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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tummeldeich bis tummelhaftigkeit (Bd. 22, Sp. 1721 bis 1723)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tummeldeich, m., auch sommerdeich, flacher deich, der das hinterland nur vor den sommerfluten, nicht aber vor den höheren winterfluten schützt, s. Benzler lex. d. b.

[Bd. 22, Sp. 1722]


deichbau vorkommenden kunstwörter (1792) 2, 233; Mothes baulex. (1874) 2, 136; brem.-nieders. 1, 208 u. vgl. DWB tummelwerk.
 
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tummelei, f. 1) gelegenheitsbildung zu 3tummeln C 2: beschäftigt man ihn (den menschlichen geist) nicht mit festgesetzten dingen, die ihn in zwang und zaume halten, so schweift er wild umher und verirrt sich ins grenzenlose feld der einbildung ... und es ist keine thorheit, keine grille zu erdenken, die er nicht in dieser tummeley (des müsziggangs) hervorbringen sollte J. J. Chr. Bode Montaigne (1793) 1, 55. 2) kriegerischer zusammenstosz von geringer bedeutung, zu 3tummeln C 1 b β: in den verschiedenen tummeleien, denn gefechte kann man es nicht nennen, sind fünfhundert gefangene gemacht worden (1840) Oelsner br. an Stägemann 257 Dorow.
 
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tümmelein, n., vereinzelte diminutivbildung zu 2tummel 'rausch' (vgl.tümmelchen): rausch und räuschlein, tummel und tümmelein ist alles eine todsünde nach Pauli, des apostels lehr Christstein weltmann (1675) 127.
 
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tummelfeld, n. 1) schlachtfeld; vgl. DWB tummelplatz A 1 d.

mancher ist ein groszer held, wo man mit dem becher kämpfet
und ein andrer Herkules, wo die fete küchen dämpfet;
aber in dem tummelfelde wär er so ein rittersmann,
der die hände, die ihn tragen (die füsze), wunderschnelle brauchen kann
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 34;

scherzhaft:

mich ruft der lenz ins tummelfeld,
wo ich, als wie ein groszer held
mit meinem langen weidenschwerte,
mit meinem stolzen steckenpferde,
mit meinem bunten bleisoldat
als feldherr heldenstreiche that
Seifried poet. schr. (1808) 1, 106.

2) wie tummelplatz B 1 i, arena, tätigkeitsfeld: die institutionen sind allerdings praktisch lehrreicher geworden, als die pandekten. die letztern sind ein tummelfeld für ein meist scharfsinniges, aber zweckloses speculiren K. Gutzkow ges. w. (1872) 8, 458; ähnlich derselbe, in bunter reihe (1878) 215. —
 
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tummelfrei, adj. 1) wie tummelhaft (s. u.):

diese hand weisz auch ein schwerd,
auch ein tummel freyes pferd
auffzuzäumen, anzuschlagen
D. v. Czepko weltliche dichtungen 130 Milch.

3) gelegenheitsbildung zu tummeln 'frei zu zwanglosem tummeln': die erwachsenen sind auch oft wie die kinder, denen nichts lieber ist, als eine tummelfreie umkehr der gewohnten ordnung Auerbach schr. (1892) 12, 79.
 
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tummelgarten, m., wie tummelplatz A 1 a 'reitbahn': in den fürstlichen tummel- und die anligende gärtten (1647) bei Fischer schwäb. 2, 453. —
 
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tummelgeist, m., aufruhrgeist, vgl. DWB tummeln C 2 c γ: gantz wunderlich und hurtig ist diser katzevangelische tummelgeist Chr. Gewold vorr. zu Joh. Bittelschiesz kurtze und klare weisz und form (1617) 2b. —
 
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tummelgetose, n., wie 1tummel (2) 'tumult': fort war er, geflüchtet vor dem widerstreitigsten tummelgetose F. W. Gubitz erlebnisse (1868) 2, 103.
 
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tummelhaft, adj. a) wendig, feurig, zum zureiten geeignet (s. 3tummeln 2, tummelpferd, sowie teil 2, 1516 s. v. dummelhaft): dummelhaffte rosse sind bey den stutereyen die schönsten reitpferde equi, qui domitoribus tradi possunt Frisch (1741) 2, 394c;

ein auserlesnes buch, ein dummelhafftes pferd,
verbrüdern sich gar wol, sind gleicher ehren wert
Klaj lobrede der teutschen poeterey (1645) widmung;

da sie entweder in voller rüstung oder ohne dieselbe, einen renn-spiesz und dergleichen handwaffen führend, auf einem tummelhafften rosz ist daher geritten J. Helwig Ormund (1666) 246. b) 'schulgerecht':

(das pferd) folgt in tummelhafftem schwänken
des schenkels wink
S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 375.

[Bd. 22, Sp. 1723]


vom menschen 'gewandt, wendig': turner wäre bey den alten ein junger soldat, ein tummelhaffter wacker kerly, ein frischer junger gesell, der sich in ritterlichen thaten ubete Moscherosch gesichte (1650) 2, 416; danach Fr. L. Jahn w. 2, 15 Euler; (fürst Pückler,) den er (Menzel) den thümmelhaftesten schriftsteller und geistreichsten spötter unserer zeit nennt Börne Menzel der Franzosenfresser (1837) 7. —
 
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tummelhaftig, adj., wie tummelhaft (a):

ein sanfftes thier gehört auff einen engen steg,
ein tummelhafftig gaul auff einen breiten weg
Logau sinnged. 192 nr. 26 Eitner.


 
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tummelhaftigkeit, f., 'gewandtheit, wendigkeit': selbst er mit seiner feinen schlanken gestalt und all seiner reiterlichen und roszlichen tummelhaftigkeit werde da kaum an den dummsten junker reichen Friedr. Arndt in: E. M. Arndt schr. an s. lb. Deutschen (1845) 1, 89. —

 

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