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tugendspruch bis tugendtat (Bd. 22, Sp. 1684 bis 1685)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendspruch, m., spruchartige formulierung von tugendlehren (s. d.): sie (die Lauretten) antworten ihm

[Bd. 22, Sp. 1685]


(dem liebhaber) auf seine liebeserklärungen mit tugendsprüchen Schwabe belust. (1741) 3, 316; durch das singen dringen die worte desto tiefer ins herz: daher die alten alle ihre lehren und tugendsprüche in verse brachten und sie sangen Sulzer theorie d. sch. künste (1779) 4, 185;

mit tugendsprüchen und groszen worten
gefällt man wohl an allen orten
Göthe I 16, 10 W.;

leute, die viel schöne tugendsprüche im munde führen Herberger Jesus Sirach (1698) 626b;

die kunst
der schlangenzunge, die mit warnung lockt,
verführt mit tugendsprüchen
O. Ludwig ges. schr. (1891) 4, 277.


 
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tugendsteg, m., 'weg, pfad der tugend': ach herr ... leite mich auff deinem tugendsteg Dannhawer cate. chism.-milch (1657) 10, 140; ich (Socrates) aber nöthige ... (die menschen) auf den rauhen tugendsteg Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 2, 498. als titel einer anweisung zur tugend: wie hr. Otto in seinem tugendsteg p. 974 schreibet d. wohlgeplagte priester (1695) 161. —
 
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tugendstern, m., als anrede: Neukirch ged. (1744) 9.
 
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tugendstolz, m., 'selbstgerechtes pochen auf eigene vollkommenheit': lassen sie uns insonderheit auf diesen tugendstolz acht haben. wer zu grunde gehen will, dieses gilt auch von der tugend, der wird zuvor stolz Gellert s. schr. (1784) 7, 96; wie reimt sich der tugendstolz ... zu dem ängstlichen gehorsam? Ludwig ges. schr. (1891) 5, 294; sie (die pflichtenlehre) kam dem hohlen tugendstolz entgegen Mommsen röm. gesch. 2 (1874) 417; er (d. sittl. wert des stolzes hat) mit müsziger selbstbespiegelung, oder auch nur selbstgefälligkeit, so wenig zu schaffen ... als mit dem gespreizten tugendstolz der stoiker N. Hartmann ethik (1935) 406. —
 
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tugendstolz, adj., 'selbstgerecht': wir sind viel zu tugendhaft, viel zu tugendstolz — uns kann die oberfläche genügen! Raabe s. w. I 2, 20; die sündigen volksmassen und ihre tugendstolzen führer in Judäa Pfleider entstehg. d. Christentums (1905) 62. —
 
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tugendstrahl, m., 'glanz der tugend', s. DWB tugendglanz, -licht usw.:

sie war, als sie noch war, ein sonnenbild auf erden,
das seinen tugendstrahl durch städt und länder gab
H. v. Aszig ges. schr. (1719) 103;

ach wäre mir, die tugendstralen
so dich verklären, abzumahlen
theils möglich, theils von dir vergönnt!
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 5, 171.


 
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tugendstrasze, f., 'weg, pfad der tugend':

der sich zusehr der keuschheit hielt verpflichtet,
Bellerophon, der auf der tugendstrassen,
durch rachgier einer frau sein leben muste lassen
Weidner Horaz (1690) 114.


 
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tugendstück, n., 'tugendhaftes werk': solche und dergleichen sinnbilder ... erwekken manchen guten gedanken, und kan dadurch manches tugendstükke und lobwürdige that artig vorgestellet werden Schottel haubtspr. (1663) 1107;

ein glücklich bubenstück,
heisst mancher ein tugendstück
Wille sittenlehre (1781) 143.


 
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tugendstufe, f.:

wer nicht die tugend-stuffen
besteigt, der ist kein Christ
Francisci d. letzte rechenschafft (1681) 45;

fasse den muth, dich hin zu denken auf eine jener hohen tugendstufen Bürger s. w. 397b Bohtz.
 
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tugendsystem, n., wissenschaftlicher terminus für eine systematische tugendlehre: das von Sombart so trefflich geschilderte neue bürgerliche tugend- und wertsystem Max Scheler abhandl. u. aufsätze (1919) 2, 265.
 
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tugendtat, f., 'werk der tugend' (s.tugendwerk): es geschiht offt, dasz ihnen, mitten im lauff ihrer tugendthaten, das lebensziel verkürzet ... wird Birken ostl. lorbeerhayn (1657) )( 3a;

[Bd. 22, Sp. 1686]


der sein hertze sonst auf nichtes, als auf tugendthaten neiget
Neumark neuspr. teutscher palmbaum (1668) 443;

war seine lebenszeit
nicht stets ein schaugerüst der schönsten tugendthaten
Pietsch geb. schr. (1740) 276;

ihn, der hohe tugendthaten übte,
seinen nebenmenschen beispiel gab,
ihn, den meine ganze seele liebte,
ach, verschlang das frühe grab
Hölty ged. 43 Halm;

von seinen (Shakespeares) tragischen figuren übt keine auch nur eine tugendthat O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 68. —

 

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