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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendrichter bis tugendscheinbar (Bd. 22, Sp. 1680 bis 1683)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendrichter, m.:

weh dir, seufzt' ich, wenn dich dein ehrenamt
zum tugendrichter todter frauen
an diesen pfahl verdammt!
Thümmel reise 10 (1805) 155


 
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tugendrose, f., vgl. DWB tugendblüte: der laster unkraut blümt mit tugendrosen sich Lohenstein Ibrahim sultan (1680) 12; die rose ist schön im lentzen, hie die schönste tugendrosz mitten unter den creutzdornen Dannhawer catech.-milch (1657) 5, 793. —
 
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tugendröselein, n.:

der schöpffer aller ding allein
hat jhn gezieret feine
mit manchem tugentröselein,
etlich sind grosz vnd kleine ...
die eine heiszet pietas,
das ander humilitas bei
Wackernagel dt. kirchenlied (1864) 5, 349.


 
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tugendruf, m., das ansehen tugendhaften lebens:

zahlt der von Gregersdorff dem tode pflicht und rechte;
so pflantzt der tugendruf hier stammbaum und geschlechte
Logau zeitvertreib (1725) 68;

... einen unbefleckten tugendruf,
den sie, leichtsinnig buhlend, von sich warf
Schiller 12, 484 G.


 
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tugendruhm, m., wie tugendehre, tugendlob, durch tugend erworbener ruhm, preis: doch so fern ihr nur dero tugendruhm zu verwundern, und ihren verstand zu erforschen, sie sprechen wollet, will ich mich eussersten bemühen Stockfleth Macarie (1669) 67; welche (Deutschen) ohne alle wissenschafft daherpralen, und fressen und sauffen für ihren tugendruhm achten Harsdörffer Diana (1661) 1, 114b; alle diese ihm gelegte fallstricke aber schlagen zu seinem tugend- und ehrenruhm aus Lohenstein Arminius (1689) 1, 1168; so kan auch der hohe tugendruhm gottesfürchtiger regenten nimmermehr vergehen Christhold andachten (1729) 529; da erweiset er seine mahlerische kunst ... in einer prächtigen herausstreichung des erhabenen und bewährten tugendruhmes Breitinger crit. dichtkunst in: Wackernagel dt. lesebuch 2 (1843) 14; der tugendruhm dieses hauses hatte etwas drückendes für ihn gehabt B. Auerbach landhaus am Rhein (1871) 2, 108.
 
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tugendsam, adj. , vgl. DWB tugendhaft, DWB tugendlich, tugendreich; zur schreibung mit -t, -d, -dt vgl. DWB tugendhaft und DWB tugend.
1) mhd. höfisch gesittet, edel:

a herre, ez (Tristan) ist ein Parmenois
so wunderlichen curtois
und also rehte tugentsam,
daz ichz an kinde nie vernam
Gottfried v. Straszburg Tristan 3279 R.;

dô er zuo der veste quam
dâ diu frouwe tugentsam
was inne bî der selben zît
Konrad v. Würzburg herzmœre 350 Schr.;

dâ sîn geselle tugentsam,
der künic, ûf mit hûse was
Konrad v. Würzburg Engelhard 5678 H.


2) in anlehnung an den mhd. gebrauch im frühnhd. formelhaftes beiwort vor allem für frauen meist höheren standes. die unterscheidung zwischen tugendsam u. tugendreich bei Harsdörffer scheint zufällig: erbare, tugentsame, liebe frawe Luther br. 8, 485 W.; anno 1539 den 15. julii starb die ehrliche, tugendsame matron, doctor Blickarts Syndringes hausfrau ders. tischr. 4, 441 W.; gleicher weise nennen sich die weiber demütig und nicht unterthänig, die geringen sind erbar und tugendsam, die höhern stands ehr- und tugendreich Harsdörffer teut. secretar. (1656) 1, (c) 1b;

[Bd. 22, Sp. 1681]


hoch- ehr- und tugendsam, herr richter steiff und fest
Chr. Reuter Schlampampe 62 ndr.;

gestern morgendts ist die gutte frome tugendtsame königin in Englandt morgendts umb 7 zu St. Germain gestorben (1718) Elisabeth Charlotte br. 3, 253 Holland; disz. ... ein jegliche... tugendsame matron ... lesen dörffte theatrum amoris (1626) ):( 5a; an das wohlehr- und tugendsame fräulein Katharina Fröhlich jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 1, 321. angelehnt an alten gebrauch: diesmal galt sein spruch dem wohl der tugendsamen sittigen hausfrau Alexis hosen (1846) 1, 138.
3) 'vortrefflich, ausgezeichnet, tüchtig', von menschen und sachen: war denn nicht derselbe ein tugendsamer soldat Abraham a s. Clara w. 1, 174 Strigl. rundgesang beim bischof:

herr wirt, die gläser voll geschenket,
als tugendsamer wirt!
es weidet nicht allein, es tränket
die heerd ein guter hirt
J. H. Voss s. ged. (1802) 4, 191;

unter den ersten und tapfersten hauptleuten befand sich Florin von Cellino ... daher finden wir eine gröszere wahrscheinlichkeit, dasz unsere stadt (Florenz) ihren namen von jenem tugendsamen manne herschreibe Göthe I 43, 14 W.; die kirche (hatte) klüglich einen mann in ihren kreis eingeschlossen, der unabhängigen geistes bisher auf einen zustand losging, worin das heilige mit dem weltlichen, das tugendsame mit dem alltäglichen sich vereinigen und vertragen sollte ebda I 32, 191 W.; der streich (die hinrichtung Karls I. von England), der die königswürde so tief niederlegte, zerstreute zugleich die königliche tugendsame sammlung. die ersten kabinette von Europa glänzen von diesem raube ebda I 49, 1, 277 W.
4) seit dem mhd. 'sittlich vortrefflich', in verschiedenen abstufungen bis zu 'bieder, fromm'; bei frauen so viel wie 'ehrbar, keusch':

und in den himel ebene
sîn heilic sêle tugentsam
vür gotes angesihte kam
Konrad v. Würzburg Silvester 519 G.;

und si (die engel des dritten chores, die virtutes) erwerbent dem menschen göttelich tugende: glǒbe, hoffenunge und minne. die menschen die in volgent unde in heimelich sint, die werdent als tugentsam das in tugende als licht und lústlich werdent als si ir wesen und ir nature si worden Tauler pred. 374, 2 V.;

und kan her der buchir nicht gelesin
...
und wolde doch gerne toguntsam wesin
und noch gudin sethin grabin,
so sal er zcu eyme spigele nemen
eynen fromen, setigin, wisin man
Joh. Rothe ritterspiegel 399 Neumann;

und gewiszlich das euangelion kein ergere feind hat, denn was hohe, vernünfftige, weyse, tugentsame, heylige let sind Luther 52, 71 W.; wem ein tugentsam weib bescheret ist, die ist viel edler denn die köstlichsten perlen sprüche Salomons 31, 10; ein geschickter verstendiger und nicht ungelarter, gar tugentsamer fürst Spangenberg chronica (1614) 39; vnd wird eine tugentsame fraw gewislich dergleiche herrschafft sich nicht anmassen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, F 2a; es hatte einer ein tugendsahm weib Olearius persian. rosenthal (1696) 68b; das erste ist, dasz ein fleissiger hausvatter alsobald sich bey denen benachbarten, sonderlich wo er weisz, dasz sie tugendsam und vernünfftig sind, bekannt und beliebt mache Hohberg georgica curiosa 1 (1682) 13; hingegen stehet denen weibern nichts bessers an, als sich tugendsam, keusch, fromm und häuslich aufführen ebda 3 (1715) 79a; ich hatte nur noch eine schwester von 15 jahren, die war sehr tugendsam erzogen Zendorius teut. winternächte (1682) 191; so dankt er den göttern, die ihn mit einem so frommen tugendsamen weibe beschenkt haben Wieland s. w. 22 (1856) 119 Göschen; er (gott) dir auch hat ein tugendsam weib gegeben, des lebest du noch eins so lange Göthe IV 2, 97 W.; sie werden

[Bd. 22, Sp. 1682]


sehen, wie er ehstens in einen sitt- und tugendsamen freund verwandelt seyn ... wird ders. I 37, 64 W.;

ich halts genehm, und dank euch für den antrag.
sohn Eduard, sie ist weis' und tugendsam,
drum zögre nicht, gieb deine hand an Warwick Shakespeare 8 (1801) 288;

Verona preiset ihn
als einen sitt'gen tugendsamen jüngling ebda 1 (1797) 41;

aber die jugendjahre sind die tugendsamsten, schönsten, aufflammendsten; ich verzeihe grade der jugend nichts schlechtes Rahel an ihre freunde (1834) 2, 18.
5) als beiwort zu sachlichen subjekten, lehre, wort, werk usw.:

die fünfftzig meister sie bekehrt
mit jrer tugentsamen lehr
Wackernagel dt. kirchenlied (1864) 3, 155;

ihr leben ist die schönste harmonie,
umglänzt von tausend tugendsamen thaten,
seht die belohnte tugend!
Schiller 1, 47 G.;

eine sehr heitere, lebhafte und tugendsame seele kann in einem kränklichen gehäuse wohnen Wieland s. w. 33 (1857) 212 Göschen; leider entdeckte man bald an herrn Johannes, nicht eine tugendsame, sondern eine unreine liebe zu dem jungen menschen Göthe I 43, 90 W.; als mönch sage er wohl die wahrheit, nicht als mensch, denn wer mensch und nicht mönch wäre, müszte sein wort unter allen umständen halten, in die er gerathen könnte, und so wollte ich auch mein einfaches und tugendsames wort nicht brechen ders. I 43, 314 W.
 
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tugendsamkeit, f., 'tugendhaftigkeit', tugendhaftes verhalten, leben, heute ungebräuchlich, vgl. togentsamkeit virtuositas (15. jh. md.) Diefenbach gl. 622b: und beger denn die ander säligkait die ist tugentsamikait Keisersberg pred. teutsch (1508) 21c; was eine beständige tugendsamkeit ist, was innerliche und wesentliche tugendlichkeit ist, das musz alles aus der gemeine, aus der ur-gemeine, aus der ersten kirche geholt werden Zinzendorf gemeine-reden (1748) 78. —
 
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tugendsamlich, adj., wie tugendsam: so wellen sey (die klosterleute) in ihr ruw und in irm closterleben stet beleiben und mit ettwaz iebungen tugentsamlich pilgrim des hailigen lands werden (1492) bei Röhricht pilgerreisen (1880) 282.
 
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tugendschatz, m., 'besitz, fülle an tugend': ihr ... den gott hat lassen erben der eltern tugend-schatz Rist neuer teutscher Parnass (1652) 640;

was zierten sie für tugendschätze!
Triller poet. betrachtungen (1750) 5, 38.

auch von tugendhaften menschen gesagt:

noch viele damen, wer könnt' alle wissen.
jedwede schön, ein tugendschatz fürwahr
Regis Bojardos verl. Roland (1840) 4.


 
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tugendschein, m.
1) glanz der tugend (vgl. tugendlicht):

es blitzet an der stirn der rechte tugendschein
Morhof ged. (1682) 11;

ihr (Rosettchens) geist, der lauter tugendschein
in allem thun vnd reden weiset Königsb. dichterkreis 86 ndr.;

heuchler, die in diesem leben
sich lediglich dahin bemüht,
den lastern tugendschein zu geben
Triller poet. betrachtungen (1750) 1, 111;

jedoch dein bild, mein herr, dein edler tugendschein
macht mich weit menschlicher
Gottsched dt. schaubühne (1740) 6, 46.

vom tugendhaften menschen gesagt:

kein frauenzimmer sol so weit beruffen werden,
als Karitillchen du, du ädler tugendschein
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 300.


2) anschein von tugendhaftigkeit: war das nur eine aus lauter tugendschein gewobene verhüllung? B. Auerbach schr. (1892) 6, 15; die meisten suchen ihren vortheil im

[Bd. 22, Sp. 1683]


tugendschein Fontane vor dem sturm 8682. —
 
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tugendscheinbar, adj., vereinzelt frühnhd. 'von tugend leuchtend', vgl. DWB edel vel tugentscheynbar insignis Diefenbach mlt.-hd.-böhm. wb. 157: der tugendscheinbaren frauen Gorgo ... und anderer tugendberümten frauen Fischart w. 3, 180 H.

 

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