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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tummelfeld bis tummelkelch (Bd. 22, Sp. 1722 bis 1723)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tummelfeld, n. 1) schlachtfeld; vgl. DWB tummelplatz A 1 d.

mancher ist ein groszer held, wo man mit dem becher kämpfet
und ein andrer Herkules, wo die fete küchen dämpfet;
aber in dem tummelfelde wär er so ein rittersmann,
der die hände, die ihn tragen (die füsze), wunderschnelle brauchen kann
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 34;

scherzhaft:

mich ruft der lenz ins tummelfeld,
wo ich, als wie ein groszer held
mit meinem langen weidenschwerte,
mit meinem stolzen steckenpferde,
mit meinem bunten bleisoldat
als feldherr heldenstreiche that
Seifried poet. schr. (1808) 1, 106.

2) wie tummelplatz B 1 i, arena, tätigkeitsfeld: die institutionen sind allerdings praktisch lehrreicher geworden, als die pandekten. die letztern sind ein tummelfeld für ein meist scharfsinniges, aber zweckloses speculiren K. Gutzkow ges. w. (1872) 8, 458; ähnlich derselbe, in bunter reihe (1878) 215. —
 
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tummelfrei, adj. 1) wie tummelhaft (s. u.):

diese hand weisz auch ein schwerd,
auch ein tummel freyes pferd
auffzuzäumen, anzuschlagen
D. v. Czepko weltliche dichtungen 130 Milch.

3) gelegenheitsbildung zu tummeln 'frei zu zwanglosem tummeln': die erwachsenen sind auch oft wie die kinder, denen nichts lieber ist, als eine tummelfreie umkehr der gewohnten ordnung Auerbach schr. (1892) 12, 79.
 
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tummelgarten, m., wie tummelplatz A 1 a 'reitbahn': in den fürstlichen tummel- und die anligende gärtten (1647) bei Fischer schwäb. 2, 453. —
 
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tummelgeist, m., aufruhrgeist, vgl. DWB tummeln C 2 c γ: gantz wunderlich und hurtig ist diser katzevangelische tummelgeist Chr. Gewold vorr. zu Joh. Bittelschiesz kurtze und klare weisz und form (1617) 2b. —
 
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tummelgetose, n., wie 1tummel (2) 'tumult': fort war er, geflüchtet vor dem widerstreitigsten tummelgetose F. W. Gubitz erlebnisse (1868) 2, 103.
 
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tummelhaft, adj. a) wendig, feurig, zum zureiten geeignet (s. 3tummeln 2, tummelpferd, sowie teil 2, 1516 s. v. dummelhaft): dummelhaffte rosse sind bey den stutereyen die schönsten reitpferde equi, qui domitoribus tradi possunt Frisch (1741) 2, 394c;

ein auserlesnes buch, ein dummelhafftes pferd,
verbrüdern sich gar wol, sind gleicher ehren wert
Klaj lobrede der teutschen poeterey (1645) widmung;

da sie entweder in voller rüstung oder ohne dieselbe, einen renn-spiesz und dergleichen handwaffen führend, auf einem tummelhafften rosz ist daher geritten J. Helwig Ormund (1666) 246. b) 'schulgerecht':

(das pferd) folgt in tummelhafftem schwänken
des schenkels wink
S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 375.

[Bd. 22, Sp. 1723]


vom menschen 'gewandt, wendig': turner wäre bey den alten ein junger soldat, ein tummelhaffter wacker kerly, ein frischer junger gesell, der sich in ritterlichen thaten ubete Moscherosch gesichte (1650) 2, 416; danach Fr. L. Jahn w. 2, 15 Euler; (fürst Pückler,) den er (Menzel) den thümmelhaftesten schriftsteller und geistreichsten spötter unserer zeit nennt Börne Menzel der Franzosenfresser (1837) 7. —
 
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tummelhaftig, adj., wie tummelhaft (a):

ein sanfftes thier gehört auff einen engen steg,
ein tummelhafftig gaul auff einen breiten weg
Logau sinnged. 192 nr. 26 Eitner.


 
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tummelhaftigkeit, f., 'gewandtheit, wendigkeit': selbst er mit seiner feinen schlanken gestalt und all seiner reiterlichen und roszlichen tummelhaftigkeit werde da kaum an den dummsten junker reichen Friedr. Arndt in: E. M. Arndt schr. an s. lb. Deutschen (1845) 1, 89. —
 
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tummelhaus, n., reitschule, beleg von 1613 bei Schmeller-Fr. 1, 605; s. auch bei Fischer schwäb. 2, 453.
 
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tummelicht(ig), tummelig, adj., s. a. dümmelich teil 2, 1516. 1) wie taumelig (s. d. teil 11, 1, 1, 204) 'betäubt, schwindlig, trunken'; vertiginoso, stordito, imbalordito, balordo, temulento Kramer teutsch-italiän. 2 (1702) 1161b; vgl. 1tummeln und 2tummeln A 3. a) betrunken: dasz ihrer sechse oder siebene beysammen trincken gesessen und ... vom wein also eingenommen und dümmelich worden, dasz sie ... vermeynet, sie führen auff dem meer in einer groszen ungestümme Moscherosch gesichte 2 (1666) 230; bildlich: das hetten sie lange nicht gethan, wann sie nicht so trunken weren gemacht worden ausz dem kelche der babylonischen hurn, welcher schon weidlich umbgieng unnd jr viel dummelechtig gemacht hatte Nigrinus papist. inquis. (1582) 272;

er schreibt ein klingendes sonett,
wo um den sinn der reim in steter irre geht,
bis nach der vierzehnten der zeilen
die dreizehn tummelich wie in ihr wirtshaus eilen
Wernike bei
Voss krit. blätter (1828) 1, 522.

b) schwindelig (vgl. 1tummeln):

und wenns ihr tümmlig wird und warm,
dann wieg ich sie sogleich
an meiner brust, in meinem arm (1776)
Göthe bei
Morris junger Göthe 3, 90;

ja, wie im traum, schuppt etwas uns von jenen,
und bracht uns tummlich hieher
(and were brought moping hither)
Voss Shakespeare 1, 99 (sturm V, 1;
Schlegel: wie träumend);

mundartlich: tùmlech wirr im kopf Martin-Lienhart 2, 684; dumeleh schwindlig Bauer-Collitz Waldeck 24; dummelig betäubt, verwirrt Doornkaat-Koolman 1, 359; wirr im kopf, verrückt Mensing 1, 912, vgl. tümlad Schmeller-Fr. 1, 605. 2) wie tummelhaft: tummlich, freuelich, kunlich, frayszlich temere voc. theut. (Nürnb. 1482) hh 3b; freyszlichen, kühnlich, tumlich temere, inconsulte, sine judicio Henisch (1616) 1208; denn nach dem ausspruch Hippokratis ist jugend unwillig des hungers, insonderheit wenn sie risch, rührig, munter, feurig, tummlig, sprunghaft, gespssig ist G. Regis Rabelais (1832) 1, 354. 3) unruhig, eilig: citus, concitatus, rapidus Stieler (1691) 2361; Steinbach (1734) 2, 880; tumlî 'unruhig' Jensen nordfries. 646; lieber vetter, sorgt mit in dieser tummligen zeit Voss Shakespeare 1 (1818) 372 (this busy time);

o, wir zwei beid' entrückte aus tummligem getümmel!
Immermann w. 16, 150 Boxb.


 
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tummelkelch, m., variante zu taumelkelch (s. d. teil 11, 1, 1, 204) Luther 19, 420 W.

 

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