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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tummelhaftig bis tummeln (Bd. 22, Sp. 1723 bis 1724)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tummelhaftig, adj., wie tummelhaft (a):

ein sanfftes thier gehört auff einen engen steg,
ein tummelhafftig gaul auff einen breiten weg
Logau sinnged. 192 nr. 26 Eitner.


 
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tummelhaftigkeit, f., 'gewandtheit, wendigkeit': selbst er mit seiner feinen schlanken gestalt und all seiner reiterlichen und roszlichen tummelhaftigkeit werde da kaum an den dummsten junker reichen Friedr. Arndt in: E. M. Arndt schr. an s. lb. Deutschen (1845) 1, 89. —
 
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tummelhaus, n., reitschule, beleg von 1613 bei Schmeller-Fr. 1, 605; s. auch bei Fischer schwäb. 2, 453.
 
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tummelicht(ig), tummelig, adj., s. a. dümmelich teil 2, 1516. 1) wie taumelig (s. d. teil 11, 1, 1, 204) 'betäubt, schwindlig, trunken'; vertiginoso, stordito, imbalordito, balordo, temulento Kramer teutsch-italiän. 2 (1702) 1161b; vgl. 1tummeln und 2tummeln A 3. a) betrunken: dasz ihrer sechse oder siebene beysammen trincken gesessen und ... vom wein also eingenommen und dümmelich worden, dasz sie ... vermeynet, sie führen auff dem meer in einer groszen ungestümme Moscherosch gesichte 2 (1666) 230; bildlich: das hetten sie lange nicht gethan, wann sie nicht so trunken weren gemacht worden ausz dem kelche der babylonischen hurn, welcher schon weidlich umbgieng unnd jr viel dummelechtig gemacht hatte Nigrinus papist. inquis. (1582) 272;

er schreibt ein klingendes sonett,
wo um den sinn der reim in steter irre geht,
bis nach der vierzehnten der zeilen
die dreizehn tummelich wie in ihr wirtshaus eilen
Wernike bei
Voss krit. blätter (1828) 1, 522.

b) schwindelig (vgl. 1tummeln):

und wenns ihr tümmlig wird und warm,
dann wieg ich sie sogleich
an meiner brust, in meinem arm (1776)
Göthe bei
Morris junger Göthe 3, 90;

ja, wie im traum, schuppt etwas uns von jenen,
und bracht uns tummlich hieher
(and were brought moping hither)
Voss Shakespeare 1, 99 (sturm V, 1;
Schlegel: wie träumend);

mundartlich: tùmlech wirr im kopf Martin-Lienhart 2, 684; dumeleh schwindlig Bauer-Collitz Waldeck 24; dummelig betäubt, verwirrt Doornkaat-Koolman 1, 359; wirr im kopf, verrückt Mensing 1, 912, vgl. tümlad Schmeller-Fr. 1, 605. 2) wie tummelhaft: tummlich, freuelich, kunlich, frayszlich temere voc. theut. (Nürnb. 1482) hh 3b; freyszlichen, kühnlich, tumlich temere, inconsulte, sine judicio Henisch (1616) 1208; denn nach dem ausspruch Hippokratis ist jugend unwillig des hungers, insonderheit wenn sie risch, rührig, munter, feurig, tummlig, sprunghaft, gespssig ist G. Regis Rabelais (1832) 1, 354. 3) unruhig, eilig: citus, concitatus, rapidus Stieler (1691) 2361; Steinbach (1734) 2, 880; tumlî 'unruhig' Jensen nordfries. 646; lieber vetter, sorgt mit in dieser tummligen zeit Voss Shakespeare 1 (1818) 372 (this busy time);

o, wir zwei beid' entrückte aus tummligem getümmel!
Immermann w. 16, 150 Boxb.


 
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tummelkelch, m., variante zu taumelkelch (s. d. teil 11, 1, 1, 204) Luther 19, 420 W.
 
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tummelknecht, m., reitknecht Schmeller-Fr. 1, 605. —
 
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tummelkreis, m., gelegenheitsbildung zu tummeln C 2 c β, (vgl. auch 1tummel 2 'lärmende geselligkeit'):

wie der ernste weise,
der die tummelkreise
der gesellschaft flieht
Pfeffel poet. versuche (1802) 6, 169.


 
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tummelkühn, adj., gelegenheitsbildung zu 2tummel rausch:

[Bd. 22, Sp. 1724]


Epnios ...
mit einer masse wein ein hertz hat eingenommen,
war voll von forne dran mit tummelkühnen sinn
auszfordrend alle welt
W. H. v. Hohberg habspurg. Ottobert (1664) Ff 3b.


 
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tummelmüh, f., zu 3tummeln C 1 b:

früh entfloh er unsrer erde
aber, glaubet! nicht zu früh;
er entfloh dem mutterherde
und der welt, voll tummelmüh
Seifried poet. schr. (1808) 1, 30.


 
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tummelmut, m., übermut Unger-Khull steir. 182; lebhafte unterhaltung, spiel der kinder im freien Überfelder Kärnten 84.
 
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tummeln, vb., schwindlig werden, nd. dummel(e)n, dummern Doornkaat-Koolman 1, 359; nl. dommelen 'half slapen, in een toestand tusschen slapen en waken verkeeren' woordenboek d. nederl. taal 3, 2, sp. 2790; ein wort unbekannter herkunft, s. Frank-v. Wijk 124; persönlich und unpersönlich gebraucht: der knecht saumet sich nit lang, nam sein bogen, warff die brin damit so hart auff den kopff, das ir davon getummelt Wickram w. 2, 83, 2 Bolte; höre da er wils nicht so gar sanfft, leise und heimlich, mit so sssen freundtlichen worten gesagt haben (die buszpredigt), sondern es sol jhn dermassen auffgepfiffen werden, dasz jhn die ohren und hertzen schallet, ob jhn schon die kpffe sausen, dasz sie tummeln, toll und tricht drob werden J. Westphalus hoffartsteuffel in: theatrum diabolorum (1569) 427a; und so diese composition und vermischung mit ein wenig schwefel geleget wirdt in einen weier, da fisch inn sein, die macht es tummlend Albertus Magnus geheimnusz u. gebrechen d. weibl. geschlechts (1589) 50. vgl.betumbelt 'betäubt' Vintler pluemen der tugent 2064 Zingerle.

 

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