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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tullen bis tüllkleid (Bd. 22, Sp. 1700 bis 1701)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tullen, tüllen, vb., 'mit einem durch einen glühenden bolzen erhitzten, runden eisen, dem sogenannten tulleisen, tülleisen die bänder und spitzen einer haube runden und steifen' (Frischbier pr. 2, 415), s. unter tollen teil 11, 1, 1, 638 u. vgl. DWB tülleisen.
 
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tullern, vb., 'durch schlagen (einen kreisel) in drehende bewegung setzen, kreiseln', vereinzelt in neuerem sprachgebrauch (vgl. rhein. düllen 'mit dem holzkreisel spielen' rhein. wb. 1, 1548; Cronenb. dylən, dilən kreisen Leihener 26; sowie die in nd. maa. geläufige komposition dyldǫp 'holzkreisel' ebda; dulldopp 'kreisel' rhein. wb. a. a. o.; tuləkop kreisel Martin ma. v. Rhoden 278 u. dullhärmken knopf mit durchgestecktem streichholz zum kreiseln Frederking Hahlen 28. über die verbreitung dieser formen s. W. Mitzka dt. wortatlas 1 [1951] 21ff., dazu die karten nr. 29—32): tullern (das schlagen des kreisels) geschah im herbst Bähr eine deutsche stadt (Kassel) (1886) 119.
 
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tüllgardine, f., ziervorhang aus tüll: die herstellung von ... tüllgardinen auf der bobbinnetmaschine datirt seit einführung der jacquardmaschine Karmarsch-Heeren techn. wb. 8 (1885) 376; beschäftigt, die rote wollschnur der tüllgardinen ... einzuhaken Fontane ges. w. I 5 (1905) 18; die sonne (schien) bei meinem erwachen hell durch die tüllgardinen Timm Kröger wohnung d. glücks (1897) 59;

und drin ein dörfchen mit sonntagsmienen,
ein kleines haus;
ein blondkopf nickt aus den tüllgardinen
verstohlen heraus
Rilke ges. w. (1927) 1, 110.


 
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-garniert, adj., mit tüll besetzt (vgl. tüllgarnitur): und Ellian sasz im lichterschein in ihren [!] seidenen, rüschenreichen, spitzenbesetzten, tüllgarnierten kleidchen O. Gmelin haus d. träume (1937) 161. —
 
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-garnitur, f., zierbesatz aus tüll: heute trug sie ein seegrünes seidenkleid, das an hals und ärmeln tüllgarnituren hatte ebda 45. —
 
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-gewebe, n., gazeartiges gewebe: die kettenfäden des tüllgewebesfehlen (Valenciennesspitzen) Karmarsch-Heeren techn. wb. 8 (1885) 368. —
 
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-grund, m., entsprechend wie spitzen- u. stickgrund (s. dort, sowie teil 4, 1, 6, 730 s. v. grund): tüllgrund ... eine der bekanntesten grundarten findet sich ... als unterlage für die verschiedenen applicationsarbeiten und tüllstickereien Karmarsch-Heeren techn. wb. 8 (1885) 367; zum besticken des tüllgrundes wähle man nur weichen, glänzenden faden Dillmont encycl. d. weibl. handarb. 577. —
 
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-häubchen, n.: ich bin fest überzeugt, dasz ich nicht dümmer aus meinem tüllhäubchen hervorsehe als alle die hagern oder feisten tröpfe aus ihren allongeperücken W. Raabe s. w. I 6, 25 Klemm.
 
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-haube, f., aus tüll angefertigte weibliche kopfbedeckung (vgl. spitzenhaube): mit seinem eheleiblichen schäfchen über tüllhauben reden Gaudy s. w. (1844) 12, 108; eine ältliche dame ..., grau gekleidet mit weiszem tuch und kleiner tüllhaube Fontane ges. w. I 1 (1905) 27; bildlich: daweilen sitzt die deutsche revolution in der weiszen tüllhaube der freischärler (1848) 22a.

[Bd. 22, Sp. 1701]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tullian, m., 'name eines bekannten spitzbuben und danach als gattungsname' (Sanders 2, 2 [1865] 1401):

nach recht und urtheil, mit dem prügel
ward vor dem frohen hausgeflügel
ein dieb und and'rer tullian,
ein schlimmer wiesel, abgethan
Lichtwer schr. (1828) 10.


 
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tüllkleid, n., kleid aus tüll: sie trug ein hellfarbiges ... einfaches tüllkleid Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 4, 221; ich trage ein rosaseidnes tüllkleid mit gelblichen spitzen Georgy Berliner range (1900) 1, 185. —

 

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