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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendzier bis tulipan(e) (Bd. 22, Sp. 1688 bis 1692)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendzier, f., 'schmuck der tugend':

Tytirus, der treue schäfer,
redt von seiner tugendziehr
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 409;

wo ist der mann, wann wird er kommen,
den alle tugendzierden adeln
A. Grün ges. w. (1877) 2, 9.


 
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tugendzirkel, m., 'kreis der tugenden': so wird der wille nicht leichtlich von der tugend entfernet seyn, welche bestehet in der furcht gottes, und liebe des nechsten, als an zweyen enden, so den tugendcirkel schliessen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 6 (1646) K k 5a.
 
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tugendzucht, f., tugendhaftes verhalten, zucht: er sollte die gesetze lernen, lebte aber gantz ohne gesetze, und mehr nach der soldaten freiheit, als der gelehrten tugendzucht Harsdörffer geschichtspiegel (1654) 34;

also wächset auch bey vielen,
durch das oftbeliebte spielen,
kunst, verstand und tugendzucht
Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 7 (1647) )( )( )( 4b.

'erziehung zur tugend': zucht, disciplina, modus educandi ... tugendzucht Schottel haubtspr. (1663) 515.
 
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tugstein, m. , nebenform zu tuffstein, s. d., sp. 1550. seit dem 11. jh. belegt in handschriften des Heinrici summarium als duchistein, ducstam tofus ahd. gl. 3, 290, 64 St.-S.; dgstein thophus 3, 328, 10; in einem einzelglossar, ebenfalls des 11. jhs., abermals mit fugenvokal (vgl. Gröger kompositionsfuge 50) duchestein chilindrus vel tophus 3, 447, 33; in Prudentiusgl. tuchsteina pumices 2, 503, 11; bemerkenswert in ursprünglichem tugstein murices 2, 505, 8 korrektur des g in b: tubstein wird offenbar als korrekter empfunden. ebenso nhd. bis ins 19. jh.: pumex tugstein, reybstein, bymsstein Frisius dict. (1556) 1093a; 1315b; Maaler teutsch spr. (1561) 411b; Diefenbach gl. 587c; nov. gl. 473a; Harsdörffer poet. trichter (1647) 2, 177; Widerhold (1669) 345a; Stieler stammb. (1691) 349a; tuckstein Kramer hd.-nd. dict. (1719) 1, 74c. die entstehung des stammschlieszenden gutturals anstelle des labials ist schwer zu erklären; vgl. Lessiak beitr. z. gesch. d. dt. konsonant. (1933) 204. man könnte an kreuzung von ital. tufo 'tuff' mit tuffo 'das eintauchen' denken, so dasz die ursprüngliche form als tūchstein, nhd. tauchstein (s. d.) aufzufassen wäre, s. Falk-Torp 1297. möglich erschiene

[Bd. 22, Sp. 1689]


auch einwirkung des nd. und rhein. lautwandels ft > cht in tufftstein, dufftstein (s. sp. 1550) unter nachträglicher tilgung des t in schwerer konsonantenverbindung.
1) literarisch wie tuffstein verwendet: mit einem reybstein oder tugstein gletten Frisius dict. (1556) 1148a; das ander stuck ist zwey herrliche reyche steingrben: eine vber der Thur bey Helffenschwyl von schönen tugsteinen Stumpf Schweizerchron. (1606) 431a; wann der gemain stain oder tugstain oder anderin schwererin materin nit dar in kumpt Österreicher Columella 1, 123 lit. ver.; wie ein tugstein gelöchert Dentzler clavis ling. (1716) 292b; kalktuff ... unter den trivialnahmen tuch- und duckstein bekannt Zappe miner. hdlex. (1817) 2, 26. seitdem in der schriftsprache abgestorben. dagegen bewahren die maa. diese bildung länger: tempel mit dugstein gebuwen (1789) Schöpf Tirol 773; meist als duckstein Schambach Göttg. 50b; 'duffstein ..., nie tuffstein u. jetzt wol dafür ausschlieszlich duckstein. unter ducksteinen werden aber auch findlinge oder rollsteine verstanden' Gutzeit wörtersch. Livlands 1, 204; erst in jüngster zeit treten neben regelmäsziges tugstein formen mit ff von der schriftspr. her schweiz. id. 11, 898. vgl. duckstein teil 2, 1497; tungstein unten sp. 1789. — dazu adj.-ableitungen: tugsteinen; tophinus tugsteinin Frisius dict. (1556) 1315b; Maaler teutsch spr. (1561) 411b; Dentzler clavis ling. (1716) 810b; schweiz. id. 11, 900; tugsteinig: gelich gutt ist der tugstainig acker Österreicher Columella 1, 127 lit. ver.
2) name des bieres, das vom 16. bis an die wende des 20. jhs. in Königslutter am Elm (Braunschweig) gebraut und weithin exportiert worden ist; bezeugt als duckstein bei S. Hosemann regentensaal (1698) 722; duchstein Picander ged. 2 (1729) 545; duchstein, duckstein, tuchstein Noel Chomel öcon. lex. 3 (1750) 549: Königslutter, ein wegen Tilli a. 1626 über Christian IV. ausz Dannemark erhaltenen sieges berühmt kloster und stättgen. dort schenkten den tuchstein, ein dünn bier, das dem molle fast gleich kommt, aber noch süsz noch bitter noch sauer, scheint sehr gesund zu seyn A. Haller tageb. 83 Hirzel; er muste mir selbst gestehen, dasz er durch den vielen tuchstein sich noch mehr feurig und hitzig gesoffen A. Bernd lebensbeschr. 1 (1738) 300. in jüngerer zeit ausschlieszlich duckstein, s. auch teil 2, sp. 1497. nach dem gestein benannt, auf und aus dem der ort erbaut ist.
 
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tühnen, vb., s. u. DWB tünen.
 
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tulch, tülch, m., formvariante von twalch (s. dort, sowie bei Hoffmann v. Fallersleben schl. wb. 4): tülch lolium temulentum; man sol den tülch oder tort nemen, der unter dem weizen wechst Coler hausb. 119.
 
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tule, interj., 'links', vereinzelt als ruf der fuhrleute bezeugt (vgl. sinnverwandtes har teil 4, 2, 473; hü ebda 1849; schwade teil 9, 2171 s. v. schwad [7]; schwode ebda 2731; schwude ebda 2747 und wist teil 14, 2, 806, sowie schlesw.-holst. to-di, to-i, to-e(i), tuu-i 'zu dir' Mensing 5, 84): tule (t. de charretier) 'diá, à gauche' nouv. dict. (1762) 921; tule, schwude, wist links om, haar by de voerlieden Kramer-Moerbeek (1768) 349a; tule niders. 'links' Fulda (1788) 559; hott! ein zuruf der landleute, wenn d. pferde nach rechts gehen sollen, nach links heiszt tûl, auch hi od. naosch Danneil altmärk.-plattdt. 85; tuulə zuruf an die pferde (musz ursprüngl. 'links' bedeutet haben, vgl. prign. tuul links ..., jetzt durch hiiÖ oder hüü verdrängt) Teuchert neumärk. 243; adverbiell, in fester wendung (vgl. DWB hott 'rechts' teil 4, 2, sp. 1844): hott un tûl sprichwort im sinne von 'hin und her' Danneil a. a. o.; t jeet nǫǫ hǫtətuulə 'es geht dahin, wohin das pferd will' ...; einem schlechten reiter singen die kinder nach: hǫtə rįt nǫǫ tuulə 'rechts reitet nach links' Teuchert neumärk. 163; vereinzelt auch literarisch nachweisbar:

und schry (der bauer zum pferde) mit starker stmim:
jü, tule, jü, jü, hotte
Nicolai Peucker lustige paucke (1702) 12;

metaphorisch: es geht wahrhaftig bei uns jetzt alles hott und tule! Gutzkow zauberer v. Rom 6 (1860) 282.

[Bd. 22, Sp. 1690]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tüle, f. , vorwiegend ober- und mitteldt. mundartl. bezeichnung einer kleinen vertiefung, niederdeutsch im sinne von 'beule', vgl. DWB dalle teil 2, sp. 699; dole sp. 1226 und düle sp. 1509. herkunft und form.
germ. *dōljō, ahd. tuolla, mhd. tüele, zur wortsippe dhel-, dholo- 'wölbung', 'höhlung' gehörig wie nhd. tal Walde-Pokorny 1, 864; Fick 3, 204; nah verwandt mit tülle (s. d.).
1) anlautend t- auf oberdt. gebiet: toalle, tuilla usw. ahd. gl. 1, 54, 1 St.-S.; ebda 343, 45; 350, 9; 2, 512, 55; tlen jüng. Titurel 3556 Hahn; vgl. Forer Gesners fischb. (1563) 195. heute im schweizerischen allgemein: tüele Stalder 1, 324; Friedli Bärndütsch 2, 14; 591 im elsäss. tyələ Martin-Lienhart 2, 678; im übrigen oberdeutschen (niederalem., schwäb. u. bayrisch) erscheint d-: duollun, du(e)le(n) ahd. gl. 1, 350, 10 St.-S.; Schmid schwäb. 147; Schmeller-Fr. 1, 501; Unger-Khull steir. 182. auf mitteldt. boden vgl. DWB dille, dülle, duel, del, s. Müller-Fraureuth obersächs. 1, 219; luxemb. ma. 75; rhein. wb. 1, 1549; für das niederdt. gebiet vgl. dülle Woeste westf. 62. anlautendes t- neben d- verzeichnen Fischer schwäb. 2, 447; Seiler Basel 90; Lexer Kärnten 75.
2) der stammvokal erscheint seit ahd. zeit in mannigfacher form: toalle, tollan, tuolla, tuilla ahd. gl. 1, 54, 1 St.-S.; 1, 344, 10; 1, 343, 45; mhd. tlen jüng. Titurel 3556. — heute obd. meist als diphthong, schweizer. überwiegend mit umlaut tüele Stalder schweiz. 1, 345; Friedli Bärndütsch 2, 591. in den übrigen obd. maa. sowohl umgelautete formen, vgl. oberelsäss. tyələ Martin-Lienhart 2, 678; tüele(n) Lexer Kärnten 75; als auch umlautlose, vgl. für das bayr. Lexer Kärnten 75 (in ortsnamen); auch schweizer. bei Seiler Basel 90.
daneben begegnet auch oberdt. monophthongische form des stammvokals (als -ü-, bzw. -u-), vgl. Fischer schwäb. 2, 447 (diminutiv: dül(l)e(in)); tula Friedli Bärndütsch 2, 14; dule, düle (duln, düln) Unger-Khull steir. 182. hierher wohl auch toûlle ahd. gl. 2, 512, 55 St.-S.vgl. auch md. døl rhein. wb. 1, 1549; dille Blumer Nordwestböhmen 32; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 219.
3) vielfach zeigen die maa. einen konsonanten nach dem l, vgl. unten tülke. ferner: duld Gerbet Vogtland 66; tyəltə Martin-Lienhart elsäss. 2, 678; duəls Fischer schwäb. 2, 447; in flurnamen begegnet tültschimatt, s. Friedli Bärndütsch 6, 248. dazu wohl auch tultsche 'ein waldbezirk auf dem Mnichover berge mit sumpfboden' Knothe Nordböhmen 196.
4) vereinzeltes neutrum ist wohl als geschlecht des diminutivs aufzufassen: Lexer Kärnten 75; Friedli Bärndütsch 2, 14 (neben fem.); neutrales duel 'tal' luxemb. ma. 75 entspricht dem geschlecht von tal. zum masc. in einem geschlossenen bezirk des Rheinlandes und Westfalens, der auch im auslaut abweichungen zeigt, vgl. mnl. doel, m., n. (neben doele fem.) 'graben': der dyl rhein. wb. 1, 1549 (neben fem.), düllen, m., beule Woeste westf. 62. düll, m., Elberfeld 43 ist wohl jung, da noch (weisthümer 1, 593) dül in Schwelm bei Elberfeld als fem. bezeugt ist. ferner in der bedeutung 'abzugsgraben' in elsäss. tyələ, tỳlə, m., Martin-Lienhart 2, 678. bedeutung und gebrauch.
1) natürliche erdvertiefung, mulde: baratrum toalle ahd. gl. 1, 54, 1 St.-S.; die tlkrebs von den lchern und tlen in den kleinen steinächten bächen Forer Gesners fischbuch (1563) 193a. mundartlich vorzüglich in der Schweiz: Stalder 1, 324; Schmid Entlebuch 75; 186; Weber Zürcher Oberland 63; Seiler Basel 90; Friedli Bärndütsch 2, 14; 591; 6, 248; in flurnamen ebda; Wanner Schaffhausen 48; Zinsli grund u. grat 82. niederalemann.: Martin-Lienhart els. 2, 678; Beck Markgräfler ma. 86; bayrisch: Lexer Kärnten 75 (vielfach in flurnamen); Unger-Khull steir. 182; für den Bayr. Wald vgl. Bayerns maa. 1, 75. dim. dulleken Schultze nordthür. 31; duel 'tal' luxemb. ma. 75.

[Bd. 22, Sp. 1691]



2) vertiefung in einem gegenstand, die durch mehr oder minder gewaltsame veränderung entstanden ist: als übersetzung von valliculas ahd. gl. 1, 344, 10 St.-S.; ebda 350, 9 (zu Levit. 14, 37: intrabitque postea ut consideret lepram domus et, cum viderit in parietibus illius quasi valliculas pallore sive rubore deformes et humiliores superficie reliqua ... statim claudet illam [domus] septem diebus); rate derhalben das du ein löchlein oder dulen in das säcklein machest, wo das kind mit seinem sitzlein hingelegt soll werden Würtz wundarznei (1612) 464. heute nur noch mundartlich: 'eingedrückte kleine vertiefung in den verschiedensten harten und weichen stoffen' schwäbisch sehr verbreitet Fischer schwäb. 2, 447; starker eindruck eines schlages auf hölzerne geräte oder metallene gefäsze Birlinger schwäb.-augsb. 126; vertiefung in einem gegenstand, meist durch druck, stosz etc. entstanden Reiser Allgäu 2, 695; Schmeller-Fr. bayr. 1, 501; Unger-Khull steir. 182; eingedrückte stelle an einem metallgefäsz Blumer Nordwestböhmen 32; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 219; einsenkung in kleinere gegenstände, äpfel u. dgl., rhein. wb. 1, 1549; eine beule, z. b. am hut Elberfeld 43; vertiefung im weichen Schmid schwäb. 147; Stalder 1, 324; insbesondere 'eingelegene stelle im bett' ebda; Schmid Entlebuch 75; 186; Seiler Basel 90; Martin-Lienhart els. 2, 678; Campe 4, 909. hierher und nicht zu tülle wohl auch (entgegen Ziesemer); item dy 2 stormtarczen to beslan, vor krampen unden und blech vor dy venster und dullen 5 scot (1404) Elbinger kämmereibuch 16, s. pr. wb. 2, 125.
3) vertiefung, mal, wunde am menschlichen körper: humiliorem tuolla, tuilla ahd. gl. 1, 343, 45 St.-S. (zu Levit. 13, 3: qui cum viderit lepram in cute et pilos in album mutatos colorem ipsamque speciem leprae humiliorem cute et carne reliqua; plaga leprae est); das fleisch (bekommt) hüli oder dülen Paracelsus 1 (1616) 519 Huser. 'wunde': (lacunas) fixuras foramina toûlle ahd. gl. 2, 512, 55 (zu Prudentius 221 Dressel: sed nos, qui ... digitos costarum in vulnera cruda mersimus et manum visu dubitante lacunas scrutati, aeternum regem cognovimus Jesum);

... ich wen bi niemans ziten solher tlen
mit einem slage sehe ein swert erhowen jüng. Titurel 3556 Hahn;

mal und duelen (Augsb. 1699) bei Fischer schwäb. 2, 447. heute düeln schrunden an den händen Schmeller-Fr. bayr. 1, 501. nd. 'durch schlag oder stosz entstandener blutergusz': dey eine düll schlöge, bla und nicht blödig vestenrecht zu Schwelm bei Elberfeld (o. j.), s. weistümer 3, 27; düll, düllen beule Elberfeld 43; Leithäuser Barmen 45; Köppen Dortmund 17; Woeste westfäl. 62; vgl. dullschlag dt. rechtswb. 2, 1150 (trockener [beul-] schlag). konkave wölbung am körper: bisz das du gewis wissest, das er eben stunde und du keinen absatz noch höhe noch dülen nimmermehr findest Würtz wundarznei (1612) 232; ob du nits krachendes, bewegliches oder krummes empfindest, oder etwan buke, dulen und bogen gespürest ebda 278. — diminutiv: dülein im kinn grübchen Fischer schwäb. 2, 447; tuleni Friedli Bärndütsch 2, 14.
4) vereinzelt bedeutungsgleich mit dole 'abfluszrohr', vgl. DWB tülle sp. 1696: tull fossatum (15. jh.) bei Tobler Appenzell 144b; obcaecare fossas in agro graben oder tlen machen, dardurch das wasser laufft Frisius dict. (1556) 573a; hiernach auch Frisch (1741) 2, 376; tyələ, m., abzugsgraben, ausgemauerter abzugskanal Martin-Lienhart 2, 678 (neben dole und dolen ebda 677); dle, m., égoût (cloaca) Schmid Straszburg 29.
 
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tulen, vb., zausen, s. unter DWB tuseln.
 
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tulifäntchen, n., diminutivum zu tulifant (s. Weigand-Hirt 2, 1085), das wohl als formvariante zu tulipant 'tulpe, turban' zu stellen ist (s. u. DWB tulpe, formen [4 a] und vgl. schlesw.-holst. tulipantje Mensing 5, 178 s. v. tulp); entlehnung aus dem ital. (s. sprach-Brockhaus [1949] 707) ist nicht nachweisbar. 'weiche kleidung für neugeborene': das bändergeschmückte, federwollige tulifäntchen

[Bd. 22, Sp. 1692]


O. Müller stadtschultheisz v. Frankfurt (1856) 1, 99; für 'bänderschmuck' schlechthin:

.. bauer
ist ein groszer herre,
trägt einen gurt am bauche,
und auf seinem pelze
tuli- tuli- tulitulifäntchen
bunt
Alfr. Waldau böhm. granaten (1858) 1, 103 (übers. tschech. volksl.).

Immermann verwendet t. als ironische bezeichnung für einen däumerling mit dem ritterlichen tatendrang eines Don Quixote (vgl. nordfries. tûlepant 'allerweltskerl' Jensen 646):

Tulifäntchen heiszt der jüngling,
Tulifantens sohn; er rühmt sich
reinen bluts und edler eltern w. 12, 40 Hempel.


 
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tulipan(e), tulipant, tulipe(n), m., f., n., s. DWB tulpe und DWB turban und ihre composita.

 

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