfel Birlinger schwäb.-augsb. 127; tìmpfl Martin-Lienhart elsäss. 2, 686 (vgl. auch schweiz. tmpfi Stalder 1, 326); timpfel, dümpfel, dümmel Schöpf tirol. 94; tümpfl Hintner tirol. 36; Lexer kärnt. 75; Überfelder 71; tümpfel, tümpferl Unger-Khull steir. 182.
daneben lebt in md. u. obd. maa. die suffixlose grundform (s. Kluge-Götze a. a. o.) gleicher oder differenzierter bedeutung: tump Müller-Fraureuth obers. 1, 262; Knothe schl. ma. i. Nordb. 196; Blumer nordwestböhm. 32; domp Follmann lothr. 95; dumpf bad. wb. 591; Fischer schwäb. 2, 455; Schmeller- Frommann bair. 1, 512; Schöpf tirol. 94; tumpf Martin - Lienhart elsäss. 2, 686; Stalder schweiz. 326; Schmid id. Bernense 68; Schild Brienzer

[Bd. 22, Sp. 1757]


ma., in: PBB. 18, 323; s. ferner bei Zinsli grund u. grat (um 1946) 78 (auch als flurname bezeugt); Hintner Deferegger dial. 36; Unger-Khull steir. 182; Überfelder 85; Lexer kärnt. 75. vereinzelt auch als fem.: tumpe Anton oberlaus. 13, 20; dumpfe Fischer a. a. o.; Reiser Allgäu 1, 97 u. 2, 695; und im schweiz. mit diminutivem i als neutr.: tmpfi Stalder a. a. o.; Zinsli a. a. o.; tümpf(f)i Schmid Entlebuch 27; 83; 170; dümpfi Baumgartner Berner Seeland 59; aus älterer zeit nur vereinzelt bezeugt: tumpff Hartlieb dial. mirac. 398, 35 Drescher; S. Roth dict. (1571) J 5b; pl.: die tmpf Paracelsus op. chir. (1566) 668; s. auch teil 2, 1523 s. v. dumpf.
tump und tümpel sind verwandt mit tief (s. dort) und gehen wie dieses (vgl. auch topf 'trichterförmige vertiefung' teil 11, 1, 1, 819) — jedoch nasaliert — auf eine idg. wurzel * dheub- 'tief, hohl' zurück (s. Walde-Pokorny 1, 847; Feist vgl. wb. d. got. spr. [31939] 121; Wilmanns dt. gr. 1 [1911] 145; Wissmann in: zfda. 76 [1939] 7 u. vgl. schlesw.-holst. döpel neben dömpel Mensing 1, 783).
im weiteren germ. stellen sich dazu: engl. dump 'tiefes, mit wasser gefülltes loch', dimple 'wangengrübchen', dän. mundartl. dump 'höhlung, niederung', norw. dump, dumpa 'vertiefung in der erde' (über schwed. timpel s. u. DWB B 3 b γ) und mnd. dumpeln 'untertauchen' (so noch nnd.: schlesw.-holst. dümpeln Mensing 1, 789; ostfries. dumpeln Doornkaat-Koolman 1, 359; rhein. u. mecklenb. dümpeln rhein. wb. 1, 1560 u. Reuter 1 [o. j.] 109 Knaur; hierzu wohl auch hd. dumpeln 'umrühren', s. teil 2, 1522, sowie bei Fischer schwäb. 2, 455 u. Birlinger schwäb.-augsb. 149); ndl. dompeln 'ins wasser tauchen'.
auszerhalb entspricht am nächsten lit. dumburỹs (neben duburỹs) 'einsenkung, vertiefung, grube, mit wasser gefülltes loch', dublas 'schlamm', dubres 'morast, sumpf'. bedeutung und gebrauch:
nach vereinzeltem auftreten im ahd. (s. u. DWB A 1 b) wird tümpel seit spätmhd. und frühnhd. zeit der schriftsprache in der bedeutung 'wasserstelle' geläufig. die ursprünglich damit verknüpfte vorstellung der tiefe (A 1 a) hält sich besonders in einzelnen maa. und mundartlich gefärbter sprache; sie ist in modernem sprachgebrauch im allg. der vorstellung der kleinheit (s. u. DWB A 2 a und B 1) bzw. der unreinheit (s. u. DWB A 2 b) gewichen.
A. tiefe wasserstelle.
1) tiefe stelle eines baches, flusses oder meeres.
a) meist mit der vorstellung des abgründigen: dieselben man furten sy dann so lang um, bis sye kamen in die tewfen tümpfel des wassers, darin teten sy die man ertrenken qu. v. 1465 bei Birlinger schwäb.-augsb. 127; da padet ein pekenkneht pei der Pair mülnerin mül (vor dem austritt der Pegnitz aus Nürnberg, s. bd. 1, 400 anm. 4) in eim tiefen tümpfel und kund nit hinüber geschwimen und er ertrank (1501) städtechron. 11, 638 (Nürnberg);

als er (der auf eine öde insel verschlagene Menelaus)
... seinen angel ein thet sencken
ins meerwasser, mit schwern gedencken
in einen tümpffel sam grundtlos
H. Sachs 7, 405 lit. ver.;

(gott,) der du die tewff unnd dumpffel des mers beschlossen ... hast (qui conclusisti abyssum) Luther 2, 64 W.; welcher (strom) nicht allein tieffer tmpel, sondern auch vngleiches vfers und grosser steinwacken halben ... durchzukommen verhinderung hatte Georg Klee berümter ... leute leben (1589) 1, 379; zur Nessa reiten zween gute gesellen mit jhren rossen ins wasser, weil sie nun die gelegenheit nicht gewuszt, sind sie in einen timpel gefallen Friedr. Seidel türck. gefängn. (1629) B 1b; drauf wurden leute mit störstangen ausgeschickt, die alle tiefen und timpfel längs der Tauber untersuchen muszten Musäus volksmärchen d. dt. (1826) 5, 131; ward der todte in einen tiefen dümpfel der Rhone geworfen Reithard gesch. u. sagen a. d. Schweiz (1853) 536; der (wasserfall) springt thurmhoch von einer felsenrinne nieder, macht zwei grosze absätze ... und stürzt

[Bd. 22, Sp. 1758]


sich in einen tümpel Rosegger schr. I 1 (1904) 30; rechts (im watt bei ebbe) hob sich eine grosze, flache schlickbank ... aus den wellen heraus, eine öde fläche, die sich nach norden in tümpeln und prielen verlor M. Hausmann Abel (1932) 238; so auch mundartlich, für das lothr., luxemb., oberhess., schles., egerländ., elsäss., bair., kärnt. und ungr. bergl. bezeugt (s. die entspr. wörterbücher a. a. o. und vgl. pfälz. timmerloch 'tiefe stelle im bach' Autenrieth 140). im bair.-österr. wird tümpel speziell für 'die stelle, wo sich bei Passau der Inn in die Donau ergieszt' (s. Schmeller a. a. o.) gebraucht; so schon frühgleichsam als eigennamebezeugt: von Lauffen gen Passaw in den tümpfel (1426) österr. weist. 1, 89, 34 u. ö.; die, so die regierung unserer schiffung von Lauffen aus niden hin bis gen Passau in dem tmpfel haben qu. v. 1581 bei Lori bair. bergr. (1764) 315; bereits zu 2 überleitend in der besonderen anwendung für eine tiefe (zuweilen künstlich angestaute) stelle im bach als 'fischteich': mon sol auch nicht tumphl auszschephen sonder mit aim vischper oder mit den henten (um 1450) österr. weist. 7, 469, 42; item ... soll ... den pach kainer swellen, tumphl ausschephen noch die gestettn herab hawen (1512) ebda 8, 582, 21 u. ö.; so bald der frost eintritt, sollen in denen bächen die tümpfel ausgefischet werden allg. haushalt.-lex. (1749) 1, g 4b; man geht nehmlich (zum forellenfang) in den bach oder flusz, wo sie in den tiefen timpeln ... zu stehen pflegen Döbel jägerprakt. (1754) 4, 99a; es zeigte sich, dasz Wächter der ... Illritz ... ein eigenes bette abgegraben hatte, in welchem zwei sanddämme das wasser in stiller gestauter ruhe erhielten. in diesem künstlichen tümpel wimmelte es von ... karpfen Gutzkow ges. w. (1872) 2, 201. im schwäb. hat tümpfel geradezu die bedeutung 'wehr, damm' erlangt (vgl. obers. tump 'angestaute stelle' u. elsäss. tumpf 'wehr').
b) mit dem moment der bewegung, 'strudel, wirbel'; so schon vereinzelt ahd. bezeugt: gurges tumphilo (9. jh.) ahd. gl. 1, 55 St.-S.; gurges tumpfel qu. d. 14. jhs., md., bei Diefenbach gl. 271b; sahe (Cyrus das pferd) in einem wirbel oder tmpffel desselben flusz mit dem reutter darauff undergeen G. Alt buch d. cronicken (1493) 7b; dannenhero geschach es unter andern, dasz das schiff ... auf einen tmpffel oder wasserwirbel geriet J. Menhof gesantschaft (1666) 87a; ein gefährlicher dümpel un pericoloso gorgo Kramer teutsch-ital. 1 (1700) 251c; tümpel ein tiefer ort im wasser, strudel, gurges Hederich dt.-lat. lex. (1777) 1, 864; túmpfel oder dúmpfel ein wasserstrudel oder wirbel in einem flusse Braun dt. wb. (1793) 260; so noch vereinzelt in moderner mundart: tempel wasserstrudel Crecelius oberhess. 1, 309.
2) tiefes stehendes gewässer (s. auch u. tümpelchen).
a) kleiner see, teich: lacuna eyn tumpil lat.-dt. voc. v. 1420 (nordböhm.) 21 Schröer; vnnd wardt darnach ... in einen tmpffel oder einer pftschen also versencket, das sein leichnam nindert gefunden wardt G. Alt buch d. cronicken (1493) 119a; dmpel lacus, stagnum Steinbach wb. 1 (1734) 305; man mag halbwege einen timpel haben, so kan man karauschen hinein setzen Döbel jägerpract. (1754) 4, 74; bis an den kleinen see, der ... eigentlich blosz ein tümpel ist Fontane ges. w. I 2 (1905) 141; hier und dort finden sich auf den höhen kleine wasserbecken, 'tümpl' oder 'gümpl' genannt K. Stieler natur- u. lebensbilder a. d. Alpen (1886) 159; so noch für das schlesw.-holst., rhein., thür. und nordböhm. bezeugt (s. die wörterbücher a. a. o.). ironisch: aber wer fährt gern auf dem tümpfel Ostsee? Chr. Fr. Schulz reise eines Livländers (1795) vorr. IV.
b) sumpfiger see, pfuhl, morastige lache: lama tumpffel voc. theut. (Nürnberg 1482) pp 1b; (die bösen geister) kriechen jnn die sumpffe und tmpel, das sie die leute erseuffen Luther 34, 2, 396 W.; bey änderung des wetters kämpffen die hirsche mit dem gehörn, rennen und jagen einander herumb und sühlen sich im prudel oder tümpel Fleming vollk. teutsch. jäger (1719) 94b;

da stank der koth im dimpel
Seume ged. (41815) 228;

[Bd. 22, Sp. 1759]


so ist er (rohrammer) ... in ... wiesen, wo es ... tmpfel giebt ... gemein Naumann vögel (1822) 4, 287; ein dunkler tümpel stehenden wassers, der in der mitte des platzes zwischen hochaufgewehten haufen gelber tannennadeln stockte, spiegelte nichts zurück Immermann w. 2, 142 Hempel;

der tag mit trübem flore
sich auf die tümpel legt,
ein storch am nahen moore
steht still und unbewegt
M. Greif ges. w. 1 (1895) 113;

tümpel ... stehendes gewässer, das zu faulen beginnt Mothes ill. baulex. (1881) 4, 379; auch in Westfalen habe ich noch ausgeblickt nach moosgrünen strohdächern und entengrünen tümpeln unter blühendem holundergesträuch Timm Kröger eine stille welt 109; überall (im urwald) absterbende ... riesenbäume, ... dazwischen metertiefe modermassen, worin der fusz versinkt, und als unterbrechung nur sumpfige tümpel und undurchdringliches gestrüpp R. Gradmann bei Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 30; so noch für das lüneb., altmärk., neumärk., rhein., eifel., hess., schl., wien. und kärnt. gebucht, rhein. auch für ein feuchtes stück land (s. die entspr. wörterbücher a. a. o.).
B. abgeblaszt, in verschiedener einzelanwendung.
1) von flüssigkeitsansammlungen geringerer art: der dümpfel ... 'zuweilen auch ein jedes wasserloch, eine tiefe pfütze' Adelung 1 (1774) 1436; dümpfel ou dümpel 'die pfütze, kothlache' Schwan dict. 1 (1783) 362; so schon früh nachweisbar: wer in den gassen wissentlîchen thumpffel oder grueben hât, dâ von die wegen mugen schaden nemen (um 1387) Würzb. polizeiordn. bei Lexer 2, 1567; ähnlich in moderner mundart für das schlesw.-holst., mecklenb., altmärk., pos., leipzig., henneb. u. kärnt. bezeugt (s. die entspr. wörterbücher a. a. o.); literarisch nur vereinzelt belegt: da er (Diederich) zu plötzlich anhielt, glitt er aus und setzte sich mit wucht in einen tümpel ..., umspritzt von schmutzwasser H. Mann d. untertan (1950) 66; früh auch auf flüssigkeiten anderer art bezogen: da waren grosz tümpffel von zerlasznem metall, das msten si trincken der seelen würtzgarten (1515) G 6b; ich spiste einen bissen an das messer und wolte gerades weges damit in einen gelben butter-timpffel hinein marschiren kleideraffe (1685) 21; er (der junge fuchs) machte einen tümpel Siedel wildtiere unter menschen (1951) 81 u. ö.; in moderner mundart: do gobs kne biertümpeln (bierlachen) ged. u. gesch. i. erzgeb. ma. (1880f.) 18, 40.
2) in anschlusz an 1 vereinzelt geradezu als mengenbegriff: do kriegt mer n orntling tümpfel (schnapsmenge) fer vier pfeng Riedel 9, 101 bei Müller-Fraureuth a. a. o.; tümpel heiszt auch eine sammlung von leuten oder thieren, die auf einem fleck dicht beisammen stehen, 'ein haufen' (Anton oberlaus. [1825] 5, 8, ähnlich bei Danneil a. a. o.): es war ein ganzer tümpel menschen oder pferde da Anton a. a. o.; im niederhess. findet sich tümpel auch im sinne von 'ein groszes gefülltes gefäsz': ən dembəl fol sǫbə 'ein t. voll suppe' Hofmann 243 (vgl. lothr. domp napf, topf Follmann 95).
3) gelegentlich für eine vertiefung schlechthin gebraucht.
a) in allg. sprachgebrauch: flache tümpel und pfannen, die sich ... im märz mit regenwasser füllen müssen qu. a. d. jahre 1927; auch mundartlich in verschiedener anwendung: dumpel 'beule im geld' rhein. wb. a. a. o. (vgl. schweiz. tümppfi, dümpfe 'beule in einem gefäsz' Schmid Entlebuch 27, 83; Baumgartner Berner seel. 59; tmpfi, tumpf 'einbug' Stalder 326; tumpf kleine, durch einen schlag oder stosz entstandene vertiefung; kleine, runde narbengrube Schild Brienzer ma., in: PBB. 18, 323; dumpf, dumpfe 'flache, muldenartige vertiefung, bes. durch beschädigung' Reiser Allgäu 2, 695 und bad. dumpf 'durch druck oder stosz entstandene einbuchtung, beule, vertiefung' bad. wb. 591); tümpfel (alt) 'grübchen im kinne oder backen' Überfelder kärnt. 71 (vgl. schwäb. dumpf, dumpfe 'flache muldenartige vertiefung, grübchen in kinn und wangen' Fischer 2, 455 u. engl. dimple 'wangengrübchen').

[Bd. 22, Sp. 1760]



b) als fachwort im älteren verhüttungswesen (zuerst bei Minerophilus: tümpel ist ein zum hohen ofen gehriges werckstcke bergw.-lex. [1730] 672).
α) 'muldenförmiges becken in der sohle des hochofens' (s. u. tümpelstein [1] und vgl. DWB sumpf teil 10, 4, 1087 [3 a γ]): jeder hohe ofen (hochofen) bestehet demnach aus der gicht (gueulard), dem schacht (fourneau), der rast (l'évasement du creuset) und dem gestelle oder tümpel (creuset). lezterer ist der unterste theil des ofens, unmittelbar über dem bodensteine Hoyer allg. wb. d. artillerie 1, 2 (1805) 235; dem entsprechen die definitionen der übrigen fachwörterbücher: 'tmpel der boden des herds oder tiegels in einem hohenofen, darinnen sich das ausgeschmolzene metall sammlet ... cavum foci ... le creux du foyer' bergmänn. wb. (1778) 564; ähnlich bei Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 541; Karmarsch grundr. d. mech. technol. (1837) 1, 23; Mothes ill. baul. (1881) 4, 379; Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 782.
β) im besonderen bezeichnet tümpel 'denjenigen langen schmalen stein, welcher übers auge, aus welchem bei suluöfen die schlacke in den vorherd flieszt, gelegt wird' (s. u. tümpelstein [2] u. vgl. engl. tymp, timp, timp-stone [< tympan Murray 10, 553 ], dessen einflusz hier wirksam scheint; frz. tympe hingegen ist wohl aus dem dt. entlehnt, s. Meyer-Lübke roman. etym. wb. 2 [1935] 747 und Behrens über dt. sprachgut i. frz. [1924] 83) Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 541; ähnlich: tümpel 'bei dem hochofen mit offener brust jene mauer (theil der brust, des kernschachtes, gestelles), der unmittelbar über dem vorherde steht' Scheuchenstuel id. d. österr. berg- u. hüttenspr. (1856) 246.
γ) als einzelbuchungen finden sich: tümpel 'diejenige aus roheisen, mit einem sandsteine belegte, bestehende platte, welche unter der abstichbrust über den damm eines hohofens [!] gelegt wird' (vgl. engl. tymp-plate Murray a. a. o.) Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 541; um nun die vordere seite des gestelles zuzumachen, legt man ein starkes geschmiedetes stück eisen so auf die beiden untern gestellsteine, dasz es ... gegen den gegenüberstehenden stein der windseite anliegt. dieses stück eisen heiszt der timpel oder tmpel Blumhof eisenhüttenkde. 2 (1817) 664; vgl. auch das aus dem dt. entlehnte schwed. timpel 'järnbalk som upptill begränsar en viss av masugnens öppningar' Hellquist svensk etym. ordb. (31948) 1186.
C. in anschlusz an A findet sich besonders in älterer zeit ein mannigfaltiger metaphorischer gebrauch.
1) im vergleich, wobei tiefe, grundlosigkeit oder unsauberkeit als tertium comparationis dienen: geytikait ... wirt gleichet der hell oder aim tünpffel des wassers Albr. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) B 5a; o hettestu auff meine gebott achtung gehabt, dein frid wr wie ain flieszendes wasser worden, vnd dein gerechtickait wie die dmpffel des mrs Spalatinus klage d. frids (1521) A 3a; also vergleichet er da entgegen falsche lehr, jrthumb und verfrung, menschentandt und satzung, stehenden, stinckenden und unfletigen kolcken, tmpeln und pftzen M. Christophorus Irenaeus wasserspiegel (1566) P 3b; vereinzelt noch in moderner sprache: in seiner grüblerischen, weltscheuen art kam er mir oft vor wie ein regloser tümpel moorigen wassers Auguste Supper holunderduft (1910) 201.
2) bildlich:

seiner eren tumpfel wurd nimmer lere auszgest hist. volksl. 1, 517 Liliencron;

vnd wat aus den siben tümpfelln (der sieben todsünden) tieff,
so tilgest du gantz ab den prieff,
da all dein sünd an geschriben ist fastnachtsp. 1100 Keller;

erstlich soltu dich deszhalb bekümmern, dasz du dich sehend unnd wissend, in disen dümpffel (der liebe) gestürtzet hast Chr. Bruno de institutione christ. foeminae (1566) 36b; wir werden ... in den dümpffel desz elends gleichsam versencket Schupp schr. (1663) 1, 775;

so frasz in dem tümpfel des kriegs der wüthende spiesz des Aradi
Naumann Nimrod bei
Schönaich ästh. i. einer nusz (1754) 356 ndr.;

[Bd. 22, Sp. 1761]


unsre romantischen tümpel Tieck nov. 5 (1823) 118; dasz ihr nöthigenfalls vor seiner (des diskussionspartners) verfolgung könnt fliehen auf die tümpel des leugnens Harms verm. aufs. (1853) 119. redensartlich: die tümpel durchwaten schwierigkeiten überwinden:

wann solt wir alles das offenbern
vnd auch mit worten gantz erclern,
wie, wo vnd wann jm an gang
der judisch glaub nem sein anfang ...
sölten wir die tümpffel all durchwatten
...
eins monats würden wir nit vereint fastnachtsp. 1118 Keller;

ähnlich:

er solle schweigen still,
sich selbst und mich dartzu beileibe nicht verrahten,
wir wrden mssen sonst sehr tieffer dmpffel waten
W. H. v. Hohberg habspurg. Ottobert (1664) S 7b.


3) übertragen; als bezeichnung eines menschen in verschiedener sinnesfärbung: ein tumphel der lebendigen wasser (puteus aquarum viventium, hohes lied 4, 15) qu. v. 1417 bei Schmeller-Frommann 1, 512; meist verächtlich gebraucht (s. auch Lexer 2, 1567): schaw die nackende tümpel, was sie über ir scham gespannen hat! qu. v. 1485 bei Schmeller-Fr. 1, 510; im ostmd. findet sich: trbe tmpel 'ein mensch, der sich verstellt und tückisch ist, homo subdolus' Steinbach wb. (1734) 2, 881; trübe tümpel trüber stiller mensch, nd. dröves drumpel, dreves drumpler Weinhold schl. 101; tumpel langsamer, träumerischer mensch Müller-Fraureuth obers. 1, 262; redensartlich: a isz a rechter trübe tümpel Bomolcke sprüchw. (1734) A 5a; ein timpel war ich doch nich Stehr abendrot (1916) 15; wohl an B 2 anschlieszend im schwäb. dümpfel 'kleiner dicker mann' Fischer 2, 455; ebenso im bair. dumpfel 'dicker mensch' (dort auch 'gefüllter schweinsmagen, blutwurst') Schmeller 1, 512.
 
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tümpelblech, n., fachsprachliche bildung zu tümpel B 3 b: die ... offene seite des gestelles (unterster teil des hochofens) schlieszt man ... von oben herab durch die tümpelsteine ... welche ... durch das tümpelblech ... geschützt sind Muspratt chemie 2 (1889) 1212; ähnlich bereits bei Blumhof eisenhüttenkde (1817) 4, 377. —
 
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-brust, f., 'der gewölbte raum eines hohofens ..., wo das geschmolzene eisen abgestochen wird' (Richter berg- uhüttenlex. [1805] 2, 542; s. DWB tümpel B 3 b und vgl. tümpelgewölbe): abstich- oder tümpelbrust Blumhof eisenhüttenkde 2 (1817) 659.
 
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tümpelchen, n., diminutivbildung zu tümpel A 2 (s. dort u. vgl. tümplein): was etliche ... von zwee kleinen tmpelchen oder teichen auf der flche eines gewissen berges, welche sie augen des Niels nennen ... geschrieben haben; solches ist gantz und gar wunderseltzam O. Dapper Africa (1670) 55a; ein tümpelchen ..., das ... eine tränke für das vieh war Fontane ges. w. I 2 (1905) 463; eine bachstelze eilte mit blitzartiger geschwindigkeit durch die vom nachtregen stehen gebliebenen tümpelchen hin und her D. v. Liliencron s. w. (1896) 6, 89; das wasser sickerte ... planlos dahin, und in den tümpelchen zappelten erbsenrunde tierchen mit langen schweifen Rosegger schr. III 8 (1907) 219; vereinzelt auch zu tümpel B 1: in einem so kleinen tümpelchen blut Keller w. 8 (1889) 278; setzten sie (die jungen füchse) hierhin und dorthin ein tümpelchen Siedel wildtiere unter menschen (1951) 129.
 
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tümpeleisen, n., 'eine vorn im hochofen eingemauerte eisenstange, worauf der tümpelstein liegt': eine starke eiserne stange, das tümpeleisen, wird darauf vorn eingemauert; auf diese ... legt man den tümpelstein Mitscherlich lehrb. d. chemie 2, 2 (1840) 65; die ... offene seite des gestelles schlieszt man ... durch die tümpelsteine ..., welche auf dem tümpeleisen ... ruhen Muspratt chemie 2 (1889) 1212; ähnlich bei Mothes ill. baulex. (1874) 3, 38; Karmarsch-Heeren techn. wb. 5 (1881) 164 und Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 782. —
 
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-fasz, n., s. teil 2, 1522 s. v. dumpelfasz, sowie bei

[Bd. 22, Sp. 1762]


Lexer 2, 1567; Fischer schwäb. 2, 454 u. Schmeller bair. 1, 510. —
 
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-gewölbe, n., 'das vorderste gewölbe am hohofen, worunter gearbeitet wird' (vgl. DWB tümpelbrust) Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 542; ähnlich bei Blumhof eisenhüttenkde (1817) 4, 377. —
 
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-gras, n., gelegenheitsbildung zu tümpel A 2:

und kaum gesagt, als fort und fort,
hoch aus dem tümpelgrase
ein schnepfchen hier, ein schnepfchen dort
vorstreckt die lange nase
W. Bornemann humorist. jagdged. (1855) 226.


 
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tümpelig, adj., 'mit tümpeln versehen, zur tümpelbildung neigend': war ein brücklein geschlagen über den flusz, der matt und tümpelig war und mehr rastete als schlich qu. a. d. j. 1930.

 

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