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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tulke bis tüllgardine (Bd. 22, Sp. 1692 bis 1700)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tulke, f. , mundartliche weiterbildung von tüle (s. d.) und mit ihm bedeutungsgleich. ostmd. in mannigfaltiger verbreitung: tülke haushaltung in vorwerken 96 Ermisch-Wuttke; Knothe ma. i. Nordböhmen 108; ohne umlaut tulke Gerbet Vogtland 66; für das Egerland s. Frommanns zs. 6, 174; Petters beitr. z. gesch. Böhmens (1864) 38 neben tulge ebda 39; tulkn Neubauer Egerländer ma. 53; tulkn, dulkn (Bayreuth) Bayerns maa. 2, 268; dulcken Hertel Thüringen 86; entrundet tilke Weinhold schl. 98, auch für Nürnberg; Knothe ma. i. Nordböhmen 176; vgl. für Nordböhmen auch Frommanns zs. 2, 239. ostfriesisch: dolk, dulk Berghaus 1, 339; Stürenburg 35; Doornkaat-Koolman 1, 311 u. 1, 310 (s. v. döle).
1) flache vertiefung im erdboden, mulde: bienenstöcke sollen stehen in dem bluemengarten, so verwahrt sei, in einer tülke oder thälgen haushaltung in vorwerken 96 Ermisch-Wuttke; vgl. Gerbet Vogtland 66; Hertel Thür. 86; Weinhold schl. 98; Knothe ma. i. Nordböhmen 180; Petters a. a. o. 38; Neubauer Egerländer ma. 53; für das Egerland vgl. auch Frommanns zs. 6, 174; für Nordböhmen ebda 2, 239.
2) vertiefung in einem gegenstand, eingedrückte stelle, bes. in metall Jecht Mansfeld 114; Gerbet Vogtland 66; Petters a. a. o. 39.
3) eindruck im körper, verwundung u. dgl. (Bayreuth) Bayerns maa. 2, 268. — dolk, dulk 'grübchen in der wange' ostfriesisch Berghaus 1, 339; Stürenburg 35; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 311 und 1, 310 s. v. döle.
 
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tulken, tülken, vb., 'lallen, stammeln', formvariante von tolken, dolken, dalken (s. teil 2, 699):

er kann nicht gar wol reden noch,
er tolket (var. tülket A) als ain kind doch
Heinrich v. Neustadt Apollonius 4728 Singer;

[Bd. 22, Sp. 1693]


so noch mundartlich nachweisbar: dulken stammeln, unvernehmlich sprechen, als wenn man brei im munde hätte; die worte erst nach und nach ... hervorstoszen Delling bayr. 1 (1820) 139.
 
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tulken, tülken, vb., saugen; k-ableitung von tüllen in nl. tullen 'saufen, sich betrinken'; mecklenburg. tüllen 'trinken' Mi mecklenb. 95 = hd. zullen, züllen (s. teil 16, 4, 526; vgl. auch ebda 527 zulpen 'saugen'): tulken Klein prov.-wb. (1792) 2, 201; brem.-nieders. 5 (1771) 127; Schambach Göttingen 236; Damköhler Nordharz 197; tülken Fromme Hohenbostel (nieders.) 86 Alpers; Danneil altmärk.-plattdt. 228 bucht tulks'n 'vom eifrigen saugen der lämmer gebraucht'.
 
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tüll, n. , 'palisade, zaun, wall; balken, brett'. vom ende des 13. jhs. bis zum 17. jh. obd., vor allem bayr.-schwäb. (Augsb.) bezeugt. in der bedeutung 'saepes, vallum' gleichbedeutend, gleichaltrig und gleicher lebenszeit mit dem kollektiv getülle, s. teil 4, 1, 3, sp. 4570; gedille teil 4, 1, sp. 2055; gedülle ebda sp. 2051; Fischer schwäb. 3, 145 s. v. gedille; Schmeller-Fr. bayr. 1, 602 s. v. tüll; Fischer schwäb. 2, 206 s. v. dile. herkunft und form.
ahd. nicht bezeugt. tüll erscheint im 13. jh. in der bedeutung 'zaun' neben älter bezeugtem till 'balken' (ahd. dil aus *þeli(z), dillo aus *þeljen-, dille aus *þeljō(n) als glossierungen zu lat. *cinulus [lies scindulus], pluteus, planca, [ima pars navis], laterculus, area [planities tabularum] ; mhd. dil, dille 'brett, planke, bretterwand, verdeck' Benecke-Müller-Zarncke 1, 331a; Lexer 1, 432 f.), das nhd. noch mundartlich als dill, till, m. f. n., 'dickes brett, balken' lebendig ist, vgl. Wilmanns 1, 190; Fischer schwäb. 2, 206; Schmeller-Fr. bayr. 1, 500; siebenbürg.-sächs. wb. 2, 41. obwohl auch die andern germ. sprachen nur die e-stufe *þel- zeigen, wird man doch mit W. Grimm (teil 2, sp. 1101 s. diele 7) wegen der bedeutungsdifferenz tull und tüll als ablautsformen zu till ansehen müssen. tüll lediglich als rundung von till aufzufassen (womit vor allem in jüngerer zeit zu rechnen ist), ist auch deshalb unwahrscheinlich, weil schon im 13. jh. umlautlose formen bayrisch und alemannisch belegt sind (s. u.). erst im 16. jh. erscheinen i-formen in der bedeutung 'zaun' und ü-formen in der bedeutung 'brett, balken'. vgl. ferner dul, m., 'diele' luxemburg. 75; tillhag, tollhag, tüllhag 'zaun' schweiz. id. 2, 1072; tilboum, tollbaum ... 'tragbalken für zimmerdecke, brücken usw.' ebda 4, 1247. einmaliges tall (Augsb. um 1530) städtechr. 23, 7 ist wohl fehler.die ablautsform germ. *þul- kehrt sicher wieder im bslav. lit. tìlės, f. pl., 'bodenbretter im kahn', lett. tilaudas 'bretter, welche die diele eines bootes bilden', aksl. tla, n. pl., 'fuszboden', russ. tlo 'grund und boden' u. s. w., s. Walde-Pokorny 1, 740; Trautmann bsl. wb. 321.
anlautendes d- bleibt selten: dülle Buck flurnamenb. 46; dull vocab. theut. (1482) z 3a; die umlautbezeichnung fehlt öfter; vgl. auszer den unten angegebenen belegen (um 1280) Augsburger stadtb. 147, 9 Meyer; (1482) monum. Boica 6, 317; (1394) bei Heumann opusc. (1747) 322; (um 1400) reimchron. d. Appenzeller krieges 39 Arx; ferner Diefenbach gl. 606a; nov. gl. 376b. für die till- und dill-formen vgl. Diefenbach gl. 305b s. v. intervallum; 606a s. v. vallum; ferner die literarischen zeugnisse: (Augsburg 1510) städtechron. 23, 128; teil 4, 1, 1, sp. 2025; Fischer schwäb. 2, 207. in jüngerer mundart: dille Unger-Khull steir. 154; dîl (aus dem Donau-Lechwinkel) Bayerns maa. 1, 307; dill Schmid schwäb. 126. — tüld mit angefügtem -d begegnet nur (1426) bei Lori bayr. bergrecht 27. bedeutung und gebrauch.
A. saepes, vallum.
1) der zu kriegerischer befestigung dienende palisadenzaun um stadt, schlosz oder burg: vallum tll (15. jh. obd.), tul (15. jh. obd.) Diefenbach nov. gloss. 376; tull aspar ... paries factus ex asseribus voc. inc. teut. (ca. 1485) g g 5b; voc. primo ponens (Straszburg 1515) d 1a; intervallum ain till (obd. voc. mit niederrhein. sprachzügen) b. Diefenbach gl.

[Bd. 22, Sp. 1694]


305b; vallum ... till ebda 606a aus gleichem glossar; dill vel till, hodie muris et moenibus opponitur atque sepem notat, e fustibus, lignis aut asseribus compactum Schilter (1728) 3, 248. tüll, mauer und zaun werden als kennzeichen verschiedener befestigungsgrade einander gegenübergestellt: hât diu stat mûre, man sol sie ûf die erde brechen, unde hât si tülle, man sol ez nider brechen (1274/75) Deutschenspiegel 225, 9 Eckhard-Hübner; Schwabenspiegel § 207, 7 Gengler;

also ward von in daselbst gemacht
die stat, aun mur, sust wol besacht
mit einem tüll und gten graben Augsburger reimchronik 131, s. städtechron. 4, 347;

wann die statt Augspurg fand sant Ulrich mit hültzin schrancken und gattern und mit ainem tüll von faulem holtz umbgeben: darumb halff sant Ulrich nach allem seinem vermügen ain nider mawr ze machen (vor 1456) legende v. hl. Ulrich 7 Hirsch; darnach maurt Trusus die stat Vindelici mit mauren und türn, die vor was mit aim tüll umbgeben (Augsb. nach 1469) städtechron. 4, 287; und soll die befridung (umzäunung) in der stat dermassen beschehen: wann es von alters herkommen oder sonst bedingt worden, mit ainem tüll zubefriden, so soll der jhenig, so solchs tüll zu machen schuldig ist, dasselbig siben statschuch hoch von der erden oder pflaster aufrichten. wo es aber mit ainem zaun herkommen, der soll fünf statschuch hoch gesetzt werden Nürnberger reformation (1564) 158b. in rechtsdenkmälern gern in formelhafter verbindung mit mauer und zaun: mur oder want ... zune oder tulle Augsb. stadtbuch 147 Meyer; mit zune, mit tülle, mit mûren (1322) bei Buck flurnamenb. 283; kein buwe tun ... mit zun oder mit dullen oder mit muren (Weinsberg 1312) bei Fischer schwäb. 2, 207; mit zúnen, mit túllen oder mit muren begriffen (Esslingen 1331) ebda. gröszere städte und festungen haben mauer und tüll: die purger habent gesetzet, daz niemant an der stat maur noch an diu tüll noch diu torr an der stat pauen sol, daz diu eisnein stang, diu darzuo gehöret, berüren müg (1347) stadtrecht v. München 140 Auer; und ich han das gesehen, wann an derselben stadt (an der stelle, wo mauerwerk in der stadtmauer nicht halten wollte) ain tüll darumb geet Schiltberger reisbuch (1394/1427) 51 lit. ver.; vgl. Tucher baumeisterb. 215; 249 Lexer. auch eine für den augenblick des kampfes angelegte schanzanlage wird als tüll bezeichnet:

si wolten aller gernest
daz velt mit tôten füllen.
Troiære zuo den tüllen
der grendel wurden în getân
Konrad v. Würzburg troj. krieg 36340 Keller;

die weil pauten die von München ain grosz tül zbischen [!] der stat und der vesst, und wurffen die auszer prugkh ab, die in die vesst gienng (1403) städtechron. 15, 501. dasz in späterer zeit ein tüll, das der befestigung diente, auch zu festerem schutz ausgebaut wurde, als ein einfacher pallisadenzaun ihn bieten konnte, zeigen einige lexikalische belege sowie posten aus Münchner handwerkerrechnungen: maceria tüll (1418) bei Schmeller-Fr. 1, 602; tulle planck oder grabe oder schut zwischen zweyen graben vallicula voc. theut. (Nürnberg 1482) b b 3a; sogar sein tülle oder stainwant (1325) Heinrich von Mügeln (zu psalm 79, 13) bei Khull beitr. zu einem mhd. wb. 35; 1  56 D ... Perchtolden dem kalchprenner von 9 tag zu lon daz er daz tüll zu der newen vest und ander ding gefürt hat städtechron. 15, 551; item 3  D ... allen furlawten von dem tüll, ziegl, kalch und sant zu furen piz auf Katerine ebda.vereinzelt bleibt die glossierung 'antemurale tüll vel vorstat' (1429) bei Schmeller-Fr. 1, 602.
2) in jüngerer zeit bezeichnet tüll auch einen einfachen zaun um haus oder garten: herren Nicklas Muffel hat man vergunt auszen vor der stat underhalb des werderthurleins von seinem garten doselbst ein thüll überzwerch an den statgraben zu machen auf sein kost, dardurch die leut gehindert und nit mer also an das wasser an dem ent auf dem graben hinab kumen mugen Tucher

[Bd. 22, Sp. 1695]


baumeisterb. (1464/75) 265 lit. ver.; ain haus und tüld darumb nach notdurfft (1426) bei Lori bair. bergrecht (1764) 27; es habe sich gefügt, das sinem brder und im der wind ettwas in irem gartten zerbrochen hab, das nun Wernly Kolb inen widermachen wolt, und da lge ane geverd ein stang dawider selbs, da er und der Kolb nit anders wisztend, won sy gehorte z dem thüll dokumente zur gesch. d. bürgerm. Hans Waldmann 1, 285; vormals ging ein schlecht tüll um den boumgarten (um 1500) J. v. Watt dt. histor. schr. 2, 411 Götzinger; da erschrack das wild und lieff in den holen weg und der statt z und sprang über ain hoches till in des Weyers garten (Augsburg 1521) städtechron. 25, 157; bäum, till, heusslin muszten darnieder (Ulm 1549) bei Fischer schwäb. 2, 207; es sol auch kainer ... ohne erlaubtnus ... in die dörfer umb provant ... gehn, desgleichen der gärten, abbrechens der zein und thüll oder ops sich miessigen (Augsb. um 1565) städtechron. 33, 438; vgl. bei Fischer schwäb. 2, 207: pl. tiel gartenzäune (17. jh.); bey den gärten am till (Ulm um 1700); alles till sambt den garttenhäusslein eingerissen ebda. zaun im tiergarten: dill (1610) b. Birlinger schwäb.-augsb. 126. noch in jüngerer ma.: gartenzaun dîl (aus dem Donau-Lechwinkel) Bayerns maa. 1, 307; dill bretterne einzäunung, z. b. gartendill Schmid schwäb. 126.
3) seltener von einer geschlossenen bretterwand: item vor des keissers kuchen im inneren hoff ein thül von pretteren aufgeslagen vor den kuchenleden herdann pei 7 schuhen weit und pei 10 schuhen hoch, als lang die kuch und das kemmerlein do pei was, dorein in der mit ein tür gestelt (1464/75) Tucher baumeisterbuch 297 Lexer; ain vast grosze stuben uff der erden und ist die stub mit aim thüll umbmachet gesein (Biberach 16. jh.) Alemannia 17, 109. barriere: anno des jars (1510) am afftermontag in pfingstfeiren da het der khaiser ain welsch stechen, er stach selbzehenndt ... man stach über ain till, es ward nicht wol gestochen städtechron. 23, 128; ward zu dem gestech ... ein lannges gethill aufgerichtet, über welches dill der könig und herren mer dann hundert spiesz zerbrochen haben (16. jh.) bei Schmeller-Fr. 1, 500.
B. die bedeutung 'balken, brett, planke' ist erst frühnhd. bezeugt: faselus tulle (obd. anf. 15. jh.) Diefenbach gl. 226c, dazu vgl. aisl. þilja, f., 'brett im boden des bootes'. allgemein als 'balken, brett': bluteus tyle, bret, schribbret (15. jh.) Diefenbach nov. gl. 296a; bluteus dillpret (1468) ebda; dilipostes schrancken, tüll (1429 Inntal) ebda 135a; pluteale bole, prett oder tyl (1482) bei Höfer Österr. 3, 246; von ainem flosz von ainem ieden tülln (floszbalken) mauth pfenning (1469) österr. weist. 8, 104, 28; die schirmbrätter werden aus thülen gemacht, welche die knecht, so den sturm anlauffen, bedeckend, unnd vor den pfeilen beschirmend H, Pantaleon mitnächtische völckeren historien (1562) 1, 138; die hütden machten ... etliche ... von strow, grasz und hew ... andere aber von thüren, taflen, thülen und brädtern, so sie aller orten, insonders aber in dem gotzhausz in den gebewen abgebrochen Seb. Bürster schwed. krieg (1644) 164 Weech. vgl. ferner die belege bei Fischer schwäb. 2, 206.
 
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tüll, m., aus frz. tulle 'gazeartiges gewebe' (1765, nach dem namen der stadt Tulle, dep. Corrèze, von wo die tulleindustrie ihren ausgang genommen hat Gamillscheg etym. wb. d. frz. spr. 873; Bloch-v. Wartburg dict. étym. d. l. langue franç. [21950] 625), das auch ins engl. (tulle, erstbeleg 1818 Murray 10, 1, 457), ndl.-fries. (tule), dän. (tyl) und schwed. (tyll bereits 1808 nachweisbar Hellquist 31257) entlehnt worden ist; im dt. zuerst bei Nestroy Lumpazivagabundus (1835) 108, noch frz. schreibung folgend: tull anglais; der beiname spiegelt die frühe vorrangstellung der engl. tüllindustrie wider (s. Fischbach gesch. d. textilkunst [1883] 143; Ferguson histoire du tulle et des dentelles mécaniques en Angleterre et en France, Paris 1862, sowie Meyers gr. konv.-lex. 3 [1904] 102 s. v. bobbinet). — mundartlich besonders auf westdt. sprachgebiet nachweisbar: tüll Rovenhagen Aachen 148; Leithäuser Barmen 161; Elberfelder ma. 166: tyśl Leihener Cronenberg 126; tull

[Bd. 22, Sp. 1696]


luxemb. ma. 445; Martin-Lienhart elsäss. 2, 678 u. Follmann lothr. 111. — 'gazeartiges gewebe aus feinen baumwoll- oder seidenfäden' (Bucher reallex. d. kunstgewerbes [1883] 413): ob das echt ist, was der tüll verräth, oder ob das falsch ist, was das bauschige seidenzeug vorprahlt Heine s. w. 4 (1873) 264; die aus tüll und gaze gefertigten (blumen) Auerbach auf d. höhe (1871) 2, 28; es (das kleid) ist reizend hellblauer tüll mit eingestickten tupfen Georgy Berliner range (1900) 1, 185; ein bischen tüll zum besatz (des kleides) kaufen Kahlenberg familie Barchwitz (1902) 7; nymphen ... durchsichtig gekleidet, in tüll, gaze und glitzerwerk Th. Mann Faustus (1948) 226. vereinzelt findet sich der pl. im sinne von 'tüllarten' (wofür sonst tüllstoffe, s. Wendelstein d. spr. d. kaufmanns [1912] 104): besätze von borden, tüllen Fr. Th. Vischer ästhetik (1846) 2, 260. —
 
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tüllartig, adj., wie tüll geartet: das tüllartige réseau (siebartiger flor) Fischbach gesch. d. textilkunst (1883) 140.
 
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tülle, f. , kleine rinne oder röhre, die verschiedenartigen zwecken dienen kann, meist bestandteil eines gerätes. herkunft und form.
ahd. tulli, n., mhd. tülle, n., u. nhd. tülle, mnl. dulle, dul f. (dazu mnd. dulle 'beule') aus *dulja-, *duljō- gehört zur sippe idg. *dhel-, *dholo- 'wölbung', 'höhlung' Walde-Pokorny 1, 684; Fick 43, 204; Sperber wörter und sachen 6, 44; J. Trier in: nachr. der ges. d. wissensch. zu Göttingen, phil.-hist. kl. 1940, 89 ff. wie die ablautenden nhd. tal (s. teil 11, 1, 1, sp. 296) und tüle (s. o.) von derselben ablautstufe wie tülle, nur mit anderer bildung mhd. tol(e), f., 'abzugsgraben' aus *dulō(n), s. DWB dole (dagegen hat ahd. dola fistula, fornaculum, cloaca germ. Þ im anlaut, s. Ehrismann PBB 20, 60; Franck-v. Wijk 117; unglaubhaft ist nd. entlehnung, die Walde-Pokorny 1, 865 annimmt). im ablaut mit tülle steht mnl. dille Verwijs-Verdam 2, 460 (grundform *ðeljō-), nl. dil, dille, dilt 'het holle deel van zekere metalen gereedschappen, waarin de steel sluit' woordenb. 3, 2, 2626, vgl. Franck-v. Wijk a. a. o.; engl. till a socket in which something is fixed or through which a rod or spindle passes Murray 10, 1, 28, erst seit 1611 als term. techn. spärlich belegt, also wahrscheinlich entlehnung aus dem deutschen oder holländischen.frz. douille 'röhre, hülse' ist wahrscheinlich aus einem frk. *dullja entlehnt, s. Gamillscheg Romania Germanica 1, 231; v. Wartburg frz. etym. wb. 3, 77 f.
mundartlich zeigt tülle insofern abweichende verhältnisse, als es auch auf nd. boden weithin im anlaut die schriftsprachliche tenuis zeigt, jedoch nur in der jüngeren bedeutung 'ausguszrohr an gefäszen' (s. u. 1 b); vgl. Leithäuser Barmen 161; Elberfeld 166; Fromme Hohenbostel (im Deistervorland) 86 Alpers; Schambach Göttingen 236; Bauer-Collitz Waldeck 106; Block Eilsdorf 99; Damköhler Nordharz 194; Mensing schlesw.-holst. 5, 202; Danneil altmärk. 229; Teuchert neumärk. 241; Brendicke Berliner wortschatz 184; Mi mecklenb. 95; Sallmann neue beitr. 51. t- neben d- zeigen Woeste westf. 62; Gutzeit Livland 3, 2, 25.
umlautloses tulle verzeichnet Unger-Khull steir. 182; dulle (neben dülle, dille) Blumer nordwestböhm. 32; dull, f., vorspringende büchse am spatenblatt Mensing schlesw.-holst. 1, 900; vgl. dazu die unten folgenden literarischen belege.
-i-formen (tille, dille) sind ostmitteldeutsch u. nd. (Sachsen, Nordthüringen, Nordböhmen, Nordharz, Neumark, Liv- u. Estland) verbreitet, zum teil neben den tülle- / dülle- formen (Ostfriesland, Schleswig - Holstein, Sachsen, Thüringen), s. die literarischen belege unten. tele, telle steht neben tille, dülle, dille in Nordböhmen, s. Knothe 176. düll, döll, töll, dill, also apokopierte formen, gelten in Westfalen, Rheinland, Lüneburg, Schleswig-Holstein, Altmark, Mecklenburg, Preuszen. in Ostfriesland steht tilt neben tilte und tülte, s. Doornkaat-Koolman 3, 411.
dieser unorganische zweite dental findet sich auf nd. u. md. boden auch sonst: tilte Damköhler Nordharz 194; tülte

[Bd. 22, Sp. 1697]


Halberstadt nach Kretschmer wortgeographie 541; dilden (neben dile, dylen) Hertel Thür. 249; dilten Schultze Nordthür. 31; wenn hierhergehörig, tolde, tlde Knothe schl. ma. i. Nordböhmen 180; einmalig, in quelle von 1728, mit unorgan. guttural tilge bei Unger-Khull steir. 154.
für den genuswechsel vom n. zum f. kommt ebenso alte (urspr. nl. nd.?) nebenform (vgl. ags. dell tal, höhle, vertiefung, m. n., gegenüber mnl. delle, mhd. telle schlucht, f.) wie einwirkung der als fem. empfundenen endung -e (vgl. Wilmanns 3, 2, 376; Paul dt. gramm. 2, 116) in betracht. als neutrum begegnet tülle cgm. 4902 v. j. 1429 b. Schmeller-Fr. 1, 602; Nürnb. um 1434 in städtechron. 1, 392; mitteldt. weihnachtsspiel 482 Piderit.als fem. zuerst Oswald von Wolkenstein 63, 186 Schatz; Pfolspeundt bündth-ertznei 64; liederb. d. 16. jhs. 120, 53 Tittmann; in den wörterbüchern Stieler (1691) 323; Frisch (1741) 1, 198a; Adelung 1, 1361; Campe 1, 721, ebenso in den maa.
in einigen nordwestdt. maa. begegnet das masc.: døll rhein. wb. 1, 1548; døl Leihener Cronenberg 21; vgl. auch tylle, m., Jensen nordfries. 646. dülle, f., steht neben düll, m., bei Woeste westfäl. 62. düll als fem. verzeichnet neben vereinzelten neutr. Kück Lüneburg 387. in Schleswig-Holstein steht dil, f., Mensing 1, 735, tyl, f., 5, 203 neben dul, f. und m., ebda 1, 900. bedeutung und gebrauch.
ahd. tulli, mhd. tülle bezeichnet die rinnen- oder röhrenförmige verlängerung von pfeil- und speerspitze, in die der schaft eingefügt wird. nhd. lebt das wort nur mehr in der umgangssprache oder als handwerklich-technischer ausdruck in landschaftlich verschiedenen sonderbedeutungen und ist selten literarisch oder lexikalisch bezeugt.
1) röhre, ring oder beschlag, meist als bestandteil von gerätschaften.
a) schaftröhre von pfeil oder speer u. ä. geräten. im ältesten beleg steht tulli als pars pro toto für den pfeil selbst:

gang uz, nesso, mit niun nessinchilinon,
...
fonna demu fleiske in daz fel,
fonna demo velle in diz tulli wurmsegen aus dem 9. jh. bei
Steinmeyer kl. ahd. sprachdenkm. 374.

tülle als teil von pfeil oder speer, deutlich unterschieden von spitze und schaft:

im was sîn edel kochervil guoter strâle vol,
von guldînen tüllen,diu sahs wol hende breit.
ez muoste balde ersterbenswaz er dâ mit versneit Nibelungenlied 897, 3 L.;

einen schaft, was lâsûrvar,
vil starc und zæhe hurnîn.
jâ was im an dem orte sîn
von rôtem golde ein tülle, dran
ein sper geschift von Angram Biterolf v. 7087 bei
Jänicke dt. heldenb. 1, 104;

wiltu ain isnin tülle ... hertten, daz zu ainem huspfeil geschmidet ist, so nim isenkraut (1429) bei Schmeller-Fr. 1, 602; der Hirnhaimer wart gerant durch die hauben oben das eisen untz an das tull (bei einem turnier) städtechron. 1, 392 (Nürnberg); wen du ön (den pfeil in der wunde) suche wilt, szo nim ein drot mith einem knopfen, den los vor heinein lauffen, und suche, ebenn wo der pfeil steckt. unnd such denn mith drot noch der tülle (1460) Pfolspeundt bündth-ertznei 64 H.-M.; (die spieszeisen haben am hals) vielfach ein bis zwei knebel oder vorstände. von da ab erweitert sich das eisen wiederum konisch zu einer tülle, um den schaft aufzunehmen Köhler kriegswesen (1886) 3, 1, 12; tülle des bajonetts socket, douille de la baionnette Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 782.
b) in der ma. bezeichnet tülle die röhrenartige verlängerung des metallteiles, in die der stiel oder griff eines werkzeuges eingefügt wird, so bei der schaufel, gabel; in diesem sinne namentlich auf nd. boden verbreitet, vgl. DWB dölle, döll Frischbier pr. 1, 142; dülle Blumer Nordwestböhmen 32; dille Müller-Fraureuth obersächs. 1, 219; dill Mensing schlesw.-holst. 1, 735 (hier auch als dull 1, 900); døl Leihener

[Bd. 22, Sp. 1698]


Cronenberg 21; døll rhein. wb. 1, 1548 (hier auch von einer vorrichtung am pflug und von einem röhrenartigen werkzeug des drechslers); obd. als tulle bei Unger-Khull steir. 182 (daneben auch ein tilge gleichen sinnes aus einer quelle v. j. 1789, s. ebda 154).
c) tülle als eine art angel (cardo), die einen beweglichen oder festen bolzen umschlieszt: die stäbe (beim vogelherd) macht man zwey ellen lang, unten mit eisernen tillen, und löcher darunter, dasz selbige an einem eisernen boltzen gehen und sich leichte drehen können Döbel jägerpraktika (1754) 2, 283; gurtungen ... die mittelst schmiedeeiserner oder guszeiserner tüllen ... aus einander gehalten werden und durch geschmiedete bolzen mit einander verbunden sind Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 5, 334.
d) röhrenartiges holzgefäsz zum aufbewahren des wetzsteins: dülle, tülle Hertel Thür. 85; 249; tille Liesenberg Stieger ma. 140; dilten Schultze nordthür. 31. vgl.tul ein köcher Soltau beitr. zu Adelungs wb. 101.
e) in erweiterter bedeutung 'ring, öhr, öffnung': tell(e) und tülle 'eiserner ring an der wagenlechse, der die achse umschlieszt' Knothe schl. ma. i. Nordböhmen 176; 195; tele, tülle am vorderrade, die über das achsenende gestülpt wird Gusinde eine dt. sprachinsel in Obschl. 205; dölle, döll das ohr, worin löszstock und löszwende des wagens passen Frischbier pr. 1, 142, vgl. DWB öhr teil 7, 1251; düll öse, loch, tülle für einen stiel Woeste westfäl. 62; düll das loch der spindel zum durchführen des fadens Kück Lüneburg 1, 387; hierher wohl auch, vom teil auf das ganze übertragen: tolde, tlde nadel mit groszem öhr ohne spitze zum einziehen von schnüren Knothe schl. ma. i. Nordböhmen 180 (von Knothe zu tôlen = 'nadeln der waldbäume' gestellt und mit mhd. tolde = 'apex' in verbindung gebracht).
f) vereinzelt bezeichnet tülle den bloszen eisenbeschlag am ende eines hölzernen gerätes: 1 schuvestake (schiebstange) myt ener iszeren dillen Wismarer inventar von 1438 bei Schiller-Lübben 6, 99; tülle eisernes, spitz zulaufendes beschläge am untern ende eines stockes, auch der mit eisen beschlagene sperrstock beim heuziehen selbst Lexer Kärnten 75; vgl. Schöpf Tirol 775. — die von Adelung 1 (1774) 1361, Campe 1, 721 und Weigand 2, 1085 angeführte bedeutung 'schloszbeschlag um das schlüsselloch' ist in den maa. nicht bezeugt. vergleichbar nur: beschlag, wovon die tille abgebrochen war (aus Riga 1808) bei Gutzeit spr. Livlands 3, 2, 25.
g) metaphorisch. im vergleich: sinewel als ein tlle Würzburger hs. d. 14. jhs. in: zs. f. dt. altert. 5, 16; übertragen mundartlich töll vulva Schröer Gottschee 141. — unklar. ob mhd. sprachläufig oder, wie wahrscheinlich, ein bewuszt humoristisches bild ist tülle in der bedeutung 'kragen':

Enzman ist sîn krage verspart
vast in ein îsnîn tülle unechter Neidhart XXXII, 15 Haupt-Wieszner;

vgl.

er ist geheizen Grülle
und treit umb sînen œden kragen
ein wambas niuwe tülle ebda 293.


2) im 15. und 16. jh. ist tülle in der bedeutung 'pfeife', 'flöte' bezeugt. vielleicht hierher (vom herausgeber dagegen als 'diele' gefaszt):

ich hort zu Afflane
ain prief von künigen, herren, lant,
die vor an dich gelaubet hant,
die pfeifen dir mit grillen
zu tanz auff einer tillen
Oswald v. Wolkenstein 63, 136 Schatz;

(hirten zum Christkind:)
(wir wollten) darnach vrolich zu velde iagen,
da phiffen mir dan in eyn tulle
ich und myn gevatter mitteldt. weihnachtsspiel aus hs. d. 15. jhs. v. 482 Piderit;

und do der meister das morgenmal asz,
do hub er an und pfif in eine hol tülle,
wol in ein hölzlein, das was hol (16. jh.) volkslieder 647 Uhland.

[Bd. 22, Sp. 1699]



3) im östlichen mittel- und nddt. bezeichnet tülle seit dem 17. jh. speciell die kleine röhre an leuchter und laterne, in die licht oder docht gesteckt werden: dille eines leuchters, darin man das liecht stecket le tuyau d'un chandelier, myxus candelabri Duez teutsch-franz.-lat. (1664) 102; myxus die dille alias lampenrörlein; calix candelabri leuchterdille Stieler (1691) 323; eine röhre an einem leuchter, worinnen der untere theil des lichts steckt, tubulus in candelabris cui inseritur candelae pars inferior Frisch (1741) 1, 198a; Adelung (1774) 1, 1361; Campe 4, 909; mundartlich Weinhold schl. 101; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 219; Albrecht Leipzig 102; Hertel Thür. 249; 85; Weise Altenburg 121; Danneil altmärk. 229; Gutzeit Livland 3, 2, 25; leuchtertrichter zum aufsetzen der wachslichtchen am weihnachtsbaum Sallmann neue beitr. z. estl. ma. 51; selten literarisch: (der drahtleuchter) hat eine eiserne tille, so man auf und nider schieben kan Amaranthes frauenzimmerlexikon (1715) 426; ich will zwar den übeln gebrauch nicht billigen, den manche leute haben, wenn sie ein licht auslöschen, dasz sie das licht umkehren und mit der schnuppe in der tillen stecken und also kalt werden lassen Schmidt rockenphilosophie (1718) 1, 309; den tischgenossen, vor welchen das unschlittlicht in die tülle hinabbrennt Hermes manch hermäon (1788) 2, 48; das licht war bis in die tülle hinuntergebrannt Kosegarten Ewalds rosenmonde (1791) 259;

dem pflock enthob er die leuchte
von durchscheinendem horn, die leuchtete, wann er des abends
drosch und häckerling schnitt, und den pferden die raufe voll heu trug.
diese langt' er herab; der geöfneten dann in die tülle
stellt' er den brennenden stumpf, und schlosz die thüre des hornes
J. H. Voss sämtl. ged. (1825) 1, 138;

Berthar steckte die fackel in die grosze tülle des eisernen leuchters Freytag ges. w. (1886) 8, 118; 9, 87.
tülle (der lampe) blechernes röhrchen, in welches der docht einer öllampe gezogen wird, auch der docht der öllampe selbst Knothe schl. ma. i. Nordböhmen 176: die ältesten lampen ... bestanden aus einem gefäsz, an welchem sich henkel und eine ... tülle ... für den docht ansetzen Lueger lex. d. ges. technik (1894) 6, 61; der obere boden des brennergehäuses bildet ... ein tellerchen zum aufsetzen einer ... kapsel, welche ... eine auf das dochtrohr zu schiebende tülle enthält Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 5, 257; im vergleich: seine augen glommen in ihren tiefen höhlen wie ein paar bis in die tüllen hinuntergebrannte, dem erlöschen nahe tochte Kosegarten Ewalds rosenmonde (1791) 309.
4) in jüngerem sprachgebrauch bezeichnet in Nord- und Mitteldeutschland tülle eine kurze röhre überhaupt, meist ein ausfluszrohr: rhein. wb. 1, 1548; Elberfeld 166; Leithäuser Barmen 161; Martin Rhoden 203; Bauer-Collitz Waldeck 106a; Hupel Liv- und Estland 238; ausfluszrohr an wasserleitungen Gutzeit Livland 3, 2, 24b; brunnen- oder pumpenröhre: die röhre an einer plumpe, woraus das wasser laufft Frisch (1741) 1, 198a; ich wurde auf befehl unter den brunnen geführt, unter die tülle gestellt, und so wurde mir, bis es voll schlug, wasser auf den kopf und in den rockkragen gepumpt Franz Ziegler ges. novellen u. briefe (1872) 3, 41. umgangssprachlich in Nordwestdeutschland am weitesten verbreitet für die ausguszmündung eines gefäszes, sowohl die röhrenförmige an tee- oder kaffeekanne als die rinnenförmige anderer kannen und töpfe (synonyme: schnauze, schnabel, schneppe u. a.), vgl. Kretschmer wortgeographie (1918) 541; Fromme Hohenbostel i. Deistervorland 86 Alpers; Schambach Göttingen 236; Block Eilsdorf 59; Damköhler Nordharz 194; Mensing schlesw.-holst. 5, 203; Danneil altmärk. 229; Teuchert neumärk. 241; Brendicke Berlin 184; für Erfurt sprachwart 1 (1866) 378; Bruns volksw. d. prov. Sachsen 76. vgl. noch: auf den letzten blättern eines seiner tagebücher hat er (V. Hehn) ein »glossarium Minnense« angelegt, das die ihm auffallenden ausdrücke seiner Minna notiert und erläutert: ... tülle = nase,

[Bd. 22, Sp. 1700]


pfeife, schnauze an gefäszen und lampen V. Hehn bei Th. Schiemann Viktor Hehn 200. als ein ausschlieszlich der umgangssprache angehöriges wort ist tülle literarisch nur selten greifbar: wenn ... auch nur bei einer saucière die tülle abgestoszen würde G. Hermann Heinrich Schön jun. (1916) 79; vom röhrenförmigen ausgusz: einen ... alten teekessel, dessen deckel, trotzdem der wrasen auch vorn aus der tülle quoll ... klapperte Fontane ges. w. I 5 (1905) 118. in naheliegender verengung des begriffs 'die bewegliche oder hebbare klappe oder der deckel auf dem ausguszrohr eines teekessels' Doornkaat-Koolman ostfries. 2, 411. vgl. übertragen: tylle maul, schnauze Jensen nordfries. 646. vereinzelt auch für das gefäsz selbst (s. unter tulte, tülte): dil gefäsz Hasenclever Wermelskirchen 78.
 
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tülleisen, n., s. unter tullen, sowie s. v. tolleisen teil 11, 1, 1, 638 u. vgl. rüffeleisen teil 8, 1408.
 
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tullen, tüllen, vb., 'mit einem durch einen glühenden bolzen erhitzten, runden eisen, dem sogenannten tulleisen, tülleisen die bänder und spitzen einer haube runden und steifen' (Frischbier pr. 2, 415), s. unter tollen teil 11, 1, 1, 638 u. vgl. DWB tülleisen.
 
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tullern, vb., 'durch schlagen (einen kreisel) in drehende bewegung setzen, kreiseln', vereinzelt in neuerem sprachgebrauch (vgl. rhein. düllen 'mit dem holzkreisel spielen' rhein. wb. 1, 1548; Cronenb. dylən, dilən kreisen Leihener 26; sowie die in nd. maa. geläufige komposition dyldǫp 'holzkreisel' ebda; dulldopp 'kreisel' rhein. wb. a. a. o.; tuləkop kreisel Martin ma. v. Rhoden 278 u. dullhärmken knopf mit durchgestecktem streichholz zum kreiseln Frederking Hahlen 28. über die verbreitung dieser formen s. W. Mitzka dt. wortatlas 1 [1951] 21ff., dazu die karten nr. 29—32): tullern (das schlagen des kreisels) geschah im herbst Bähr eine deutsche stadt (Kassel) (1886) 119.
 
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tüllgardine, f., ziervorhang aus tüll: die herstellung von ... tüllgardinen auf der bobbinnetmaschine datirt seit einführung der jacquardmaschine Karmarsch-Heeren techn. wb. 8 (1885) 376; beschäftigt, die rote wollschnur der tüllgardinen ... einzuhaken Fontane ges. w. I 5 (1905) 18; die sonne (schien) bei meinem erwachen hell durch die tüllgardinen Timm Kröger wohnung d. glücks (1897) 59;

und drin ein dörfchen mit sonntagsmienen,
ein kleines haus;
ein blondkopf nickt aus den tüllgardinen
verstohlen heraus
Rilke ges. w. (1927) 1, 110.

 

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