Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendtempel bis tugendvoll (Bd. 22, Sp. 1686 bis 1687)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendtempel, m.: (meine feder hofft weder hasz noch tadel auf sich zu laden,) weil selbige sie (d. leser) allerseits zugleich mit aus den tugendtempel in solche capellen führet, wo die laster, so sich in weibeskleider verhüllet, mit anzubauen gesuchet Amaranthes frauenz.-lex. (1715) vorr. ):( 6a; wo ein tugendtempel zu finden, dabey ist ... eine lasterkapell angebaut Butschky Pathmos (1677) 167. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendträne, f.:

kein menschenseufzer rühret mehr
und keine tugendthräne!
Herder 28, 80 S.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendtrieb, m., 'trieb, neigung zur tugend':

die hoffnung, freud und grosse lieb,
so sie zu deinen hohen gaben,
zu deinem fleisz und tugendtrib
von jugend auf getragen haben
I. M. Schneuber ged. (1644) 1, 124;

lasz mich den mentor auch, den weisen mentor ehren,
der, in der zarten brust den tugendtrieb zu mehren
und anzufeuern weisz
Gottsched neueste ged. (1750) 46;

was mir mehr an dir gefällt,
sind die edlen tugendtriebe
Triller poet. betracht. 2 (1746) 245;

sie werden sich erinnern, dasz jener sich die menschliche seele als eine baszgeige vorstellt; wer also, als er, hat es leichter begreifen können, dasz der tugendtrieb dem tone sol, und das nervengebäude dem tone ut gleich sey? (1757) Lessing 17, 110 L.-M.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendübung, f., wohl nur zufällig erst seit dem 18. jh. belegt: übung der tugend esercitio della virtù Kramer t.-ital. 2 (1702) 1770c; dasz selbst unter den Christen leute, die hierauf nicht gesehen, ihre anstalten zur tugend-übung so übel eingerichtet, dasz das meiste, was aus ihrer zucht kommen, verdorben Chr. Wolff vernünft. ged. v. gott (1724) 188; die liebe ... erscheint ..., wenn tugendübung sie gereinigt, ... als der trieb zum guten selbst Jacobi w. (1812) 5, 440; die einzige frage war: was heilt diesen schaden (das böse)? tugendübungen? Göthe I 22, 313 W.; der zweck unsers lebens ist tugendübung; tugend ist mehr, wie genieszen Novalis schr. 3, 245 Minor; Johannes ... habe die Juden angewiesen, in tugendübung ... sich ... zu vereinigen D. F. Strausz ges. schr. (1876) 3, 239. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendunterricht, m.: und der verbrecher ertheilt dem ehrlichen mann noch salbungsvollen tugendunterricht Kürnberger nov. 1 (1861) 222. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendverdienst, n.: da disz der himmel thut, was solte nit thun die erde und die menschen welt, welche von so hohen tugendverdiensten, den nutzen und so manche wolfart einärndet? Birken ostl. lorbeerhayn (1657), )( 5a. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendverehrer, m.: freudenausruf, siegeslied, schallt in hütten der tugendverehrer M. Mendelssohn ges. schr. (1843) 6, 303. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendverpflichtung, f.: es gibt nur eine tugendverpflichtung: aufmerksamkeit aufs gesetz überhaupt, aber viel pflichten Novalis schr. 3, 297 Minor.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendverrichtung, f., 'tugendhafte tat, handlung': deren unvergleichliche tugendverrichtungen, ... ein ganzes meer voller lob dinte ... fordern Birken ostl. lorbeerhayn (1657) )( 5a; die poeten haben der fama bey getichtet, dasz sie so wol in der linken, als rechten hand ein horn führen, und mit dem rechten der menschen tugendverrichtungen, mit dem linken aber die lasterthaten, ausblasen ... solle Neumark neuspr. teutscher

[Bd. 22, Sp. 1687]


palmbaum (1668) 358. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendverständig, adj., kennzeichnend für die verbindung von tugend und vernunft: ja um deszwegen, dieselbige (geschichte) desto verwunderlicher achten, dasz sie zwei kunst- und tugendverständige hertzen in solcher vollkommenheit vorstellet Stockfleth Macarie (1669) vorr. ):( ):( 3b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendvoll, adj., seltener als tugendreich (s. d.), in der bedeutung davon nicht verschieden: so geschahe es nun, ... dasz das angenehme gerücht seiner heiligen hochachtung nach zu dem groszen Gerhardo kam, der zu Deventer ein geistliches und tugendvolles leben führte Ruysbroeck schr. (1701) 1, 9; hat denn gott allen diesen und anderen mehr so grosze und heilige tugenden und tugendvolle heiligkeit verliehen Abr. a s. Clara w. 1, 77 Strigl; den segen ..., ein gehorsames, tugendvolles kind zu besitzen S. v. Laroche Sternheim (1771) 45 lit.-denkm.; wie er seinen eid gebrochen und eine untreue gegen seine tugendvolle gemalin begangen habe Tieck schr. (1828) 13, 116. zu sachlichem subjekt:

dasz dieser ... freund ...
den tugendvollen zweck ... erlangt
Stoppe Parnasz (1735) 365;

du sollst, so viel mir nur die schmerzen nicht verwehren,
den tugendvollen tod von meinen lippen hören
Gottsched dt. schaubühne (1740) 5, 63;

die fehler findt man auch bey tugendvollen herzen ebda 1, 64.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: