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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tulpen bis tulpenzwiebel (Bd. 22, Sp. 1712 bis 1716)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tulpen, tülpen, dülpen, vb., 'schlagen' besonders aus dem alem. sprachraum bezeugt: batuo schlahen, tulpen Frisius dict. (1556) 152b; dulpen, tülppen plangere ders. (1590) bei Diefenbach-Wülcker 374; dulpen percutere Maaler (1561) 93; tülpen, redlich darauff schlahen deverberaro, adhibere plagas, batuere ... dimicare ebda 411; Stalder schweiz. 1, 326; schwäb. tulpen, mit der faust schlagen, bes. kinderausdruck Fischer schwäb. 2, 448. vgl. das compos. abdülpen: ich wil dich abschmeiszen, schlagen, knullen, schmieren, dreschen ... ich wil dich

[Bd. 22, Sp. 1713]


abdülpen, so im Schweitzerlande gemein ist L. Thurneysser onomast. 2 (1583) 29, sieh oben teil 1, 22; 2, 1509 sowie ertülpen 3, 1035. mnld. vereinzelt lexikalisch gebucht: tulpen, slaen battre, frapper, piler; batuere, verberare, tundere, contundere Plantijns thes. theut. (1573) H h 2b, tulpen j. slaen batuere, verberare; ger. dulpen, tulpen Kilian (1605) 571a ('in der mnl. literatur aber keine spur zu finden' Verwijs-Verdam 8, 765). nd. dölben 'schlagen' bei Ehrismann P. u. B. beitr. 20, 60, der auch mhd. tolben (er wil si minne tolben 'einbläuen' Hugo v. Langenstein Mart. 71, 109) heranzieht.zur herleitung vgl. Ehrismann a. a. o., Walde-Pokorny 1, 866, teil 3, 1035, wo tülpen 'schlagen' zu ahd. (bi-)telpan, mhd. telben, ags. delfan, mnd. ndl. delven 'graben', russ. dolbit 'aushöhlen, meiszeln', apr. dalptan 'durchschlag', russ. doloto 'meiszel' usw. gestellt wird.
 
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tulpen-, (tulipan-, tulipanen-, tulipen-) in zusammensetzungen:
tulpenähnlich, adj.: knospenkapitäl ... glockenförmiger oder tulpenähnlicher rumpf mit lotosblättern und blüten Mothes baulex. (1881) 1, 58; vgl. DWB tulpe 5 a. — -apfel, m.: tulpenapfel 'name eines sommertafelapfels von strohgelber farbe, auf der sonnenseite mit rothen tulipanenförmigen flecken gezeichnet Krünitz 190, 536; tulipanenapfel (1779) schweiz. id. 1, 378. — -bau, m., planmäsziggärtnerischer anbau von tulpen: Diez vom tulpen- und narcissenbau i. d. Türkei aus dem türkischen des scheich Muhammed Lalezari (Halle u. Berlin 1815) buchtitel. -baum, m., liriodendron tulipifera, familie magnoliaceae, aus Amerika stammend. gelegentlich werden auch andere magnolien als tulpenbaum bezeichnet, vgl. Holl pflanzennamen (1833) 385a; Campe 4, 909 (magnolia grandiflora L.); vgl. auch tulpenholz. vereinzelt als tulipenbaum: tulipenbaum ... seine blüten sind den tulipen sehr ähnlich Jablonski allg. lex. (1767) 2, 1604; tulpenbaum Zedler univ. lex. 44 (1745) 1794; Adelung 4 (1780) 1101; s. auch ferner: Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 2, 1238; die tulpen- und lilienbäume, die bignonien und magnolien schmücken die wälder (in Amerika) mit ihren breiten, schön geformten blättern und auszerordentlich groszen blüthen J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 159:

durch lüfte, die von zimmt- und amberdüften wallten,
liesz ich, weil ein gesang mir plötzlich neugier gab,
auf einen tulpenbaum mich unbemerkt herab (1767)
Wieland s. w. 17 (1796) 143;

ein tulpenbaum ..., der seine blüthenzweige über den ganzen garten ausdehnt Jean Paul w. 48, 329 Hempel; an den geländern erhob sich ein blühender wald von orangen, granaten, tulpenbäumen, oleander-pinien Steffens nov. (1837) 1, 52; wie dort ... der reizende tulpenbaum und die schöne acacia unter der deutschen eiche steht Lichtenberg verm. schr. (1800) 1, 346; (sie) kam an einem herrlichen tulpenbaum vorüber M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 161. — -beet, n., tlpen- ò tulipanen-bett letto, aia, aietta da tulipani Kramer t.-ital. 2 (1702) 1161a; tulipanenbeetchen Chr. Schubart dt. chron. (1775) 173; Campe 4, 909: sieh doch dieses herrliche tulpenbeet, wie die farben durch einander spielen Miller Siegwart (1771) 1, 91;

am rande eines tulpenbeetes stand
ein dunkelbraunes nachtviolenheer
Ramler fabellese (1783) 3, 162;

so gingen wir an tulpenbeeten vorüber, so an gereihten narcissen und jonquillen Göthe I 25, 1, 46 W.;

nun treten bunte farben aus dem grau:
ein rotes tulpenbeet in einem garten,
das erste zarte, helle grün der linden
Liliencron s. w. (1896) 9, 180.

in bildern und vergleichen. als wahrzeichen behaglicher bürgerfreuden, meist von der farbenpracht her: der ganze markt schien eine einzige, dicht zusammengedrängte volksmasse ... die verschiedensten farben glänzten im sonnenschein, und zwar in ganz kleinen flecken, auf mich machte dies den eindruck eines groszen, vom winde bewegten,

[Bd. 22, Sp. 1714]


hin und her wogenden tulpenbeets E. T. A. Hoffmann s. w. 14, 150 Gr.; wohl mag denn die türkische kaiserstadt wegen der menge der hellfarbigen minarets, die nach allen richtungen über sie verbreitet sind, ein prunkendes tulpenbeet genannt werden G. H. v. Schubert reise i. d. morgenland (1838) 1, 146; bes. häufig von bunter frauenkleidung:

der schönste mädchenflor, ein wahres tulpenbeet
Wieland s. w. (1794) 22, 122;

in den langen tulpenbeeten der weiblichen kirchbänke Jean Paul w. 27/29, 61 Hempel; die glänzenden toiletten der damen schwirrten nicht mehr gleich einem wahnsinnig gewordenen tulpenbeet durcheinander W. Raabe Abu Telfan (1870) 2, 101; auch: das kollegium der kardinäle glich einem abgewelkten tulpenbeet Gaudy ges. w. 20, 93. — -birne, f.: tulpenbirne eine sorte birnen (poire tulipée) Nemnich wb. d. nat.-gesch. (1796) 606; Campe 4, 909. — -blatt, n., das blütenblatt der tulpe: die eingeschlafnen tulpenblätter Jean Paul w. 1, 115 Hempel; wie die kinder rosen- und tulpenblätter in ihre gebetbücher legen (1843) Gottfr. Keller br. u. tageb. 2, 104 Ermat. -blume, f. 1) die tulpenblume, ein zum geschlecht der trompetenblume gehörender baum in Südamerika, der sich durch schönheit, reichthum und fülle der blüte in den wäldern auszeichnet; er soll das weisze Brasilienholz liefern, daher auch weiszes holz (bignonia leucoxylon L.) Campe 4, 909; Nemnich wb. d. naturgesch. (1796) 606; s. auch tulpenholz. 2) dasselbe wie tulpe: Tieck schr. (1828) 4, 132; Rosegger schr. (1895) 1, 55. — -drossel, f.: tulpendrossel, ein zum geschlecht des pfingst- oder kirschvogels gehörender vogel in Nordamerika (oriolus Baltimore), der Baltimorvogel Campe 4, 909; Nemnich wb. d. nat.-gesch. (1796) 606. für den pirol, oriolus galbula Krünitz 190, 542. — -fest, n.: (in der Türkei wird) alljährlich in den gärten des serails von den bewohnerinnen des groszherrlichen harems zu ehren des sultans ein tulpenfest und zwar im april, wo dort die tulpen in der schönsten blüte stehen, gefeiert Krünitz 190, 510; v. Hammer d. osman. reiches staatsverfassung (1815) 1, 496; Amaranthes frauenzimmerlex. (31773) 3655. — -flor, m. u. f., vgl. DWB flor teil 3, 1815. in gehobener sprache für tulpenblüte als sammelbegriff; Zedler univ. lex. 44 (1745) 1790: zu ihren füszen aber wiegte sich ein lachender tulpenflor, und an der grünen gartenwand leuchteten die roten und weiszen rosen in fülle Ludw. Richter lebenserinn. (1909) 391; vereinzelt f.: die bäume, die hecken, die tulpenflor, das mag in Holland gut genug seyn, aber wir lieben das nicht Kotzebue s. dram. w. (1827) 7, 7; (Aktinien) würde den, welcher die ... Kirgisensteppen sah, an die tulpenflor erinnern Brehm tierl. (1890) 10, 574 P.-L. -form, f.: pokal aus eisglas mit hohem fusz, kelch in tulpenform mit spiralig angeordneten rippen E. v. Czihak schles. gläser (1891) 233. — -förmig, adj., tulipanenförmig: sommerapfel ... auf der sonnenseite mit rothen tulipanenförmigen flecken Krünitz 190 (1846) 536. tulpenförmig(t): (mohn) welcher tulpenförmigt blüht F. L. Stolberg (1796) an Voss; perigonblätter ... am ende anfangs etwas tulpenförmig zusammengeneigt Schlechtendal flora v. Deutschland (1880) 10, 81. — -freund, m.:

und ein reicher tulpenfreund,
herr von einem groszen garten,
giebt die schönste zwiebel drinn
nicht für tausend gülden hin
Brandenburg bei
Chr. Fr. Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 4, 357;

der tulpenfreund (Stosch) G. Freytag br. a. s. gattin (1912) 120. — -garten, m., tulipanengarten: der ort des kampfes aber (soll) hinter der ringmauer des kleinen tulipanengartens hiermit verabredet seyn Leipziger avanturieur (1756) 1, 248; als tulpengarten G. H. v. Schubert reise i. d. morgenland (1838) 1, 329. — -glas, n., tulpenförmiges trinkglas, vgl. DWB tulpe 5 c: die mattgeschliffenen tulpengläser wurden gefüllt, eisige schaumwellen flossen über die ränder Rosegger (1895) I 11, 244. — -handel, m.: die thorheit des tulpenhandels Zedler 44 (1745) 1785;

[Bd. 22, Sp. 1715]


die ... speculationen des holländischen tulpenhandels Treitschke hist. u. polit. aufs. 52, 497. — -holz, n. (vgl.tulpenbaumholz zur papierfabrikation Muspratt chemie 46, 1697): brasilianisches rosenholz, pao de rosa, tulpenholz der Engländer, ist ein prachtvolles holz, dessen abstammung aber nicht sicher bekannt ist Mothes baulex. (1874) 4, 47; Krünitz 190, 542. s. o. Mothes unter tulpenbaum und engl. tulipwood Murray 10, 1, 457. — -kiel, m., in älterer sprache für tulpenzwiebel, s. kiel teil 5, 676. tlpen- ò tulipankl ò zwibel, m., bulbo ò cipolla da tulipano Kramer t.-ital. 2 (1702) 1161a; tlpenkll hochndt. (1719) 2, 216c; (im juni sind) die frhblhenden tulipane-kiel ... auszunehmen und diese im augusto ... zu versetzen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 123. — -knolle, f., volksläufige, botanisch ungenaue bezeichnung für tulpenzwiebel (bulbus tulipae) s. d.; knolle ist botanisch tuber, vgl. teil 5, 1466 knolle 8 und Bischoff wb. d. botanik (1857) 17 und 170: gleich nach dem abblühen der herbstastern wurden die beete für die tulpenknollen hergerichtet und gegen 75000 knollen in die erde eingesetzt tägliche rundschau (1908) nr. 175 beilage 3a. — -kultur, f., planmäsziger anbau von tulpen: hier (in Eichstätt) sieht man schon das raffinement der tulpenkultur, das in Deutschland freilich nie zu der höhe stieg wie in Holland Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 311. — -lorbeerbaum, m., wie tulpenbaum bezeichnung von magnolienarten: magnolia polyandria polygynia Holl pflanzennamen (1833) 237a; magnolia grandiflora foliis lanceolatis Hirschfeld theorie d. gartenkunst (1779) 2, 22. — -manie, f., vereinzelte deutsche bildung statt der üblicheren u. älteren französ. tulipomanie s. dort: die tulpenmanie, welche im 17. jh. das holländische volk ergriff K. Th. Heigel hist. vortr. u. stud. (1887) 23; in den noch nicht allzu fern liegenden tagen, in welchen halb Europa von der tulpen-manie besessen war, zahlte ein holländischer gutsbesitzer einmal für eine tulpenzwiebel, die zu der sehr seltenen species 'vicekönig' gehörte, nicht weniger als vier ochsen, acht schweine, zwölf schafe, zehn zentner käse, zwei fasz wein, ein bett, ein vollständiges gewand, einen silbernen becher und 25000 gulden! tägl. rundschau (1908) unterhaltungsbl. 304c. — -maus, f., mus socialis Nemnich wb. (1796) 606; die gesellige maus im trocknen sande zwischen der Wolga und dem Ural, etwas über drei zoll grosz, weil sie sich vornämlich von tulpenzwiebeln nähret (mus socialis L.) Campe 4, 909; Mozin-Biber-Hölder wb. d. frz. spr. 3, 30c; tulpenmaus auch zwiebelmaus, eine wühlmaus Krünitz 190, 542. — -narr, m.: was die herrschaft trug ..., das hat er ... vergeudet — in zwiebeln ... deren eine einzige oft so theuer gekauft werden muszte, dasz ihrer zwölf die ernte des jahres verschlangen. mein armer freund war mit einem wort ein tulpennarr ... so närrisch, so toll, so wahnsinnig wie nur jemals einer in Holland Holtei erz. schr. (1861) 6, 47; vgl. tulpenmanie, tulipomanie. — -samen, m.: wann der tulipanen- oder negel-saamen vorher im most oder brandwein geweicht werde, sollen die farben der blumen desto schöner werden Hohberg georg. cur. (1682) 1, 664. — -stein, m., pentacrinites Nemnich wb. d. nat. gesch. (1796) 5, 606; 'der name derjenigen pflanzenartigen seegeschöpfe, welche einen meist fünfeckigen stiel und eine büschelförmige oder lilienähnliche krone haben (pentacrinitae). auch medusenhaupt, medusenkopf' Campe 4, 909; Krünitz 190, 542. — -stengel, m.:

elfen,
die ihr auf schwanken tulpenstengeln reitet
maler Müller w. (1811) 2, 365.

etwas durch den tulpenstengel (zu verstehen) geben 'etwas euphemistisch andeutend mitteilen', 'etwas durch die blume, verblümt sagen': Körte sprichw. (1837) 48; he geef em 'n wink mit 'n tulpenstengel Mensing 5, 178; wen mit'n tulpenstengel winken 'jem. einen leisen wink geben' bei Fritz Reuter nach C. Fr. Krüger Reuterlex. 141. — -sucht, f.: 'tulpensucht so nennt man die sucht reicher Holländer, die eine einzige ... tulpenzwiebel um mehrere tausend gulden kaufen' Voigt handwb. d. geschäftsführung

[Bd. 22, Sp. 1716]


(1807) 2, 518; als übersetzung von tulipomanie (1804) bei Jean Paul w. 49/51, 347 Hempel. -zwiebel, f., als tulipanenzwiebel Lohenstein Arminius (1689) 2, 8b; allg. haush.-lex. 1 (1749) 1, g 2b; tulipanzwiebel und tulipenzwiebel Hohberg 3, 1 (1715) 592b; tulpenzwiebel ebda 1, e 4b; tülpenzwibel Kramer t.-ital. 2 (1702) 1161a; tulpenzwiebel a bulb of tulip Ludwig (1716) 2038: man zwingt ... durch einflöszung gewisser säfte die tulipanenzwiebeln, dasz sie schönere blumen tragen Lohenstein Arminius (1689) 2, 87b; und da hat mir des barons gärtner tulpen- und narcissenzwiebel, auch aurikeln und gelben lack geschenkt Miller Siegwart (1777) 1, 133; ein schock recht ausgesuchter tulpenzwiebeln, mit genugsamer sorgfalt in einen anzulegenden kasten pflanzen und warten Göthe IV 25, 280 W.; denn er war ein groszer kenner und liebhaber von allen raren nelkenarten und tulpenzwiebeln Nicolai Sebastian Nothanker (1773) 2, 220; wer eine geschichte des sammelns schreiben wollte, von den schatzhäusern germanischer könige herab über die handschriften des mittelalters ... die tulpenzwiebeln und conchylien der Holländer Freytag ges. w. (1886) 1, 186; die tulpen-zwiebeln haben anlasz zur erfindung der wechsel gegeben Hebbel tageb. (1903) 3, 415; kartoffeln haben sich an die stelle der kostbarsten tulpenzwiebeln von Harlem gedrängt Grabbe w. 3, 28 Blumenthal.

 

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