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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tummel bis tummelfeld (Bd. 22, Sp. 1720 bis 1722)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tummel, m., bergmännisch: runde, gewölbeartige erweiterung der strecken bei dem sogenannten tummelbau, s. d.
 
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tummelbahn, f., kampfplatz, vgl. DWB tummelplatz:

doch, was Savoyen thut, das steht mir besser an,
sein hertzog hält sich so auf dieser tummelbahn,
dasz Franckreich ewiglich sich wird darüber grämen
Caspar Abel Nicolas Boileaus gedichte (1729) 446;

bildlich:

freundlich führt uns deine (des todes) dürre hand
aus der tummelbahn von ungewittern
in ein stilles, fehdeloses land
Langbein s. schr. (21841) 1, 85.


 
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tummelbank, tümmelbank, f., vgl. 3tummeln A 1, 'auf einigen schiffen eine in der kajüte stehende bank, deren rückenlehne an den beiden endstützen so beweglich ist, dasz sie bald nach der einen, bald nach der andern seite gehoben werden kann, je nachdem man sich setzen will' Bobrik

[Bd. 22, Sp. 1721]


seewb. (1850) 90a. —
 
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tummelbau, m., auch tunnelbau (s. Dannenberg - Frantz bergmänn. wb. (1882) 396 f. u. 354 s. v. splisse), ein bei der feinerdigen braunkohle unweit Bonn früher übliches abbauverfahren, seit 1836 verboten. in den abbaustrecken wurden seitenstösze und firste kreis- und bogenförmig ausgehauen. sobald auf der sohle die weite etwas beträchtlich geworden war, brach die kohle der firste von selbst herein und füllte den tummel (s. 3tummel) u. vgl. Veith bergwb. (1870) 506; Karmarsch - Heeren techn. wb. (31876) 1, 394; die nothwendigkeit, dem durch seine verwüstung des braunkohlenlagers eben so verderblichen, als für die gesundheit und das leben der ein- und ausfahrenden, selbst der auf der oberfläche wandelnden personen gefährlichen raubbau, tummelbau genannt, ein ziel zu setzen bei Veith bergwb. 55.
 
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tummelbaum, tümmelbaum, m. , bezeichnung verschiedener arten von haspeln.
1) vertikaler: tummelbaum ... eine senkrecht stehende welle, um welche sich beim herumdrehen das tau, an welchem eine last heraufgezogen werden soll, umwindet Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 376; im bergbau innerhalb eines gerüsts angebrachter senkrechter baum, von oben und unten in einer spur gehend und mit einem hebel oder arm versehen, um damit den aus dem schacht gezogenen kübel auf die seite zu drücken Mothes baulex. (31874) 4, 279; auf schiffen eine senkrecht stehende winde, welche ... zum ankerlichten, zum bugsieren und ähnlichen schweren arbeiten dient Bobrik seewb. (1850) 699a; in einigen gegenden bestandteil altertümlicher keltern: 'im kelterraum an boden und decke um sich selbst drehbar befestigter balken, der durch eine quer hindurch gesteckte stange gedreht wurde. es wickelte sich dann ein dickes seil um ihn auf, durch welches die hebelstange an der kelter bewegt wurde' rhein. wb. 1, 1559; Fischer schwäb. 2, 453; ebda 1, 713 s. v. baum 3 b.
2) auch das ganze gerät wird tummelbaum genannt: tummelbaum ... eine alltägliche, im hochbau, bei abteufungen, rammmaschinen, vorzüglich verwendete hebemaschine aus holz erhält ein voluminöses gerüste behufs sicherer lagerung der haspelwelle und gewinnung des erforderlichen laufweges für die die maschine bethätigenden arbeiter Karmarsch-Heeren techn. wb. (31876) 4, 288.
3) horizontal liegender hebel, vermittels dessen ein göpelwerk gedreht wird Veith bergwb. (1870) 506; Mothes ill. baulex. (31874) 2, 454. —
 
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tummelbecher, m., im 17. und 18. jh. gebräuchlicher halbkugelförmiger becher ohne fusz (s. a. tummelchen und tummler):

es theilten zwey und zwey
den humpen unter sich und soffen auf die reyh.
indessen feirte doch nicht einer von den zechern
und spühlten ihren halsz mit kleinen tummelbechern
bisz dasz der grosze kam (1664)
Rachel satyr. ged. 86 ndr.


 
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tummelchen, tümmelchen, n., s. a. dümmelchen teil 2, 1515. 1) dasselbe wie tummelbecher (s. d.): es war also (die phiala) ganz genau das, was wir ein tummelchen nennen, ein becher, der gleichsam selbst berauscht ist und auf seinem fusze nicht stehen kann Lessing 11, 282 L.-M.; trank aus einem silbernen tummelchen einen schluck magenelixier Langbein s. schr. (1836) 13, 79; mundartlich Frischbier pr. wb. 2, 415; Hupel Lief- u. Esthland (1795) 242. 2) eine kleine zunderbüchse der tobacksraucher Kinderling reinigkeit d. dt. spr. (1795) 430. 3) diminutiv zu 2tummel 'rausch', wie dieses auf d. sprache des 17. u. 18. jhs. beschränkt: ihr viel (studenten) haben es auch gar sehr im gebrauch, dasz sobald sie etwa ein halb dümmelchen im kopf bekommen, sie alsbald ein gezänck und streit erregen jus potandi (1669) D 3a; weil ich ein klein tümmelchen oder christlich räuschen (sic!) habe alamodisch techn. interim (1675) 155; und ... kam er, so oft er bey diesem zu gaste war, des nachts gar nicht wieder nach hause, sondern schlief daselbst allererst sein tummelgen aus Leipziger avanturieur (1756) 1, 96. —
 
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tummeldeich, m., auch sommerdeich, flacher deich, der das hinterland nur vor den sommerfluten, nicht aber vor den höheren winterfluten schützt, s. Benzler lex. d. b.

[Bd. 22, Sp. 1722]


deichbau vorkommenden kunstwörter (1792) 2, 233; Mothes baulex. (1874) 2, 136; brem.-nieders. 1, 208 u. vgl. DWB tummelwerk.
 
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tummelei, f. 1) gelegenheitsbildung zu 3tummeln C 2: beschäftigt man ihn (den menschlichen geist) nicht mit festgesetzten dingen, die ihn in zwang und zaume halten, so schweift er wild umher und verirrt sich ins grenzenlose feld der einbildung ... und es ist keine thorheit, keine grille zu erdenken, die er nicht in dieser tummeley (des müsziggangs) hervorbringen sollte J. J. Chr. Bode Montaigne (1793) 1, 55. 2) kriegerischer zusammenstosz von geringer bedeutung, zu 3tummeln C 1 b β: in den verschiedenen tummeleien, denn gefechte kann man es nicht nennen, sind fünfhundert gefangene gemacht worden (1840) Oelsner br. an Stägemann 257 Dorow.
 
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tümmelein, n., vereinzelte diminutivbildung zu 2tummel 'rausch' (vgl.tümmelchen): rausch und räuschlein, tummel und tümmelein ist alles eine todsünde nach Pauli, des apostels lehr Christstein weltmann (1675) 127.
 
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tummelfeld, n. 1) schlachtfeld; vgl. DWB tummelplatz A 1 d.

mancher ist ein groszer held, wo man mit dem becher kämpfet
und ein andrer Herkules, wo die fete küchen dämpfet;
aber in dem tummelfelde wär er so ein rittersmann,
der die hände, die ihn tragen (die füsze), wunderschnelle brauchen kann
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 34;

scherzhaft:

mich ruft der lenz ins tummelfeld,
wo ich, als wie ein groszer held
mit meinem langen weidenschwerte,
mit meinem stolzen steckenpferde,
mit meinem bunten bleisoldat
als feldherr heldenstreiche that
Seifried poet. schr. (1808) 1, 106.

2) wie tummelplatz B 1 i, arena, tätigkeitsfeld: die institutionen sind allerdings praktisch lehrreicher geworden, als die pandekten. die letztern sind ein tummelfeld für ein meist scharfsinniges, aber zweckloses speculiren K. Gutzkow ges. w. (1872) 8, 458; ähnlich derselbe, in bunter reihe (1878) 215. —

 

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