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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendschöne bis tugendspruch (Bd. 22, Sp. 1683 bis 1684)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendschöne, f., wie tugendschönheit, 'durch tugend erlangte vollkommenheit': wahrheit- und tugendschöne ist wie das sonnenlicht unwandelbar, würksam und erwärmend Herder 5, 650 S. abschätzig: die herren sind so hoch droben im empyreum transcendenter tugendschöne, dasz sie sich um kleinigkeiten hienieden nichts kümmern Göthe I 37, 213 W.
 
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tugendschönheit, f.:

tugendschönheit welcket nicht,
wie die haut geschminckter wangen
Knittel sinnenfrüchte (1677) 13.


 
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tugendschule, f., als äuszere einrichtung und innere formung: gedenket, dasz derselbe der gelehrteste ist, welcher in der tugendschul studiert hat Abr. a s. Clara w. 2, 154 Strigl;

wahr ist's, wohl erzogen werden
ist eine tugendschul'
Alxinger s. w. (1812) 6, 32;

die elenden vertheidiger des theaters, die es mit aller gewalt zu einer tugendschule machen wollen, thun ihm mehr schaden, als zehn Götze Lessing 17, 302 L.-M.
 
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tugendschweisz, m.:

wer mit unverdrosznem muht
seinem feind entgegen gangen,
...
ward gehalten wehrt zu prangen
in den edlen ehrenkrohnen,
die den tugendschweisz belohnen
Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) 42.


 
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tugendschwester, f.: die gelehrsamkeit mit ihren tugendschwestern Günther ged. (1735) 755. —
 
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tugendseele, f.:

soll das getreue hertz, die fromme tugendseele,
denn in der besten blüht schon in die grabeshöle?
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 4, 318.


 
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tugendselig, adj., 'glücklich im gefühl des gutseins': manche gemählde aus der leidensgeschichte Christi ... haben ... meinem inneren sinne tugendseligere gesinnungen eingeflöszet, als systeme der moral und geistliche betrachtungen Wackenroder herzenserg. (1797) 137.
 
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tugendsinn, m., 'tugendhafte gesinnung, liebe, gefühl für die tugend':

dorte seh' ich Telesillen
mit erfreutem tugendsinn
Neumark lustwäldchen (1652) 88;

wer mit geweihter brust
und hohem tugendsinn in unsre mitte trat ...
der sei gegrüsst mit heissem, seelenvollen gruss!
Heydenreich ged. 2 (1802) 124;

der sturz des (römischen) reichs, der eine unvermeidliche folge des erstickten schönheits- und tugendsinnes war

[Bd. 22, Sp. 1684]


J. G. Forster s. schr. (1843) 5, 242; sie wissen, dasz ich mit tugendsinn und tugendkraft widerstand Hermes f. töchter edler herkunft (1789) 3, 17;

o, der edle, hohe tugendsinn!
wird er nie vollendungskronen tragen?
geiszeln uns so zwecklos hundert plagen
durchs gewühl des lebens hin?
Tiedge w. (1823) 1, 21;

einst will ich sterben, wie du, möcht ichs mit dem hohen tugendsinn, wie du! Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 15, 106. —
 
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tugendsonne, f., 'glanz, licht tugendhaften lebens': es kan einer klüglich und wol regieren, und grosse ehre davon haben, bey den leuten; wie es denn billich, dasz ein solcher schatten der tugendsonnen folge Francisci d. letzte rechenschafft (1681) 1038. 'ein durch tugendhaftigkeit leuchtender, vorbildlicher mensch':

ach ja, da liegt die tugendsonne,
dein liebster schatz, dein ander-du,
dein' einge freud und hertzenswonne
...
und hat ein töchterchen gebohren
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 245.


 
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tugendspiegel, m. , mhd. nur in der form spiegel der tugend (z. b. Konrad v. Würzburg trojan. krieg 234 16); nhd. neben tugendbild, das im ganzen gleichbedeutend ist. zugrunde liegen die anwendungsmöglichkeiten von spiegel im bildlichen sinne, vgl. unter spiegel teil 10, 1, sp. 2231 ff.; s. auch DWB tugend III B 6 d.
1) regel, vorbild, muster tugendhaften lebens: zu aller erst hat er uns gottlob von den moralisch-politischen tendenzen befreit, von dem tugendspiegel Aristophanes Ruge s. w. (1847) 3, 110; die σοφία rückt in diesem geschichtlichen prozesz mehr und mehr zum inbegriff aller tugend auf. dasz hierbei ihr spezieller sinn verloren geht und schlieszlich ein inhaltlich verblasztes gebilde übrigbleibt, das halb tugendspiegel, halb schreckbild des moralisch lebendigen werden konnte, ist nicht zu verwundern N. Hartmann ethik (1935) 388.
2) vom menschen 'vorbild, muster in der tugend', auch ironisch: mercket allhier, wo der beste tugend-spiegel anzutreffen unter denen barbaren, oder denen so genannten christen Dippel abgewiesene fatale abfert. (1733) 169: er hält sie für einen tugendspiegel Hafner ges. schr. (1812) 2, 25; da wird es ein aufhebens geben, wenn der tugendspiegel wieder da ist Iffland dram. w. 3 (1798) 9;

darum schwatzt nicht aus der schule!
denn so mancher tugendspiegel
würde stracks zum sündenigel
Immermann w. 11, 276 Hempel;

verlassen dich, die ich so glühend liebe,
um an den tugendspiegel festgekettet
in freudenlosigkeit einsam zu trauern?
Grillparzer s. w. 10, 73 Sauer;

musterbürger und tugendspiegel in der sündigen hauptstadt Mommsen röm. gesch. 3 (1866) 156; einen tugendspiegel heiraten zu wollen, davon ist er weit ab Fontane familienbr. (1905) 2, 37.
3) sachlich, bildliche und schriftliche darstellungen tugendfesten lebens. spiegel ist seit dem mhd. geläufig der titel für bücher, vgl. unter spiegel teil 10, 1, sp. 2236: der teutsche tugendspiegel herrn Freinsheims (v. j. 1639) ist von solcher vierzeiligen reimart durch und durch beschrieben Schottel teutsche haubtspr. (1663) 933;

verlassend jetzt die marmorbilder
erklärt Wigand die farbigen schilder
'hier hebt der tugendspiegel an,
fürstliche ehren aufgetan!'
(gemeint eine reihe bilder mit überschriften wie gerechtigkeit,
fürstendank)
A. Grün ges. w. (1877) 4, 260.

bei dem titel eines fragmentarischen jugendwerkes von Göthe 'der tugendspiegel' (I 37, 55 W.) ist vermutlich eine gestalt des lustspiels, nicht das werk als spiegel gemeint, vgl. Göthe an Behrisch IV 1, 146 W.
 
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tugendspruch, m., spruchartige formulierung von tugendlehren (s. d.): sie (die Lauretten) antworten ihm

[Bd. 22, Sp. 1685]


(dem liebhaber) auf seine liebeserklärungen mit tugendsprüchen Schwabe belust. (1741) 3, 316; durch das singen dringen die worte desto tiefer ins herz: daher die alten alle ihre lehren und tugendsprüche in verse brachten und sie sangen Sulzer theorie d. sch. künste (1779) 4, 185;

mit tugendsprüchen und groszen worten
gefällt man wohl an allen orten
Göthe I 16, 10 W.;

leute, die viel schöne tugendsprüche im munde führen Herberger Jesus Sirach (1698) 626b;

die kunst
der schlangenzunge, die mit warnung lockt,
verführt mit tugendsprüchen
O. Ludwig ges. schr. (1891) 4, 277.

 

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