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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tüllspitze bis tulpen (Bd. 22, Sp. 1701 bis 1712)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -spitze, f.: die tüllspitzen sind zusammengesetzte, theils leinwandbindige, theils gazebindige gobelinartige gewebe; sie bestehen daher im allgemeinen aus zwei fadensystemen, der kette und dem schusz Karmarsch-Heeren techn. wb. 8 (1885) 373; der erfinder der tüllspitze, auf der die ganze Plauensche industrie beruht, Theodor Bickel, ist ... im alter von 65 jahren in Bozen (Tirol) gestorben tägl. rundschau (1903) nr. 165, 1. beil. 1c. —
 
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-stäbchen, n., faden des tüllgewebes: dann füllt man das innere der blumen und blätter mit stopfstichen aus, indem man dabei jedes zweite tüllstäbchen erfaszt Dillmont encycl. d. weibl. handarb. 587. —
 
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-stärke, f., zur gewebebehandlung (appretur) von tüllen verwendete stärke: folgende stärkesorten finden in der appretur verwendung: weizenstärke (tüllstärke in pulverform ...) und kartoffelstärke Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 1, 400. —
 
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-stich, m., entsprechend wie spitzenstich (s. dort): nach den einfachen tüllstichen der ersten reihe wird die zweite mit 2 schlingstichen begonnen Dillmont encycl. d. weibl. handarb. 617. —
 
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-stickerei, f., stickerei auf tüllgrund (s. dort): die stickereien lassen sich einteilen nach art des grundstoffgewebes ... (... stramin-, tüllstickerei u. a. m.) Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 518; die tüllstickerei wird in der stadt Lierre ... betrieben hwb. d. staatswiss. (21898) 4, 1155. —
 
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-stoff, m., s. unter tüll. —
 
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-streifen, m., streifenartiger tüllbesatz: madame, ... sie trugen blaue seide, weisze tüllstreifen, einen rothen shawl Gutzkow ges. w. 4 (1879) 297. —
 
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-stuhl, m., webstuhl der tüllwirkerei: in den letztgenannten ... städten (Calais u. Saint-Pierre-lez Calais) (sind) allein mehr den 1500 tüllstühle Karmarsch-Heeren techn. wb. 8 (1885) 376. —
 
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-tuch, n., ziertuch

[Bd. 22, Sp. 1702]


aus tüll: nachher reichten sie mir beikommende wünsche nebst frischen blumen, Lottchen ein tülltuch, Fritze ein ... bouquet aus Schleiermachers leben 1 (1860) 19.
 
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tulpe, f. , älter tulipan, m., f., n., tulipant; tulipane, f., tulipen, tulipe, f., zwiebelpflanze, tulipa L., gattung aus der familie der liliaceae, vgl. Solms-Laubach weizen u. tulpe (1899) 54; H. Marzell bei Hegi 2 (21939) 304. herkunft.
die blume und ihr name stammen aus dem türkischen, von dort her im 16. jh. in Westeuropa verbreitet; als älteste nachricht gilt der erste reisebrief des A. G. Busbeqius, dem 1554 auf dem wege von Adrianopel nach Constantinopel 'ingens ubique florum copia offerebatur narcissorum, hyacinthorum et eorum quos Turcae tulipan vocant' legat. Turcicae epist. quatuor (Francofurti 1595) 33; ein früheres zeugnis bringt Conr. Gesner in seinen zusätzen zu Valerii Cordi opera (1561): anno 1559 ... vidi (in Augsburg im garten des J. H. Herwart) herbam ... Turcico vocabulo tulipam vocant aliqui. sed aliam herbam in Italia eruditi Turcico tulipae nomine demonstrant, cuius picturam Joan. Kentmannus nobis communicavit ... sunt ex Turcis, inquit Kentmannus, qui tulipam dicunt nomen habere a flore, qui formam refert pileoli Dalmatici' a. a. o. 213, vgl. Joh. Beckmann beytr. z. gesch. d. erfindg. (1786) 1, 225, anm. 2; V. Hehn kulturpfl. 8517; R. Loewe etym. u. wortgesch. bem. zu dt. pflanzennamen (1939), forts. 3 (privatdruck); demnach hat der Dresdener arzt Joh. Kentmann die blume und ihren namen in seiner studienzeit in Italien (d. h. 1549/1551), also früher als Busbeq, kennen gelernt, und gewährsmänner aus der Türkei haben ihm den namen als türkisches wort erklärt.
das wort geht zurück auf pers.-türkisch dulband, dülbend, tülbent Heuser-evket türk.-dt. wb. (21942 Istanbul) 499, die bezeichnung für musselin, insbes. für das turbantuch, s. DWB turban, mit dem die blüte der blume, die im pers.-türk. aber heute lalê heiszt, verglichen wurde (derselbe vergleich in türkenbund, s. d., für lilium martagon L.). die wiedergabe dieses pers.-türk. wortes in den europäischen sprachen, auch im neulatein., setzt eine lautung tulipan(t) voraus, die mit ihrem gleitlaut -i- wohl nur die palatale lautung des -l- zum ausdruck bringt, vgl. die russ. schreibung tulpán Magasanik-Gordlewski turezko-russki slovar (Moskau 1945) 379. der vergleich kann, wie schon der wortlaut der briefstelle (s. o.) ergibt, nicht von Busbeq stammen. der vergleichende gebrauch des wortes findet sich auch im originaltürk. (osman.) in der form dülbend lalesi 'the white tulip' tulipa stellata Redhouse turc and engl. lex. (Constantinopel 1921) 1620, œil de soleil (tulipa, oculus solis, cf. Ascherson-Gräbner synopsis 3, 197), tulipe à fleurs pointues Diran Kelekian dict. turc.-franç. (Constantinopel 1911) 1072, auch für 'die weisze lilie' dülbänd lalä W. Radloff versuch e. wb. d. türk. dialekte (Petersburg 1893/1911). bemerkenswert ist der schon bei Kentmann vorhandene und in der folge bis zum ende des 17. jhs. immer wiederkehrende hinweis 'a flore qui formam refert pileoli Dalmatici' (s. o.); sowie: tulipan, lilionarcissus. ein schöne türckische blume. tulipan ist ein dalmatischer name, heiszt ein dalmatischer hut, dieweil die blume, wann sie offen ist, ein gestalt eines dalmatischen hut bekommt Lonicerus kräuterbuch (1577) 302a u. ö., ohne dasz dabei form u. farbe dieses pileus Dalmaticus näher angegeben würde; beachte die dichte der verbreitung des wortes auf dem Balkan in der vollen form vom dalmatinischen, rumän. bis ins russ., bes. in den volksmundarten (s. u.) und zwar als masc. wie im italien. (das persische und türkische kennen kein grammatisches geschlecht.) es ergibt sich also, dasz vor der mitte des 16. jhs. eine nicht näher bestimmbare tulpenart mit dem namen vom Balkan her nach Italien kam. unabhängig davon hat Busbeq die kenntnis wohl einer anderen art vermittelt, die als gartenpflanze weithin beliebt und berühmt wurde. für die erste verbreitung des namens in den westeuropäischen sprachen, auch im deutschen, hat das italienische, bes. in der form tulipano entscheidende

[Bd. 22, Sp. 1703]


bedeutung, wie das genus (masc.), die formen und ihre geographische verbreitung in den süd- und westdt. maa. zeigen (s. u.). formen.
1) latein.: für d. jahr 1554 tulipan Busbeq s. oben; tulipanti aut nullus aut exiguus est odor ebda 33; als neutrum tulipan Turcicum ... istud tulipan a Turcico vernaculo dictum Lobel stirp. advers. nov. (London 1570) 52, tulipa Turchicum ebda (1571) index (doch tulipae species ebda [1570] 51); tulpanum D. Neuhusius theatr. ingenii hum. (Amstelodami 1664 ed. noviss.) 2, 159 (bei Diez denkw. v. Asien 2 [1815] 2) nach altholl. tulpaan, vgl. die bot. bezeichnung für die gruppe tulipanum Ascherson-Gräbner synopsis 3, 197 und die neutrale form des latinisierten grundworts tulipantum vetus bei Leunclavius hist. Musulm. libr. (1591) 808, 21 sowie die nachweise für dieses neutrum im älteren neugriech. u. heutigen rumän. unter turban. für gewöhnlich aber latein. als femin. tulipa: tulipam ... Turcico tulipae nomine Konr. Gesner de hortis Germaniae liber (1561) nach J. Beckmann beytr. 1 (1786) 225 anm. 2; bulbos tulipae (1567) Clusius an Th. Rediger bei Solms-Laubach weizen u. tulpe (1899) 56; tulipa latifolia lutea Casp. Bauhinus φυτοπίναξ (Basileae 1596) 90, u. so fortan; oft auch im deutschen context: den 6. (sc. narcissum) nennet man sonst tulipam Camerarius Mattioli übersetzg. (1586) 443A; ein art von der tulipa, so auf dem Apenino wächst Tabernämontanus new u. vollk. kräuterbuch (1687) 1011; die narcissenlilien oder tuliparum etliche geschlecht ebda 1007. später gelegentlich auch latinisiertes tulpa z. b. Pomey indic. univers. (41720) 83.
2) west- u. nordeuropäisch: ital. tulipano, m., daneben seltener, tulipa, f.; franz. le tulipan (seit 1600 bezeugt), provenç. tulipan, toulipan, tolipan Mistral 2, 1063, la tulipe (seit 1611); span. tulipan, m., u. tulipa, f., in der bedeutung 'tulipan pequeño'; portug. tulipa, -ippa, tolipa. engl. seit 1615 tulip, im ausgeh. 16. u. anf. d. 17. jhs. daneben tulipa, tulpia(n), tulipant; holl. tulipaan, tulpaan, tulpe, f., tulp; vläm. tulpant (17. jh.) bei de Boo 1037, tulpane, f., ebda; Paque de vlaam. volksnamen d. plant. (1896) 372; 380, tullepaan ebda; dän. tulipan, tulepnt (insel Als) Jenssen-Tusch nord. plantennavne 249; schwed. tulpaan (1638), tulpan (seit 1640), a. d. holl., daneben im älteren schwed. tulipan, tylipan, älterneuschwed. plur. tulper Hellquist etym. 1025; ordförrd. 522; Lyttkens 1291.
3) osteuropäisch: rumän.: tulipan, m. Tiktin 3 (1925) 1660, als 'provincialism' bei Candrea-Adamescu dict. limbii Române (1931) 1343, als ntr. bei L. Saineanu dict. univ. (51925) 665, tulipa, f., Candrea-Adamescu 1343, tulipana, tulipani, tulpeni Zach. Panţu plantele cunoscute de poporul român vocab. bot. (21929) 145, daneben lalea, f., für tulipa silvestris u. fritillaria imperialis Candrea-Adamescu 692. magy.: tulipan Kelemen Bela magyarnemet (1942) 902, tulipant (heute in den maa. weitverbreitet), das -t viell. nur epenthetisch, s. Zolt. Gomböcz in: magy nyelv. 2 (1906) 263, seit dem 17. jh. bezeugt, zuerst erwähnt 1587 als tulipan im latein. context, s. Csefko in: nepünk es nyelvünk (Szeged. 1930) 1, 15. neugriech. τουλίπη, τουλίπα, s.λέξ. τῆς Ἑλληνικῆς γλώσσης (1933) 2397. slov.-serbokroat. tulipan, m., tulpa, f. Šulek jugosl. imenik bilja (Zagreb 1879) 422, serbokroat. dulipan (Dalmatien) ebda 78, neben lala, lale. bulgar.: tulipan, m., neben lale u. a. Davidov i Javašev materiali za bulgarski bot. rečnik (Sofija 1939) 299. ukrain. dalipan neben tulipan, tulupan, tulpan Makowiecki słown. bot. łac.-małoruski (Krakau 1936) 382b. čech. tulipan, m., Miklosich wb. d. slav. spr. 365. poln. tulipan, m., älter tulipant Brückner slow. etym. jęz. polsk. 584. russ. tjulpán, m.aus dem deutschen stammt obersorb. tulpa, f., neben tulpona Bielfeldt d. dt. lehnw. im obersorb. (1933) 278; Režak dt.-wendisch wb. (1920) 958 sowie lit. tùlpe, f., neben weniger üblichem tulpìja, f., tulpona, f. Kurschat lit.-dt. wb. (1883) 469.

[Bd. 22, Sp. 1704]



4) im deutschen.
a) zufrühst in der form tuliban: ayur (eine türk. blume) ... die wurtzel in jrer farb vnd runde (ähnlich) denen der tuliban, welcher ich auch nit wenig ... bey disen herumb in äckern stehn hab gesehen (in der gegend von Aleppo) (für das jahr 1573) Leonh. Rauwolff beschreib. d. raisz inn die morgenländer (1582) 120; ersahe ich ... (auf dem Libanon) auch ein schön geschlecht der tuliban 282 (blume und name wird also bei dem deutschen leser als bekannt vorausgesetzt): 1625 habe ich tuliban gebawt handschriftl. eintragung in G. Handsch des Mattioli-Camerarius new kreuterbuch (Frankfurt 1611) 442c exemplar d. bot. mus. Berlin; die normalform ist tulipan: bei Lonicerus kreuterbuch (1577) 302a; Mich. Schweicker reysen (Frankfurt 1596) 44; tulipan tulipa Schottel haubtspr. (1663) 1436; tulipa tulipan, eine blum Dentzler clavis lat.-germ. (1686) 815 u. ö. (s. u.). die form tulipant, die bei Busbeq, im engl., holl., poln. u. magy. erscheint (s. o.) und in der bedeutung 'turban' auch in älteren dt. quellen auftritt, ist als, »tulpe« nur für die maa. (lothr., lux., elsäss., Aachen, schlesw., nordfries.) verzeichnet (s. u.). — als masc. (vgl. ital. il tulipano): den tulipan ... derselbig Schweicker reysen (1596) 44; mit dem frembden tulipan (aus dem italianischen) Opitz poem. (1629) 1, 175; der tulipan (vor 1643) Gryphius lyr. ged. 211 lit. ver.; Dav. Schirmer rosengepüsche (1650) 14; sing. rosen (1654) S 1a; (vor 1677) Rachel sat. ged. 95 ndr.; Overbeck verm. ged. (1794) 202; mundartl. heute im Aargau u. Elsasz, s. u. g. als fem.: die persianische tulipan (1642) G. Neumark palmbaum (1668) 276; 1653 bei Paul Gerhardt 3, 398a F. -T.; (1657) Schupp schr. (1663) 57; 100; Treuer Dädalus (1675) 1, 207; Scriver seelenschatz (111737) 1, 321. literarisch bis ins 19. u. 20. jh., s. u. im 17. u. 18. jh. so auch häufig lexikal. gebucht: tullipan, f. Widerhold dict. (1669) 345a; tulipano eine tulipan Kramer it.-ted. (1676) 1785a u. ö.; Weismann lex. bip. lat.-germ. (41698) 594b; J. A. Weber univ.-wb. 2 (1770) 5. anh., 77. — heute als fem. mundartl. im schweiz., bad., schwäb., s. u. g. als neutrum, vgl. oben das neulat. ntr., botanisch: das tulipan bei Lonicerus kreutterb. (1609) 304, auch in späteren ausgaben (1679) 560 u. ö.; tulipan ... von den Anglis wird es in ihren kräuterhistorien lilionarcissus genennet ders. (1765) 559.
b) daneben ist die tulipane vereinzelt im ausgehenden 17. jh., häufiger im 18. jh. belegt, lexikalisch verzeichnet erst in der zweiten hälfte d. 18. jhs., vgl. J. A. Weber lat.-dt. univ.-wb. (31770) 2, 866, sowie unten Weitenauer (1764), Adelung (1780), Braun (1793): Andromache bildete (in einem maskenzug) die ... farben der tulipane ab Lohenstein Arminius (1689) 1, 1378b; die frühe tulipane Hohberg georg. cur. aucta 3, 1 (1715) 588b; vgl. unten sp. 1706 Zedler (1745); allgem. haushaltslex. (1751); eine tulipane Lichtwer Äsop. fab. (1748) 42; (1762) Mos. Mendelssohn ges. schr. (1843) 4, 2, 372; aus einer tulipane J. D. Falk satir. (1800) 2, 127; so in gehobener sprache auch noch im 19. u. 20. jh., die belege s. unten sp. 1706 sowie in den süd- u. südwestdt. maa. s. u. sp. 1706. — die tulipa in den süd- u. südwestdt. maa. s. u.
c) die pluralform tuliban ist für das jahr 1573 bei Rauwolff bezeugt (s. oben a), tulipan bei Simon Dach u. Fr. Spee (s. u.), tulipane vereinzelt bei B. Schupp schr. (1663) 99; in der regel lautet sie tulipanen, vgl. die belege unten, ferner: D. Schirmer sing. rosen (1654) S 2a; tulipanen, so wild wachsen Olearius persian. reisebeschr. (21656) 446; wiesen ... voll tulipanen Lohenstein Ibrahim sultan (1680) 37; florirende tulipanen (1733) bei Solms-Laubach 111; R. Z. Becker mildheim. liederb. (1799) 91.
d) seit den dreisziger jahren d. 17. jhs., zuerst 1632 bei Paul Fleming, begegnet die sing.-form die tulipen, die tulipe (vgl. oben frz. la tulipe, engl. tulip, fläm. tuliepe, dän. tulep); betonung der zweiten silbe ist nur vereinzelt durch metrum u. orthographie zu sichern:

[Bd. 22, Sp. 1705]


es ruffet der violen zucht ...
tulippen der narcissen
Treuer Dädalus (1675) 1, 208;

werfet klee und bunte tulipen
P. Fleming dt. ged. 332 lit. ver.

im singular: tulipa tulipen nomenclator lat.-germ. (Hamburg 1634) 111; Zehner nomenclator (Frankfurt 1645) 163; tulipa eine tulipen, tulipn Corvinus fons latinit. (41646) 921 (noch nicht in der ausg. 1623); tulippe, f., eine tlpe oder eine tulipe und ein tulipan Duez dict. (1664) 1073; die tulipen ... zeuget, dasz ... Treuer Dädalus (1675) 1, 207; die ... tulipe Er. Chr. Homburg Clio (1638) A 2b; Pancovius herbarium (1673) 406; die gestalt der tulipe oder tulipane Hohberg georg. cur. aucta 3, 1 (1715) 589a; tulipe teutsch-lat. wörterbüchl. (Nürnberg 1713) 26; tulpa, -ae die tulipe Pomey indic. univers. (41720) 83; der himmelblauen tulipe Chomel 8 (1751) 2126; farben einer tulipe dorfpred. v. Wakefield (21777) 4. im plural: bunte tulipen (1632) P. Fleming 332 lit. ver.; persianische tulipen Georg Viescher blumengarten (1645) nach Lyttkens svenska växtnamn 1290; J. Schwiger feldrosen (1655) C 11b; tulipen, welche ... haben Harsdörffer secret. (1656) 2, A 2a; Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 1, 371 (daneben tulipanen, s. ob.); von mannigfalt tuliben Dannhawer cat.-milch 3 (1660) 37; der rosen und tulipen zahl Buchner anleitung (1665) 149; Lohenstein Sophonisbe (1680) widm.; tulipanen oder tulipen Hohberg georg. cur. aucta 3, 1 (1715) 588b; tulipen Jablonski allg. lex. (1767) 2, 1604. ein flüchtiger ansatz zur bedeutungsdifferenzierung der formen zeigt sich ganz vereinzelt: obwol alle tulipanen nur von einerley art (nemlich tulipen) sind Hohberg a. a. o. 588b.
e) die form tulpe erscheint in dt. belegen kurz nach 1630, offensichtlich vom ndl. her (über Flandern u. Holland als zentrum des tulpenhandels u. heimat der tulpenzucht, vgl. Solms-Laubach 65 ff.), vgl. holl. tulpe, f., für das Kilian im etym. (41605) 571a, gewisz irrtümlich, die bedeutung des grundworts, 'tiara', angibt, für die pflanze jedoch tulipa lilionarcissus 724b (vgl. dazu R. Loewe a. a. o. 11); im frühesten dt. beleg als tolpe: mit tolpen untermengt (1632) P. Fleming dt. ged. 1, 27 lit. ver.; die tulpen Comenius ianua (7Hamburg 1638) § 133; der tulpen zahl E. Chr. Homburg schimpff- u. ernsthaffte Clio (Hamburg 1638) 1, G 4b; tulpen (Amsteltam 1645) Phil. Zesen adriat. Rosemund 183 ndr.in der sonderform tülpe bei autoren, die beziehung zum ndl. haben: tülpe, eine bluhm, v. tulipan Duez dict. germ.-gall.-lat. (3Amsterdam 1664) 530; eine tülpe ebda 1073; tülpe (randweiser), die tulpe (im text) J. Christ. Beer O. Dappers Afrika (Amsterdam 1670) 615; tulipano eine tulipan, tülpe M. Kramer dizz. ital.-ted. (1676) 1785a; ders. teutsch-ital. 2 (1702) 1161a; nider-hoch-teutsch (1719) 403, tülpenkull, -zwibel tulpenboll hochniderteutsch 216.
f) im verlaufe des 17. u. bes. des 18. jhs. gewinnt die form tulpe immer gröszere geltung, doch so, dasz die verschiedenen volleren formen daneben zunächst bestehen bleiben, oft bei demselben autor; so gebraucht schon Er. Chr. Homburg schimpff- u. ernsthaffte Clio (Hamburg 1638) gleichwertig tulipe u. tulpe A 2b u. 1, G 4b (s. o.), ebenso Jac. Schwieger feldrosen (1655) tulpen C 6b; E 2b neben tulipen C 11b und tulipan D 2b; Lohenstein tulpen (1673) Ibrahim sultan (1680) 116 neben tulipanen ebda 37 und tulipen Sophonisbe (1680) widm.; Lichtwer die tulpe Äsop. fabeln (1748) 42 neben tulipane ebda. ebenso verzeichnen die wbb. seit der zweiten hälfte des 17. jhs. nebeneinander eine tülpe oder eine tulipe und ein tulipan Duez dict. gall.-germ.-lat. (31664) 1073; eine tulpe, tulipan Widerhold nouv. dict. franç.-allem. (1669) 996b; tulipano eine tulipan, tülpe Kramer dizz. it.-ted. (1676) 1785; teutsch-ital. 2 (1702) 1161a; tulp alias tulpe et tulipan Stieler (1691) 323; eine tulipan, tulpe Castelli dizz. it.-ted. (1709) 920; so auch Ludwig (1716) 2038; Kirsch cornucop. (1718) 296; Kramer hoch-niederteutsch 216; Frisch frz.-dt. (1752) 1977; Weitenauer orthogr. wb. (1764) 148. dem entspricht der ansatz mehrerer stichwörter in den allgem. nachschlagewerken

[Bd. 22, Sp. 1706]


des 18. jhs.: tulipanen, tulpen Chomel 8 (1751) 2126; Jablonski allg. lex. (1767) 2, 1604 sowie tulpe, tulipan, tulipane Zedler 44 (1745) 1721; allg. haushaltslex. 3 (1751) 557; tulipane oder tulpe Amaranthes frauenzimmerlex. (31773) 3654.
das stichwort tulpe ohne die volleren formen erscheint häufiger erst gegen ende des 18. jhs., vor allem seit Adelung. das nebeneinander der verschiedenen formen setzt sich aber bis ins 19. u. 20. jh. fort, doch so, dasz bei immer stärkerem hervortreten der form tulpe die form tulipe seit dem ersten viertel d. 18. jhs. seltener wird und im letzten verschwindet, zuletzt 1751, 1767 u. 21777 nachzuweisen (s. ob.), die formen tulipan und tulipane im allgemeinen gebrauch, vor allem in sachlich beschreibender prosa, gerade auch in botan.-gärtnerischen quellen und zusammenhang gegenüber tulpe zurücktreten, vgl.: nach Medien und Arabien zu bringen die felder von selbst tulpen Hirschfeld gartenkunst (1779) 1, 56; tulipa tulpe Chr. Fr. Reusz dict. botan. (1781) 1, 359a; von verblühten tulpen Nicolai reise durch Deutschland (1783) 2, 379; einige rosen, tulpe, johannsbeere (1790) Göthe I 47, 372 W.; tulpen Ratzeburg standortsgewächse (1859) 19; Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 311; dagegen nur vereinzelt noch: (blumen,) die das gartenbeet erzogen sind ranunkeln, narcissen, tulipanen Herder 23, 236 S.; blumen aller art ... narzissen, tulipanen Ritter erdkde (1822) 3, 1146.
tulpe hat sich seit dem ende des 18. jhs. als die normalform in der schriftsprache durchgesetzt. bereits Adelung vermerkt daher: 'in der gezierten sprechart tulipane' versuch 4 (1780) 1101; 'tulpe ... jezt üblicher als tulipane' H. Braun dt. orthogr.-gramm. wb. (1793) 260; 'bei den älteren schriftstellern geziert tulipane' Campe 4 (1810) 909. im 19. jh. halten sich aber tulipan, tulipane, tulipanen neben tulpe, tulpen in gehobener sprache und gewinnen hier mit ihren vollen vokalen einen besonderen klang, vgl. die belege unten, ferner: gleich den tulipanen (1804) Jean Paul (1841) 18, 353 Reimer; Mörike (1905) 1, 240 Göschen; die tote tulipan Lulu v. Strausz u. Torney n. ball. u. lied. (1907) 55; gern im reim, durchweg neben tulpe im versinnern: tulipane (:Mariane) Lichtwer Äsop. fab. (1748) 42; tulipan (:bahn) Brentano (1852) 2, 587; tulipane (:wahne) E. M. Arndt 3, 603 R.-M.; die tulipane mir (:ahne mir) Platen ges. w. (1843 2, 11 Cotta); tulipane (:altane) (1835) A. Grün ges. w. 3, 258 Frankl; tulipanen (:cyanen) Immermann 11, 78 Hempel; tulipan (:majoran) Lulu v. Strausz u. Torney n. ball. u. lied. (1907) 55. — darüber hinaus gelten die volleren formen in den süd- u. südwestdt. maa. (s. u.) und bei der mundart nahestehenden autoren wie Hebel w. 2, 121 Behaghel, der aber auch tulpen braucht ebda 2, 32.
g) mundartlich für gröszere, zusammenhängende gebiete nur im süden (doch für das bairische nur ganz vereinzelt) und im westen bezeugt, in den vollformen, die durchweg bewahrt, z. t. entstellt und volksetymol. umgedeutet sind; auch als tulipa, f. (vgl. ital. tulipa, f.), österr.: tulipana, tulapana, tolopana (oberösterr.) Marzell bei Hegi flora v. Mitteleuropa 22, 304; tulipane Wien Loritza 135, dulibana unter der Enns Castelli 118; tulapona oberpfälzisch Marzell; schweiz.: tulippanə Vetsch Appenzell § 181 (mit fernassimilation pulippanə § 193); schweiz. id. 4, 1186; tulipanə Wanner Schaffhausen 120. tulipana in St. Gallen u. Graubünden nach Marzell; sowie tulibā K. Schmid Entlebuch (kanton Luzern) 168; Seiler Basel 91a; tulipa, m., plur. tulipane Hunziker Aargau 64; turlipa Marzell a. a. o.; badisch: dulibānə, doliban, duləba(ne), tülipa, dulaba, düliba Ochs 1, 589, pulipa badisch (bei Offenburg) Marzell; schwäb.: tulipane, dulibā, dulebā, plur. dulibane, dulbā, dullenblume Fischer 2, 447; 6, 1786; für Rappenau tulipane Meisinger 217; unterfränk. tulipane Ruckert 185; elsässisch: tulipant, tulipan, tylipan(ə), tylipant, dulipa, duliba, tylipa, tylip (gebietsweise als masc.) Martin-Lienhart 2, 678; duliban Ch. Schmid Straszburg 29; gulipa Martin-Lienhart 1, 213; kylipa, m. ebenda; lothring.: tulepant, dolepane (calendula off.), duliba, plur. dulibən, tylipa, tulip

[Bd. 22, Sp. 1707]


Follmann 111; 95; luxemb. tulepant, plur. -en Gangler 459; wb. d. lux. ma. 445; pfälzisch: duleba~, dullebaane, dollebaane, dollebaam, dolleboom, dollpanne, tollpaun, tuddelbohne Wilde d. pflanzenn. i. sprachsch. d. Pfälzer (1923) 247; Autenrieth 34; 37; Marzell a. a. o.; dullebān, dollebān, dulleblum Pennsylvania wb. 46; nassauisch: dollebam, tollebohne (Nauheim) Kehrein volksp. i. Nassau 405; dol(e)beem Hunsrück Marzell; Aachen: tulepant Rovenhagen 148; Müller-Weitz 249. weiter östlich nur sporadisch verzeichnet: taulepa westfäl. (Niederscheden bei Münster), taulipa südhannov. (Münden) nach Marzell; dyləbon Martin waldeck. 278; tulipane Schambach Göttingen 236; dolpane (für Zwenkau bei Leipzig) Albrecht 7 u. Müller-Fraureuth 1, 260; aus den weiter östlichen u. südöstlichen kolonialgebieten weist Marzell nach tulippa Nordböhmen, tolipen Südmähren, talepol Siebenbürgen, tulpaune Westpreuszen. sodann, dän. beeinfluszt, im nordfries.: tulipant Mungard Sölring 231; tulepant Jensen nordfries. 646; schleswig. tulipant, tulepant, tulipantje Mensing 5, 178.
dagegen ist die kurzform tulpe weniger mit der volkssprache verwachsen; sie wird nur sporadisch, bes. in der nähe von städten verzeichnet, zumeist wohl nur aus der hochsprache jünger übernommen, z. t. neben der älteren und verbreiteteren vollform, vgl. 'tulpe ist nur gebildet' Fischer schwäb. 2, 447; vereinzelt als tulwe, dulwe, dulb u. dulle bei J. Wilde die pflanzenn. im sprachschatz d. Pfälzer (1923) 248; als tulpe für Handschuhsheim bei Heidelberg Lenz 72, tulp bei Christa Trier 78 (neben tulipant in der bedeutung 'närrische frau'), tulpe, tulp für Cronenberg bei Düsseldorf Leihener 126, tulp Martin waldeck. 278; Bauer-Collitz 106a, für Berlin Brendicke 185. tölp, Köln, Schravelen (bei Geldern) Marzell. — im schlesw.-holst. neben tulp Mensing 5, 178 sonderformen: tulk, tulg, tülk, tuld, tult ebda; tulkenspitzen (1855) Klaus Groth ges. w. (1898) 3, 20; tülpe bei Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 445. bedeutung und gebrauch.
1) gartentulpe, tulipa Gesneriana L., sammelname für zahlreiche, kultivierte, meist durch züchtung gewonnene sorten, verschieden nach form und färbung der blüten, vgl. Solms-Laubach weizen u. tulpe (1899) 54; Hegi flora v. Mitteleuropa 22, 305; Ascherson-Gräbner synopsis d. mitteleurop. flora 3, 207.
bald nach ihrem ersten auftreten gewann die blume rasch gröszere verbreitung und gröszte wertschätzung, die seit dem anfang des 17. jhs. zu einer leidenschaft wurde, bes. in Holland, wo der tulpenhandel zu einem börsenspiel u. schwindelgeschäft ausartete, vgl. B. Schupp: da ich in Holland studirete, war eine sonderliche pestis animorum unter den reichen leuten wegen der ... tulipanen ... ich halte dafür, es sey eine rechte insania gewesen, ein rechter schwindelgeist, welchen gott damals unter die Holländer geschickt, dasz sie die tulipane so hoch ästimiret haben ... ein kauffmann zu Amsterdam eine zwiebel von einer tulipan gekaufft hatte umb 500 holländische gülden schr. (1663) 99; vgl. weiteres unter tulipist, tulipomanie, tulpenfreund, -handel, -kultus, -narr, -schwindel, -sucht, -zwiebel. im übrigen sieh Solms-Laubach a. a. o. 73 ff.
a) von anfang an ausdrücklich als gartenblume gekennzeichnet; zunächst in den lustgärten der vornehmen, später auch in bürger- und bauerngärten: das tulipan ... in fürsten und herrn lustgärten Lonicerus kreuterbuch (1609) 304; die tulipanen in den lustgärten (für d. j. 1636) Seb. Bürster beschr. d. schwed. krieges 101 Weech; wihr wollen ... hin-unter in den garten ghen und uns an den frisch-aufgeblheten tulpen erlustigen (1645) Zesen adriat. Rosemund 183 ndr.; nichts ist, sagt man im sprichwort, ... über einen schönen blumengarten von mannigfalt tuliben, gewächsen und arten Dannhawer cat.-milch 3 (1661) 37; die tulipane ... welche jetzo in vielen baurengärten gesehen werden B. Schupp schr. (1663) 99; die stoltze tulipan ... Lipsius nennet sie der garten sinnbild

[Bd. 22, Sp. 1708]


Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 207; von kindheit auf war ich gewohnt in wohleingerichteten ziergärten den flor der tulpen ... bewundert zu sehen Göthe II 6, 98 W.;

komm, wollen im garten
lustwandeln gehn,
tulpen mancher arten
flora mahlen sehn
maler Müller w. (1811) 1, 200;

mein hauswirth hat mir eine rabatte eingeräumt, auf der meine tulpen bald blühen Görres ges. br. (1858) 1, 491; den garten ... wo auf den beeten vor den grünen heckenwänden soeben die tulpen aus der erde brachen Storm s. w. 4, 278 Köster.
b) als frühlingsblume:

die tulpen ...
der gärten frühe zier bei
Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 211;

die frühe tulipane Hohberg georg. cur. aucta 3, 1 (1715) 588b; seh ich nun schon seit sechs wochen die tulpen blühen und verblühen, nunmehr aber die rosenknospen hervorbrechen (25. juni 1824) Göthe IV 38, 166 W.;

die tulpe blüht schon in den frühsten tagen,
die rose schläft, bis heiszre glut sie weckt
E. Schulze d. bezauberte rose (1852) 45;

auf den ... beeten keimten märzbecher und frühzeitige tulpen hervor Holtei erz. schr. (1861) 23, 231. daher sprichwörtlich: man musz im herbste nicht mehr von rosen und tulpen träumen Winckler 2000 gutte gedancken (1685) C 1b.
c) die fremde herkunft bleibt bekannt und wird gern betont:

sein begräbnis und gebein
allenthalben auszuziehren
mit dem frembden tulipan
Opitz dt. poemat. (1629) 1, 175;

wo schwertelblum, wo fremder tulipan
A. Gryphius lustsp. 186 Palm;

tulipan, lilionarcissus, ein schöne türckische blume Lonicerus kreuterbuch (1577) 302a; persianische tulipen Georg Viescher blumengarten (1645) bei Lyttkens 1290; die persianische tulipan (beiname Friedrichs, herzogs zu Schleswig-Holstein, in der fruchtbringenden gesellschaft für das jahr 1642 nr. 388) bei Georg Neumark d. neuspross. teut. palmb. (1668) 276; später wird in der regel auf die europäische heimat der tulpenzucht, Holland, hingewiesen, s. ob. sp. 1705: meine holländischen tulpen Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 1, 17; die aurikel und holländischen tulpen auf den rabatten ausputzend Storm s. schr. (1868) 4, 90.
d) die farbenpracht wird immer wieder mit bewunderung zum ausdruck gebracht: ein schön geschlecht der tuliban mit gelblechten strmen (1573) L. Rauwolf beschr. d. raisz (1582) 282; der tuliban, welcher ich auch nit wenig mit purpurfarbgelben blmen ... in äckern stehn hab gesehen (in Syrien) 120; die blumen aber über die maszen schön und von allerlay farben alsz grüen, roth, blau, gelb insonders die tulipanen (für 1630, geschr. 1644) Seb. Bürster beschr. d. schwed. krieges 13 Weech;

narcissus und die tulipan
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis seyde
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 398a;

der güldenen tulipen zahl Buchner bei Schottel haubtspr. (1663) 904; eure gesprengte tulipen Hohberg georg. cur. aucta 3, 1 (1715) 592; so wie einige menschen mit entzückender bewunderung die farben einer tulipe oder eines zweyfalters beschauen können dorfprediger v. Wakefield (21777) 4;

o tulipane, wer hat dir
mit allen farben der sonne den offenen busen gefüllet?
Ew. v. Kleist w. (1760) 2, 17;

sieh, wie dort die tulp' im beete
sich in purpurfarbe schmückt
Miller ged. (1783) 2;

auch mit fast typisch werdenden adjectiven und verben: zwiebel von einer schönen tulipan B. Schupp schr. (1663)

[Bd. 22, Sp. 1709]


57; eine schöne, rare tulpe Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1161a; die raren und schönen tulipanen Chomel öc. lex. 8 (1751) 212; die raresten tulipen Hohberg georg. cur. aucta (1682) 1, 664b;

die stolze tulipe so hoch geschätzet ward
E. Chr. Homburg Clio (1638) A 2b;

die stolzen tulpen J. J. Schwabe belustig. (1741) 4, 10;

werfet klee und bunte tulipen
P. Fleming dt. ged. 332 lit. ver.;

Wieland I 1, 31 akad. ausg.; B. Mayr päckchen satiren (1769) 64; die lakaien ... bunt wie tulpen H. Heine s. w. 7, 130 E.
in verbindung mit verben wie prangen, leuchten, u. ä.:

... das prangen
der schönen tulipen
J. Schwiger feldrosen (1655) C 11b;

tulipanen prangen schön
Chr. F. Weisze kl. lyr. ged. (1767) 3, 32;

vgl. unten Göthe I 1, 346 W.; Herder 25, 250 S.;

wie leuchtet dort der tulipanen pracht
Joach. Neander bundeslieder (1860) 164;

die schimmernde tulipane E. M. Arndt s. w. 3, 103 Rösch-Meisner. vgl. zusammensetzungen wie tulpenpracht (tägl. rundschau [1908] nr. 175, 1. beil. 3a), -schimmer (Max Waldau blätter im winde [1847] 135) u. ähnl.
von daher auf mädchen und frauen angewandt:

sie ist meine rose,
meine gold-zeitlose
und mein edler tulipan
D. Schirmer singende rosen (1654) S 1a;

sind das (die jungen ladies) die schönsten tulpen Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 1, 17; vergleichend:

drauf wäscht im flusz sie (die nymphe) wang und mund,
rothblühnd wie tulipanen
Immermann w. 11, 78 Boxb.,


als beispiel schnell vergänglicher irdischer pracht:

der tulipan
wird, weil er gläntzt, von jungfern abgeschnitten.
schau menschen an!
sie haben schmach, um dasz sie schön, erlitten
A. Gryphius lyr. ged. 211 lit. ver.;

die zier der tulipan und nelcken
musz offt vor abends noch verwelcken,
wie schön sie uns auch angelacht
Simon Dach 442 Österley;

so war der Ammon schon als lebendig verblichen,
ein schatten seiner selbst, ein welkker tulipan,
der sein gekröntes haupt nicht mehr erheben kan
Rachel satyr. ged. 95 ndr.;

das himmelfarbe ehrenpreis,
die tulipanen gelb und weisz ...
senkt alles zur erden.
was wird nur draus werden?
hüt dich, schönes blümelein! bei
A. v. Arnim s. w. 13 (1845) 60 (wunderhorn);

im vergleich: der fürsten gnade ist wie tulipanen, wenn sie in der farbe am höchsten, so sind sie der verwelckung am nächsten Joh. Hoffmann polit. Jesus Syrach (1740) 108.
e) neben der allgemeinen bewunderung und wertschätzung macht sich auch kritik bis zur ablehnung geltend; anlasz dazu ist nicht selten die tatsache, dasz die tulpe keinen duft hat. zunächst rein feststellend, wie schon bei Busbeq: 'tulipanti aut nullus aut exiguus est odor' legat. Turc. epist. quat. (1595) 33; was belangen thut den tulipan, hat derselbig gar keinen oder ein sehr geringen geruch Mich. Schweicker reysen u. bottschafften (1596) 44; tulipan tulipa, flos elegantissimus, sed odoris expers Stieler stammb. (1691) 323;

an tulpen ist kein biesam nicht zu schmecken
Lohenstein Ibrahim sultan 116;

es ist gut ... dasz die tulipanen nicht so wol riechen als sie schön seynd, denn wie sie ihrer viel halb bethöret, so würden sie dieselbigen gar zu thor und narren machen Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 207; ich ... mache der tulpe so wenig einen vorwurf, dasz sie nur das auge ergötzt, als ich es der nachtviole verdenke, dasz sie nicht bei tage riecht J. Möser s. w. (1842) 4, 44;

[Bd. 22, Sp. 1710]


eher pflück ich, wenn auch nie sie duftet,
als jasmin und rosmarin die tulpe
Platen ges. w. (1839) 71b.


mit negativem accent, der leicht abschätzige beiwörter heranzieht:

prangt mit den farben Aurorens, ranunkeln, tulpen und astern!
hier ist ein dunkles blatt, das euch an dufte beschämt
Göthe I 1, 346 W.;

die äuserlich-ansehnsprächtige, aber dem nutzen nach untüchtige tulipanen Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 1, 5. vermenschlicht:

spröde tulpen, die nicht duften,
aber prangen und stolzieren
Herder 25, 520 S.;

eitler tulpen pracht Göthe I 16, 139 W.; die eitle tulipane (1835) A. Grün ges. w. 3, 258 Frankl; die geschminkten tulpen grüszten mich bettelstolz herablassend H. Heine s. w. 3, 157 Elster. gehaltvoller, aufs menschliche bezogen: was sind denn die compliment? ... tulipen, welche ein liebliches ansehen, aber noch geruch noch gebrauch in der artzney haben Harsdörffer teutscher secret. (1656) 2, A 2a; eine gattung solcher hingestreueten gedanken könnte man also den veilchen vergleichen; ihr duft kündigt sie an; sie selbst verbergen sich bescheiden. eine reihe andrer, die das gartenbeet erzogen, sind ranunkeln, narcissen, tulipanen, dem auge schön, aber geruchlos Herder 23, 236 S.; als metapher: die mutter wacht nun ganz allein schon vierzehn nächte bei ihr (der schwester Regula) ich kann nichts helfen, ich bin die unnütze zierpflanze, die geruchlose tulpe (1847) G. Keller br. u. tageb. 2 (1916) 154. als vergleich: sie (eine dame) war wahrhaftig recht schön roth und dick und gar prächtig und hoffärtig anzusehn, wie eine tulipane (1826) Eichendorff s. w. (1864) 3, 10. vereinzelt mit einer im persönlichen empfinden begründeten ablehnung der blume überhaupt: man musz ein Holländer seyn, um mit einer tulpe zu sympathisiren, und dann ist auch die sympathie dieser wassermänner sehr phlegmatisch Göthe I 37, 62 W.
f) oft zusammengestellt mit andern blumen, die sich gleicher wertschätzung erfreuen oder mit solchen, die in derselben jahreszeit blühen; bes. mit fremdländischen wie hyazinthen und narzissen schon bei Busbeq: florum copia offerebatur narcissorum, hyacinthorum et eorum, quos Turcae tulipan vocant legat. Turcic. epist. quat. (1595) 33;

mit dem fremden tulipan,
tausendschön und majoran,
mit violen und narcissen
Opitz dt. poem. (1629) 1, 175;

wo fremder tulipan,
narcisz und raut und frischer majoran,
wo hyazinth, wo immergrne myrten
A. Gryphius lyr. ged. 186 lit. ver.;

die königscronen, tulipanen, narcissen, hyacinten und andere blumenzwiblen Grimmelshausen 2, 517 Keller;

es ruffet der violen zucht,
der schlüsselblumen schnelle flucht,
tulippen der narcissen
Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 208;

der bunteste ... blumengarten ..., in welchem tulpen, rosen und lilien ... leuchteten Tieck schr. (1828) 4, 369; Tobias half den (gärtner-)gesellen zwiebeln setzen: tulpen, hyazinthen H. E. Busse Tulipan (1927) 90. in eigenwilliger ausdeutung: nährvater Christi ... wie Josef, weswegen denn billig diese schöne schneeweisze josefinische lilien über alle veigeln der patriarchen ... über alle rittersporn der märtyrer, über alle tulipanen der beichtiger, über alle narzissen der jungfrauen ... gesetzt Abraham a s. Clara w. 1, 80 Strigl. so häufiger im gegensatz zu blumen und pflanzen mit anderem symbolgehalt:

die keuscheit ist bey gott so kräfftig, wehrt und rein
als tausend lilien für einer tulpe sein
Angelus Silesius cherub. wandersm. 60 ndr.;

[Bd. 22, Sp. 1711]



als sinnbild glücklich-frohen lebens:

tulpen, ihr werdet gescholten von sentimentalischen kennern;
aber ein lustiger sinn wünscht auch ein lustiges blatt
Göthe I 1, 346 W.

so schon im 17. jh.:

wirf den myrtenkrantz hinweg. kröne dich nur mit zypressen,
bisz du, mein betrübtes hertz, deines leides hast vergessen,
das dir mark und bein durchdringet, wirf die tulp und rosen hin;
du solst die betrübnüszblum amaranthen itzo tragen,
und dich einsam und allein aller frölichkeit entschlagen
Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustwald (1657) 1, 321;

vereinzelt bei Fleming diesen trauerblumen beigesellt:

ich hätte wollen wol des herren grab bespreiten.
mit blauen veiligen ... für erde, sand und staub
hätt ich die rosmari und amaranthen geben,
mit tolpen untermengt, dir (Christus) aller blumen leben (1632) dt. ged. 1, 27 lit. ver.


g) volkstümliche kunst liebt tulpen als verzierung auf möbel, auf kleiderschränke, truhen u. dergl. gemalt Martin-Lienhart elsäss. 2, 678: sie kniete jeden sonntagmorgen vor ihrem grün angestrichenen und auf dem deckel mit prächtigen tulipanen bemalten koffer nieder B. Goltz ein jugendleben (1852) 2, 226; ich aber sasz an dem fichtentisch mit den rothen und blauen gemalten tulpen Gaudy s. w. (1844) 4, 134. vgl.: von tulpen als verbreitetem, volkstümlichen ornament auf bauernmöbeln in Ungarn seit dem 17. jh. berichtet Gomböcz in: magyar. nyelv. (1906) 2, 266.
2) feldtulpen, wildtulpen. 'wilde tulpe' tulipa silvestris L., angeblich von Bologna aus seit mitte des 16. jhs. verbreitet, schwach duftend, innen dottergelb' Hegi flora v. Mitteleuropa 22, 306. davon zu scheiden die erst seit dem 18. u. 19. jh. verbreiteten rotblühenden und rotbunten formen (neutulpen), die durch variation und kreuzung von gartentulpen entstanden sind ebda 305; Solms-Laubach weizen u. tulpe 37 ff. ital. Bolognino, frz. tulipe sauvage, engl. wild tulip, the italian yellow tulip, ndl. boschtulp.: tulipa silvestris gelb tulipan J. Bauhin (1650) nach Lyttkens 1291; tulipa kleine wilde tulpe Chr. Fr. Reusz dict. bot. (1781) 1, 359a; tulipa silvestris, tulipa minor lutea italica et gallica die wilde tulpe, die italienische tulpe Nemnich 4 (1795) 1503; Hirschfeld gartenkunst (1779) 4, 145; Holl (1833) 385a; wilde duliba Ochs bad. 1, 589; Martin-Lienhart elsäss. 2, 678; wille tulp Mensing schlesw.-holst. 5, 178.
3) für andere blumen mit z. t. ähnlicher blüte, mundartlich und lexikalisch. so für die schachblume, fritillaria meleagris Nenmich wb. d. naturgesch. (1796) 606; Campe 4, 909; Mensing schlesw.-holst. 5, 178. — für papaver rhoeas, klatschmohn Martin-Lienhart elsäss. 1, 273a; 2, 678; Ochs bad. 1, 589. — anemone vernalis: wilde tulpe, die blume gleichet an gestalt fast einer tulpe (1776) Mattuschka flor. Silesiaca 1, 500 bei Marzell 1, 304; tulipane in Graubünden, ebda, 'sammelname für alle anemonenarten' Aug. Ulrich (1897) beitr. z. bündn. volksbot. 8; Holl pflanzenn. (1833) 385a; Campe 4, 909. — calendula officinalis dolepane Follmann lothr. 95 (die aber nicht die geringste ähnlichkeit hat, s. Marzell 1, 722). für die scharlachrote blutblume haemanthus coccineus L. Nemnich wb. d. naturgesch. (1796) 606; Campe 4, 909. — in Dithmarschen für die weisze seerose, nymphaea alba Mensing schlesw.-holst. 5, 178, moortulp ebda 3, 673. wassertulepant gelbe nixblume, nenuphar luteum wb. d. lux. maa. 445. tulpla (Westböhmen), lila tulpe (Dillkreis), herbstulep (bei Trier) für colchicum autumnale Marzell 1, 1100.
4) eine art muschel, die see- oder meereichel, seetulpen, lepas tintinnabulum L. Nemnich wb. d. nat. gesch. (1796) 606; Campe 4, 909. aufgehende tulipanen eine art einschaliger seemuscheln Zedler univers. lex. 44 (1745) 1729. eine art stachel- oder felsenschnecke, in den westindischen meeren, murex tulipa L. Campe. vgl. DWB seetulpe teil 9, 2828: es ist wahr, dasz sich auf einem kupfernen boden ... keine eichelmuscheln oder seetulpen ansetzen Georg Forster kl. schr. (1789) 1, 97.

[Bd. 22, Sp. 1712]



5) tulpe als bezeichnung für verschiedene, tulpenähnlich geformte gegenstände.
a) in der architektur: die ... stäbe der säulen (des altares), die baldachine und die untersätze sind mit gröszeren und kleineren sogenannten tulpen verziert Stifter s. w. (1904) 14, 301; vgl. tulpenähnlich.
b) dulipane, duleba heiszt in Schwaben ein instrument zum höherstellen des pflugs Fischer schwäb. 2, 447, die eiserne unterlage des grindels am pflug ebda 6, 1786.
c) kelchartiges (bier-)glas, die hälfte eines seidels enthaltend Hoffmann v. Fallersleben volkswörter in: J. M. Wagners archiv 1 (1874) 280; mundartlich verbreitet: tulpe kleines bierglas Elberfeld 166; Leithäuser Barmen 161; Leihener Cronenberg 126; Müller-Fraureuth 1, 260; Albrecht Leipzig 225; Brendicke Berlin. wortsch. 185; e tulpche bier, grog Betke Königsberg 70; 62; un supen ene tulp na den anjern iin Mensing schlesw.-holst. 5, 178; Ochs bad. 589. auch sonst volksläufig u. umgangssprachlich, vgl. z. b. kladderadatsch 18, 218a; 19, 43b u. ö.: um die buffets drängte sich die menge, und zwischen einer tulpe echtem und einem zungenbrötchen wurde über dichtung und darstellung zu gericht gesessen daheim 31, 22a; ein schluck serbet gereicht in einer krystallschale oder tulpe (1890) G. Freytag br. an s. gattin (1912) 415; 117; nur ein paar biertulpen waren oben, so tranken sie den sekt aus diesen Cl. Viebig d. schlafende heer (1904) 1, 160; vgl. DWB tulpenglas; tulpenform, tulpenhaft.
d) tulpenförmige lampenglocke: lichtfluth, die der lampentulpe der wandleuchter entströmte gartenlaube 27, 225a; vgl. tulpenartig. dieselbe übertragung im rumän. (tulipa Candrea-Adamescu dict. encic. [1931] 1343) und span. (Slaby-Groszmann dicc. de la leng. esp. y alem. [1932] 699).
e) für ein gebäck: in Nördlingen backt man die tulpen (als osterbrot) hdwb. d. dt. aberglaubens 6 (1934) 1319.
f) mehr scherzhaft gemeinte volkstümliche benennungen; so für den preusz. soldatenhelm, wie er von Friedrich Wilhelm IV. eingeführt wurde; umgekehrt hat er die form einer tulpe, die helmspitze gilt dann für den stiel Hoffmann v. Fallersleben in Wagners archiv (1874) 1, 280; blechhaube ... oder tulpe wird ... der helm der soldaten genannt v. Alten handb. f. heer u. flotte (1909) 2, 324; Imme soldatenspr. 114; die alte tulpe abgenommen und mit der leichten mütze vertauscht volkszeitg. 12, 53 bei Sanders 3, 1401; auch gewittertulpe für den schützengrabenhelm René Delcourt argot allem. (1917) 110. — tulpe regenschirm (Dresden) bei Albrecht d. Leipzig. ma. 225b. regentulpe Müller-Fraureuth 1, 260; durch wind umgestülpter regenschirm Brendicke Berliner wortsch. 185. die schwarze tulpe cylinderhut H. Ostwald rinnsteinspr. 167. — in Leipzig tulpe für 'kopf': ich geb der eens of de tulpe Müller-Fraureuth 1, 260. für nase Brendicke Berliner wortsch. 185.
6) auf menschen bezogen (s. auch unter 1 d). in südwestdt. maa. tulipan als geringschätzende bezeichnung für frauen und mädchen, tūlepaanə törichte frauensperson Meisinger Rappenau 217; Ochs bad. 1, 589; tulipan dummes mädchen Martin-Lienhart elsäss. 2, 678; alte jungfer du ale tulepant Follmann lothr. 111; Luxemb. 445; närrische frau Christa Trier 178. mit anderm gehalt gelegentlich für männer in nordwestdt. ma.: tûlepant, m., allerweltskerl Jensen nordfries. 646 (vgl. engl. slang my tulip für 'my fine fellow' Murray 10, 1, 457). tûlepant schimpfwort, unzuverlässiger mensch Jensen nordfries. 646.
 
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tulpen, tülpen, dülpen, vb., 'schlagen' besonders aus dem alem. sprachraum bezeugt: batuo schlahen, tulpen Frisius dict. (1556) 152b; dulpen, tülppen plangere ders. (1590) bei Diefenbach-Wülcker 374; dulpen percutere Maaler (1561) 93; tülpen, redlich darauff schlahen deverberaro, adhibere plagas, batuere ... dimicare ebda 411; Stalder schweiz. 1, 326; schwäb. tulpen, mit der faust schlagen, bes. kinderausdruck Fischer schwäb. 2, 448. vgl. das compos. abdülpen: ich wil dich abschmeiszen, schlagen, knullen, schmieren, dreschen ... ich wil dich

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abdülpen, so im Schweitzerlande gemein ist L. Thurneysser onomast. 2 (1583) 29, sieh oben teil 1, 22; 2, 1509 sowie ertülpen 3, 1035. mnld. vereinzelt lexikalisch gebucht: tulpen, slaen battre, frapper, piler; batuere, verberare, tundere, contundere Plantijns thes. theut. (1573) H h 2b, tulpen j. slaen batuere, verberare; ger. dulpen, tulpen Kilian (1605) 571a ('in der mnl. literatur aber keine spur zu finden' Verwijs-Verdam 8, 765). nd. dölben 'schlagen' bei Ehrismann P. u. B. beitr. 20, 60, der auch mhd. tolben (er wil si minne tolben 'einbläuen' Hugo v. Langenstein Mart. 71, 109) heranzieht.zur herleitung vgl. Ehrismann a. a. o., Walde-Pokorny 1, 866, teil 3, 1035, wo tülpen 'schlagen' zu ahd. (bi-)telpan, mhd. telben, ags. delfan, mnd. ndl. delven 'graben', russ. dolbit 'aushöhlen, meiszeln', apr. dalptan 'durchschlag', russ. doloto 'meiszel' usw. gestellt wird.

 

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