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tugendweiser bis tulch (Bd. 22, Sp. 1687 bis 1689)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendweiser, m., führer zu tugend:

[Bd. 22, Sp. 1688]


der Römer frommer keiser,
der löblich Antonin, der helden tugendweiser
Neumark lustwäldchen (1652) 138.


 
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tugendweisheit, f., 'der rechte sinn für die tugend': überdas aber wollte der himmel ihm (Michelangelo) die wahre tugendweisheit zur begleitung ... geben Wackenroder herzenserg. (1797) 169.
 
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tugendwerk, n., 'tugendhafte tat, handlung':

schafft also das musenvolk, theils die redner, theils poeten,
dasz der tod das tugendwerk eines menschen nicht kan tödten
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 156;

mein vorsatz ist nie gewest, alle ... vorleuchtende tugendwercke unsers pyastischen fürsten ... zu loben Lohenstein lobschrift (o. j.) A 7a; da könnt ihr ruhig mit den tugendwerken fortfahren Keller ges. w. (1889) 6, 398. —
 
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tugendwert, m., in der neueren wertphilosophie (meist im plural): was von den sittlichen grundwerten galt, das gilt auch von den spezielleren sittlichen werten, den tugendwerten. sie sind die werte des menschlichen verhaltens selbst N. Hartmann ethik (1935) 379. —
 
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tugendziel, n.:

sich durch wollust nicht verweilen,
...
ist sein bestes ritterspiel
und gewisses tugendziel
Simon Dach 527 lit. ver.;

eine solche begebenheit kan keinen besondern lehrsatz machen, aber wol von demselben abtretten und das tugendziel übertretten Harsdörffer Heraclit (1661) 1, 599. —
 
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tugendzier, f., 'schmuck der tugend':

Tytirus, der treue schäfer,
redt von seiner tugendziehr
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 409;

wo ist der mann, wann wird er kommen,
den alle tugendzierden adeln
A. Grün ges. w. (1877) 2, 9.


 
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tugendzirkel, m., 'kreis der tugenden': so wird der wille nicht leichtlich von der tugend entfernet seyn, welche bestehet in der furcht gottes, und liebe des nechsten, als an zweyen enden, so den tugendcirkel schliessen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 6 (1646) K k 5a.
 
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tugendzucht, f., tugendhaftes verhalten, zucht: er sollte die gesetze lernen, lebte aber gantz ohne gesetze, und mehr nach der soldaten freiheit, als der gelehrten tugendzucht Harsdörffer geschichtspiegel (1654) 34;

also wächset auch bey vielen,
durch das oftbeliebte spielen,
kunst, verstand und tugendzucht
Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 7 (1647) )( )( )( 4b.

'erziehung zur tugend': zucht, disciplina, modus educandi ... tugendzucht Schottel haubtspr. (1663) 515.
 
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tugstein, m. , nebenform zu tuffstein, s. d., sp. 1550. seit dem 11. jh. belegt in handschriften des Heinrici summarium als duchistein, ducstam tofus ahd. gl. 3, 290, 64 St.-S.; dgstein thophus 3, 328, 10; in einem einzelglossar, ebenfalls des 11. jhs., abermals mit fugenvokal (vgl. Gröger kompositionsfuge 50) duchestein chilindrus vel tophus 3, 447, 33; in Prudentiusgl. tuchsteina pumices 2, 503, 11; bemerkenswert in ursprünglichem tugstein murices 2, 505, 8 korrektur des g in b: tubstein wird offenbar als korrekter empfunden. ebenso nhd. bis ins 19. jh.: pumex tugstein, reybstein, bymsstein Frisius dict. (1556) 1093a; 1315b; Maaler teutsch spr. (1561) 411b; Diefenbach gl. 587c; nov. gl. 473a; Harsdörffer poet. trichter (1647) 2, 177; Widerhold (1669) 345a; Stieler stammb. (1691) 349a; tuckstein Kramer hd.-nd. dict. (1719) 1, 74c. die entstehung des stammschlieszenden gutturals anstelle des labials ist schwer zu erklären; vgl. Lessiak beitr. z. gesch. d. dt. konsonant. (1933) 204. man könnte an kreuzung von ital. tufo 'tuff' mit tuffo 'das eintauchen' denken, so dasz die ursprüngliche form als tūchstein, nhd. tauchstein (s. d.) aufzufassen wäre, s. Falk-Torp 1297. möglich erschiene

[Bd. 22, Sp. 1689]


auch einwirkung des nd. und rhein. lautwandels ft > cht in tufftstein, dufftstein (s. sp. 1550) unter nachträglicher tilgung des t in schwerer konsonantenverbindung.
1) literarisch wie tuffstein verwendet: mit einem reybstein oder tugstein gletten Frisius dict. (1556) 1148a; das ander stuck ist zwey herrliche reyche steingrben: eine vber der Thur bey Helffenschwyl von schönen tugsteinen Stumpf Schweizerchron. (1606) 431a; wann der gemain stain oder tugstain oder anderin schwererin materin nit dar in kumpt Österreicher Columella 1, 123 lit. ver.; wie ein tugstein gelöchert Dentzler clavis ling. (1716) 292b; kalktuff ... unter den trivialnahmen tuch- und duckstein bekannt Zappe miner. hdlex. (1817) 2, 26. seitdem in der schriftsprache abgestorben. dagegen bewahren die maa. diese bildung länger: tempel mit dugstein gebuwen (1789) Schöpf Tirol 773; meist als duckstein Schambach Göttg. 50b; 'duffstein ..., nie tuffstein u. jetzt wol dafür ausschlieszlich duckstein. unter ducksteinen werden aber auch findlinge oder rollsteine verstanden' Gutzeit wörtersch. Livlands 1, 204; erst in jüngster zeit treten neben regelmäsziges tugstein formen mit ff von der schriftspr. her schweiz. id. 11, 898. vgl. duckstein teil 2, 1497; tungstein unten sp. 1789. — dazu adj.-ableitungen: tugsteinen; tophinus tugsteinin Frisius dict. (1556) 1315b; Maaler teutsch spr. (1561) 411b; Dentzler clavis ling. (1716) 810b; schweiz. id. 11, 900; tugsteinig: gelich gutt ist der tugstainig acker Österreicher Columella 1, 127 lit. ver.
2) name des bieres, das vom 16. bis an die wende des 20. jhs. in Königslutter am Elm (Braunschweig) gebraut und weithin exportiert worden ist; bezeugt als duckstein bei S. Hosemann regentensaal (1698) 722; duchstein Picander ged. 2 (1729) 545; duchstein, duckstein, tuchstein Noel Chomel öcon. lex. 3 (1750) 549: Königslutter, ein wegen Tilli a. 1626 über Christian IV. ausz Dannemark erhaltenen sieges berühmt kloster und stättgen. dort schenkten den tuchstein, ein dünn bier, das dem molle fast gleich kommt, aber noch süsz noch bitter noch sauer, scheint sehr gesund zu seyn A. Haller tageb. 83 Hirzel; er muste mir selbst gestehen, dasz er durch den vielen tuchstein sich noch mehr feurig und hitzig gesoffen A. Bernd lebensbeschr. 1 (1738) 300. in jüngerer zeit ausschlieszlich duckstein, s. auch teil 2, sp. 1497. nach dem gestein benannt, auf und aus dem der ort erbaut ist.
 
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tühnen, vb., s. u. DWB tünen.
 
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tulch, tülch, m., formvariante von twalch (s. dort, sowie bei Hoffmann v. Fallersleben schl. wb. 4): tülch lolium temulentum; man sol den tülch oder tort nemen, der unter dem weizen wechst Coler hausb. 119.

 

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